Bewertung: 8

Review: #13.16 Sprachlosigkeit

Foto: James Pickens Jr., Grey's Anatomy - Copyright: 2017 ABC Studios
James Pickens Jr., Grey's Anatomy
© 2017 ABC Studios

Nachdem ja schon groß angekündigt wurde, dass #13.16 Who Is He (And What Is He to You)? wieder eine Japril-zentrierte Folge sein wird, bin ich mit eher gemischten Gefühlen an die Episode herangegangen. Vor allem deswegen, weil "Grey's Anatomy" immer mehr Solofolgen bringt und dabei der Grundgedanke, das ganze Ensemble eines großen Casts zu nutzen - wie es die Serie ja auch immer ganz gut hinbekommen hat - etwas in den Hintergrund rückt. Und jetzt verschwinden Jackson und April auf Sondermission aus Seattle und lassen damit den kompletten Krisenherd des Grey Sloan Memorials zurück, obwohl doch gerade da ein Haufen offener Geschichten wartet, die endlich mal weitergeführt werden müssten.

Doch nachdem ich die Folge gesehen habe, muss ich eingestehen, dass es gar keine so schlechte Idee war, das ganze Chaos mal kurz zu vergessen und sich auf einen (bzw. zwei) Charaktere zu fokussieren. Denn auch wenn die ganzen anderen Storylines in Seattle warten müssen, konnte man immerhin etwas Licht ins Dunkel bringen, was Jacksons Verhalten der letzten Zeit angeht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Entwicklungen auch Einfluss auf sein Auftreten in der Ausbildungsprogramm-Sache haben werden. Schließlich war spätestens nach der letzten Folge klar, dass es Jackson schon lange nicht mehr nur darum ging, dass Webber aus seinem Job gedrängt wurde, sondern dass die Sache viel persönlicher war.

"It never really occurred to me that he never really missed me."

Nachdem es so viele verschiedene Storylines gibt, die man hätte thematisieren können, ist es fast schon lustig, dass ausgerechnet Jacksons Vater völlig überraschend aus dem Hut gezaubert wird. Klar, wenn man bei der ganzen Auseinandersetzung zwischen Jackson, Catherine und Richard zwischen den Zeilen liest, konnte man erkennen, dass er seiner Mutter die Schuld daran gegeben hat, dass sein Vater verschwunden ist. Trotzdem hätte ich überhaupt nicht damit gerechnet, dass der gleich in der nächsten Folge auftaucht.

Robert Avery scheint auf den ersten Blick ein netter Kerl zu sein. Nur bedeutet das, wie Jackson selbst erfahren muss, noch lange nicht, dass er auch ein guter Vater ist. Ich fand es sehr interessant, dass hier nicht der übliche Weg genommen wurde, bei dem der Vater voll Reue für sein Fehlen ist und das Kind ihm am Ende verzeiht. So gibt es kein Happyend, aber auch keinen großen, emotionalen Streit. Nur die nüchterne Einsicht von Jackson, dass sein Vater nicht das ist, was er gesucht hat.

Dabei ist das Treffen mit seinem Vater einfach unglaublich bitter gelaufen. Am schlimmsten war es für Jackson wohl zu erfahren, dass Robert in all den Jahren kaum einen Gedanken an ihn verschwendet hat, während er doch ständig an ihn denken musste. Zwar weiß man nicht, unter welchen Umständen Catherine und Robert damals auseinander gegangen sind, doch Robert scheint offensichtlich kein Problem mit Jackson zu haben. Daher ist es mir unverständlich, wie er in der ganzen Zeit niemals auch nur eine einfache Internetsuche nach seinem Sohn machen konnte. Von den Averys gibt es ja wohl mehr als genug Material, da hätte er doch zumindest mal ein Foto googlen können. Diese Gleichgültigkeit war ein ziemlicher Schlag ins Gesicht. Genauso wie die Ausreden dahinter. Robert hat sich einfach nicht als Avery gefühlt, Catherine hingegen war für diese Rolle geboren. Das kommt einem doch bekannt vor. Bei Jackson ist es nicht viel anders. Auch er kann mit seinem berühmten Namen nicht viel anfangen, hat immer darunter gelitten. Nur ist der große Unterschied zwischen ihm und seinem Vater, dass er nicht davongelaufen ist. Er ist geblieben und hat sich seiner Verantwortung gestellt, sei es als Avery oder mit April und Harriet.

Diese Konfrontation mit seinem Vater wurde von Jesse Williams echt grandios dargestellt. Den ganzen Schmerz, die Wut und Enttäuschung und Unsicherheit konnte man während der ganzen Folge deutlich erkennen.

