Bewertung: 7

Review: #1.08 Unvorbereitet

Foto: Julianna Margulies, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Julianna Margulies, Good Wife
© Paramount Pictures

Auch wenn "Good Wife" gerade einmal acht Folgen alt ist, so befindet sich die Serie doch noch in der Phase, in der sich die Einzelaspekte erst einmal zu einem stimmigen großen Ganzen finden müssen. Waren die bisherigen Episoden vor allem dadurch gekennzeichnet, dass wir uns viel mit Alicias neuer Lebenssituation und ihrer Art und Weise, mit dieser umzugehen, auseinander gesetzt haben, während im Rahmenprogramm ein klassischer Justizfall der Woche ablief, beginnt man nun anscheinend etwas mit diesem Format zu spielen und Experimente in der Erzählweise auszuprobieren.

Und damit meine ich nicht den Taschenspielertrick der Proceduralschreiberlinge, Parallelen zwischen dem Fall der Woche und den Protagonisten zu erzeugen (den sollte man in diesem Genre einfach beherrschen, der gehört zum Grundrepertoire), sondern eher die Tatsache, wie man die Geschichte hier dem Zuschauer präsentiert.

Unvorbereitet?

Was und wie der vorliegende Kriminalfall passiert ist, erfahren wir hier nur aus zweiter Hand, durch die in Vorbereitung auf den Prozess geführten Zeugenaussagen. So wird erzählt, wie es im Labor von Prof. Whitton zu einem Brand kam, für den sie nun der Brandstiftung angeklagt wird. Da sie selbst aber unter den Befragungen so unsicher und wegen ihrer Nervosität eben auch schuldig wirkt, beschließen Will und Diane sie ganz besonders auf den Zeugenstand vorzubereiten, indem sie Alicia und Cary unter möglichst "darwinistischen Bedingungen" diese Aufgabe zuteilen. Da nutzen die beiden erfahreneren Herrschaften also die Konkurrenzsituation zwischen den Junioranwälten für ihre Zwecke, alles natürlich im Sinne des Klienten. Im Laufe dieser Zeugenvorbereitungen, nicht nur der Angeklagten, auch der weiteren Entlastungszeugen, entfaltet sich langsam das Gesamtbild des Falles und wird dieser letztendlich auch aufgeklärt.

Durch diesen kleinen Trick in der Erzählweise, hat man gar nicht so sehr das Gefühl einen losgelösten Fall zu beobachten, sondern man fühlt sich direkt ins Geschehen hineingezogen. Ein allgemein abschätzendes Urteil unter Serienfans ist es ja immer wieder, dass es schlecht wäre, wenn eine Show zu sehr aus Proceduralelementen besteht. Meiner Meinung nach ist aber der Aufbau eines guten Fall der Woche, der in sich schlüssig und vor allem auch unterhaltsam ist, ebenso eine Leistung, wie eine ausgeklügelte staffelübergreifende Handlung. Und ich finde, dass man bei "Good Wife" diese beiden Elemente für sich betrachtet sehr gut beherrscht und auch gut miteinander in Verbindung bringt. Denn ein weiterer, unheimlich unterhaltsamer Aspekt dieser Folge ist das gezwungene Zusammenspiel zwischen Alicia und Cary. Die beiden haben so ein herrlich zwiespältiges Verhältnis zueinander, was ja ihre Chefs auch gut erkannt haben: Einerseits konkurrieren sie natürlich um den gleichen Job, andererseits müssen sie auch immer wieder am gleichen Strang ziehen. In #1.08 Unvorbereitet bekommen wir von allem etwas, mit Cary und Alicia auf gegnerischen Seiten einer Befragung, in denen beide durchaus glänzen können, aber sie arbeiten auch gut zusammen, als sie den wahren Schuldigen entlarven. Insgesamt macht es einfach Spaß, diesem Geflecht aus juristischem Geplänkel und charakterlicher Entwicklung zuzuschauen.

Nebenbei gewährt man dem Zuschauer noch einen Einblick in einen Bereich der Anwaltsarbeit, der einem als Laie gar nicht so bewusst ist. Denn wie formuliert Diane es so schön, gute Zeugen gibt es nicht, die werden gemacht. Ich kann mir zwar gut vorstellen, dass sich einem richtigen Juristen bei Serien wie "Good Wife oftmals die Zehennägel hochrollen, schließlich erlaubt man sich auch hier genügend künstlerische Freiheiten. Aber ich als Laie genieße die Abwechslung, die man herstellt, in dem man nicht Woche für Woche nach dem gleichen Schema - Klient kommt in die Kanzlei, präsentiert einen Fall und der wird dann verhandelt - verfährt.

Im Zeugenstand

Besondere Brisanz erhält dieser Fokus auf die möglichst gute Zeugenvorbereitung aber dadurch, dass Alica hier auch selbst in den Zeugenstand berufen wird, um zu Peters Gunsten auszusagen. Der möchte nämlich auf Kaution, unter elektronischer Bewachung, freigelassen werden, was Alicia durchaus mit gemischten Gefühlen beobachtet. Dennoch ist sie bereit für Peter auszusagen und zu bestätigen, dass er in ein stabiles Umfeld entlassen werden würde. Während ihrer Befragung zeigt sie dem Staatsanwalt, was sie auf dem Kasten hat, denn sie bietet diesem ordentlich Paroli, als er ihr unterstellen will, sie meine ihre Aussage nicht wirklich ernst. Es war eine großartige Präsentation von Julianna Margulies und auch den Dialogautoren, die darstellten, wie Alicia sich dort zur Wehr setzt und sie sich die Scheinheiligkeit der Staatsanwaltschaft zu Nutze macht und mit ihrer eigenen entwaffnenden Ehrlichkeit kontert. Alicia ist meist beherrscht und zurückhaltend, aber in solchen Momenten merkt man doch deutlich, was für eine starke Persönlichkeit unter dieser beherrschten Fassade schlummert.

Am Ende scheitert Peters Antrag, denn in der Staatsanwaltschaft findet sich ein ehemaliger Kollege von Peter, der behauptet dieser wollte den Richter bestechen. Ich kann jetzt nicht so richtig nachvollziehen, ob man aus dem kurzen Gespräch zwischen Peter und dem betreffenden Staatsanwalt wirklich mit gutem Willen einen Bestechungsversuch herauslesen könnte, ich habe die Szene jedenfalls genau gegenteilig aufgefasst. Aber am Ende steht das Urteil und Peter weiß sofort, dass er einer Intrige aufgesessen ist. Dabei spielt sicher auch das nebenbei angesprochene Gerede eine Rolle, dass die Öffentlichkeit plötzlich ein politisches Comeback von Peter wieder in Betracht zieht. Dass Glenn Childs Peter da lieber weiter hinter Schloss und Riegel sieht, ist natürlich ganz klar.

Fazit

Es waren kurzweilige 42 Minuten, die diese Episode geboten hat. Der juristische Fall war spannend und sehr abwechslungsreich und unterhaltsam präsentiert, zumal ich die Auflösung so wirklich nicht kommen sehen habe. Im Zuge dessen konnten Cary und Alica glänzen, während die anderen Kanzleimitarbeiter eher im Hintergrund blieben. Inhaltlich bleibt einem von dieser Episode zwar auf lange Sicht nicht viel in Erinnerung, aber wenn sich die Standardepisoden immer auf solch gutem Niveau bewegen, dann ist das "Good Wife"-Team auf dem richtigen Weg.

Cindy Scholz - myFanbase

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