Euphoria - Review, Staffel 3

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In unseren Kurzkritiken schildern unsere Autoren und Autorinnen ihren ersten Eindruck von einer Episode in Form einer kurzen Review. Nutzt die Gelegenheit, eure Meinung zu dieser Folge kundzutun und mit uns über die Serie "Euphoria" zu diskutieren.

Die Serie "Euphoria" ansehen:

Review: #3.01 Ándale

Foto: Zendaya, Euphoria - Copyright: Eddy Chen/HBO
Zendaya, Euphoria
© Eddy Chen/HBO

Autsch! Das war eine ziemliche Bruchlandung! Mehr als vier Jahre haben wir die Fortsetzung von "Euphoria" herbeigesehnt und dementsprechend groß waren die Erwartungen an den Staffelauftakt, doch der geht leider echt in die Hose. Die erste Viertelstunde der Auftaktepisode ist äußerst schleppend und man fragt sich, ob Rue (Zendaya) die Geschichte vollkommen allein tragen soll, denn es dauert gefühlt eine Ewigkeit, bis weitere Figuren aus dem Hauptcast dazustoßen. Und als es dann endlich so weit ist und wir auch Lexi (Maude Apatow), Cassie, Nate und Maddy (Alexa Demie) zu sehen bekommen, liefern sie nicht sonderlich gut ab. Für Lexi und Maddy haben die Autoren nur ein paar kurze Momente übrig, in denen man sich fragt, ob das wirklich alles ist, was sie aus ihrem Leben gemacht haben. Auf Nate und Cassie geht man zwar ein bisschen mehr ein, doch man gibt sich keine Mühe, zu erklären, wie ihre Beziehung die letzten Jahre über verlief. Während es Sydney Sweeney mit einem Wimpernschlag schafft, die impulsive und gleichzeitig sensible Art Cassies in Erinnerung zu rufen, scheint Jacob Elordis Nate nur noch ein Schatten seiner selbst. Es fehlt das Feuer, das Nate sonst ausmachte und die Aura von Zorn gepaart mit dem Bedürfnis, alles zu kontrollieren ist ebenfalls nicht zu spüren. Während die meisten Figuren auf diese Weise sehr fade erscheinen und Hunter Schaefers Jules noch nicht einmal gezeigt wird, liegt die Last der Episode ganz eindeutig auf Rue. Ja, zum Ende hin gibt es ein paar Momente, die an die ersten Staffeln erinnern und das Fieber zeigen, das in "Euphoria" sonst so präsent ist, doch als einen gelungenen Staffelauftakt kann man diese Episode nicht bezeichnen.

Review: #3.02 America My Dream

Foto: Alexa Demie, Euphoria - Copyright: Marcel Rev/HBO
Alexa Demie, Euphoria
© Marcel Rev/HBO

Für Maddy nahm sich der Staffelauftakt sträflich wenig Zeit und das holt man nun auf. Es ist ein eigenartiger Mix aus dem Gefühl, dass die Figuren erwachsen geworden sind und Verwunderung darüber, dass sie noch immer in alten Mustern feststecken. Wo Nate zum Beispiel über seine Bedrohlichkeit hinausgewachsen ist, stecken in Maddy und Cassie und genau die Highschool-Gören, die wir aus den ersten beiden Staffeln kennen. Das sie so auffällig auf der Stelle treten, ist recht ernüchternd und man kann nur hoffen, dass man den Figuren Raum lässt, um zu wachsen. Dies ist auf jeden Fall in Bezug auf Rue gelungen, die stets eine einzige Baustelle war und für niemanden eine Stütze. Nun ist sie jedoch in einer Position, in der sie anderen helfen kann, im konkreten Fall ist es Angel – die von Priscilla Delgado herrlich in Szene gesetzt wurde. Man kann sich nur grob ausmalen, in welche Richtung Rue sich entwickeln wird und ob ihre momentan sehr stabil wirkende Verfassung große Risse bekommen wird, sollte Angel nicht aus dieser sehr fragwürdigen Entzugsklinik zurückkehren oder vielleicht ans Licht kommen, dass Rue geholfen hat, einen Mord zu vertuschen. Neben Rue hat außerdem der erste Auftritt von Eric Dane als Cal Eindruck hinterlassen. Man merkt dem Schauspieler seine Erkrankung hier bereits deutlich an. Außerdem ist das Gespräch zwischen Vater und Sohn ein weiterer Hinweis darauf, dass Nate in den vergangenen Jahren einige seiner Dämonen hinter sich gelassen hat, da so ein entspanntes Beisammensein früher nie denkbar gewesen wäre. Es macht auf jeden Fall Lust auf mehr und ich hoffe, dass man auch noch näher beleuchten wird, wie es Nate und Cal in der verpassten Zeit erging.

