Bewertung: 7

Review: #8.04 Die Letzten der Starks

Nach der Schlacht um Winterfell ist die Stimmung gedrückt. Der Kummer über den Verlust gefallener Freunde hängt in der Luft und so ist es eine willkommene Geste, dass man den Toten noch einmal gedenkt. Jedem von ihnen wird ein letztes Mal Tribut gezollte, bevor man sich dem nächsten Krieg zuwendet. Die Niedergeschlagenheit, die über den Überlebenden von Winterfell hängt, kommt beim gemeinsamen Essen sehr gut zur Geltung und es ist schließlich Daenerys, die den Bann bricht, indem sie Gendry als Baratheon legitimiert und ihm Sturmkap zusichert. Dieser Punkt in der Episode ist auf vielfältige Weise bedeutsam. Zum einen kippt damit die Stimmung und man lässt das Kapitel des Kampfes gegen den Nachtkönig hinter sich, zum anderen wirft man nun die Frage nach dem Anspruch auf den Thron auf. Daenerys nimmt dabei natürlich eine zentrale Rolle ein und stellt sich selbst in dieser Episode gleich mehrmals ein Bein. Nachdem das Zusammensein zu einem Fest wurde, sieht sie, wie Jon nach dem Sieg von den Männern verehrt wird, wohingegen sie keinen Funken der Anerkennung zu spüren bekommt. Das unausgesprochene Thema über Jons Thronanspruch kommt nun endlich auf den Tisch. Ich frage mich, was Daenerys' größter Ansporn dafür ist, Jon zu bitten, seine wahre Herkunft geheim zu halten. Will sie nicht, dass ihr Thronanspruch in Frage gestellt wird, oder ist es die Liebe zu ihm, durch die sie Jon zum Stillschweigen drängen will? Indem Daenerys darauf beharrt, dass sie auf dem eisernen Thron sitzen will – und das lieber früher als später – entfernt Jon sich mit jeder verstrichenen Minute mehr von ihr. Ohne es in Worte zu fassen, vermittelt Jon dem Zuschauer seinen Unwillen, Daenerys weiterhin als Geliebte zu betrachten, da er nun weiß, dass sie seine Tante ist. Auch weigert er sich, Sansa und Arya sein Geheimnis zu verschweigen und wird in Sachen Schlachtplan von Daenerys dazu gezwungen, sein Wort zu halten und gemeinsam mit ihr nach Königsmund zu marschieren. Es tut weh zu sehen, wie unbeliebt Daenerys sich macht und wie ihr gleichzeitig die Berater einer nach dem anderen von der Seite weichen. Den Anfang machte in der letzten Episode Jorah durch seinen Tod, nun steht Varys nicht länger hinter ihr, Tyrion äußert Zweifel und auch von Missandei muss man sich verabschieden. Für Daenerys bricht eine dunkle Phase an, in der sie immer deutlicher Charakterzüge ihres Vaters aufblitzen lässt. Ich finde es unheimlich spannend, wie man mit der Vorgeschichte der Familie spielt und dass es mittlerweile so aussieht, als würde Daenerys trotz aller Beteuerungen dem gleichen Wahnsinn verfallen. Wo Tyrion früher noch dachte, dass er ihre Launen zügeln kann, muss er mit dem Tod von Missandei wohl einsehen, dass Daenerys nun endgültig von ihren Rachegelüsten gelenkt wird. Für den letzten Krieg zeichnet sich daher ein schlechtes Bild für Daenerys ab, denn sowohl ihre Armee scheint der Cerseis unterlegen zu sein, als auch ihre Berater scheinen das Vertrauen in sie verloren zu haben. Natürlich sind es in "Game of Thrones" immer genau diese düsteren Ausgangslagen, die letztendlich doch noch umgekehrt werden können, aber man fragt sich, was der Preis dafür sein wird.

