Bewertung: 7

Review: #1.07 Unorthodox

Foto: Josh Charles, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Josh Charles, Good Wife
© Paramount Pictures

Obwohl Jonas Stern in "Good Wife" bisher durch Abwesenheit glänzte, heißt das nicht, dass wir nicht etwas mehr über ihn erfahren können. In dieser Folge bittet er die Kanzlei, seiner Tochter Anna zu helfen. Anders als von Will und auch Kalinda erwartet, hat sich Anna aber nicht wie früher durch ihr ausgelassenes Partyleben in Schwierigkeiten gebracht. Zur gleichen Zeit müssen Diane und Will darüber entscheiden, welche Mitarbeiter die Kanzlei verlassen müssen, da sie nicht genügend Geld haben, um alle weiter zu beschäftigen.

Nachdem, was anfangs über Anna Stern erzählt wird, erwartet man einen Fall rund um ein klassisches Partygirl wie Paris Hilton und Konsorten. Doch die junge Frau ist inzwischen verheiratet und hat den Glauben ihres Mannes angenommen. Sie ist nun eine orthodoxe Jüdin und nichts an ihr erinnert an die eingangs erwähnte Beschreibung. Der Fall an sich wird spannend, als der Anwalt von Anna und ihrem Mann Isaac Loeb, Ryan Alprin, ins Spiel kommt. Er sieht sehr gut aus und ist sehr selbstbewusst. Man kann verstehen, dass er es nicht mag, dass mit Alicia nun eine reiche Anwältin aus der Stadt gekommen ist, um ihm seinen Fall wegzunehmen. Hier gefällt mir, dass Alicia nicht einfach nur genervt reagiert, sondern auch zu kontern weiß. Wenn er nicht mit ihr kooperieren will, wartet sie halt, bis er soweit ist. Und da er ihr nichts über den Fall erzählen will, sucht sie sich die Informationen halt selbst zusammen. Das hat wohl nicht nur mir gefallen, sondern auch Ryan Alprin, denn er erklärt Alicia seine Strategie. Dass er in diesem Fall auf die Grundrechte der Religionsausübung setzt, klingt spannend, denn welcher Richter würde diese schon angreifen. Noch dazu haben sie einen Richter erwischt, der selbst schon mal eine ähnliche Strategie verfolgt hat.

Leider stellt sich dann aber im Laufe des Falles heraus, dass Anna Loeb aus Angst, die Gefühle und den Stolz ihres Mannes zu verletzen, nicht die komplette Wahrheit erzählt hat. Auch wenn diese Situation, in der Isaac erfährt, dass Anna sich wiederholt nicht an den Sabbat gehalten hat, natürlich tragisch war, hat es mir gefallen, wie diese Gefühle ausgedrückt wurden. Die Bitterkeit, die Isaac bei diesem Betrug seiner Frau empfindet, und Alicias Versuch, ihn zu besänftigen, waren eine sehr berührende Szene. Dass sich dann herausstellt, dass der ganze Unfall inszeniert war, um an das Geld von Jonas Stern heranzukommen, tröstet nicht darüber hinweg, dass das Vertrauen von Isaac in Anna gestört wurde. Umso schöner, dass sie sich am Ende der Episode einander wieder ein wenig annähern.

Ein Mini-Liebesdrama spielt sich in dieser Episode auch noch ab. Wie bereits erwähnt, ist Ryan Alprin ein durchaus attraktiver Mann und auch Alicia scheint das aufgefallen zu sein. Dennoch möchte sie nicht auf Ryans Avancen eingehen, zum einen, um den Fall auf professioneller Ebene zu händeln, zum anderen wohl auch, weil sie noch verheiratet ist. Peter hat sie zwar betrogen und sitzt im Gefängnis, aber das bedeutet nicht, dass sie ihren Mann nun ebenso hintergehen würde. Dieses Thema des Betrugs wird also nicht nur zwischen Anna und Isaac aufgegriffen, sondern spielt auch in Alicias Leben wieder eine Rolle. Umso schlimmer für sie, dass sich dann noch herausstellt, dass Ryan gar keine Anwaltslizenz hat und er somit gar nicht vor Gericht verhandeln dürfte. Er hat sie also die ganze Zeit über angelogen, was sie sicher mehr verletzt hat, als sie eigentlich zugeben würde. Wer weiß, wie es zwischen Ryan und Alicia weitergegangen wäre, wenn sie es nicht erfahren hätte oder Ryan ein normaler Anwalt gewesen wäre. Hätten sie ihren Fall abgeschlossen und hätten sich dann doch mal privat getroffen? Aber was bringt schon dieses "Was wäre wenn..."-Spielchen, wenn Alicia doch eine Frau ist, die an ihren Prinzipien festhält.

