Bewertung: 4
Joe Johnston

Captain America - The First Avenger

Wenn Patrioten zu Helden werden.

Foto: Copyright: Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Inhalt

Die USA sind in den Zweiten Weltkrieg eingetreten. Steve Rogers (Chris Evans) würde gerne mitkämpfen, doch auf Grund seiner geringen Körpergröße und seines Fliegengewichts lehnt das US-Militär ihn immer wieder ab. Eines Tages wird der Wissenschaftler Dr. Abraham Erskine (Stanley Tucci) auf Steve aufmerksam und erkennt in ihm den perfekten Kandidaten für ein revolutionäres Experiment zur Steigerung der menschlichen Fähigkeiten. Steve wird zum Supersoldaten Captain America umfunktioniert, doch statt gegen die Nazis ins Feld zu ziehen, muss er zunächst als Werbemaskottchen durchs Land tingeln. Erst als die Bedrohung durch den wahnsinnigen Okkultisten Johann Schmidt (Hugo Weaving) zunimmt, schlägt Captain Americas große Stunde.

Kritik

Von allen amerikanischen Superhelden ist Steve Rogers alias Captain America fraglos der amerikanischste. Er ist ein patriotisches Stehaufmännchen, das Worte wie aufgeben und fliehen gar nicht erst im Vokabular hat und in einem optisch der US-Flagge nachempfundenen Kostüm unermüdlich gegen Amerikas Feinde kämpft. Mustergültig symbolisiert er das typisch-amerikanische Ideal des Aufstiegs von ganz unten nach ganz oben. Er ist der sprichwörtliche Tellerwäscher, der zum Millionär wird, ein schmächtiger Niemand, der in den Superhelden-Olymp aufsteigt. God Bless America!

Ein Held nach meinem Geschmack ist Captain America definitiv nicht und so war meine Skepsis bezüglich dieses Films recht hoch. Überwiegend haben sich meine Bedenken dann leider auch bestätigt, wenngleich ich "Captain America - The First Avenger" zumindest nicht auf die Liste der schlechtesten Comicverfilmungen der letzten Jahre setzen würde. Da hat Hollywood uns schon schlimmeres zugemutet.

Zu Beginn des Films sehen wir Chris Evans' Kopf auf dem Körper eines zehnjährigen Jungen, so zumindest mutet es an. Dank Tricktechnik erleben wir den gut gebauten Schauspieler als absoluten Hänfling, der beim Tauziehen gegen eine Motte bestenfalls auf ein Remis hoffen darf. In einigen Einstellungen wirken die Proportionen, sprich das Verhältnis zwischen Kopf und Körper, wirklich sehr unharmonisch und eigenwillig. Dass der gute Steve Rogers mit seinen sehr kindlichen Maßen überhaupt Klamotten für Erwachsene findet, einschließlich einer militärischen Uniform, grenzt schon an ein Wunder.

Nach dem Experiment sehen wir dann einen muskelbepackten Helden, der am liebsten im Alleingang Europa aus den Klauen der Nazis befreien würde. Doch die militärische Führung nimmt den Supersoldaten zunächst nicht ernst und die Politik sieht in ihm nur einen Goldesel. Wie eine menschliche Milka-Kuh wird er durch die USA geführt und muss Show-Auftritte absolvieren, um die Menschen daheim für den Krieg auf europäischem Boden zu begeistern und ihnen Kriegsanleihen aufzuschwatzen. Hier zeigt der Film durchaus ironische Züge und deutet die Absurdität des Krieges an. Leider bleibt dies aber nur eine Randerscheinung und bald darf Captain America doch als großer Held in den echten Krieg ziehen. Er befreit ganz alleine hunderte gefangene Soldaten, die ihn danach lieben und ihm treu bis in die Hölle folgen, und rettet letztlich die USA, was so ziemlich gleichbedeutend mit der Rettung der Welt ist.

Der Hauptbösewicht Johann Schmidt kann dabei kaum überzeugen. Sein roter Schädel sieht eher billig als erschreckend aus und irgendwie macht er ausgesprochen wenig aus der mysteriösen Energie, die ihm zur Verfügung steht. Er baut zwar tolle Waffen, mit denen er seine Feinde vollständig auflösen kann, aber bei jedem Angriff ziehen er und seine Leute doch den Kürzeren und wirken nie überlegen. So konnten mich die Actionszenen insgesamt selten begeistern.

Ebenfalls wenig überzeugend fällt die Romanze zwischen Captain America und der Agentin Peggy Carter aus. Die Missverständnisse zwischen den beiden, die sie dazu veranlassen, ihre kurze gemeinsame Zeit mit beleidigten bzw. eifersüchtigen Gefühlen zu verplempern, sind extrem klischeehaft und absolut unnötig.

Fazit

Nein, "Captain America - The First Avenger" ist nicht die schlechteste Comicverfilmung der letzten Jahre, aber wirklich überzeugen können weder die Handlung noch die Action. Die beste Entschuldigung, als Zuschauer Geld für diesen Film auszugeben, ist die, sich auf Joss Whedons "The Avengers" (2012) einzustimmen, dem kommenden Film mit Captain America und anderen Superhelden.

Zum großen Marvel-Special auf myFanbase

Maret Hosemann - myFanbase
02.01.2012

Diskussion zu diesem Film