Bewertung: 8

Review: #14.20 Dankes-Kekse

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Bevor "Grey's Anatomy" sich dem Ende von Staffel 14 nähert, bekommen wir mit #14.20 Judgement Day noch eine überraschend ungewöhnliche und amüsante Episode zu sehen. Das lag vor allem an den "Lesbian Gratitude Cookies", denen ich selbst meine Dankbarkeit aussprechen muss, denn ich habe selten bei einer "Grey's Anatomy"-Folge so viel gelacht. Inmitten all des Weed-Chaos hat man trotzdem noch etwas Platz gefunden, um einige Storylines einzuführen, die wohl die zentralen Themen für den Rest der Staffel bilden werden.

"Who had the cookies?" – "Who didn't?"

Ich kann mich gar nicht entscheiden, wer mir von ihnen am besten gefallen hat: Alex, der jedes bisschen Essen in sich reinstopft, Andrew, der die grüne Wandbepflanzung streichelt, oder Maggie, die schon fast offenbarungsmäßig ihre Liebe für Käse entdeckt. Es war der Tag der großen und kleinen Wahrheiten am Grey + Sloan Memorial Hospital, ausgelöst durch ein paar Haschkekse.

Arizona reflektiert über ihr Liebesleben und das endet für sie ziemlich ernüchternd: Irgendwie wird sie immer verlassen. Von Callie, die mit Sofia weggezogen ist. Von Eliza, die sich einfach nicht mehr gemeldet hat. Und jetzt wohl auch noch von Carina, die nach dem Ende ihrer Forschungsreihe zurück nach Italien will. Arizona sieht, wie sich dieses Muster immer wieder wiederholt und hat Angst, dass das nun erneut passiert. Gerade, als es mit Carina so gut läuft. Tatsächlich verabschiedet sich Carina am Ende der Folge von Arizona. Aber ist das auch wirklich das Ende für die beiden? Bis jetzt bin ich davon ausgegangen, dass man Arizonas Ausstieg mit Sofia rechtfertigt. Doch jetzt erscheinen da plötzlich ganz andere Möglichkeiten. Auf jeden Fall könnte ich mir gut vorstellen, dass Arizona diesen Kreislauf des Verlassenwerdens irgendwie brechen wird. Vielleicht entscheidet Arizona ja, dass sie genug davon hat, zurückgelassen zu werden und folgt Carina nach Italien?

Parallel sinniert auch April über ihr Liebesleben, während sie versucht, die skandalösen Neuigkeiten über Harper Avery, die sie zufällig mitbekommen hat, zu verdauen. Eigentlich ist es nur ein kleiner Satz, doch der lässt einen aufhorchen: April hat auch jemanden gefunden. Das klingt auf jeden Fall nicht nach den Assistenzärzten, mit denen sie in letzter Zeit so ihren Spaß hatte. Nur wer dann? Grundsätzlich wäre Matthew der logischste Kandidat. Die beiden hatten in der letzten Folge ja wieder Frieden geschlossen und es würde zumindest erklären, wieso man ihn überhaupt zurückgeholt hat. Auch hier könnte sich also langsam eine Storyline anbahnen, die Aprils Ausstieg erklärt.

Während der Großteil der Charaktere erst mal lahmgelegt ist, müssen sich Meredith und Jo darum kümmern, dass das Krankenhaus nicht im Chaos versinkt. Dass Meredith mit Krisensituationen routiniert umgehen kann, ist klar, aber es hat mich gefreut, wie sehr Jo in dieser Folge glänzen durfte. Denn die wurde durch Merediths plötzliche Handverletzung (was ein Zufall aber auch) plötzlich mit einer schwierigen Operation betraut. Die meisten der Ärzte haben im Laufe der Serie so eine ausschlaggebende OP bekommen, in der sie eine schwierige Entscheidung treffen mussten. Lieber auf Nummer sicher gehen und den kompletten Magen entfernen, oder eventuell krebsverseuchtes Gewebe zurücklassen, damit der Patient mehr Lebensqualität hat? Jo entscheidet sich mit Richards Anzeigestift für eine clevere Alternative und siehe da, die Operation ist ein voller Erfolg und Lob von Meredith gibt es auch noch. Es freut mich einfach, zu was für einer tollen Ärztin Jo aufgeblüht ist, nachdem man ihr die Screentime dafür gegeben hat.

Neben Jos Paradeleistung gab es aber auch noch das Gegenteil in Form von Dr. Roy. Der hat einfach mal unter den Tisch fallen lassen, dass er sehr wohl einen der Kekse zu sich genommen hat. Dabei konnte er von Glück reden, dass er nur mit einer kleineren Wunde davon gekommen ist und keinen Patienten umgebracht hat. Trotzdem ist es die einzig richtige Entscheidung gewesen, ihn sofort zu feuern.

"This group is not ready to be seen in public."