Nachdem wir in der letzten Episode bereits einige Charaktere verloren haben, wächst die Zahl der Todesfälle weiter an. Dieses Mal muss man sich von Rhaegal und Missandei verabschieden und das Ableben der beiden kam für mich zugegeben aus dem Nichts. Genau wie Daenerys hatte ich keinen Gedanken darauf verschwendet, bei Drachenstein einen Hinterhalt zu erwarten. Das sirrende Geräusch in der Luft holte mich schlagartig auf den Boden der Tatsachen zurück und lies erkennen, weshalb man von Cersei und Euron im ersten Teil der Episode keinen Mucks gehört hat. Es war in letzter Zeit verdächtig still um die beiden, weshalb der Schlag, zu dem sie nun ausholen, erzählerisch umso besser gelungen ist. Der Verlust eines weiteren Drachen ist nicht nur in Sachen Krieg ein herber Schlag, auch moralisch ist es für Daenerys so kurz nach dem Tod Jorahs wie ein weiterer Tritt in die Magengrube. Hilflos muss sie mit ansehen, wie Rhaegal blutüberströmt ins Meer stürzt und nicht weniger erschütternd ist die spätere Enthauptung Missandeis. Beides sind für Daenerys besonders schmerzliche Verluste, weil sie nicht auf ihre Macht, sondern auf ihre persönlichen Gefühle abzielen. Von Cersei ist dies wiederum eine wunderbare Strategie und auch sonst zeigt sie sich wieder einmal von ihrer cleversten Seite. Sowohl die Schwangerschaft als auch den bevorstehenden Angriff auf Königsmund dreht sie so, wie es ihr gerade passt. Dabei tut auch Cersei mir irgendwie leid, da sie sich in ihrer Machtposition vollkommen isoliert fühlen muss. Ich denke, dass Tyrions Worte haargenau ihren wunden Punkt getroffen haben, doch das wollte sie sich auf keinen Fall eingestehen. Es kommt mir so vor, als wäre sie genau so verloren wie zum Beginn der Serie, mit einem Mann an ihrer Seite, den sie zu kontrollieren versucht aber nicht liebt.

Gern hätte ich mehr von dem Gespräch zwischen Jon und seinen "Geschwistern" gesehen. Wie haben Sansa und Arya reagiert? Und wie stehen sie ihrem Cousin nun gegenüber? Besonders für Arya muss es sich wie ein Verlust anfühlen, da Jon stets die Person unter ihren Geschwistern war, die ihr das meiste Verständnis entgegengebracht hat. Dass er nun nicht länger ihr Bruder und zudem der rechtmäßige Thronfolger ist, könnte einen Keil zwischen die tiefe Verbundenheit der beiden treiben. Was Sansas Reaktion angeht, muss man sagen, dass hier ganz deutlich die Züge zum Vorschein traten, die sie sich im Umgang mit Cersei und Kleinfinger angeeignet hat. Indem sie Tyrion erzählt, dass Jon eigentlich Aegon Targaryen ist, schlägt sie zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie entkräftet Daenerys' Anspruch auf den Thron, was ihr sehr zugute kommt, da sie mit der Drachenkönigin noch immer nicht warm geworden ist und sichert die Unabhängigkeit des Nordens, denn falls Jon den Thron besteigt, wird er sicher Sansa zur Wächterin des Nordens ernennen. Es ist erschreckend, wie manipulativ Sansas Vorgehen wirkt und lässt sie nicht weniger kaltherzig als Cersei erscheinen.

Berühren konnte neben dem Tod von Rhaegal und Missandei außerdem die Handlung rund um Jaime und Brienne. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass die beiden sich so nahekommen und musste die ganze Zeit über bangen, da es einfach zu gut war um wahr zu sein. Jaime fühlt sich zwischen den zwei unterschiedlichsten Polen hin und her gerissen. Auf der einen Seite gibt es da die aufrichtige, ehrenhafte und robuste Brienne, die das Beste in ihm zum Vorschein bringt. Auf der anderen Seite steht die intrigierende und egoistische Cersei, die Jaime immer wieder in die Dunkelheit reißt. Mit der Reise nach Winterfell hat Jaime ehrlich versucht, sich aus den Fängen Cerseis zu befreien und seine Zuneigung zu Brienne, die ihm so guttut, zuzulassen, doch die Liebe zu Cersei ist einfach zu stark, was er selbst verbittert einsehen muss. Wie Briennes Herz bricht, als Jaime sein Pferd sattelt, hallt nach. Nun stellt sich die Frage, was Jaime in Königsmund zu tun gedenkt. Wenn er erkennt, dass Cersei das Baby als Eurons ausgibt, wird er hoffentlich zu dem Schluss kommen, dass Cersei ihn nicht verdient hat.

