Bewertung: 7

Review: #14.22 Es ist nie zu spät!

Foto:

Jeder hat im Leben so seine Kämpfe auszutragen. Manchmal sind diese Kämpfe offensichtlich und für alle verständlich; dann gibt es aber auch wieder die Kämpfe, die man ganz alleine mit sich selbst führt. Kopf gegen Herz. Verstand gegen Gefühl. Loyalität gegen Gerechtigkeit. In #14.22 Fight For Your Mind wurden gleich mehrere der Charaktere vor schwierige Entscheidungen gestellt, während die Nebengeschichten gezeigt haben, wie es laufen kann, wenn sich der eigene Kopf gegen einen wendet.

"All I ever wanted was a mum who wasn't sick."

Alex und Jo machen sich auf die Suche nach seiner Mutter, die – große Überraschung – überhaupt nicht in Schwierigkeiten steckt, sondern stattdessen ihr Leben halbwegs in den Griff bekommen hat. Das macht es für Alex aber auch nicht einfacher. Ich habe mich schon sehr auf diese Storyline gefreut, denn wenn es um Alex' Familie geht, wird es eigentlich immer interessant. Und ich wurde nicht enttäuscht, denn Justin Chambers hat Alex' gemischte Gefühle, was seine Mutter angeht, wirklich hervorragend dargestellt. Alex spricht nicht viel von seiner Kindheit, doch was wir wissen, hat klar gezeigt, dass sie nicht schön war. Er musste sich um seine Mutter kümmern und parallel noch seine Geschwister aufziehen. Von seinem Vater ganz zu Schweigen. Kein Wunder also, dass es ihm schwerfällt, die plötzliche Veränderung seiner Mutter ohne bitteren Beigeschmack aufzunehmen. Denn für ihn kommt das alles eigentlich zu spät. Damals hätte er sich nichts sehnlicher gewünscht, als dass seine Mutter wieder gesund ist und jetzt, wo es ihr besser geht, will sie lieber allein sein. Es ist nicht leicht, es ist nicht fair und glücklicherweise hat Alex Jo dabei, die genau das Richtige tut, und ihn sich erst mal die ganze Frustration abreagieren lässt. Überhaupt hat diese Folge nur mal wieder gezeigt, wie gut die beiden zueinander passen und wie gut sie einander kennen. Denn nachdem Alex seine Gedanken erst einmal in Ruhe sortieren konnte, kommt es dann doch noch zu einem schönen Ende. Alex kann seiner Mutter sagen, dass er sich aufrichtig für sie freut und stolz auf sie ist, während seine Mutter ihm das bisschen an familiärer Wärme gibt, das sie aufbringen kann. Es ist keine große Geste und trotzdem ein riesiger Schritt für die Beziehung der beiden.

"Do whatever you think is best for her."

Da haben wir nun also Arizonas Ausstiegsgrund. Die ganze Staffel über wurde schon angedeutet, dass Sofia in Seattle überhaupt nicht glücklich wird und sich nach New York sehnt. Von dem her war es nur der logische nächste Schritt, dass sich Arizona letztlich dafür entscheiden wird, mit ihrer Tochter wegzuziehen. Trotzdem hat mir die Art und Weise, wie Arizona während dieser Folge langsam zu ihrem Entschluss kommt, sehr gut gefallen. Überhaupt war es eine starke Folge für Arizona Robbins, in der sie sich noch einmal von ihrer besten Seite zeigen konnte: unglaublich empathisch und bereit, für ihre Patienten zu kämpfen. In diesem Fall Teresa, einer Patientin mit panischer Angst vor Ärzten, die möchte, dass ihr Baby gesund wird, ihre innere Blockade aber einfach nicht überwinden kann. Dabei ist es Arizona, die Teresa schlussendlich genug Mut zusprechen kann. Mut und vor allem auch Hoffnung. Es war eine wirklich berührende Szene, als Arizona sich an die Zeit nach ihrem Unfall erinnert - wohl mit ihre schlimmsten Momente in der Serie. Es hat lange gedauert, bis Arizona damals über den Verlust ihres Beins und Callies Rolle dabei hinweggekommen ist. Umso schöner ist es zu hören, dass sie inzwischen nicht nur ihren Frieden geschlossen hat, sondern aufrichtig froh darüber ist, wie die Dinge damals gelaufen sind.

