Bewertung: 5

Review: #1.28 Wir sind die Kraken unserer eigenen sinkenden Schiffe

Ich bekomme langsam das Gefühl, dass die "Switched at Birth"-Autoren sich in den Kopf gesetzt haben, konsequent nur an jeder zweiten Folge mit ganzem Herzen zu arbeiten und so nur alle zwei Wochen eine wirklich überzeugende und schöne Folge herauszuholen. In dieser "Switched at Birth"-Folge überwiegen nämlich, im Gegensatz zu letzter Woche wieder Kopfschüttel-Momente und nur wenige Szenen wissen, richtig zu fesseln und zu begeistern.

"She won't miss cake if you give her ice cream."

Fangen wir doch direkt mal mit der Storyline an, die im Moment das meiste Nerv-Potential hat: Bay und ihr Streben nach Anerkennung als Künstlerin und dadurch neuen Freundschaft mit der dubiosen Zarra. Sie hat sich in dieser Woche da in ganz schön was hineinmanövriert, denn Zarra ruft Bay überraschend an und bittet sie, ihr aus dem Gefängnis zu helfen. Dass Bay in dem Moment etwas hin- und her gerissen war, konnte ich natürlich irgendwie verstehen, denn Zarra ist ihre Freundin und es ist verständlich, dass sie ihr helfen möchte. Dass sie aber dafür in den Büro-Safe ihres Vaters eindringt und zwei andere, unschuldige Menschen da mit hineinzieht, finde ich absolut unverständlich. Der erste Leidtragende war in diesem Fall Alex, Bays Freund aus #1.23 This is the Color of My Dreams, den Bays Eltern überraschend eingeladen haben, um ihren Umgang wieder zu verbessern. Zu dem Groteskheitsgrad dieser Idee komme ich später noch. Bay macht Alex recht schnell unmissverständlich klar, dass sie keineswegs mehr an ihm interessiert ist, benutzt ihn allerdings als Alibi ihren Eltern gegenüber. Dies ist schon relativ frech, ihren absoluten Tiefpunkt erreicht Bay allerdings, als sie im Büro ihres Vaters auf Travis trifft und ihn bittet, für sie das Geld zu entwenden. Ich muss sagen, dass mir Travis bis zur letzten Folge relativ unsympathisch war, doch mittlerweile kann er einem einfach nur noch Leid tun. In seinem Zuhause scheint es wirklcih schrecklich zu sein, wenn er schon bei John im Büro schläft, und jetzt zieht ihn Bay auch noch in so etwas hinein. Anständig wie er ist, wird er Bay bestimmt nicht verpetzen und ich sehe schon eine Kündigung deshalb kommen.

Ich konnte in dieser Folge über Bay wirklich nur den Kopf schütteln und hoffe sehr, dass sie aus der Tatsache, dass Zarra sie nicht nur angelogen und ihr unwissentlich auch noch das Geld für die Freilassung eines Kumpels abgeknöpft hat, sondern ihr mit Sicherheit das Geld auch nicht wiedergeben wird, lernen wird. Denn so geht es einfach nicht weiter mit ihr.

"The perfect children"

Kathryn und John spielten in dieser Folge eine eher untergeordnete Rolle. Trotzdem waren ihre Interaktionen mit den Eltern des "perfekten" Alex nett mit anzusehen und ich habe die vertrauten Szenen zwischen den beiden sehr genossen. Sie wissen einfach nicht weiter, was Bay angeht, und auch wenn sie da mein vollstes Mitgefühl haben, war ihre Idee, Bay wieder mit Alex zu verkuppeln, wirklich idiotisch. Andererseits, großen Schaden konnten sie damit auch nicht anrichten, insofern kann man das Ganze mal als "gut gemeint" stehen lassen.

"I can handle being with a woman in a fake marriage. I just can't handle being with a woman in a real one."

Bei dem Essen mit Alex und seinen Eltern war auch noch ein Paar dabei, das wir so lange nicht mehr zusammen gesehen haben: Regina und Patrick. Mich hat es gefreut, Patrick immer noch an Reginas Seite zu sehen, doch offenbar diente sein Wiedererscheinen nur dazu, die beiden endgültig voneinander zu trennen Dass Patrick Reginas Ehe mit Angelo nicht gutheißt, kann man wirklich gut verstehen. Doch sein Ärger darüber kam in dieser Folge etwas unvermittelt und erschien recht irrational, denn Regina hat sich wirklich Mühe gegeben, Angelo nicht einmal zu erwähnen. Jetzt scheint es aber so, als hätte sich Patrick endgültig von Regina getrennt, was den Weg für eine sehr vorhersehbare Regina/Angelo-Beziehung frei macht. Irgendwie habe ich darauf keine große Lust, denn es hat mich überhaupt nicht gestört, dass wir Angelo in dieser Woche nicht zu Gesicht bekommen haben.

"I just got so tired of letting this horrible thing that happened consume my entire life, so I decided to let it go."

