Bewertung: 8

Review: #2.04 Die neue Therapeutin

Die Folge war ruhiger als die vorherige, dafür aber äußerst aufschlussreich. Dadurch, dass sich in Tara eine neue Spaltpersönlichkeit entwickelt hat, bekommen wir Antworten auf einige offene Fragen und gleichzeitig beginnt damit ein neuer, spannender Handlungsbogen, denn diese neue Persönlichkeit kennt Max und somit wahrscheinlich auch Taras gesamte Familie nicht. Diese Variante hatten wir noch nicht, da Taras bisherige Spaltpersönlichkeiten (abgesehen von Gimme, die wir kaum gesehen haben) beinahe so zur Familie gehörten wie Tara selbst.

It must be something psychological

Max hat bei der Schlägerei mit seinem Kumpel eine Menge Dampf ablassen können, aber offensichtlich ist er immer noch wütend, was ihm nicht zu verdenken ist. Schließlich ist er wirklich bislang der perfekte Ehemann und Vater gewesen. Dass er manchmal zuhause den Sheriff raushängen lässt, ist nachvollziehbar, wenn er über eine längere Dauer ständig damit rechnen musste, dass seine Frau nur physisch an seiner Seite ist, psychisch aber verschiedene Persönlichkeiten sich ständig etwas ausdenken, um ihn auf Trab zu halten. Max hat sich deswegen nie beklagt, ganz im Gegenteil, selbst wenn Charmaine ihn angestachelt hat, erwiderte er mit Nachdruck, dass ihm sein Leben mit seiner Familie gefällt wie es ist. Tara hat großes Glück mit diesem geduldigen Mann, trotzdem muss es für sie auch sehr anstrengend sein, in dem Wissen zu leben, dass in erster Linie ihr Zustand für das Stehen und Fallen der Harmonie in der Ehe verantwortlich ist. Solange ihre Multiple Persönlichkeitsstörung ruht, sind beide glücklich, sobald sich aber eine Spaltpersönlichkeit ein Eigenleben entwickelt, wie in diesem Fall Buck, ist in Taras Erwartungshaltung einprogrammiert, dass die Harmonie zerbrechen wird, weil sie glaubt, dass Max von ihr enttäuscht sei.

Max aber will nichts anderes als Offenheit und Ehrlichkeit. Ihn hat es weniger getroffen, dass Buck und Pammy offensichtlich eine Affäre miteinander hatten, das thematisiert Max nichtmal weiter. Ihn hat es furchtbar getroffen, dass Tara ihn hinsichtlich Bucks Auftauchen als solches belogen hat. Darin zeigt sich meines Erachtens, dass Max trotz der Wut, die wir so bei ihm noch nie gesehen haben, das grundgute Herz hat, das wir bisher bei ihm kannten. Er wird nicht ungerecht oder verletzend und wirft seiner Frau nichts vor, für das sie keine Verantwortung trägt. Hätte er sie auf Distanz gehalten und mit Liebesentzug bestraft, wäre ich sehr enttäuscht von diesem Charakter gewesen.

It may be something very physical

Liebesentzug ist hier sicherlich nicht das Rezept, ganz im Gegenteil. Vielmehr braucht Max den körperlichen Liebesakt, um seine Aggressionen endgültig abzubauen. Dabei muss aber betont werden, dass er sich in dieser Szene zwar verbal dominant zeigt, sich aber Tara gegenüber nicht aggressiv verhält. Als sie nämlich innehält, um zu sagen, dass sie nicht im Hubbard-Haus mit Max schlafen will, respektiert er das, und sie gehen gemeinsam in den Garten, wo man Tara auch anmerkt, dass sie ihren Mann in dieser Situation genau zu nehmen weiß. Hinterher in der Küche spürt man wiederum deutlich, als sowohl Kate wie auch Charmaine auf das Geschehen im Garten anspielen, dass es Tara durchaus nicht unangenehm ist, was da zwischen ihr und ihrem Ehemann vorgefallen ist.

