Bewertung: 8

Review: #1.09 Reiseandenken

Tara ist über Max' Bemühungen, dem traumatischen Ereignis aus ihrer Vergangenheit, das die Persönlichkeitsstörung ausgelöst hat, auf die Spur zu kommen, alles andere als erfreut. Sie macht Max klar, dass er nicht der Sheriff und sie nicht seine Stadt ist, in der er für Recht und Ordnung sorgen muss. Das stimmt allerdings. Tara ist keine Stadt – sie ist ein ganzer Staatenbund.

Gemeinsam mit Kate, die dem anhänglichen Gene zu entkommen versucht, macht Tara einen Ausflug, dessen Erholungswert allerdings rapide nachlässt, als Kate auf Lolita macht und mit einem älteren Mann anbandelt. Ein solches Verhalten kennen wir inzwischen von Kate. Sie ist ein schwieriger Teenager auf der Suche nach dem richtigen Weg im Leben und benutzt dabei Sex ziemlich leichtsinnig als Mittel zur Rebellion. Welche Folgen dies haben kann, zeigt sich an Gene, der sich mehr und mehr zu Kates Stalker entwickelt. Er marschiert recht ungeniert ins Haus der Gregsons, um die vermeintlich kranke Kate mit kleinen Präsenten zu beglücken, und stiehlt ein Kinderfoto von ihr. Er hat offensichtlich nicht mehr alle Pommes in der Friteuse.

Kates Verhalten auf dem Ausflug beschwört fast schon erwartungsgemäß Taras Teenager-Persönlichkeit T herauf. Immerhin sieht Kate ein, dass sie die Verantwortung trägt, und heftet sich an T's Fersen. Diese will sich eine nicht unbedingt brave Tätowierung an einer nicht wirklich sittsamen Stelle stechen lassen. Kates Versuch, T bewusst zu machen, dass sie nicht einfach Taras Körper verschandeln darf, da sie darin nur Gast ist, bleibt zunächst erfolglos. Man kann sich in Kates Situation gut hineinversetzen. Sie weiß, dass ihre Mutter eine solche Tätowierung auf keinen Fall haben möchte, doch T hat die Kontrolle und in den Augen des Tätowierers ist sie eine erwachsene Frau, die jedes Recht der Welt hat, ihren Körper mit dem Schriftzug "Shit" zu verzieren. Er kann Kate nicht helfen. Um einer solchen Lage in Zukunft zu entgehen, müsste Tara entmündigt werden, so dass sie – und damit auch alle ihre alternativen Persönlichkeiten – nicht mehr geschäftsfähig wären, doch sobald Tara wieder zum Vorschein kommt, erscheint einem eine solche Maßnahme viel zu radikal und erniedrigend. Das ist die Tücke bei dieser Art der Geistesstörung.

Der Schmerz, den die Tätowierungsnadel beim ersten Stich verursacht, holt Tara schließlich wieder zurück. Ob körperlicher Schmerz immer diese Wirkung hat? Nach den bisherigen Eindrücken muss man dies klar verneinen, denn wir haben bereits gesehen, wie sich Buck geprügelt und sich auch sonst körperlich Einiges zugemutet hat, ohne dass Tara dadurch wieder zum Vorschein gekommen ist. Eine Persönlichkeit wie Buck scheint letztlich ja auch den Zweck zu erfüllen, härter und widerstandsfähiger zu sein, als Tara es ist.

Am Ende lassen sich Tara und Kate anständige Tätowierungen an züchtigeren Stellen stechen. Solche Momente, in denen Tara und Kate einfach Spass zusammen haben, sind selten und kostbar.

Zwischen Marshall und Jason sind endlich Fortschritte zu vermelden, auch wenn deren Wert noch nicht eindeutig ist. Marshall hat den ersten Schritt gemacht und Jason geküsst, der dies nach kurzem Zögern erwidert. Beide reagieren danach erstmal verunsichert, was aber durchaus normal ist. Jasons Erzählungen über die Strenge seiner Eltern, die ihm nie etwas erlaubt und ihn eher lieblos erzogen haben, lassen aber auch den Verdacht aufkommen, dass sein Interesse an Marshall eher darin begründet liegt, heimlich gegen seinen Vater, den Pfarrer, der bekanntlich das homophobe Theaterstück "Hell House" inszeniert, und seine Mutter aufbegehren zu wollen und endlich einmal etwas zu tun, was beide zutiefst ablehnen. Auch das ist ein nachvollziehbares Verhalten bei einem Teenager, aber für Marshall wäre es natürlich schade.

Maret Hosemann - myFanbase

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