The Bear: King of the Kitchen - Review Staffel 5

Dass "The Bear: King of the Kitchen" seine Laufzeit etwas überstrapaziert hat, da sind sich alle im Grunde einig gewesen. Zumal der Ruf der Serie sicherlich auch unter der ewigen Comedy/Drama-Diskussion gelitten hat. Man hätte den Endpunkt gut etwas früher finden können und dennoch wäre ich niemals auf die Idee gekommen, der Serie den Rücken zu kehren. Denn es ist trotz den hohen Fluch-Zählers immer eine Wahlfamilie gewesen, die mich nicht kalt gelassen hat und die ich deswegen auch bis ganz zum Schluss begleiten wollte. Daher ist es gut, dass die fünfte Staffel der FX-Produktion nun tatsächlich das Ende bildet, aber war das Abschiednehmen wirklich so leicht?
Die Ausgangslage für die fünfte Staffel ist durch gleich Aspekte in Gang gebracht worden. Zum einen haben wir die Ereignisse aus dem letzten Staffelfinale. Die sinnbildlich installierte Gelduhr von Onkel Jimmy (Oliver Platt) war abgelaufen und damit eigentlich das finanzielle Ende von The Bear eingeläutet. Zudem hatten wir die Ansage von Carmy (Jeremy Allen White), dass er das Restaurant verlassen will, um das Geschäft in Sydneys (Ayo Edebiri) und Richies (Ebon Moss-Bachrach) Händen zu lassen. Dazu haben wir aber auch Anfang Mai noch eine Überraschung erhalten, denn ohne Vorankündigung wurde die eigenständige Episode "Gary" veröffentlicht, die einen in der Vergangenheit liegenden Arbeitsausflug von Richie und Mikey (Jon Bernthal) nach Gary, Indiana, zeigt. Erst am Ende haben wir dann eine Szene bekommen, die Bewandtnis für die Gegenwart haben sollte, denn Richie gerät in einen Autounfall. Dieser Cliffhanger hat uns nun beinahe zwei Monate in Atem gehalten und war sicherlich ein cleverer Schachzug, um die Vorfreude auf die finale Staffel nochmal zu steigern.
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Die finale Staffel mit acht Episoden ist stilistisch etwas anders angegangen worden als all die davor. Die ersten sieben Episoden bilden einen Tag ab und zwar genau den Tag nach den Ereignissen aus dem vierten Staffelfinale. Es wird zwar nicht wie bei "The Pitt" getan, als würde alles in Echtzeit ablaufen, trotzdem hat es natürlich eine andere Wirkung, dass so viel der Staffel in weniger als 24 Stunden spielt. Nur das Staffelfinale beleuchtet dann den Folgetag sowie Ereignisse, die einige Wochen später stattfinden. Zudem gibt es dadurch keine weitere Rückblicks-Episode. Deswegen ist vermutlich auch die Episode von Richie und Mickey vorab veröffentlicht worden, um die Stilistik nicht zu durchbrechen. Auch wenn ich die Rückblicks-Episoden fast immer zu den besten der jeweiligen Staffeln gezählt habe, so finde ich doch hier, dass Christopher Storer und sein Team gute Entscheidungen getroffen haben. Ich habe selbst gemerkt, in welchem Fluss ich in der Staffel auch war. So schnell habe ich eine "The Bear"-Staffel jedenfalls noch nie durchgeguckt. Während es sonst immer klare inhaltliche Abschnitte gab, durch die man es zwischendurch gut sacken lassen wollte, war hier genau das Gegenteil der Fall, denn ich wollte immer nur weitergucken und wissen, welche Katastrophen diese Schicht noch heimsuchen werden. Eine Rückblicks-Episode wäre hier wohl fatal gewesen, weil es so ein zu großer Schnitt gewesen wäre. Nur das Serienfinale habe ich mir bewusst dann noch einmal aufgespart, um es nicht übermüdet durch die Hitzeperiode in Deutschland noch anzuhängen, sondern es frisch anzusehen und richtig zu fühlen.