Als Will Alicia für den Fall von Sterns Tochter einsetzt, lässt er sie wissen, dass es gut wäre, wenn sie bei Stern ein Stein im Brett hätte. Will und Diane sind nämlich dabei, die Kanzlei umzustrukturieren, wodurch es zu vielen Entlassungen kommt. Es bleibt ihnen aber nichts anderes übrig, wenn sie Kosten einsparen möchten. Da tröstet es auch nicht zu wissen, dass – wie Cary es ausdrückt – nur die "alten" Kollegen gehen müssen. Seine Begründung, dass diese weniger Biss als die jungen hätten, finde ich da etwas zu einfach. Sie machen vielleicht nicht mehr so viele Überstunden wie die jüngeren Kollegen, aber das wiegen sie doch auch irgendwie mit ihrer Erfahrung auf. So eine Entlassungswelle sorgt auf jeden Fall für schlechte Stimmung in der Kanzlei, egal, ob man selbst betroffen ist oder nicht.

Ich fand es gut, dass man hier nicht nur gezeigt hat, wie Will und Diane darüber entscheiden, wer gehen muss, sondern auch die eine oder andere Reaktion eingefangen wurde. Verständlich, dass Will diese Situation auch nicht gefällt, dabei ist sein Job auf jeden Fall sicher. Die Idee, Stern rauszuschmeißen, um dessen Gehalt auf mehr Mitarbeiter aufteilen zu können, klingt eigentlich ganz plausibel. Immerhin ist Stern eh nie da und trägt somit auch nichts zum Erfolg der Kanzlei bei. Wieso ihn also weiter bezahlen? Diane wittert aber direkt eine Intrige, denn wenn Stern weg ist, fehlt jemand, der auf ihrer Seite steht. Eine klassische Zwickmühle, denn ich wüsste auch nicht, wie ich entscheiden würde. Das Thema bleibt also sicher spannend und ich kann's gar nicht erwarten, wann Stern endlich mal selbst auftaucht. Wenn Will schon beginnt an seinem Stuhl zu sägen, wird es definitiv mal Zeit.

Zuhause hat Zach sich derweil Hilfe gesucht, um an mehr Informationen über die Fotos von seinem Vater und dem Callgirl zu kommen. Das Thema Vertrauen spielt hier eine wichtige Rolle, denn Zach weiß, dass seine Mutter und auch seine Großmutter nie annehmen würden, dass er se belügen wird. Genau das tut Zach aber in dieser Folge. Er klaut zum einen Jackies Kreditkarte und lügt später seiner Mutter eindeutig ins Gesicht. Als Zuschauer weiß man aber, dass Zach kein böser Junge ist. Er will nur die Gefühle seiner Mutter beschützen und seine neuesten Erkenntnisse lieber für sich behalten. Ich frage mich, wie lange das noch gut geht, denn irgendwann muss ja rauskommen, dass Zach und auch Grace ihrer Mutter etwas verheimlichen. Zwar ist Alicia nur wenig zuhause, aber wenn tatsächlich eine Intrige gegen Peter hinter der Sache steckt oder jemand Alicia mit den Fotos erpressen wollte, werden Zachs Nachforschungen sicher nicht unbeobachtet beziehungsweise ohne Folgen bleiben.

Fazit

Eine interessante Folge, die aber wieder mehr durch ihre Nebenstorys überzeugt, als durch den Fall an sich. Die verletzten Gefühle zwischen Isaac und Anna und die angenehme Spannung zwischen Ryan und Alicia fand ich erfrischend. Die sich zuspitzende Situation in der Kanzlei und Zachs Lüge, was den Anruf beim Callgirl angeht, versprechen derweil weitere spannende Episoden.

Catherine Bühnsack - myFanbase

Diese Serie ansehen:


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier oder in unserem Forum mit anderen Fans von "Good Wife" über die Folge #1.07 Unorthodox diskutieren.