That makes me feel the way I do whenever I’m in touch with you

Tara erhält nun äußerst wertvolle Impulse aus dem Buch der Therapeutin Shoshana Schoenbaum, die in New York praktiziert. Sie findet sich in den Beschreibungen wieder und erzählt Max glücklich, dass sie nun regelmäßig Therapiesitzungen am Telefon mit besagter Therapeutin hat. Was allerdings tatsächlich passiert, ist, dass Tara, nachdem sie in dem Buch gelesen hat, ein altes Telefon im Hubbard-Haus berührt und daraufhin Visionen von ihrer Kindheit hat. Was sie dabei sieht, ist sehr interessant. Sie sieht sich selbst und Charmaine als Kleinkinder, die pudelnass im Regen heimkommen. Charmaine trägt einen roten Regenponcho, wie wir ihn von Gimme kennen, während Tara von einer Frau namens Mimi gerügt wird, weil sie ihren nicht mehr trägt und nicht sagen kann, was mit ihm geschehen ist. Gimme könnte also Tara selbst als kleines Kind sein, und möglicherweise ist da etwas mit ihr geschehen, was ihre psychische Störung ausgelöst hat.

Der Gedanke, dass Taras Spaltpersönlichkeiten allesamt sie selbst in jüngeren Jahren bzw. andere Personen sein könnten, die es im wirklichen Leben gibt und die für Tara Schlüsselfiguren waren, liegt nahe, wenn man die Schlussszene dieser Episode betrachtet. Max geht der Stimme seiner Frau im Hubbard-Haus nach und trifft auf eine neue Spaltpersönlichkeit, mit Mittelscheitel und John-Lennon-Brille, die sich selbst als Therapeutin ausgibt. Offensichtlich ist Tara in die Rolle der Shoshanna geschlüpft und hält telefonische Therapiesitzungen ab. Somit könnte man sich also auch fragen, ob es ebenso eine wahre Alice und einen wahren Buck gibt und ob T eine Seite von Tara auslebt, die sie vielleicht in ihrer Teeniezeit unterdrückt hat. Die neue Spaltpersönlichkeit Shoshanna jedenfalls kennt Max nicht, was insofern interessant werden dürfte, da Taras bisherige Spaltpersönlichkeiten ja untereinander in Kontakt standen. Auch verspricht die Reaktion Shoshannas auf Taras Familie interessant zu werden.

I think it’s something strange and mystical

Marshall und Courtney erledigen in dieser Episode ihr erstes Mal in einer Stimmung, die an einen Zahnarztbesuch erinnert. Etwas das erledigt werden muss, aber niemandem großen Spaß macht. So unbeholfen und völlig ohne Romantik wie diese Kinder (man kann es nicht anders sagen) hier vorgehen, das hat schon etwas Rührendes. Nachdem sie fertig sind, weiß Marshall endgültig, dass er schwul ist und outet sich offiziell bei seinem Vater, der seinerseits nicht wirklich überrascht wirkt.

Kate ihrerseits fühlt sich immer mehr hingezogen zu Lynda, mit der sie ihren Phantasien als Prinzessin Valhalla freien Lauf lassen kann. Die beiden scheinen wirklich auf einer Wellenlänge zu sein, gleichzeitig ist Lynda aber eher im Alter von Kates Mutter und somit für Kate möglicherweise gerade ein Mutterersatz, da sie vor ihrer Mutter aufgrund der Sache zwischen Pammy und Buck zur Zeit den Respekt verloren hat.

Fazit

Der Song beim Abspann, aus dem die Zwischenüberschriften dieser Review stammen, passt hervorragend zu dieser Episode und zur Serie überhaupt. Bei Tara geht psychisch etwas vor, und diesmal haben wir einige Einblicke bekommen, die auf das Aufdecken der Ursache von Taras psychischer Störung deuten könnten.

Nicole Oebel - myFanbase


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