"The Bear" ist eine stressinduzierende Serie, das ist Fakt. Aber diesmal wurde sich der Stress vor allem durch ein Naturereignis geholt. Storer und sein Team haben da offensichtlich Inspiration von Chicago 2025 genommen, denn der Sommer war von einigen sinnflutartigen Tagen begleitet. Auch an diesem konkreten Tag, den Staffel 5 abbildet, regnet und regnet es. Das ist keine behagliche Atmosphäre, zumal auch immer mal wieder ein Donnergrollen zu hören ist und auch die Elektrizität flackert wiederholt. Aber es ist nicht nur das, nein, der Regen richtet gleich mehrere Schäden an, denn durch verstopfte Abflüsse kommt es zu Wasserschäden im Restaurant. Das Wetter macht auch Essenslieferungen nicht einfach, sodass das Bear-Team mit weniger als sonst auskommen muss. Zuletzt hat das Wetter dann auch Auswirkung auf den tatsächlichen Betrieb zur Eröffnungszeit, denn für die erste Runde um 17.30 Uhr kommt niemand pünktlich. Die Straßen sind verstopft und so wird das ohnehin schon utopische Ziel, drei Runden zu servieren, nahezu unmöglich. Man sieht also, Stress war wieder jede Menge geboten und das auch schon, bevor es sonst in der Serie üblicherweise stressig wurde. Da wirkten selbst die beiden Einstiegsepisoden, die langsam wieder in das Geschehen hineinführen sollen, keinesfalls entspannt.
Die Serie ist traditionell eine, die mich eher erst ab der Mitte der Staffel bekommt, aber ich fand, dass es diesmal ausgewogener gelungen war. Vielleicht war es auch das Wissen, dass danach definitiv nichts mehr kommen wird, was für mich alles so bedeutsam hat werden lassen. Aber ich fand, dass sehr deutlich ein gewisser Umschwung festzustellen war. Auch wenn weiterhin wahnsinnig viel geflucht wird, danke an Richie und Jimmy, und trotzdem ging das alles weniger gegeneinander, sondern war einfach Teil des Sprechens. Stattdessen haben wir unheimlich viele Dialoge bekommen. Wir haben so viele Figuren, die einfach ehrlich miteinander reden, weil sie das Beste füreinander wollen. Ansonsten war "The Bear" so oft auf Konflikte aus. Da sollte es bewusst knallen. Das war in dieser finalen Staffel nicht der Fall. Es liegt sicherlich auch daran, dass Sydney die Führung hat und sie will einen anderen Stil. Auch wenn sie ebenfalls von Emotionen geleitet wird, so verrät sie zu früh Carmys Pläne, aber im nächsten Moment hat sie immer schon wieder das Gesamtbild im Blick. Richie ist ebenfalls mehr Teamplayer als je zuvor. Auch wenn er mit seinen Maximize-Plänen den Druck auf alle noch erhöht hat, aber er hat vor allem das Team im Service und draußen bei der Stange gehalten. Er hat auch trotz einiger sehr brenzligen Situationen die Ruhe bewahrt und etwas ausgestrahlt, an dem sich die anderen, nervöseren Charaktere, aufrichten konnten.