Review: #3.03 The Ballad of Paladin

Foto: Jessica Blair Herman, Sydney Sweeney & Jacob Elordi, Euphoria - Copyright: Patrick Wymore/HBO
Jessica Blair Herman, Sydney Sweeney & Jacob Elordi, Euphoria
© Patrick Wymore/HBO

Im Zentrum dieser Episode stehen Nate und Cassie, deren Hochzeit wir früher erleben, als ich gedacht hätte. Hier erinnert "Euphoria" stark an vergangene Zeiten: es gibt eine gigantische Feier, einen überspitzten Hochzeitstanz, eine Drohung auf Leben und Tod, gekrönt von einem blutigen Start in die Flitterwochen. Diese Handlung kann auf ihre äußerst dramatische Art punkten und wird gleichzeitig durch ein paar mildernde Szene liebevoll ergänzt. Man hätte nicht gedacht, dass Maddy von dem glücklichen Anblick, den Cassie und Nate bieten, so mitgenommen sein würde, oder dass die Worte von Nates Mutter sie so treffen würden. Genau so unverhofft kamen die Gespräche mit Nate und Cal, die Jules führte. Das waren ein paar sehr schöne Verweise auf die gemeinsame Geschichte dieser Charaktere. Ungenutzt ließ man leider die Gelegenheit für eine Unterhaltung zwischen Nate und Maddy oder eine Erklärung dafür, warum Cassies "Freundin" Heather nun schon zum zweiten Mal in den Vordergrund gerückt wird. Etwas losgelöst davon bewegt sich Rue, was ich verwunderlich finde, da der Einstieg in die Episode mit dem Rückblick auf Julesˈ Leben nach dem Schulabschluss andeutete, dass sie im Zentrum dieser Folge stehen wird. Rue kassiert auf jeden Fall einen riesigen Cliffhanger. Mal sehen, ob sie sich als Konsequenz der Verhaftung auf einen Deal einlassen wird und anschließend einen legalen Lebensweg einschlägt?

Review: #3.04 Kitty Likes to Dance

Foto: Euphoria - Copyright: Eddy Chen/HBO
Euphoria
© Eddy Chen/HBO

Diese Episode ist ein bunter Mix an Geschichten und bringt alle Figuren etwas voran… oder wirft sie zurück, denn sowohl Jules als auch Lexi und Nate erleben ein paar heftige Rückschläge. Man kann dabei vor allem mit Jules mitfühlen, die auf ihrem Bild lediglich das zum Ausdruck bringt, was ihr Leben ausmacht und was von niemand anderem akzeptiert oder wertgeschätzt wird. Etwas lapidarer sind die Probleme von Lexi und Nate. Vor allem Nate kann man wenig nachempfinden, da sich seine Figur in eine heile Welt zu teleportiert haben scheint, die für den Zuschauer nicht greifbar ist. Krass wirkt auch der heftige emotionale Umschwung bei Cassie von frischgebackener Ehefrau zu Social Media Sternchen, das zu allem bereit ist. Cassies Körpereinsatz grenzt ans Extrem, was man zwar mit der Leichtheit vereinbaren kann, mit der Cassie sich schon immer zur Schau stellt, doch wenig mit der Verbundenheit zu Nate, die nach der Hochzeit doch wenigstens im Ansatz vorhanden sein sollte. Ihr Verhalten kann man daher nur schwer nachvollziehen. Die beste Story hat definitiv Rue, die nun als Spion der Polizei eingesetzt wird. Es ist ein Drahtseilakt aus Informationen einholen, Überlebenswille und ernsthaftem Interesse an den Menschen um sie herum, den Zendaya meisterhaft umzusetzen weiß.

