Bewertung

Review: #1.15 Der Austausch

Foto: Priyanka Chopra & Tate Ellington, Quantico - Copyright: 2016 ABC Studios; ABC/Phillipe Bosse
Priyanka Chopra & Tate Ellington, Quantico
© 2016 ABC Studios; ABC/Phillipe Bosse

Wenn eine Serie, die sich wie "Quantico" in der ersten Staffel befindet, die eigenen Formeln und Schemata wiederholt, spricht das nicht gerade für diese. "Quantico" schafft es nicht, das gute Niveau der ersten Staffelhälfte zu halten und von Folge zu Folge wird die Serie ein Stück weg schlechter und unglaubwürdiger.

"Which means I had to consider the horrible possibility that you — unstable, out-of-control, paranoid Alex Parrish, America's Least Wanted — weren't lying, incorrect, or insane, you were simply telling the truth."

Wie schon in der ersten Staffelhälfte beginnt Alex nach und nach Verbündete zu sammeln. Zuerst Natalie, die ja leider dadurch getötet wurde, etwas, das ich immer noch nicht ganz nachvollziehen kann. Natalies Tod wird auch nochmal kurz erwähnt, aber dennoch kommt mir ihr Tod völlig ignoriert vor. Könnte man nicht wenigstens kurz ihre trauernde Tochter zeigen? Oder irgendjemand sonst, der Natalies Tod tatsächlich betrauert und nicht einfach ignoriert? Aber zurück zum Thema, dann kam Simon dazu und nun Hannah. Ja, richtig. Hannah! Ryans Ex-Frau, Alex' neuer Boss und vermutlich der einzige Charakter, der Alex mal ordentlich die Meinung sagt und ihr einen Spiegel vorhält. Nicht dass Alex darauf hören würde, aber für mich und viele andere Zuseher sicher auch, ist es schön zu hören, dass die Autoren das Problem mit Alex' Charakter erkannt haben. Zeichen, dass sie daran arbeiten dies zu ändern, gibt es deshalb leider nicht. Aber wie sagt man so schön, Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Zwar habe ich im Moment so meine Probleme mit der Serie, hoffe jedoch, dass die Autoren es schaffen, wieder zum Niveau der ersten Staffelhälfte zurück zu finden.

Die Zukunftshandlung um den Terroristen, der Alex durch New York rennen lässt, um Aufgaben für ihn zu erledigen, gehört zu den schwächsten Storylines, die "Quantico" derzeit hat. Dies liegt vor allem an Alex, denn auch wenn man ihr Simon als Partner zur Seite gestellt hat, darf er nicht besonders viel machen und wird fast zum Statisten degradiert. Dabei hätte gerade Simon, der von Selbstzweifel und Schuldgefühlen geplagt ist, so viel Potential. Auch mit seinen Computerkenntnissen könnte er sehr helfen, was er in seinen wenigen Szenen auch versucht. Den Drahtzieher hinter den Terroranschlägen jetzt schon herauszufinden, wäre zwar etwas zu früh, immerhin gibt es noch genug Folgen bis zum Staffelfinale, aber ein Fortschritt in den Ermittlungen von Alex und Simon wäre wünschenswert.

Zu den Fortschritten kann man das neue Bündnis mit Hannah zwar durchaus zählen, aber es wirkt zu sehr nach dem Wiederholen vom Schema der ersten Staffelhälfte. Hannah gefällt mir als Charakter sehr gut und auch Darstellerin Eliza Coupe schafft es immer, Hannah herausstechen zu lassen. Hannahs Beschützerinstinkte ihrem Ex-Mann gegenüber sind sehr schön zu sehen. Wie man in der Gegenwart sehen kann, gibt es auch einen guten Grund dafür. Alex, die wieder einmal auf Ryans Gefühlen herumtrampelt. Nach der Silversterfeier hat sich Ryan bei ihr gemeldet und sie aber nicht zurückgerufen. Da die Beziehung der beiden ja schon beendet war, sehe ich auch nicht, warum Alex unbedingt Kontakt zu Ryan haben muss. Man sieht zwar wie sie unter der Trennung leidet, aber warum macht sie dann erneut mit Ryan Schluss? Besonders da die beiden kein Paar mehr waren, fand ich diese Schluss-Mach-Szene ziemlich unnötig. Sie nahm auch Platz von den besseren Storylines in der Vergangenheitshandlung weg.

"I'm not OK, Caleb. My parents are alive."

Zu den besseren Handlungen in der Gegenwart zählt auf jeden Fall Shelbys Entdeckung, dass ihre Eltern noch am Leben sind und ihren Tod die letzten 15 Jahre nur vorgetäuscht haben. Auch Samar, ihre 'Halbschwester' wurde von ihren Eltern engagiert um Shelby Geld aus der Tasche zu ziehen. Die arme Shelby! Was muss im Leben eines Menschen falsch laufen, dass man nicht nur seinen Tod vortäuscht, sondern auch noch seine eigene Tochter um Geld betrügt? Shelbys Eltern werden wir früher oder später noch kennen lernen und ich bin schon gespannt, welche Ausrede sie sich einfallen lassen.

