Bewertung: 6

Review: #4.01 Die Erben der Pritchetts

Mit zahlreichen Emmys im Gepäck geht "Modern Family" in die vierte Staffel und da war doch noch eine Überraschung, die uns in die Sommerpause verabschiedete und nun die Familie beschäftigen sollte. Dadurch wirkte diese Episode noch zu sehr wie ein Abschluss der letzten Staffel.

I was already in bed when you came home yesterday.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich etwas verwirrt gewesen bin, als mir bewusst wurde, dass vom Staffelfinale bis zum Staffelauftakt in der Serie nur genau ein Tag vergangen ist. Natürlich war mir klar, dass man Glorias Schwangerschaftsnachricht nicht einfach überspringen wird, aber zwei Wochen Lücke hätten durchaus sein können, ohne es unrealistisch zu finden, dass man eine solche Nachricht so lange aufschiebt. Nun ja, nach kurzer Eingewöhnungsphase war es ganz in Ordnung und man freute sich darauf, wie nach und nach die Familie von den erfreulichen, aber unerwarteten Nachrichten erfährt. Allen voran Claire konnte hier auf ganzer Linie überzeugen, aber auch Manny wusste mit seiner Reaktion für ein verständnisvolles Schmunzeln zu sorgen. So machte diese Episode eigentlich unglaublich viel Lust und Glorias Schwangerschaft, wäre da dann nicht doch noch der Zeitsprung, den ich schon nicht mehr erwartet hatte. Die Szene war zwar sehr schön, doch schon allein die Tatsache, dass man nun einige klischeehafte Situationen des ersten Trimesters nicht mehr erleben wird, hinterlässt etwas Wehmut. Nun ist immerhin das Kind noch nicht geboren, einige Möglichkeiten gibt es also schon noch und natürlich wird auch die Zeit nach der Geburt trotz der erzählten Geschichten um Lily noch viele Möglichkeiten offen lassen. Und trotzdem bin ich noch immer unschlüssig, wie der Zeitsprung nun zu werten ist. Es wirkt doch eher wie ein nachgeholtes Muss, welches zum Episodenbeginn nicht möglich war. Naja, vielleicht ist es auch eine Sache, die man nicht zu sehr durchdenken sollte.

That's the greatest news I've ever heard.

Widmen wir uns also lieber dem Mittelpunkt der Episode. Jay hat Geburtstag und wird zum Angeln entführt. Dort muss er feststellen, dass sein Leben nur noch wenig Spannung zu bieten hat, falls er nicht regelmäßig so leicht durchschaubar slapstickartig ins Wasser fällt. Irgendwie wirkten die Szenen etwas unausgegoren und nicht zu Ende gedacht. Schade fand ich vor allem, dass nach Jays zweiten Sturz die Szenerie gar nicht mehr aufgegriffen wurde. Das abrupte Ende nahm dem Part den letzten Charme. Großartig gerettet wurde dies dann allerdings von Jay bei den Dunphys. Nicht nur reagiert er grandios mitfühlend auf Cam und Mitch, weil Claire ihn dazu anstiftete, er hatte dann auch noch solch wunderbare Worte für Gloria übrig, dass nicht nur Phil feuchte Augen bekommen hat. Wie so oft muss man den Autoren lassen, dass sie es immer wieder bestens hinbekommen, die gesamte Familie zusammen zu führen und toll interagieren zu lassen. Da wünscht man sich immer selbst sofort eine große Familie. Ansonsten bestach auch diese Szene vor allem durch die kleinen vergoldeten Textbausteine, die den charmanten Humor der Serie ausmachen. Allein Phils "Don't be mean, everybody could do it with Gloria" ist das Einschalten der Episode wert gewesen. Von solchen Momenten kann ich nicht genug bekommen und ich habe auch nicht den Eindruck, dass mich "Modern Family" in dieser Hinsicht irgendwann mal enttäuschen könnte.

We should go away.

Natürlich musste man auch Cams und Mitchs Geschichte aus dem Finale nachbetrachten, obwohl es hier in der letzten Episode schon eine herzzerreißende Szene gegeben hatte. Das war dann auch irgendwie mein Problem. Natürlich musste man Lily noch alles erklären und die Katze als Ersatz hatte auch seine Berechtigung. Die immer wieder klärenden Gespräche wirkten aber überflüssig, vor allem als am Auto geklagt wurde, dass man traurig ist. Das kann ich vollkommen nachvollziehen, aber ein paar mehr Tage sollte man nach so einem Tag schon abwarten. Hier hätte es also wirklich gut getan, einen kleinen Zeitsprung zu haben, weil mir die Charaktere viel zu früh auf eine Metaebene gewechselt sind, um über ihre Gefühle zu reden und ernsthafte Konsequenzen zu ziehen, denn sie sind tatsächlich nach Europa gereist. Wirklich gelungen war für mich daher eigentlich nur die teilweise absurde Parallelität bei der Adoption der Katze sowie die unterhaltsamen überdimensionalen Kuscheltiere, die aber auch nie den Hang zur Aufgesetztheit ablegen konnten. Insgesamt war der Teil also in Ordnung.

After the ball

Auch Haleys Abschlussball wurde noch thematisiert und auch wenn Claire und Alex hier glänzen konnte, wirkte dieser Part inklusive Dylan und dem Wunsch, bei Haley zu wohnen, etwas zu überladen für den Auftakt. Im Nachhinein war es durch den Zeitsprung notwendig, aber das wusste man als Zuschauer schließlich nicht vorher. Und auch beim neuerlichen Schauen stelle ich fest, dass eine stärkere Fixierung auf Jay und Gloria wohl noch ein paar Prozente für das Wohlgefallen der Episode hätten rausholen können. Inhaltlich war ich ziemlich erstaunt, dass Dylan wirklich bei den Dunphys wohnen durfte, obwohl Claire doch konsequent abweisend war. Auch dies trug nicht dazu bei, voll zufrieden mit der Geschichte zu sein.

Fazit

Ein kurzweiliger Staffelauftakt, der viele gute Ansätze hatte, sehr humorvoll war, an der ein oder anderen Stelle aber zu aufgesetzt und vorhersehbar daher kam. Der verspätete Zeitsprung lässt mich auch etwas unschlüssig zurück, weil in der Episode nie eine richtige innere Zufriedenheit eintreten wollte. Ich denke, so richtig wird die neue Staffel für mich erst mit der nächsten Episode anfangen. Wahrscheinlich war es auch der hohe Anspruch, den man an die Serie hat, die dieser Episode insgesamt also nur sechs Punkte zusprechen. Das geht noch besser. Trotzdem bin ich natürlich froh, dass die Serie wieder aus der Pause zurück ist.

Emil Groth - myFanbase

Diese Episode ansehen:


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier oder in unserem Forum mit anderen Fans von "Modern Family" über die Folge #4.01 Die Erben der Pritchetts diskutieren.