Bewertung: 7

Review: #12.01 Mit dem Kopf durch die Wand

Foto: Grey's Anatomy - Copyright: 2017 ABC Studios; ABC/Adam Taylor
Grey's Anatomy
© 2017 ABC Studios; ABC/Adam Taylor

In zwölf Staffeln "Grey's Anatomy" gab es so einige Wohngemeinschaften im Haus von Ellis: Von den "original roommates" Meredith, Izzie und George bis hin zu der Wohngemeinschaft der letzten Staffel Alex, Jo und Arizona hat es so gut wie jeden Hauptdarsteller mindestens einmal dorthin verschlagen. Doch nie haben wir drei Schwestern gemeinsam unter einem Dach vereint gesehen und nach dieser Folge steht für mich persönlich fest: Die Wohngemeinschaft Meredith - Amelia - Maggie birgt sehr viel Abwechslung, sehr viel Potenzial und vor allem: Sehr viel Spaß! Allein die erste Szene, in der Meredith fuchsteufelswild die Treppe runterrennt und Amelia wegen deren Versuch, die Wand zu durchbrechen, anbrüllt, ist richtig witzig. Gleichzeitig sehen wir eine merklich frustrierte Maggie zwischen den Stühlen, die es schlussendlich schafft, zu schlichten und Meredith ein "I love you" für Amelia zu entlocken. Das dauert aber eine Weile und Merediths "I'm not sure if I like you" sollte uns einiges zu bedenken geben. Wir dürfen nicht vergessen, dass Meredith und Amelia bereits in der letzten Staffel miteinander gelebt haben und eigentlich die Gewohnheiten des anderen kennen müssten. Da spielt immer noch ganz viel Derek mit rein und es wird sicher nicht das einzige Mal bleiben, dass Meredith und Amelia aneinander rasseln. Für mich hat sich dennoch das Durchschlagen der Wand wie ein Befreiungsschlag angefühlt. Weg von dem Drama und der Düsternis in der letzten Staffel, hinein in ein neues Kapitel!

Dafür spricht auch ganz eindeutig Merediths Einstiegsmonolog. Ellen Pompeos gezielter Blick Richtung Zuschauer ist durchaus als Aussage Shonda Rhimes' zu verstehen, dass "Grey's Anatomy" weiterhin seinen Weg gehen und Patrick Dempsey nicht brauchen wird. Aber Hand aufs Herz, es war doch schon etwas gruselig, wie Meredith da von allen Seiten plötzlich auf einen blickte, oder? Auffällig ist hierbei auch, dass Meredith nicht wirklich im Vordergrund dieser Folge stand: Sie hatte keine eigene Storyline, die begonnen wurde, ihre Trauer wurde nur minimal gezeigt und abgesehen von den Tonnen Spielzeug sahen wir auch nichts von ihren Kindern. Natürlich war da aber das Anatomy Lab, dessen erste Unterrichtseinheit wir miterleben durften. Wir sehen also tatsächlich "Grey's Anatomy" in "Grey's Anatomy"? Die Serie versucht sich scheinbar buchstäblich neu zu (er)finden.

Hierbei werden wir auch ganz bewusst auf die Ursprünge der Serie hingewiesen. Weg von dem vielen Doktordrama, mehr von den Patienten. In dieser Woche geht das Konzept eigentlich gut auf. Zwar hatte der Fall der Woche durchschaubare Aspekte (es war klar, dass die Mädchen ein Paar waren, sie sich umbringen wollten, weil sie getrennt werden würden etc.), aber er hat es, wie zuletzt kaum ein Patientenfall, geschafft, zu berühren! Ich kann mich kaum an Patienten der letzten Staffeln erinnern, mit Ausnahme an diejenigen, die mit unseren Ärzten enger in Verbindung standen. Das Schicksal der beiden jedoch rührt sehr an. Es nimmt einen mit, wie sehr Jessica unter ihrer Mutter leiden muss und man möchte am liebsten diese auf den Mond schießen. Callies Entrüstung ist damit sinnbildlich für die Gefühle der Zuschauer. Wir verstehen die Mutter nicht, wissen nicht, warum sie so etwas ihrem Kind antun kann und man jubelt laut auf, wenn Maggie ihr einen Kinnhaken versetzt und sich Jessicas Vater endlich für sein Kind einsetzt. Es ist mal was ganz Anderes für eine erste Folge einer neuen Staffel, aber es überzeugt durchweg. Vor allem, weil wir so mehr über Maggie erfahren. Ihre Vergangenheit setzt sich stimmig ins Bild und lehrt uns, wie unsicher und noch nerdiger Maggie damals war. Schön, dass sie sich gegen ihren ersten Bully zur Wehr gesetzt hat!