Neben dem Schockfaktor kann die Story auch noch mit Shelbys Unterstützern punkten. Neben Caleb sind auch Will und Iris für Shelby da. Iris macht sich zwar nur Sorgen um ihren Schlaf, zeigt sich aber dennoch bestürzt, als Shelby während des Angriffs nach draußen ins Ungewisse läuft. Auch Will fühlt sich schuldig, hat er mit seinen Nachforschungen über Calebs Alter Ego 'Mark Raymond' schließlich den Stein ins Rollen gebracht. Am Ende der Folge sieht es so aus, als würden Will und Caleb ihre Streitereien beiseite legen und Caleb Will alles über Mark Raymond erzählen. Ich bin schon sehr gespannt, was es damit auf sich hat.

"I know the Koran doesn’t teach you to hate."

Der zweite starke Handlungsstrang in der Gegenwart war die Attacke auf Quantico und die daraus erfolgende Auflösung von Charlies Entführung und seine Beteiligung in die Terrorzelle. Charlie war also doch ein Mitglied der Terrorzelle und seine Entführung war nur gespielt. Denn die Terroristen wollten von Anfang an Quantico angreifen und Charlie sollte ihnen dabei helfen, indem er ihnen alles über Quantico erzählt. Warum man deshalb eine Entführung vortäuschen musste, verstehe ich nicht ganz. Hätte er seine Mutter nicht einfach nur bei der Arbeit besuchen können?

Hierbei hat mir vor allem Charlies Gespräch mit Raina gefallen. Bei Raina wurden sowohl in den Flashbacks als auch in der Gegenwartshandlung immer wieder angedeutet, dass sie selbst Teil einer Terrorzelle werden könnte. Was Raina jedoch immer wieder zeigt ist, dass sie ein guter Mensch ist, der jedem helfen möchte und durch ihren Glauben gestärkt wird. Nach den Szenen mit Charlie und auch bei der Geiselnahme kann ich mir Raina eigentlich überhaupt nicht als Terroristin vorstellen und habe sie mal von meiner Verdächtigen-Liste gestrichen. Ganz oben auf der Liste stehen für mich im Moment übrigens Ryan, Claire und Miranda.

Der Ausgang der Geiselnahme gehört wohl zu den schockierendsten der Folge. Charlie erschießt den Terroristen und Miranda schießt Charlie in die Schulter um ihn aus dem Schussbahn des SWAT-Teams zu holen. Der Schütze des SWAT-Teams schießt Charlie aber auch noch in die andere Schulter. Am Ende der Folge ist Charlies Schicksal ungewiss, er befindet sich noch im OP. Miranda ist von Schuldgefühlen geplagt, zu recht wie ich finde. Wieso hat sie ihn nur angeschossen? Hätte sie sich nicht einfach in die Schusslinie stellen können? Oder ihn anders zu Boden bringen? Zumindest wäre das für mich die logischere Lösung gewesen. Etwas Positives hat die Geiselnahme jedoch gebracht, nämlich die Versöhnung von Nimah und Raina.

Außerdem…

Sowohl Liam als auch Drew sind immer noch in Quantico. Das Feuern hat in beiden Fällen nichts gebracht. Da die beiden sich in dieser Folge wieder versöhnen, scheint Drew auch weiterhin in Quantio zu bleiben. Auch Liam wird sich wohl nicht so einfach verabschieden. Da in der Gegenwartshandlung Mirandas Posten innehat, glaube ich dass er ihn jetzt übernehmen wird. Schließlich kann ich mir nicht vorstellen, dass Miranda nach dem was mit Charlie passiert ist, so einfach wieder zur Arbeit kommen wird.

Claire Haas weiß, wo sich Caleb in der Zukunftshandlung aufhält. Marcia Cross' Gastauftritte gefallen mir immer sehr gut und da sie nun ein Ziel des Terroristen ist, wird man sie wohl noch häufiger sehen. Was genau hat der Terrorist mit ihr vor? Oder ist das alles nur ein Plan von ihr selbst, sodass sie nicht zu den Verdächtigen zählt?

Die Einführung von Will, Drew und Iris hat sich wirklich ausgezahlt. Die drei fügen sich gut in die Gruppe der NATs ein. Was jedoch etwas schade ist, ist, dass die Gegenwart eigentlich für die Flashforwards nicht relevant sind. In der ersten Staffelhälfte hatten die Zeitlinien immer eine Verbindung, jetzt fungieren beide nur mehr nebeneinander ohne dabei für einander wichtig zu sein. Sehr schade.

Fazit

Ich weiß im Moment einfach nicht, was ich von "Quantico" halten soll. Es gibt immer noch Dinge, die mir gefallen, aber den Großteil der Folge schaue ich auf die Uhr und hoffe, dass es schnell vorbei ist. Ich kann nur hoffen, dass die Serie wieder besser wird, denn in der ersten Staffelhälfte gab es eigentlich keine Folge, die mir nicht gefallen hat. In der zweiten hat mir bisher keine gefallen.

Sophie Marak - myFanbase

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