Bewertung: 9

Review: #1.10 Feuer unterm Dach

Oh, das war hart. Eine wirklich schlimme Erfahrung für einen Teenagerjungen, die Marshall hier durchmachen muss, und eine, die man wirklich niemandem wünschen möchte. Die Dinge, die durch Taras alternative Persönlichkeiten geschehen, nehmen doch langsam ein Ausmaß an, dass ich mir nicht mehr sicher bin, ob es weiterhin für sie und ihre Familie vertretbar ist, ohne ihre Medikamente auszukommen. Hinzu kommt, dass die Serie bisher nur ein sehr vages Bild vermittelt hat, wie das Leben der Familie aussah, bevor Tara auf die Medikamente verzichtete und das Auftauchen ihrer verschiedenen Persönlichkeiten in Kauf nahm, um wieder Herr ihrer Sinne zu sein, zumindest für einen Teil der Zeit. Die Gregsons vermitteln trotz aller Verrücktheiten, die durch Taras Zustand bestehen, einen durchaus normalen Eindruck, die Zeit mit Tara unter Medikamenteneinfluß hat zumindest auf den ersten Blick keinen bleibenden Schaden hinterlassen, zumal wir in der Hinsicht auch von keinem Familienmitglied etwas konkretes dazu gehört haben.

Mir ist natürlich klar, dass die Serie Taras alternative Persönlichkeiten aus puren Existenzgründen braucht, aber dennoch bin ich sehr gespannt, ob das Thema Medikamente in der nächsten Folge zumindest einmal diskutiert wird. Und es gibt ja nicht nur das akute Problem, welches durch Ts vollkommene Rücksichtslosigkeit und Ruchlosigkeit entstanden ist, da ist ja auch noch Gimme, der oder die hier zum zweiten Mal nach dem Vorfall mit Taras Eltern auftaucht, da Tara in ihn (ich nutze der Bequemlichkeit halber einmal die männliche Variante, auch wenn das Geschlecht noch nicht geklärt ist) transformiert, als sie von der Masseuse berührt wird. Max erklärt Gimme als animalische Variante Taras, als primitive Lebensform, die sich in bestimmten Situationen manifestiert. Ich frage mich ja, ob Gimme nicht vielleicht sogar das älteste von Taras Alter Egos ist. Denn ich glaube nicht, dass die DIS "erst" durch den ominösen Vorfall in der Privatschule, dem Max bisher auf der Spur ist, entstanden ist. Ich vermute eher, Gimme gibt es schon viel länger und er entstand vielleicht als Tara noch wesentlich jünger, ein kleines Kind vielleicht und in gewissem Sinne eben auch primitiver war. Aber das sind bisher alles nur Vermutungen meinerseits und ich gehe davon aus, das der Zuschauer demnächst auch mehr über Gimme erfahren wird, jetzt wo die ganze Familie Bescheid weiß.

Neben dem erneuten Auftauchen von Gimme bringt der Vorfall aber auch ans Licht, dass Taras Persönlichkeiten nicht erst wieder zu ihr selbst zurückwechseln müssen, sondern direkt ineinander übergehen können, wie es hier von Gimme zu T der Fall war. Vielleicht, weil T diejenige unter ihnen ist, die sich am wenigsten ob der Situation schämen wird? Jedenfalls war dies das erste Mal für solch einen direkten Übergang im Verlaufe der Serie bisher. Und Tara erzählt, dass sie sich neuerdings auch ein wenig an Dinge erinnert, die einem ihrer Alter Egos zugestoßen sind, in diesem Fall Kates Worte beim Tätowierer, die durch Ts Fassade hindurch bis zu Tara vorgedrungen sind. Dieser Fortschritt in ihrem Krankheitsverlauf führt für Tara nun aber dazu, dass ihre Therapeutin Dr. Ocean ihr vorschlägt, zu einem ihrer Kollegen zu wechseln, der Spezialist auf diesem Gebiet ist. Ich finde das ja durchaus eine gute Idee. Dr. Ocean kommt mir doch in vielem arg überfordert mit Tara vor und auch Maxs Versuche, mehr Unterstützung in seiner Situation zu erhalten, sind ja damals nach dem ersten Auftauchen Gimmes kläglich gescheitert. Und auch wenn Tara sich zurückgewiesen fühlt und die Ankündigung Dr. Oceans sicherlich einen großen Teil zu ihrem letzten Ausbruch beigetragen hat, so hoffe ich doch auf lange Sicht, dass sie von einem neuen Therapeuten bessere Hilfe erhält.