Teresa hat aus dieser Geschichte Mut geschöpft und die Operation hinter sich gebracht. Und vermutlich war das auch einer der Gründe für Arizonas Entscheidung. Sie hat gesehen, wie Teresa ihre größten Ängste für ihr Kind überwunden hat, sie denkt an das, was April zu ihr gesagt und sie später an Teresa weitergegeben hat: Man tut für sein Kind, was man kann. Auch wenn das bedeutet, Arbeitsplatz, Freunde und Freundin zurückzulassen. Es war sicherlich keine leichte Entscheidung für Arizona, doch ich bin sehr zuversichtlich, dass sie so ihr Glück finden wird. Auf jeden Fall ist so ein schöner und positiver Ausstieg für Arizona geschaffen worden, der Sinn macht und Bedeutung hat. Auch wenn es ein rundes Ende für Arizona und Sofia gibt, tut es mir doch für Carina leid. Ihre Beziehung mit Arizona war zwar jetzt nie sehr im Zentrum des Geschehens, trotzdem ist es schade, wenn es jetzt so auseinander gehen muss.

"Everybody wants his place in history."

Meredith hat es geschafft, das ganze Cerone-Grey-Dilemma recht elegant zu lösen. Inwieweit dabei ihr kleines Bartreffen mit David eine Rolle gespielt hat, sei mal dahingestellt, aber er hat sicher dabei geholfen, ihr die Seite der Verlierer näher zu bringen. Trotzdem wusste Meredith eigentlich schon von Anfang an, was ihre Meinung zu dem Thema ist. Man hintergeht seine Freunde nicht, auch nicht für einen noch so tollen Preis. Von dem her ist Merediths Lösung wohl die beste: Der Eingriff bekommt den neuen Namen Grey-Cerone-Methode und Marie damit zumindest jetzt ein bisschen des Ruhms. Umso mehr hat es mich aber gefreut, dass Meredith sich nicht wieder von Marie hat einfangen lassen. Mer-Mer hin oder her, ihr Verhalten Meredith gegenüber war absolut unprofessionell und es ist gut, dass Meredith hier den Kontakt klar abbricht.

Bei Bailey ging es derweil weniger um familiäre Dilemma, sondern ganz einfach ums Prinzip. Zugegebenerweise, ein bisschen schade fand ich es ja schon, dass Vik Roy jetzt doch wieder zurück ans Krankenhaus darf. Natürlich hat Webber recht, dass sie bisher auch schon einige gravierende Fehler der Angestellten haben durchgehen lassen und das eigentlich schon seit Beginn der Serie. Trotzdem ist es nicht nur Roys Lüge, was die Haschkekse anging, sondern viel mehr sein Verhalten danach, was mir diesen Charakter einfach völlig vermiest hat. Anwalt, Wiedereinstellung, Gehalt nachbezahlen lassen und auch noch eine Entschuldigung für den Rausschmiss, das ist einfach zu viel des Guten. An dieser Stelle muss man es Bailey echt lassen, dass die sich zumindest bereit erklärt hat, ihn zurückzunehmen. Glücklicherweise zu ihren eigenen Bedingungen.

Währenddessen hat Amelia alle Hände voll mit Betty zu tun, die gerade dabei ist, von den Schmerzmitteln loszukommen. Es ist kein leichter Weg und auch wenn Amelia ihn nur allzu gut kennt, bin ich erleichtert, dass sie den Rückhalt ihrer Gruppe hat. Denn das Letzte, was wir brauchen, ist, dass Amelia wieder rückfällig wird. Trotzdem hat es Betty geschafft, wegzulaufen. Ich bin ja mal gespannt, ob sie in der nächsten Folge wieder vor der Haustür steht, oder ob Amelia und Owen sie suchen müssen.

Fazit

Trotz der vielen Geschichten war das eine eher ruhige Folge, die sich mit den Gedanken und Gefühlen der Charaktere beschäftigt hat. Dabei konnten besonders Alex und Arizona hervorstechen, die beide wirklich tolle Entwicklungen gemacht haben. Nachdem nun der Streit mit Marie Cerone aus der Welt geschafft wurde, Harper Averys Skandal halbwegs überstanden ist und auch Vik Roys Klage nicht mehr länger von Bedeutung ist, dürfte es spannend werden, womit sich die letzten beiden Folgen der Staffel beschäftigen werden. Eines dürfte klar sein: Nachdem Arizonas Ausstieg in dieser Folge mehr oder weniger erklärt wurde, ist jetzt wohl April an der Reihe.

Denise D. - myFanbase


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier mit anderen Fans von "Grey's Anatomy" über die Folge #14.22 Es ist nie zu spät! diskutieren.