Was mich allerdings gestört hat, war, dass wir jemand anderen nicht zu Gesicht bekommen haben. Jemanden, der die Serie meiner Meinung nach so bereichert, dass man ihn besser ganz viel zeigen sollte. Ich spreche natürlich von Emmett. Die ganze Folge über fragte ich mich schon, wo er steckte, doch immerhin war der Abschluss der Folge, in dem er dann kurz erschien, umso besser. Doch fangen wir mal von vorne an: Toby schien es in dieser Woche schon besser zu gehen und er unternahm viel mit seiner neuen Bekanntschaft Nikki. Diese gefällt mir wirklich gut und ich hoffe, dass wir noch viel von ihr sehen werden. Was ich allerdings nicht erwartet hätte, war die Geschichte, die sie unvermittelt ausgepackt hat: Ihr Vater wurde vor langer Zeit von einem Verbrecher erschossen, den die Polizei nie schnappen konnte. Diese Horrorgeschichte ließ mich mit einem geschockten Gesichtsausdruck zurück und ließ auch Toby, dem sie es erzählte, absolut nicht kalt. Mittlerweile scheint Nikki, wenn sie so etwas auch nie ganz überwinden kann, zumindest Frieden mit der Situation geschlossen haben, was sie Toby in einem Lied bewusst macht. Die Botschaft hinter diesem Lied war vollkommen klar: Schließe mit dem Vergangenen ab und schaue nach vorne.

Das macht Toby dann auch, indem er am Ende Emmett aufsucht und ihm vorschlägt, die alte Band wieder aufleben zu lassen. Mit diesem Besuch hätte ich persönlich nicht gerechnet und ich fand ihn ganz großartig von Toby. Dass er durch Nikki beginnt, alles hinter sich zu lassen und möglicherweise Emmett zu verzeihen, hätte ich zwar noch gedacht, dass er aber gleich schon wieder in Richtung Freundschaft mit diesem geht, hat mich absolut positiv überrascht. Ich freue mich sehr auf die neue Band und bin gespannt, wie die Interaktion zwischen ihm, Emmett und Nikki ablaufen wird. Apropos Nikki: Sowohl Toby als auch der Zuschauer muss in dieser Folge außerdem schmerzlich erfahren, dass Nikki einen Freund hat. Dies hätte ich ebenfalls nicht erwartet, überrascht mich aber eher negativ als positiv. Zwar wird diese Enthüllung sofort dadurch etwas abgeschwächt, dass es sich "nur" um eine Fernbeziehung handelt, die sozusagen schneller für Toby beendet werden kann, trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack. Denn so wird daraus bloß eine klassische "Toby bekommt Mädchen, das erst einmal erkennen muss, dass er toller ist als ihr Freund in der Ferne"-Geschichte und keine "katholisches Mädchen, das eigentlich keinem Jungen zu nahe kommen will und sich dann aber doch verliebt"-Story, die ich viel spannender gefunden hätte.

"I have to treat you just like any other employee even though I just want to kiss you right now."

Zu guter Letzt hätten wir da noch Daphne und ihre aufkeimende Beziehung zu ihrem Chef Jeff, auf die ich mich in dieser Woche besonders gefreut hatte. Wie zu erwarten, versucht Jeff sich zunächst etwas gegen diese Verbindung zu wehren, allerdings nicht so richtig. Schon am nächsten Tag küssen sich die beiden erneut und es ist klar, dass er aufrichtiges Interesse an Daphne zeigt. Das hat mich sehr gefreut, denn ich gönne es Daphne von Herzen.
Allerdings gibt es da jemanden, dem das alles nicht so gut gefällt und das ist Scuba. Als er in der Küche Mist baut und Daphne bittet, die Schuld auf sich zu nehmen, ahnte ich schon Böses. Jeff kommt allerdings recht schnell hinter das Ganze und feuert erwartungsgemäß Scuba. Dieser ist natürlich mehr als wütend darüber und outet die Beziehung von ihm und Daphne. Dieses Outing läuft viel weniger dramatisch ab, als ich es gedacht hätte und ich hoffe sehr, dass es damit noch nicht vorbei ist. Vor allem hoffe ich, Scuba, der in dieser Folge Daphne nach einem Date fragte, weiterhin zu sehen und möglicherweise ein Liebes-Dreieck entstehen zu lassen. Doch momentan sieht es noch nicht danach aus. Insgesamt wurde dieser Handlungsstrang irgendwie weniger spannend weiter geführt, als ich gehofft hatte, doch ich glaube, wir haben noch lange nicht das Letzte davon gesehen.

Fazit

Eine sehr durchschnittliche Folge, die das Potential, das durch die unterschiedlichen Konstellationen und Background-Geschichten durchaus vorhanden ist, absolust nicht ausgenutzt hat. Da eben dieses Potential aber gegeben ist, bin ich für die nächste Woche guter Dinge und wenn man sich den Rhythmus mal ansieht, müsste uns in der nächsten Woche ja auch wieder eine viel bessere und interessantere Folge erwarten.

Klara G. - myFanbase

Diese Serie ansehen:


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier oder in unserem Forum mit anderen Fans von "Switched at Birth" über die Folge #1.28 Wir sind die Kraken unserer eigenen sinkenden Schiffe diskutieren.