Der gewaltigste Unterschied war natürlich bei Carmy zu sehen. Man hat gemerkt, dass die Entscheidung, das Restaurant zu verlassen, ihm eine Last von der Schulter genommen hat. Er war nicht mehr so wild angetrieben. Er konnte sich wieder mehr auf das besinnen, was ihn ursprünglich in die Richtung hat treiben lassen. Carmy musste sich auch einiges nochmal anhören, vor allem von Richie. Aber er war bereit dafür. Umgekehrt konnte er dadurch auch anderen zuhören, gerade nachdem die Nachricht eingeschlagen war, dass er die Familie verlässt. Und in der Küche hat er wieder richtig gelebt. Indem er eher den Auftrag hatte, die 'einfachen' Arbeiten zu erledigen, hatte er mehr einen Blick auf alles und seine Kreativität ist angesprungen und hat aus Mission Impossible das Gegenteil gemacht. Darum herum ist auch für die Figurenbeziehungen nochmal so viel gemacht worden. Carmy und Sydney, Sydney und Tina (Liza Colón-Zayas), Carmy und Richie, Marcus (Lionel Boyce) und Luca (Will Poulter) und so viel mehr. Da waren so viele Szenen, die mir echt ans Herz gingen. Aber es war natürlich auch schön, dass es in vielen Aspekten einen runden Abschluss gab. Marcus hat seinen Vater (Harry Lennix) als Gast im Restaurant und kann ihm seine Liebe für sein Tun verständlich machen. Donna (Jamie Lee Curtis) erweist sich als liebevolle Oma für Enkelin Sophie und schafft es das erste Mal ins The Bear, wo sie endlich auch etwas wie Frieden empfinden kann. Wir haben Tina, die offiziell den nächsten Karriereschritt macht und wir haben Ebra (Edwin Lee Gibson), der mit seiner Idee Jimmy die finale Motivation gibt, das Restaurant doch noch einmal zu retten. Ich fand zwar diesen Nebenplot, wie Jimmy mit Computer (Brian Koppelman) und Cheese (Elsie Fisher), nach einer Lösung für die Rettung suchte, nicht so stark, aber es hat für einen kleinen Stimmungswechsel gesorgt und am Ende ja auch zu einem Ziel geführt.
Die beste Episode der Staffel ist 5.07 Karamell, weil diese so nah an der harten Schicht ist und es waren schon immer die besten Episoden in der Küche, wenn es wirklich ums Eingemachte geht. Und es hat mein zuvor vorgebrachtes Lob genau auf den Punkt gebracht. Dort hat niemand gegeneinander gearbeitet, sondern alle waren ein Team und auch wenn Carmy im Finale sagt, es war die härteste Schicht seines Lebens, aber man hat vor allem in Nachklang gemerkt, dass es eine war, die positiv Adrenalin freigesetzt hat, weil am Ende wirklich alle stolz auf sich sein konnten. Das Finale kommt da deutlich ruhiger daher, hat mich aber auch zufrieden gemacht. Wir bekommen nur wenig Blick in die Zukunft, was zum Ton der Serie passt, dass das Restaurantgeschäft ein schwieriges ist, bei dem man nur von Tag zu Tag schauen kann. Dafür erleben wir noch wichtige Meilensteine. Carmy und Sydney bekommen endlich einen Stern und dann sogar gleich zwei auf einmal. Carmy schlägt einen neuen beruflichen Weg ein, wobei ich doch das Gefühl hatte, dass die Küche ihn immer wieder sehen wird. Und auch Richie denkt mal nur an sich und scheint mit Jessica (Sarah Ramos) neue Ruhe an seiner Seite zu haben. Besonders toll war aber, dass so viele Figuren der fünf Staffeln noch einmal zu einer großen Feier zusammengekommen sind. Das hat angesichts der ganzen dysfunktionalen Beziehungen auch nochmal gezeigt, dass es möglich ist, Harmonie zu finden, aber man muss dafür auch arbeiten.
Fazit
Es hat schon sehr geholfen, dass für "The Bear" die finale Staffel angekündigt worden ist, weil ich so eine andere Einstellung beim Anschauen hatte. Ich wollte noch einmal alles genießen, was mir serviert wird. Und ich habe viel Gutes serviert bekommen. Christopher Storer hat auch noch einmal am Stil geschraubt und dadurch auch der finalen Staffel noch etwas 'Neues' geschenkt. Es war die insgesamt friedlichste Staffel, auch wenn der Stresspegel wieder hoch war. Aber es wurde gezeigt, wie weit die Figuren individuell, aber auch zusammen gekommen sind. Das Serienfinale war dann auch emotional und so war der Abschied tatsächlich schwerer als gedacht. Aber nächsten Sommer werde ich sicherlich daran denken, dass es gut war, dass die Serie nach fünf Runden ihr würdiges Ende gefunden hat.
Die Serie "The Bear: King of the Kitchen" ansehen:
Lena Donth - myFanbase
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