Bewertung

Review: #1.09 Die Brücke

Das musste natürlich ein Nachspiel haben. Ravenwood lässt es nicht so einfach auf sich sitzen und will Rache, doch Jericho setzt sich geschlossen zur Wehr. Neben der hoch spannenden Story entwickeln sich noch die zwischenmenschlichen Abschnitte leicht weiter.

Hochzeitstag

Emily Sullivan hat schwer damit zu kämpfen, dass sie eigentlich heiraten sollte und durch den Anschlag nicht mal weiß, ob ihr Verlobter überhaupt noch am Leben ist. Heather Lisinski versucht ihr den Tag so angenehm wie möglich zu machen, doch wie soll dies gelingen. Den Kummer in Alkohol zu ertränken ist immerhin ein Versuch, aber frei von Gedanken hält er Emily natürlich nicht. Die Vorstellungen von dem eigentlichen Hochzeitstag waren von der insgesamt düsteren Stimmung der Serie mal eine willkommene Abwechslung. Der große Kontrast zwischen diesen beiden Welten ließ es einem schon schummrig werden, weil man dadurch nochmal gut verdeutlicht bekommen hat, in welch einer Extremsituation man sich eigentlich befindet. Die ständige Angst, die große Ungewissheit und das elende Leid haben viel Fröhlichkeit aus diesem kleinen Örtchen verbannt und außerhalb der Stadt ist noch viel schlimmer. Das hat den Szenen immerhin eine Berechtigung gegeben, denn generell war dieser Abschnitt eher langweilig. Emily leidet an ihrem Tag und stellt sich über ihre Vorstellungen schließlich auch ein paar Fragen. Warum will sie die Stadt nicht verlassen? Was bedeutet ihr Roger wirklich? Eine richtige Antwort gibt es nicht, weil man es lieber auf den Mann runterbricht, der eigentlich seit Jahren nicht mehr da war. Jake Green. Das war seit der ersten Begegnung vorhersehbar und wurde jetzt auch nicht sonderlich innovativ aufgelöst. Emily hat sich nun offenbar von dem Gedanken, ihren Verlobten wieder zu sehen, getrennt, auch wenn es dafür gar keine logischen Gründe gibt. Interessant könnte werden, wie die Freundschaft zu Heather leiden könnte. Sie und Jake sehe ich im Übrigen auch viel lieber zusammen. Emily und Jake passt für mich nicht. Und ganz so viel Drama will ich auf der Ebene gar nicht unbedingt haben.

Schlechtes Timing

Zumal für Beziehungskrisen noch der Bruder zur Verfügung steht. Eric Green gesteht endlich seiner Frau April Green, dass er eine Affäre hat. Dies macht er in erste Linie, um sein Gewissen zu beruhigen, denn dass ihm seine Frau noch irgendwas bedeutet, kommt nicht herüber. Er hat schon ziemlich damit abgeschlossen und zieht viel zu spät den Schlussstrich. Immerhin hat er es geschafft, auch wenn er April damit extrem vor den Kopf stößt. Aber von der Schwangerschaft kann er nichts wissen. Hoffnung, dass sich die Kluft zwischen den beiden, noch mal schließen kann, braucht man zumindest nicht zu haben. Eric steht in dieser Hinsicht ziemlich alleine da, denn Gail Green macht ihm deutlich, auf wessen Seite sie steht. Von Erics Gründen will sie nichts hören, was ziemlich bitter ist, aber Gail ist als starke Frau natürlich bitter enttäuscht. Für April ist es auf jeden Fall schön, dass sie nicht alleine durch diese schwere Zeit muss. Was für sie mit großer Hoffnung begonnen hat, wird für sie richtig bitter. Man will sich gar nicht erst in eine solche Situation hinein versetzen.

Die Brücke

Die Haupthandlung ist auch die gelungenste dieser Episode, weil sie alle wichtigen Aspekte der Serie miteinander vereint und ich genau deshalb auch jedes Mal einschalte. Ich war mir nicht sicher, ob die Brücke nicht wirklich zerstört wird. Erst als es auch den Tod von Jake bedeutet hätte, war zu erwarten, dass es eine andere Lösung geben wird. Mich hat die Storyline aber die ganze Zeit gepackt, weil Goetz auch einfach ein toller Bösewicht ist. Dieser Charakter ist richtig fies und hinterlistig. Die Mimik und Gestik von D.B. Sweeney hinterlässt wirklich Eindruck und es ist auch ihm zu verdanken, dass die Bedrohung so gut herüber kommt. Dass die Lösung Jonah sein wird, hat mich dann wirklich überrascht, aber es ist eine überaus sinnvolle Entwicklung, die auch zeigt, dass dieser Charakter noch häufiger eine wichtige Rolle spielen könnte. Auch in der Hinsicht hat die Episode wieder schön alle wichtigen Figuren zusammen gebracht.

Nebenbei wurde zudem der Konflikt zwischen Johnston Green und Gray Anderson zugespitzt, weil Gray sich doch sehr intensiv einmischt und Vieles in die Hand nimmt. Obwohl er dabei sehr antagonistisch wirkt, finde ich ihn prinzipiell sehr sympathisch. Er ist ein Macher und das braucht man in einer solchen Zeit auch mal. Dass Jake dieses Mal auf seiner Seite stand, mag mit Manipulation zu tun gehabt haben, aber Gray war auch überzeugend und eine wirkliche Wahl hatte man auch nicht.

Bleibt noch die Frage, was Ravenwood nun wirklich ist? Fahren sie im Auftrag des Staates durch die Gegend und organisieren den Wiederaufbau oder ist dieser Trupp auch nur auf sich allein gestellt und versucht mit Waffengewalt zu überleben. Wir werden gewiss nicht das letzte Mal von ihnen gehört haben und auch das ist für mich ein Grund, weiter einzuschalten.

Etwas muss ich noch zu meinem Lieblingspärchen Mimi Clark und Stanley Richmond sagen, denn die beiden in den kleinen Momenten wieder für viel Freude sorgen können. Diese dezente Erzählweise gefällt mir ausgesprochen gut. Sie sind nie Schwerpunkt einer Episode, entwickeln sich aber fast genauso schnell weiter wie andere Geschichten, die viel mehr Zeit in Anspruch nehmen und mir daher nur bedingt passen. Das ist schön, nie langweilig und obwohl man genau zu wissen glaubt, wo das hinführen wird, freut man sich über jeden Schritt in genau diese Richtung. Hier passt für mich einfach alles, denn Dialoge und Schauspieler lassen keine Wünsche offen.

Fazit

Der Hauptteil der Story konnte voll überzeugen und auch der Kontrast der Gegenwart zu Emilys Vorstellungen hat seine Wirkung nicht verfehlt. Trotzdem haben Emily und die Trennung von April und Eric zu viel Zeit in dieser Serie in Anspruch genommen.

Emil Groth - myFanbase

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