Bailey becomes President.. äh Chief. Hätte man mir das vor einigen Jahren erzählt, wäre ich sehr begeistert gewesen. Aber erstens war es ziemlich durchschaubar, dass Bailey Chief wird, Dr. Tracy McConnell blieb trotz sämtlicher Errungenschaften und ihrer Hilfe im OP ziemlich blass, und zweitens hat sich Bailey in den letzten Jahren so sehr verändert, dass ich dem Ganzen nicht komplett positiv gegenüberstehe. Wäre es noch die toughe, unabhängige Bailey, die Mark Sloan als Hure bezeichnete und das Krankenhaus quasi mitleitete, dann hätte ich sie gerne auf dem Chefsessel gesehen. Doch das war vor sieben Jahren. Bailey hat stark abgebaut in den letzten Staffeln, insbesondere in der zehnten, als sie Ben oft sehr erniedrigend behandelte. Gleichzeitig dehnte sie damals mehrfach die Regeln, um ihre Behandlungsmethoden bei "bubble boy" Braden Morris zu rechtfertigen, ohne dass es dafür Konsequenzen gab. In dieser Folge konnte sie aber tatsächlich in Kombination mit Ben überzeugen. Er hat sie echt toll aufgebaut und Dank ihm wurde sie trotz allem doch noch zum Chief. Insbesondere die First-Chair-Szene hat mich zum Lächeln gebracht und mir dieses Paar sogar etwas schmackhaft gemacht. Hat Bailey es verdient? Das müssen wir auf uns zukommen lassen.

Kurze Eindrücke

  • Meine absolute Lieblingsszene war die, in welcher Meredith, Alex, Amelia, Callie und Arizona um Maggie herumsaßen und sie für ihre Aktion gefeiert haben. Das High Five war dabei nur das i-Tüpfelchen! Mir hatte schon die Freundschaft zwischen Meredith, Callie, Maggie und Alex aus der letzten Staffel sehr gut gefallen, schön, dass Amelia und Arizona zu der Gruppe dazu gestoßen sind. Interessant dabei ist auch, wie freundschaftlich Arizona und Callie miteinander umgehen. Dennoch hoffe ich persönlich auf keine Wiedervereinigung dieses Paars.
  • Arizonas kleine Storyline um die vergebliche Suche nach einem Mitbewohner war süß und war vor allem mit einer trockenen Stephanie als Dialog-Partnerin herrlich! All die Gerüchte, die sich um Arizona ranken, haben mich fragen lassen, wie man denn über die unzerstörbare Meredith Grey denkt? Die Wohngemeinschaft mit Marks und Dereks Love Child (wie er in Foren genannt wird) Andrew DeLuca weckt in mir nur Vorfreude.
  • Kann uns bitte jemand von den Song Covern erlösen? Da waren sogar die 80er Cover aus der zehnten Staffel besser und die waren ab und zu grenzwertig. Ich meine, da hört man Wrecking Ball, während gerade zwei Mädchen behandelt werden, die fast von einem Zug überfahren wurden! Das ist schon makaber.
  • Owen und Amelia. Ich muss gestehen, ich bin ein Fan dieses Pairings und finde einfach, dass die beiden eine interessante Chemie haben, die weiter auszubauen wäre. Dazu ist es nur schön, Owen nach all den Jahren des Leidens wieder verliebt zu sehen und auch Amelia schien von weiteren Küssen nicht abgeneigt zu sein.
  • Alex' Geschichte war süß und reihte sich ein in zahlreiche Fakten, die wir noch nicht über ihn wissen. Ein bisschen mehr Fokus würde ihm, aber auch Jo, richtig gut tun, nachdem sie in der elften Staffel mehr als deutlich vernachlässigt wurden. Ihre gemeinsame Wohnung wirkt schon mal nett eingerichtet, ich würde gerne mehr von ihr und ihren Bewohnern in dieser Staffel sehen!
  • Jackson macht seine Drohung ernst und hat April aus seinem Leben gestrichen. Die kurze Szene im Bereitschaftsraum sowie seine Abneigung, über seine Ehefrau zu reden, sprechen ja Bände. Bis jetzt ist es die einzig wirkliche dramatische Storyline dieser zwölften Staffel: Wie gehen die beiden mit ihren Problemen um? Wird April endlich ein paar Schritte auf Jackson zugehen? Oder war ihre Reise in den Jordan der endgültige Schlussstrich? Potenzial hat die Storyline jedenfalls genug.



Fazit

"Grey's Anatomy" Reloaded - wird das wirklich Bestand haben oder ist das eher ein Schuss in den Ofen? Wir müssen wohl dranbleiben, um Gewissheit darüber zu erhalten. Mir persönlich hat die Episode viel Spaß gemacht und Vorfreude auf neue Folgen geweckt, insbesondere Dank der Wohngemeinschaft der Schwestern.

Lux H. - myFanbase

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