Bewertung: 6

Cinderella

Ich will dir ein Geheimnis anvertrauen. Ein großes Geheimnis, das dich durch alle Widrigkeiten des Lebens leiten wird: Sei mutig und freundlich.

Foto: Copyright: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Inhalt

Gemeinsam mit ihrem Vater (Ben Chaplin) führt die schöne Ella (Lily James) ein idyllisches Leben auf dem Land. Als sie noch jung war, starb ihre Mutter (Hayley Atwell) an einer schweren Krankheit und seit jenem Tag war ihr Vater nicht mehr derselbe. Eines Tages ändert sich alles, als er Lady Tremaine (Cate Blanchett) heiratet und diese mit ihren beiden Töchtern Anastasia (Holliday Grainger) und Drisella (Sophie McShera) bei sich und seiner Tochter aufnimmt. Ella, die von ihrer Mutter gelernt hat, immer mutig und freundlich zu sein, heißt die neuen Mitglieder ihrer Familie herzlich willkommen und versucht ihnen alles recht zu machen, auch wenn sie sehr schwierig sein können. Als ihr Vater auf einer Reise unerwartet stirbt, hat Ella niemanden mehr. Von ihrer Stiefmutter wird sie zur Haushaltshilfe degradiert und auf den Dachboden verbannt, doch trotz allem lässt sie sich nicht unterkriegen. Als Ella eines Tages in den Wäldern einem gutaussehenden Fremden (Richard Madden) begegnet, scheint das Schicksal es endlich gut mit ihr zu meinen.

Kritik

Es scheint im Trend zu liegen, die zeitlosen Märchengeschichten zu nehmen und zu neuem Leben zu erwecken. So wurden in den vergangenen Jahren schon "Die Schöne und das Biest" und "Alice im Wunderland" neuaufgelegt und mit "Maleficent Die dunkle Fee" wurde die allseits bekannte Dornröschen-Geschichte mit dem Fokus auf die einstige Antagonistin umgeschrieben. Ob groß oder klein, jeder erfreut sich an Märchen und so ist es kaum ein Wunder, dass diese noch heute beliebt bei den Leuten sind und so immer und immer wieder neu verfilmt werden. Fast jedes kleine Mädchen wünscht sich wohl, eine genauso traumhafte Liebesgeschichte zu erleben, wie die von Cinderella und ihrem gutaussehenden Prinzen, der nichts unversucht lässt, ihr ihren gläsernen Schuh wiederzubringen und gemeinsam mit ihr gen Happy-End zu reiten. Dieses Paar wird mit einer ordentlichen Portion Kitsch und Glitzer von Lily James und Richard Madden verkörpert.

Die Geschichte hält sich im Groben an die Zeichentrickvorlage von 1950 und wird bloß mit einigen moderneren Aspekten etwas aufgepeppt. Beginnen tut das Ganze gleich mit zwei schweren Schicksalsschlägen, denn Ella verliert erst ihre Mutter und dann ihren Vater. Schnell schließt man das verwaiste Mädchen ins Herz und bewundert ihre Fähigkeit, den letzten Willen ihrer Mutter zu befolgen: stets mutig und freundlich zu sein. Lily James ist eine sehr glaubhafte Cinderella, die der Rolle das nötige Leben einhaucht. Auch wenn es Momente gibt, in denen sie am liebsten aufgeben würde, rafft sie sich dennoch wieder auf und geht ihren Weg. Viele kleine Mädchen werden mit Sicherheit zu ihr aufblicken und sich ein Beispiel an ihr nehmen, denn im Leben ist es wichtig, in der Hoffnung auf bessere Zeiten stets nach vorne zu blicken. Diese Message wird sehr gut vermittelt und macht den Film schon aus diesem Grund sehenswert.

Fans der Serie "Game of Thrones" müssen sicherlich zwei Mal hinschauen, um in dem Prinzen den kriegerischen Robb Stark wiederzuerkennen. Aalglatt rasiert und etwas verweichlicht tritt er auf und scheint nicht ganz in seinem Element zu sein. Die Liebe zu dem Mädchen aus dem Wald verblendet ihn komplett und er kann sich kaum noch auf etwas konzentrieren, vernachlässigt seine Pflichten als zukünftiger König. Doch lässt er nichts unversucht, seine große Liebe zu finden und deren Wiedersehen lässt nicht lange auf sich warten. Doch James und Madden wollen nicht so ganz harmonieren. Zwar macht deren Liebe beide zu noch besseren Menschen, doch in den gemeinsamen Szenen will der magische Funken einfach nicht so ganz überspringen. Das könnte in der Tat daran liegen, dass die romantischen Momente dann wirklich etwas zu kitschig dargestellt werden. Man kann sich allemal die Süßigkeiten im Kino sparen, denn die nötige Portion Zucker bekommt man schon vom Zusehen zugeführt.

Auch wenn das Liebespaar vielleicht nicht zu hundert Prozent funktioniert, können doch die Nebendarsteller in ihren jeweiligen Rollen vollends überzeugen. So bekommt man Helena Bonham Carter als eine komplett verplante gute Fee zu sehen, die leider zu wenig Screentime bekommet. Ein paar mehr lustige Momente hätten den Kitsch bestimmt wieder ausgeglichen. Cate Blanchett mimt eine großartige böse Stiefmutter und ist in ihrem Element. Man nimmt ihr die bösartige Ader auf jeden Fall ab und entwickelt im Laufe des Films einen leichten Hass auf sie und ihr Verhalten ihrer Stieftochter gegenüber. Die auf den Kopf gefallenen Zwillinge Anastasia und Drisella müssen kaum etwas beisteuern, denn Lady Tremaine erledigt es schon alleine, Ella zu demütigen und fertig zu machen, wo es nur geht. Der Charakter scheint Blanchett wie auf den Leib geschneidert worden zu sein.

Regisseur Kenneth Branagh ("Thor") ist es gelungen, ein fabelhaftes Märchen auf die Leinwand zu bringen, das trotz seiner Schwächen wohl jeden Zuschauer in seinen Bann zieht. Es werden fantastische und bildgewaltige Aufnahmen geliefert, die von einem märchenhaften Soundtrack untermalt werden. Allerdings hätte man einige Animationen und Choreographien eventuell etwas anders darstellen sollen, da sie teilweise schon etwas lächerlich wirken. So zum Beispiel die Verwandlung von Cinderellas zerrissenem rosa Kleid in eine wunderschöne blaue Ballrobe. Wie Lily James an dieser Stelle von Schmetterlingen in die Lüfte gehoben und gedreht wird, ist doch etwas zu viel des Guten. Von solchen Szenen gibt es leider einige, die gerade für die etwas älteren Zuschauer vermutlich etwas merkwürdig sind.

Trotz der Kritikpunkte handelt es sich hier um einen wunderschönen Film für die ganze Familie. Und einen Leckerbissen gibt es: Im Kino wird vor dem Film "Cinderella" noch das Kurzfilm-Sequel "Frozen Fever" des erfolgreichsten Animationsfilms aller Zeiten gezeigt, "Die Eiskönigin Völlig unverfroren".

Fazit

Ein zuckersüßer Film, der die ganze Familie begeistern wird. Etwas weniger Glitzer und Kitsch hätten "Cinderella" sicherlich gut getan, doch mit dieser Menge werden kleine Mädchenherzen auf alle Fälle höher schlagen.

Sanny Binder - myFanbase
26.02.2015

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