Während es im Krankenhaus drunter und drüber geht, herrscht bei Owen ein ganz anderer Ausnahmezustand: Er bekommt ein Pflegekind. Irgendwie hat mich das schon verwundert, schließlich wäre er ja alleinerziehend mit einem ziemlich stressigen Job, ohne geregelte Arbeitszeiten. Und da geht das trotzdem so einfach und schnell, ein Baby zu bekommen? Naja, immerhin hat er tatkräftige Unterstützung von Amelia (und Alex, aber der war eher amüsant als hilfreich). Überhaupt hat mir Amelia hier einfach schrecklich gut gefallen. Sie unterstützt Owen auf freundschaftliche und kompetente Art und Weise und ihre gemeinsamen Szenen waren wirklich sehr schön. Ich bin ja mal gespannt, ob Amelia tatsächlich nur eine Nacht bleiben wird. Dafür, dass Owen eigentlich schon Ewigkeiten ohne ordentlichen Handlungsstrang verbracht hat, geht es jetzt doch recht schnell voran. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob man es auf diese Weise schafft, diesem Charakter wieder ein bisschen Leben einzuhauchen.

"Why didn't you try to stop him?"

Das große Geheimnis rund um die Averys, das in der letzten Folge angekündigt wurde, stellt sich als sexuelle Belästigung heraus, die Harper Avery in der Vergangenheit begangen hatte. Damit greift die Serie gleich das nächste große Gesellschaftsthema auf, wohl eines der aktuell brisantesten, dank der #metoo-Kampagne. Die ganze Problematik wird auf vielseitige und komplexe Art und Weise dargestellt und es wird gezeigt, dass es in dieser Situation eben nicht nur schwarz und weiß gibt. Grundsätzlich ist Jacksons schockierte Reaktion absolut verständlich, ebenso wie sein Entsetzen darüber, dass seine Mutter nichts dagegen unternommen hat. Dass die ganze Sache, obwohl doch über ein Dutzend Frauen betroffen waren, einfach so mit Geld unter den Tisch gekehrt wurde. Dass Harper Avery damit davon gekommen ist, ohne irgendwelche Konsequenzen. Dass die Harper Avery Stiftung, der Preis und die ganze Familie so ohne jegliche Probleme weitermachen konnten. Dass Catherine das alles sogar selbst vertuscht hat. Gerade in den letzten Monaten hat man sich daran gewöhnt, dass solche Skandale Folgen nach sich ziehen und dabei auch kein Halt vor Karrieren oder großen Namen gemacht wird. Doch es war nun mal nicht immer so. Und während man heutzutage sicherlich (hoffentlich!) anders reagiert hätte, so hatte Catherine damals nicht die Chance dazu. Ihr Gespräch mit Jackson gibt das wieder, was man häufiger gehört hat, wenn es um ältere Fälle sexueller Belästigung am Arbeitsplatz ging. Catherine hatte keine andere Wahl. Selbst heute ist es noch schwer, solche Fälle ans Licht zu bringen und unbeschadet aus der ganzen Sache herauszukommen. Ohne diffamiert zu werden. Ohne belächelt und nicht ernst genommen zu werden. Ohne blöde Kommentare und Zweifel. Und vor ein paar Jahrzehnten, gerade auch in so einem von Männern dominierten Berufsfeld wie der Medizin, sah das noch viel schlimmer aus. So konnte Catherine nur dafür sorgen, dass die Frauen mit einem Rest ihrer Würde und einer Abfindung aus der Sache herauskamen, anstatt umsonst von den Medien zerrissen zu werden. Es ist keine gute Lösung gewesen, aber für damalige Verhältnisse wohl die beste.

Aber jetzt sieht das Ganze natürlich anders aus und alles steht auf dem Spiel. Der Name ihrer Familie, der Harper Avery Award, alles, was mit der Stiftung zu tun hat – also auch das Krankenhaus. Und selbstverständlich haben die Medien schon davon Wind bekommen, bevor sich Jackson und Catherine selbst darum kümmern konnten. Plötzlich ergibt auch die angespannte Situation zwischen Ellis Grey und Marie Cerone Sinn. Nur macht es das Ganze eigentlich noch schlimmer. Jetzt, wo Ellis Maries Namen nicht nur wegen des Ruhms weggelassen hat, sondern um eine Chance auf den Harper Avery Award zu haben. Vermutlich in dem Wissen, was der ihrer Freundin angetan hat. Das ist schon ziemlich hart, egal wie schwer umkämpft die Medizinbranche ist.

Wie man es auch dreht und wendet, es ist eine äußerst hässliche Sache, die Jackson da versehentlich ans Tageslicht gebracht hat. Und natürlich wäre es kein richtiges Finale, wenn nicht auch der Ruf bzw. die Existenz des Krankenhauses auf dem Spiel stehen würde. Harper Avery ist tot, aber falls herauskommen sollte, dass Catherine damals bei der Vertuschungsaktion ihre Finger im Spiel hatte, könnte das nicht nur für ihren Familiennamen, sondern für sie ganz persönlich unangenehme Konsequenzen haben.

Fazit

Neben der an sich sehr heiteren Folge hat man einige neue Handlungsstränge eingeführt, die uns wohl bis zum Ende der Staffel begleiten werden. Während das Pflegekind von Owen die Chance bietet, diesem Charakter wieder zu etwas mehr Sinn in der Serie zu verhelfen, ist es wohl vor allem der Skandal rund um Harper Avery, der die nächsten Folgen als Hauptstory beschäftigen wird. Der hat abgesehen von seiner aktuellen Brisanz gerade auch deswegen viel Potential, weil man noch überhaupt nicht einschätzen kann, was dabei herauskommen wird.

Denise D. - myFanbase

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