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Review: #3.05 This Little Piggy

Foto: Sydney Sweeney, Euphoria - Copyright: Eddy Chen/HBO
Sydney Sweeney, Euphoria
© Eddy Chen/HBO

Diese Woche liegt der Fokus auf Cassie, die man von ihrer strahlendsten und dümmlichsten Seite erlebt. Es bereitet großes Unbehagen, sie dabei zu beobachten, wie sie ihren Körper verkauft und scheinbar auch noch Gefallen daran findet. Das passt gar nicht zu der Telefonszene mit Nate, wo sie doch etwas Befangenheit zu verspüren scheint. Und Nate ist wahrlich nur noch ein Schatten seiner selbst. In früheren Staffeln wäre es undenkbar gewesen, dass er seine Frau auf diese Weise mit anderen Männern geteilt hätte. Mir fehlt hier die Erklärung dafür, wie er in diese ungeheure Geldnot gekommen ist und auf dem Weg dorthin alle prägenden Charakterzüge abgelegt hat. So wenig, wie man Nate nachvollziehen kann, hat man Gelegenheit dies bei Jules auch nur zu versuchen, denn sie hat unglaublich wenig Bildschirmzeit. Es ist enttäuschend, wie wenig Mühe man sich bei ihr gibt und dass man ihre Storyline aus der letzten Woche mit keiner Silbe erwähnt. Was allerdings gut funktioniert, ist die Handlung rund um Maddy, Alamo und Rue. Maddy und Alamo harmonieren gut miteinander und man kann nun spekulieren, ob Maddy Cassie nach so vielen Jahren vielleicht in die Pfanne hauen wird, indem sie sie an Alamo verhökert – an dieser Stelle noch die Frage, warum Cassie eigentlich den Vertrag nicht gelesen hat? Zwar halte ich es für unwahrscheinlich, dass Rue stirbt, doch die Bedrohlichkeit ihrer Situation und Alamos Zweifel an ihr sorgen für ordentlich Nervenkitzel.

Review: #3.06 Stand Still and See

Foto: Zendaya, Euphoria - Copyright: HBO Max
Zendaya, Euphoria
© HBO Max

Gemeinsam mit #3.03 The Ballad of Paladin und der Hochzeit von Cassie und Nate, die alle wichtigen Charaktere zusammengeführt hat, ist dies die bisher beste Episode der Staffel. Sie lebt allerdings nicht davon, alle zu versammeln, sondern viel mehr von den schwierigen Entscheidungen, vor die die Figuren gestellt werden. Allen voran geht auf jeden Fall Rue, die mehrmals mit außergewöhnlich belastenden Situationen konfrontiert wird. Sowohl in der bedrohlichen Situation mit Alamo, als auch mit Zwiegespräch mit Alamo und Laurie kann Rue Ruhe bewahren und relativ durchdacht agieren. Anschließend folgen mit dem Gespräch mit Jules sowie der aufgedrückten Entscheidung, nun durch Fayes Beihilfe Laurie zu bestehlen, emotionale Entscheidungen. Es ist äußerst spannend, Rue auf diesem Pfad zwischen Normalität und Surrealität wandeln zu sehen. Einen wesentlichen Anteil an Rues Geschichte hat allerdings auch ihr gestärkter Glaube an Gott, mit dem ich bisher nicht viel anfangen kann. Während mit Maddy und Nate einige Charaktere in dieser Episode leider wieder wenig Raum erhalten, gibt man sich in Bezug auf Cassie sehr viel Mühe und bringt sie auf den Pfad der Rechtschaffenheit zurück. Sie ist noch immer eine Figur, deren Moralgefühl eher fragwürdig ist, doch mit der Abspaltung von Maddy, dem Löschen ihres OnlyFans-Accounts und dem stetigen Gedanken an Nate hat man die Hoffnung, dass dieser Handlungsstrang sich zum Ende hin als durchdacht entpuppen wird. Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich es unendlich traurig finde, wie sehr mit Nate die einzige wichtige männliche Figur der ersten Stunde in dieser Staffel in der Bedeutungslosigkeit versinkt.

Review: #3.07 Rain or Shine

Foto: Jacob Elordi & Matthew Willig, Euphoria - Copyright: Eddy Chen/HBO
Jacob Elordi & Matthew Willig, Euphoria
© Eddy Chen/HBO

