Bewertung: 6

Review: #5.07 Nimues Liebe in den Zeiten der Dunkelheit

Nach 4 Staffeln plus ein bisschen wissen wir nun, welcher Zutaten es bedurfte, um den Dunklen zu erschaffen: des Heiligen Grals aus der Artussage, Prometheus' Feuer aus der griechischen Mythologie, eines maskierten Schlächters aus jedem Horrorfilm der 1990er Jahre und einer Frau, die einen Mann ins Unglück stürzte, weil sie der Versuchung nicht widerstehen konnte. Was laut der Bibel mit Adam und Eva begann, setzte sich bei Merlin und Nimue fort. Genau wie dereinst Eva mit dem Apfel konnte Nimue der Verlockung, in diesem Fall dem Lockruf der Rache, nicht widerstehen und hat erst verbotenerweise aus dem Gral getrunken und dann Vortigans Herz zerstört.

Gerne würde ich mich einfach nur mit Merlins und Nimues Geschichte befassen, doch zunächst stehen wir vor der Frage, ob die ganze Story überhaupt mit den Inhalten aus früheren Episoden übereinstimmt. Wie so oft bei "Once Upon a Time" in letzter Zeit fällt das Ergebnis grenzwertig aus. Im letzten Staffelfinale, das ja noch nicht allzu lange her ist, hat der Zauberlehrling erklärt, sein Meister Merlin habe gegen die Dunkelheit gekämpft und diese schließlich an eine menschliche Seele gebunden, um zu verhindern, dass sie die ganze Welt verschlingt. Nach unseren nun erlangten Erkenntnissen lassen sich die Worte des Lehrlings – wohlwollend ausgedrückt - als sehr verdrehte Beschreibung dessen bezeichnen, was wirklich geschehen ist und er selbst miterlebt hat. Bei weniger zugedrücktem Auge muss man hier eine fehlende Übereinstimmung bescheinigen. Natürlich kann man interpretieren, dass sich der Zauberlehrling die Geschichte im Laufe der Zeit zurechtgebogen hat, um Merlin bzw. dessen Ansehen zu schützen oder dass der Zauberlehrling diese Erklärung verwendet hat, weil sie einfacher und schneller vermittelbar war, schließlich lag er im Sterben, aber seien wir ehrlich: es wäre überzeugender, wenn das, was der Zauberlehrling in jener Folge gesagt hat, genau zu dem passen würde, was wir in dieser Episode sehen.

Nun zu Merlins und Nimues Geschichte an sich. Wie ich bereits erwähnt habe, finde ich die Tatsache, dass man rund um den sagenumwobenen Zauberer und die Entstehung des Dunklen wieder einmal eine (tragische) Liebesgeschichte gewählt hat, nicht gerade originell. Andererseits gefallen mir die Parallelen zu Adam und Eva, ob sie von den Autoren nun beabsichtigt waren oder eher meiner Fantasie entsprungen sind, ganz gut. Darüber hinaus sind die Szenen zwischen Merlin und Emma und Emma und Nimue recht interessant. Dass Emma Spuren aller früheren Dunklen in sich trägt, gewissermaßen deren Schatten, finde ich grundsätzlich auch sehr spannend. So hat sie über Nimues Gefühle eine Verbindung zu Merlin. Weniger überzeugt hat mich wiederum die Szene, in der Vortigan Nimue scheinbar tötet und Merlin nur verzweifelt dabei steht. Es leuchtet mir ja ein, dass er seine magischen Kräfte nicht gegen einen Menschen verwenden und so seine Seele zerstören wollte, aber es hätte für einen Zauberer wie ihn, dazu noch mit 500 Jahren Lebenserfahrung, doch wohl Möglichkeiten gegeben, Vortigan mit Magie zu stoppen, ohne ihn dabei ernsthaft zu verletzen. Man will uns doch wohl nicht glauben machen, dass sich Merlin in den 500 Jahren zuvor nie verteidigen musste? Für mich ist das wieder so eine Szene, die nur auf ein bestimmtes Ergebnis hinauslaufen soll, ohne dass wirklich viel Sorgfalt in die Umsetzung gelegt wurde.

Nimue war also der erste Dunkle. Merlin hat aus der abgebrochenen Spitze des Schwertes, welches er zuvor aus dem Gral geschmiedet hatte, um sterblich zu werden, den Dolch geformt und den Dunklen daran gebunden. Bei dem Versuch, Nimue mit dem Dolch zu vernichten, ist Merlin gescheitert und wurde von ihr mittels seiner Tränen in den Baum eingeschlossen. Irgendwer hat dann eines Tages Nimue mit dem Dolch getötet und wurde der nächste Dunkle. Ob wir wohl jemals erfahren werden, wer das war? Die vielen Namen, die bei Nimues Beschwörung über den Dolch scrollen sowie die große Ansammlung an stolzen Zeugen um Emma am Ende der Folge legen nahe, dass es zwischen Nimue und Emma eine Menge Dark Ones gab. Rumpelstilzchens lange Existenz als Dunkler muss somit eher eine Ausnahme gewesen sein, denn andernfalls passt es zeitlich nicht. Einige der Dunklen können höchstens ein paar Jahre als solche überlebt haben, keinesfalls so lange wie unser Rumple.

Wir sind jetzt nur noch einen kleinen Schritt davon entfernt, herauszufinden, wie Emma zu Dark Swan wurde und ob dahinter ein großer Masterplan steckt. Dass Arthur in Camelot die Gewalt über Merlin erlangt hat, stellt dabei natürlich eine sehr wichtige neue Information dar. Dieser König ist wirklich ein Ar ... thur. Seine Komplexe, die schon in der vierten Episode der Staffel deutlich zu Tage getreten sind, zeigen sich erneut in ihrer ganzen Pracht. Zelena rundet die Eindrücke mit ihren Anspielungen sehr schön ab. Arthur ist mit dem halben Schwert quasi ... naja ... impotent. Er verfügt nicht über die Macht, die er bräuchte, um ein echter König eines echten Camelots zu sein. Stattdessen hat er sich nur zum Verwalter eines Trugbildes gemacht. Über den besessenen Versuch, Exkalibur zu vervollständigen und die ganze Macht zu erhalten, die ihm seiner Ansicht nach zusteht, ist Arthur jeder Anstand und jede Ehre abhandengekommen. Was wir von Arthur sehen, ist nicht einmal eines halben Schwertes würdig. Womöglich ist er damit am Ende aber Teil eines viel größeren Schicksals, das sich erfüllt. Emmas Schicksal.

Was Masterpläne angeht, muss sich Zelena gar nicht groß anstrengen, sie schafft es in den Camelot-Rückblenden mal wieder mit einfachsten Mitteln, Mary Margaret zu übervorteilen. Der "Ich tue so, als ob es mir schlecht geht, damit du dich mir näherst und ich dich überwältigen kann"-Trick ist so alt, den hat wahrscheinlich schon der allererste Mensch, der jemals eingesperrt wurde, versucht. Man kann zu Mary Margarets Ehrenrettung zwar anführen, dass Zelenas Schwangerschaft es natürlich durchaus glaubwürdig und auch besorgniserregend macht, wenn sie Anzeichen schwerer Krämpfe zeigt, andererseits sollte gerade Mary Margaret besonders misstrauisch gegenüber der heimtückischen Hexe aus Oz sein.

Alles in allem kehrt diese Folge wieder zu dem gewohnten Bild dieser Staffel zurück, das eine merkwürdige Mischung aus "faszinierend" und "mag ich nicht" ist.

Maret Hosemann - myFanbase

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