Bewertung: 3
Martin Campbell

Green Lantern

"No matter how bad things get, something good is out there, just over the horizon..."

Foto: Copyright: Warner Bros.
© Warner Bros.

Inhalt

Hal Jordan (Ryan Reynolds) ist ein verantwortungsloser Single, der als Testpilot für den Flugzeughersteller Ferris Aircraft arbeitet. Er gilt als einer der besten Piloten der Welt, doch aufgrund seines unzuverlässigen Charakters wird er von seiner Kollegin Carol (Blake Lively) oft heftig kritisiert. Sein Leben nimmt eine völlig unerwartete Wendung, als ihm von einem lila-schimmernden Alien mitgeteilt wird, dass er auserwählt wurde, dem Korps der Green Lantern beizutreten. Nach anfänglicher Skepsis beschließt er, sein Schicksal zu erfüllen und als Green Lantern das Universum vor Feinden zu beschützen.

Kritik

Comicverfilmungen sind im momentanen Filmbusiness eine der wichtigsten Einnahmequellen und kreativen Ideenlieferanten. Dabei zentriert sich alles um die beiden größten Comicverlage der Welt: DC Comics und Marvel Comics. Marvel arbeitet momentan fieberhaft an den Vorbereitungen zum größten Comicspektakel der Filmgeschichte: der Verfilmung der Superheldengruppe "The Avengers". In verschiedenen groß angelegten Blockbustern, wie "Iron-Man", "Hulk", "Thor" und demnächst "Captain America" werden die einzelnen Superhelden vorgestellt, um dann im von "Buffy"-Erfinder Joss Whedon inszenierten Megablockbuster zusammenzutreffen. Aber auch abseits der Avengers hat Marvel mit den "X-Men" ein weiteres bei Kinozuschauern beliebtes Zugpferd in seinen Reihen.

Von einer solch geballten Superhelden-Power kann Konkurrent DC momentan nur träumen: Verfilmungen von DC Comics, wie "Jonah Hex" und "The Losers", sind gnadenlos gefloppt und auch "The Green Hornet" blieb hinter den Erwartungen zurück. Einzig die von Christopher Nolan umgesetzten Neuinterpretationen des "Batman"-Mythos können die Verantwortlichen von DC ein wenig milde stimmen. Doch mit dem im kommenden Jahr erscheinenden dritten Teil "The Dark Knight Rises" wird wohl auch die Nolansche "Batman"-Reihe ihr Ende finden. Höchste Zeit also, sich nach einem neuen gewinnträchtigen Superhelden umzuschauen, welcher in eine hoffnungslose Zukunft führt. Fündig wurde man bei einem der breiten Masse recht unbekannten maskierten Rächer: The Green Lantern.

Es wurden große Hoffnungen in diese Verfilmung gesetzt, mit Martin Campbell ein erfahrener Regisseur verpflichtet, mit Ryan Reynolds ein charismatischer Hauptdarsteller an Bord geholt und viel Geld in die visuelle Gestaltung gesteckt. Leider haben sich all die Mühen nicht bezahlt gemacht, war der Film in den USA doch ein mittelschwerer Flop und konnte nicht mal im Ansatz seine Produktionskosten wieder einspielen. Betrachtet man den Film, wird schon nach den ersten zehn Minuten klar, warum dieser Film untergehen musste.

Beginnen tut der Film mit einer hastig runtergespulten Einführungssequenz, die begleitet wird von einer monotonen Erzählerstimme. Ohne jedes erzählerisches Gespür wird schnell das komplette Green-Lantern-Universum erklärt, damit man sich später nicht unnötig lange mit Erklärungen aufhalten muss. Die eingesetzten Effekte wirken dabei zudem ziemlich trashig, fast schon albern, man fragt sich, wofür das ganze Geld ausgegeben wurde.

Ist die Einleitung erstmal abgehakt, geht der Film in demselben, überhasteten Tempo weiter: Schnell werden noch grob die Charaktere eingeführt, indem ihnen allen jeweils eine Charaktereigenschaft verpasst wird und dann erhält der verantwortungslose Hal Jordan auch schon den magischen Ring sowie die grüne Laterne und wird zum Superhelden. Hinterfragen tut er das nicht wirklich, nur kurz ist er überrascht, dass er von einem Alien auserwählt wurde, das Universum gegen das Böse zu verteidigen, doch das hält nicht lange an. Übereifrig nimmt er sein Schicksal an und beginnt sein Training auf dem weiterhin tricktechnisch schlecht gestalteten Planeten.

Das hat alles in keinster Weise Hand und Fuß: Es wird von einem Plotpunkt zum nächsten gerast, nichts wird näher ausgeleuchtet, kein Charakter wird näher erforscht. Wurde bei "Spider-Man" noch ein ganzer Film dafür verwendet, den Hauptcharakter vorzustellen und den Wandel zum Superhelden behutsam und geschickt zu inszenieren, so wird dies hier in wenigen Minuten abgehandelt. Jegliche Form von Charme und Witz fehlt völlig. Was auch an den grauenhaft-platten, wohl direkt aus Glückskeksen stammenden Dialogen liegt, die zumeist unfreiwillig komisch wirken.

Man hat es hier mit Blockbusterkino in seiner schlimmsten Form zu tun, bei dem alles an der Oberfläche geschieht und in keiner Sekunde versucht wird, Tiefe auch nur vorzutäuschen. Der Film ertrinkt geradezu in seinen Effekten und berührt zu keiner Sekunde. Nie kann mit den Protagonisten mit gefiebert werden, da sie einem distanziert gegenüberstehen. So verpufft auch das banale, mit lauter Action vollgestopfte Finale in seiner eigenen Trivialität. Die Hauptfigur ist einem egal, die finsteren Gegenspieler einfach nur lächerlich oder vollkommen überzeichnet.

Dass der Film dann aber doch nicht zu einem vollkommenen Totalausfall wird, liegt an seinen charismatischen Hauptdarstellern. Ryan Reynolds gibt sich redlich Mühe, gegen das konfuse Drehbuch und die vollständig misslungene Inszenierung anzuspielen und kann sogar einige kleine ganz sympathische Momente für sich gewinnen. Peter Sarsgaard genießt es einmal, seine diabolische Seite auszuleben, sein Hector ist aber insgesamt eine so lächerliche Gestalt, dass seine Bemühungen fast vollständig verpuffen. Und dann ist da noch Blake Lively, die sich abseits ihrer Beschäftigung bei der Serie "Gossip Girl" zu einer ernsthaften Schauspielerin entwickelt hat, in Filmen wie "Pippa Lee" und "The Town" darstellerisch auf hohem Niveau überzeugen konnte und so zu den vielversprechendsten jungen Talenten gezählt werden kann. Ihre Rolle hier ist leider zu funktional angelegt, als dass sie wirklich ihr Talent ausspielen kann. Dennoch schafft sie es, darstellerisch positive Akzente zu setzen und einige der besten Szenen des Films für sich zu gewinnen.

Fazit

"Green Lantern" ist ödes Oberflächenkino ohne jeglichen Anspruch oder kreativer Intelligenz. Die Action und die Effekte sind halbgar inszeniert und der Geschichte fehlt es an einer funktionierenden, homogenen, erzählerischen Struktur. Einzig die spielfreudigen Darsteller bewahren den Film vor einem völligen Fiasko. So schafft es DC nicht, Marvel auch nur ansatzweise Paroli zu bieten. Wenn "Green Lantern" die Zukunft DCs sein soll, dann gute Nacht.

Moritz Stock - myFanbase
05.08.2011

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