Zwischen den genannten Teilhandlungen leitet die Episode eher holpernd über und der Zeitdruck, unter dem man sich befindet, wird ähnlich deutlich spürbar, wie es schon in Staffel 7 der Fall war. Man muss in dieser Woche viel unter einen Hut bringen, weshalb man auch sehr viele kleine Geschichten anspricht und nur kurz abhandelt.

Kurze Eindrücke

  • Tormunds Buhlen um Brienne konnte mich auch dieses Mal wieder sehr erheitern. Zwar habe ich immer gehofft, dass die beiden zueinander finden, doch nach Briennes Reinfall mit Jaime denke ich nicht, dass Tormund sich noch Chancen ausrechnen kann.
  • Ich hatte angenommen, dass Ghost den Kampf nicht überlebt hat, bin aber froh, dass ich mich geirrt habe. Dass er nun von Jon getrennt nach Norden geht, halte ich für ein schlechtes Zeichen.
  • Nun ist Bronn also endlich aufgetaucht und hat wie zu erwarten war keinen der Lannister-Brüder umgebracht. Eine unterhaltsame Szene war es dennoch.
  • Wie versprochen hat Varys Daenerys aufgezeigt, dass sie nicht im Sinne des Volkes handelt. Ich gehe davon aus, dass er nun offen gegen sie arbeiten wird, weshalb es unwahrscheinlich ist, dass er dies überleben wird.
  • Da Arya bereits den Nachtkönig getötet hat, denke ich nicht, dass sie auch noch Cersei umbringen wird. Ich glaube fest, dass Jaime das Leben seiner Schwester beendet.
  • Die Szene zwischen Arya und Gendry hat mir gut gefallen. Dass sie ihm eine Absage erteilt hat, passt vollkommen zu ihr.
  • Nachdem Missandei gestorben ist, vermute ich, dass auch Grauer Wurm nicht mehr lange leben wird. Ihr Tod war zweifelsohne tragisch, doch ich hätte mir andere Abschiedsworte von ihr gewünscht. Vielleicht noch eine Geste an Grauer Wurm, statt nur das Rachefeuer zu schüren, das sich ohnehin schon in Daenerys ausbreitet.
  • Ob Yara in der nächsten Episode auftaucht und Daenerys unterstützt?
  • Wer ist der neue Prinz von Dorne?
  • Was mich unglaublich irritiert hat, ist wie schnell Daenerys schon wieder im Süden war. In #1.01 Der Winter naht hieß es, dass das Gefolge für die Reise in den Norden einen Monat gebraucht hat. Zwar waren es viele Menschen und sie hatten sicherlich nicht die größte Eile, dennoch ist es eigenartig, dass die Zeit nun so stark gerafft wird.
  • Das nette Lächeln, das Daenerys in dieser Staffel nun schon mehrmals ausprobiert hat, steht ihr leider gar nicht und erscheint immer sehr gekünstelt. Ist es Absicht, dass man sich von Daenerys als bester Regentin abwendet und dies mit so kleinen Mitteln wie dem angestrengten Grinsen probiert? Dahingegen wird Jon immer mehr zu einem Herrscher, wie man ihn sich vorstellt, aufgebaut. Eine Konstellation, die nicht gut enden kann und aus der sicher nur einer lebend hervorgehen kann.
  • Wer denkt noch, dass Gendry nun ebenfalls einen Anspruch auf den Thron hat?
  • Ich freue mich sehr für Sam und Gilly.


Fazit

Alles in allem beinhaltet diese Episode zu viele Elemente, um ein stimmiges Bild abzugeben. Die ersten Eindrücke von Trauer und Verlust werden schnell durch eine große Feier ersetzt. Es schließen sich eine immer unsympathischer werdenden Daenerys und Sansa an, die der manipulativen Cersei um nicht viel nachstehen. Auch der zeitliche Rahmen der Episode kann nicht überzeugen. Einzelne Handlungsaspekte wie der Tod von Rhaegal und Missandei oder die Handlung rund um Jaime und Brienne dagegen sind kurze Höhepunkte.

Marie Florschütz - myFanbase

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