Die anschließende Versöhnung zwischen Catherine und Jackson war wohl eine der schönsten Szenen der Folge. Denn auch wenn Catherine dazu neigt, ihn hin und wieder etwas zu harsch zu behandeln, letzten Endes sieht man, wie sehr sie Jackson liebt. Sei das in den kleinen Gesten oder darin, dass sie genau weiß, was Jackson eigentlich in Montana will und deswegen April mitschickt. Natürlich kann sie übertrieben kontrollierend sein, aber auch das macht sie aus Liebe zu ihrem Sohn. Genau das dürfte auch Jackson klargeworden sein, nachdem er auf seinen Vater getroffen ist, der sich so gar nicht für ihn interessiert. Von dem her war es einfach schön zu sehen, dass die beiden wieder etwas zueinander gefunden haben, nachdem die letzten Wochen doch ziemliche Eiszeit herrschte.

"You came here to tell him something. Don't leave here until you do."

All das wäre aber nicht ohne Aprils Hilfe möglich gewesen. Denn obwohl es in dieser Folge grundsätzlich eher um Jackson ging, war sie es, die genauso strahlen konnte und ihm genau richtig zur Seite stand. Von dem her war ich wirklich froh, dass Catherine April als Merediths Ersatz mitgeschickt hat, auch wenn sie das natürlich geplant hatte. Schließlich kennt niemand Jackson so gut wie April, die genau weiß, was sie zu ihm sagen muss. Egal, ob sie ihn dazu motiviert, seinem Vater das zu sagen, was er all die Jahre tun wollte, oder ihm versichert, dass er nicht so wie sein Vater ist.

Wenn es um April und Jackson geht, ist es mir eigentlich egal, ob wir sie als Paar oder nur als gute Freunde sehen - Hauptsache zusammen. Diese beiden haben einfach eine tolle Chemie miteinander, weswegen es immer nicht nur nervig, sondern auch schade war, wenn sie zerstritten sind. Gerade in letzter Zeit konnte sich April einiges von Jackson anhören. Über ihre Einstellung zum Assistenzarzt-Programm. Über die Jobgelegenheit, die sie genutzt hat, als sie sich ihr bat. Über ihre gute Beziehung mit Catherine. Keine einzige der Anschuldigungen, die Jackson ihr da an den Kopf geworfen hat, war gerechtfertigt und hat nur einen Keil in ihr doch anfangs ganz harmonisches Zusammenleben getrieben.

Daher habe ich mich im Geiste schon auf weitere Streitereien vorbereitet. Denn auch wenn so eine Solo-Folge mit Jackson und April, gerade bei ihrer gemeinsamen Vergangenheit, natürlich Hoffnung auf eine Versöhnung macht, "Grey's Anatomy" läuft inzwischen schon zu lange, als dass man nicht genau wüsste, dass das noch gar nichts zu bedeuten hat. Umso mehr freut es mich, dass die Autoren den beiden scheinbar tatsächlich eine zweite Chance geben wollen. Okay, eine gemeinsame Nacht im Hotel muss noch nicht allzu viel heißen. Schließlich hat Jackson ja schon angemerkt, dass Hotelbesuche bei ihnen immer irgendwie so enden (ach, das weckt doch gleich Erinnerungen an unbeschwertere Japril-Tage). Trotzdem gehe ich davon aus, dass damit zumindest wieder Frieden zwischen den beiden herrschen dürfte. Hoffentlich, denn die beiden geben ein super Team ab, wie man diesmal wieder deutlich sehen konnte. Besonders die Szene, in der sie parallel Jacksons Gespräch mit seinem Vater und eine Behandlungsmöglichkeit besprechen war wirklich großartig.

Fazit

Auch wenn durch diese Folge wieder einiges an Zeit für die Geschehnisse im Krankenhaus verloren gegangen ist, hat sie mir besonders wegen der tollen schauspielerischen Leistungen von Jesse Williams und Sarah Drew sehr gut gefallen. Nachdem Jackson nun in gewisser Weise mit seiner Vergangenheit abschließen konnte, besteht jetzt die Hoffnung, dass er seinen Krieg gegen Catherine und Minnick einstellt, oder zumindest rationaler an die Sache herangeht. Da er der letzte Kämpfer an der Pro-Richard-Front war, werden damit vielleicht endlich die nervigen Machtkämpfe im Krankenhaus ein Ende haben, damit man gemeinsam nach einer sinnvollen Lösung für das Problem suchen kann.

Denise D. - myFanbase

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