The Village - Review des Piloten

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Seit dem riesigen Erfolg des NBC-Hits "This Is Us" sind Taschentuchalarm-Serien en vogue. ABCs Beitrag "A Million Little Things" wurde daher natürlich prompt als Versuch gesehen, auf den Erfolgszug aufspringen zu wollen. Der Zuspruch für die Serie, die eher die Freundschaft statt die Familie in den Fokus nimmt, fiel sehr gering aus, mit einem Sendeplatzwechsel in den Schatten von "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" hat man aber ein treues Publikum um sich geschart, so dass die Serie inzwischen sogar verdient um eine zweite Staffel verlängert wurde. Nun folgt mit "The Village" also das nächste Projekt, das das Herz der Zuschauer mit anrührenden Geschichten berühren sollen. Diesmal werden die Vorwürfe der Nachahmung wohl still bleiben, denn immerhin ist die neue Serie ebenfalls aus dem Hause NBC, so dass man hier eher ein Profil schärft beziehungsweise einen würdigen Nachfolger sucht, wenn "This Is Us" in zwei Wochen seine dritte Staffel beendet. Den Auftakt darf "The Village" aber im Schatten der Erfolgsserie feiern, da man sich bei dem Sender sicherlich einen Quotenschub erhofft. Wie aber schlägt sich die Serie qualitativ?

Die Handlung spielt in einem Gebäudekomplex in Brooklyn, das als The Village bekannt ist. Die Serie verfolgt das Leben einiger Bewohner, die sich nach einem anstrengenden Arbeitstag alle auf dem Dach einfinden, um ihre Geselligkeit zu genießen. Darunter sind die Krankenschwester Sarah (Michaela McManus, "One Tree Hill") und ihre jugendliche Tochter Katie (Grace Van Dien, "Greenhouse Academy"), die mit einer ungewollten Schwangerschaft zu kämpfen haben. Nick (Warren Christie, "Chicago Fire") und sein treuer Hund Jedi kehren jeweils mit einem Bein weniger aus dem Krieg zurück und haben mit ihrem neuen Leben zu kämpfen. Ron (Frankie Faison, "Good Wife") und Patricia (Lorraine Toussaint, "Rosewood") sind Herz und Seele des Gebäudes. Ron kontrolliert als Hausmeister alle Begebenheiten und Patricia steht stets mit ihrem mütterlichen Rat zur Seite, bis sie aufgrund einer Diagnose selbst Unterstützung braucht. Ava (Moran Atias, "Atlanta Medical") ist vor einigen Jahren aus dem Iran geflüchtet und ihr droht die Abschiebung. Sie ist froh, dass sich Ben (Jerod Haynes), der als Polizist tätig ist, um ihren Sohn Sami (Ethan Maher) kümmert. Der Jurastudent Gabe (Daren Kagasoff, "The Secret Life of the American Teenager") bekommt unerwartet einen Mitbewohner, als sein Großvater Enzo (Dominic Chianese, "Die Sopranos") bei ihm einzieht.

Alleine die Auflistung der ganzen Charaktere zeigt schon sehr deutlich, dass es sich um eine großen (in jedem Fall aber schon einmal guten!) Cast handelt, so dass im Piloten einiges passiert, zumal die Charaktere auch untereinander und in den unterschiedlichsten Konstellationen interagieren. Hier merkt man deutlich, dass zunächst nur jeweils ein größerer Handlungsbogen eingeführt wird, was aber natürlich noch bei Weitem nicht ausreicht, um für die dargebotenen Figuren ein richtiges Gefühl zu entwickeln. Dennoch erkennt man schon alleine durch die Ansätze, dass es viel mit den Figuren zu entdecken geben wird, weil sie alle eine Geschichte haben, die es wert ist, erzählt zu werden. Sehr dominierend ist sicherlich die Mutter-Tochter-Beziehung von Sarah und Katie, die sehr rund erzählt wird und dabei unheimlich echt wirkt. Dennoch fallen die anderen Handlungsbögen in ihrer Qualität nicht ab, aber sie werden erst ihre richtige Wirkung entfalten, wenn die einzelnen Charaktere mehr Profil erfahren durften.

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In meiner Review zum Piloten von "A Million Little Things" hatte ich bemängelt, dass die Serie zu sehr auf die Tränendrüse drücken wollte und dabei nicht authentisch rübergekommen ist. Diesen Vorwurf kann ich "The Village" eher nicht machen. Sogar fast schon im Gegenteil: an manchen Stellen hätte man sich weniger Masse anstelle von Intensität an Szenen gewünscht. Aber mir ist es so herum lieber, da das Potenzial (wie bei Sarah und Katie zu sehen) definitiv da ist und ich bin überzeugt, kennt man die einzelnen Figuren erstmal besser, kommt das Gefühl von ganz alleine hinzu. In jedem Fall kann ich schon einmal festhalten, dass die angedeuteten Handlungsentwicklungen sehr unterschiedlich, aber alle wie aus dem wahren Leben genommen wirken. Es ist also nicht abzusehen, warum die Serie auf Dauer nicht authentisch wirken sollte. Die entsprechende Atmosphäre wird auf jeden Fall durch aktuelle Pop- und Rocksongs erzeugt, hier gelingt die Balance gut.

Einen großen Vorteil bei "The Village" sehe ich darin, dass es eine echte Familiensendung sein kann, bei der sich alle Generationen vor dem Fernseher einfinden, wie es beispielsweise jahrelang bei Serien wie "Everwood" oder "Gilmore Girls" gelungen ist. Hier sind Geschichten und Figuren von allen Generationen vereint und vermischt. Während "A Million Little Things" und "This Is Us" eher den Fokus auf der mittleren Generation haben, die mit Karriere und Familienplanung mitten im Leben stehen, findet man bei "The Village" alles. Die klassischen Probleme einer Jugendlichen sind hier genauso zu finden wie die Konfrontation eines Seniors mit dem Tod. Und dazwischen sind mit Erkrankungen, gesellschaftlichen Konflikten und Heimatsuche Themen dabei, die alle Generationen angehen. Daher bin ich überzeugt, dass die Serie auf Dauer ein solides Drama werden könnte, das sich jetzt aber erst noch eingrooven muss, um seinen ganz eigenen Ton zu finden.

Fazit

"The Village" überzeugt mich in seinem Auftakt mit einer sehr familiären Atmosphäre, die alle Generationen auf dem Sofa zusammenbringen könnte. Zwar bleibt vieles noch oberflächlich, da 45 Minuten einem so großen Cast nun wahrlich nicht gerecht werden können, aber die Ansätze sind vorhanden, um eine authentische, gefühlvolle Dramaserie zu werden.

Lena Donth - myFanbase

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