Aber kommen wir nun zum eigentlich Ereignis der Episode, der "Angriff" Ts auf Jason und damit unmittelbar auf Marshall. Ich war so froh, dass Jason nach dem Kuss vom letzten Mal offenbar cool mit der Situation umgeht, und es war doch sehr aufschlussreich durch Ts Befragung von Jason klipp und klar zu erfahren, dass der durchaus ehrliches Interesse an Marshall hat, aber alles was danach kam, war einfach nur grausam. Ich habe zum einen immer noch Probleme damit, dass Jason wirklich an T als Teenagermädchen glaubt, aber nehmen wir dies mal für einen Moment als gegeben hin, ist es natürlich auch von seiner Seite aus ein starkes Stück, da in Marshalls Garten mit einer anderen zu knutschen (davon, dass es sich dabei um dessen Mutter handelt, wollen wir ja gar nicht erst anfangen). Das bringt den eh schon untergründig schwelenden Konflikt zwischen Marshall und T zum endgültigen Ausbruch und Marshall dazu, Ts Laube in Brand zu setzen. Das Schlussbild der Episode mit Marshalls stoischem Blick auf die brennende Laube ist eines der einprägsamsten Bilder der noch jungen Serie. Toll gespielt von Keir Gilchrist, der eh bisher eine großartige Vorstellung in "Taras Welten" abliefert.

Und dies bringt mich wieder zu dem Gedanken, dass es einfach unheimlich viel ist, was die beiden Kinder (und natürlich auch Max, aber für ihn ist die Situation noch ein klein wenig anders, da er sich ja doch mehr auf freiwilliger Basis in der Beziehung befindet, als es bei den Kindern der Fall ist) hier aushalten müssen. Und besonders T ist eine Zumutung (zumindest empfinde ich sie als Zuschauer als solche), der Marshall und Kate dauernd ausgesetzt sind. Ich bin wirklich gespannt, ob und wenn ja welche Konsequenzen dieser letzte Vorfall nun haben wird.

Neben dem großen Thema um Taras Persönlichkeiten wird auch die "wunderbare Romanze" zwischen Kate und Gene ein wenig weitergesponnen. Kate entdeckt ihr Foto in Genes Schreibtisch und ist doch ziemlich von den Socken von dessen Besessenheit. Sie erwägt nun, gegen ihn wegen sexueller Belästigung vorzugehen, allerdings nicht nur aus reinen Beweggründen, schließlich haben andere aus ähnlichen Situationen schon reichlich Profit geschlagen. Was Gene und dessen wahrlich verstörende Neigungen angeht, weiß ich ja immer nicht, ob dies der Versuch der Serie ist, die nötigen Lacher pro Episode unterzubringen (schließlich ist "Taras Welten" ja als Comedy-Serie offiziell klassifiziert) und seine Ticks just for fun eingebaut sind, oder ob das ganze durchaus ernst gemeint ist. Hier fällt es mir wirklich schwer, irgendwie einen Bezug zum Geschehen aufzubauen, da ich es so überhaupt nicht einordnen kann. Nate Corddry liefert eine wirklich überzeugende Darbietung als Creepy-Gene ab und Brie Larson ist die Personifizierung des lakonischen Teenagers, aber dennoch sind die Szenen der Serie, die sich mit diesen beiden beschäftigen, für mich immer wieder die Schwachstellen.

Aber abgesehen davon war die Episode wirklich eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die neben der geballten Emotionalität einiges an Erkenntnis gebracht hat. Die Situation der Familie Gregson spitzt sich weiter zu und ich bin wirklich mehr als gespannt, wie es nun weitergeht. Und da auch mein einziger kleiner Kritikpunkt, Gene und Kate, nur wenig Raum eingenommen hat, und Kate ebenso wie Charmaine mehr damit zu tun hatte, die neuen Informationen rund um Tara zu verarbeiten, rechtfertigen diese also für mich nicht, dieser Folge Punkte abzuziehen und so verteile ich gerne die Bestwertung für eine wirklich tolle Episode.

Cindy Scholz - myFanbase

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