Diese Episode ist gleichzeitig die bisher spannendste der dritten Staffel sowie die mit den am wenigsten gut zusammenpassenden Teilen. Wir starten mit Ali, der nach dem Staffelauftakt aus dem Nichts auftaucht und man rollt in Flashbacks seine Vergangenheit auf. Das ist zwar ganz nett und verschafft dem Charakter etwas mehr Tiefe, allerdings ist es an dieser Stelle der Geschichte vollkommen irrelevant und daher teilweise auch uninteressant. Statt Fokus auf Ali hätte ich lieber etwas mehr über Nate erfahren, dessen Geschichte mit dieser Episode endgültig auserzählt ist. Dramaturgisch betrachtet war der Handlungsstrang rund um ihn dieses Mal der Höhepunkt, doch was den Kontext anbetrifft, ist sein Tod für mich die bisher größte Enttäuschung der Serie. Man merkte von Beginn der Staffel, dass man mit ihm nicht so recht wusste, wohin und ab Episode #3.04 Kitty Likes to Dance hatte Nate keine gemeinsamen Szenen mehr mit einer anderen Hauptfigur. Es ist unglaublich schade, dass Jacob Elordies Rolle auf diese Weise aus der Serie geschrieben wurde, da ich sein Charisma sehr vermissen werden. In Bezug auf die anderen Figuren verknüpft man hier allerdings die Handlungsstränge gekonnt miteinander und bringt sowohl Alamos künftige Angestellte Cassie, als auch den Menschenhandel rund um Alamo und Lauri auf einen Nenner. Das Einzige, was hier nicht ganz ins Bild passt, ist die Leichtfertigkeit, mit der Rue kurz vor dem großen Deal über ihre Zusammenarbeit mit der Drogenbehörde spricht und wie die Wortfetzen der Unterhaltung von Lexi über Maddy zu Alamo getragen werden.

Review: #3.08 In God We Trust

Foto: Sydney Sweeney & Alexa Demie, Euphoria - Copyright: Eddy Chen/HBO
Sydney Sweeney & Alexa Demie, Euphoria
© Eddy Chen/HBO

"Euphoria"-Schöpfer Sam Levinson hat einmal geäußert, jede Staffel so zu erzählen, als sei sie die letzte und dieser Eindruck ist nach dem Finale von Staffel 3 sehr deutlich zu spüren. Es ist erstaunlich wie leichtfertig man nach dem Tod von Nate in #3.07 Rain or Shine nun Lebewohl zu zwei weiteren Hauptcharakteren sagt. Da haben wir zum einen Rue, die zentrale Figur der Serie, auf der stets der Druck lastete, die Handlung zu tragen und schauspielerisch zu überzeugen, besonders wenn alle anderen Charaktere und Storylines zu kurz kamen, um wirklich Eindruck zu hinterlassen. Man kann Zendaya nur dazu gratulieren, wie viel Energie sie in diese Serie gelegt hat, weshalb es umso ernüchternder ist, dass ihre Figur auf halbem Weg durch dieses Finale zu Tode kam. Ab diesem Punkt hörte die Episode in meinen Augen auf, eine Geschichte zu erzählen. Jules, Lexi, Maddy und Cassie durften noch einmal kurz auftreten, doch durch diesen kurzen Moment, der nicht in die Tiefe ging, wurde nur noch ein letztes Mal betont, dass sie hinter Rue immer nur die zweite Geige gespielt haben. Die finalen Minuten der Episode bilden einen Western, der auch einem Quentin Tarantino-Film entsprungen sein könnte und vor allem durch Brutalität und exzentrischen Humor die Zuschauer mitreißen soll. Sie dienen als Hommage an Rue und enden mit einem stillen Gebet für sie. Es ist am Ende eine nette Geste, sich auf diese Weise von Rue zu verabschieden, dennoch wirken viele Szenen zu reißerisch und bieten nicht genug Raum, um die Gründe der Handelnden nachvollziehen zu können. Warum stellt sich Bishop gegen Alamo? Warum erhält Alamo auch durch Kidd keine Verstärkung? Und warum kehrt Ali am Ende unter falschem Namen bei den Millers ein? "Euphoria" ist zwar nicht gerade bekannt dafür, alles im Detail zu beleuchten, doch wenigstens zum Ende hin hätte man versuchen können, den Zuschauer mit ein paar Fragen weniger zurückzulassen. Das gilt ganz besonders, nachdem im Anschluss an dieses Staffelfinale bekanntgegeben wurde, dass es sich gleichzeitig um das Serienfinale handelt. Ich muss sagen, dass dies eine erleichternde Nachricht ist, da man wenig Lust auf mehr hat, nachdem so viele Charaktere aufs Abstellgleis gestellt wurden und man sich in den letzten beiden Episoden der Staffel von den Figuren verabschiedet hat, die die Serie zum Großteil getragen haben.

Eure Meinung ist gefragt!

Diskutiert mit uns in den Kommentaren über die "Euphoria"-Episoden der dritten Staffel.

Welche Staffel-3-Episode von "Euphoria" hat dir am besten gefallen?

#3.01 Ándale
#3.02 America My Dream
#3.03 The Ballad of Paladin
#3.04 Kitty Likes to Dance
#3.05 This Little Piggy
#3.06 Stand Still and See
#3.07 Rain or Shine
#3.08 In God We Trust

Marie Müller - myFanbase

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