Bewertung

Review: #6.17 Mit gefangen, mit gehangen

Foto: Hugh Laurie, Dr. House - Copyright: 2009 Fox Broadcasting Co.; George Holz/FOX
Hugh Laurie, Dr. House
© 2009 Fox Broadcasting Co.; George Holz/FOX

Die siebzehnte Episode stellt ein interessantes Novum dar, denn zum ersten Mal übernimmt Hugh Laurie persönlich das Ruder und stellt sich hinter die Kamera, um Regie zu führen. Um es ihm so angenehm und einfach wie möglich zu machen, wird in dieser Episode gleich mal das gesamte Princeton Plainsboro abgeriegelt und die einzelnen Charaktere in verschiedene Räume gesperrt, so dass es zu interessanten Zweierpaarungen kommt. Und auf einen verzwickten medizinischen Fall wird ausnahmsweise auch verzichtet. Dafür gibt es den ein oder anderen intensiven Moment zwischen den Charakteren.

Während House' Rolle in der Episode auf ein Minimum zusammenschrumpft, damit Laurie genügend Zeit zum Regie führen hat, ist sein kleiner Seelenstriptease vor einem sterbenden Patienten, dessen Fall er einst aus Langeweile abgelehnt hatte, umso interessanter. Er gesteht dem Patienten, dass er alleine ist. Das ist uns eigentlich nicht neu. Was dann jedoch folgt, ist nicht nur ein großes Stück Selbsterkenntnis, sondern für den Zuschauer auch eine kleine Offenbarung, denn House gesteht, dass er sich eigentlich immer nur selbst eingeredet hat, dass er gerne alleine ist. Dann erwähnt er auch noch eine Frau, die ihn verändert hat und nein, es ist nicht Lisa Cuddy, sondern "unsere" Franka Potente. House lernte sie bekanntlich in #6.01 Einer flog in das Kuckucksnest kennen, verliebte sich in sie, hat mit ihr geschlafen und wurde dann von ihr verlassen. Das hat ihn mehr geprägt, als es den Anschein hat, doch was bedeutet das jetzt für uns Zuschauer? Dürfen wir uns Hoffnung machen, dass Franka Potente noch einmal auftaucht? Oder dass House sich öffnet und sich doch noch ändert? Vielleicht sogar nach der heutigen Episode versucht, Cuddy für sich zu gewinnen? Wir werden sehen.

An anderer Stelle sind die Erkenntnisse nicht ganz so schockierend. Taub erkennt, dass in seinem Leben irgendwann etwas schief gelaufen sein muss. Obwohl ihm einst eine glorreiche Zukunft bevorstand, ist er "nur" ein einfacher Arzt geworden, der weit hinter seinen Möglichkeiten zurück geblieben ist. Er hätte ein zweiter House werden können, stattdessen arbeitet er nur für ein Genie. Foreman auf der anderen Seite hat damit zu kämpfen, dass er in seiner Vergangenheit Dinge getan hat, auf die er nicht gerade stolz ist. Nun will er diese Dinge aus seiner Akte vernichten. Ich verstehe beide nicht wirklich, denn eigentlich haben sie doch beide, was ihre Karriere betrifft, viel erreicht, sind erfolgreiche und angesehene Ärzte geworden. Doch beide scheinen mit ihrem Leben, so wie es verlaufen ist, nicht zufrieden zu sein. Wie gesagt, für mich sind ihre Komplexe nicht nachvollziehbar, jedoch hat ein jeder Mensch unterschiedliche Ansprüche an sich. Ihr Teil ist sicherlich der schwächste der Folge, jedoch ist der Vicodin-Trip zum Schreien komisch.

Auch das Spiel zwischen Dreizehn und Wilson ist interessant und witzig, aber sehr viele Erkenntnisse bringen die Gespräche zwischen den beiden nicht. Wir erfahren lediglich, dass Wilson wieder ein Auge auf seine Ex, Sam Carr, geworfen hat, mit der er sich jetzt auch noch verabredet hat. Vielleicht sehen wir Wilson also mal anders als nur als bloßer Sidekick von House. Über Dreizehn erfahren wir hingegen nicht mehr, als wir auch schon wissen.

Richtig emotional wurde es hingegen bei Chase und Cameron. Ja, richtig gelesen. Jennifer Morrison ist zurück, wie lange, ist nach dieser Episode nicht ersichtlich. Zunächst verlangt Cameron von ihrem Mann nur, die Scheidungspapiere zu unterschreiben, doch Chase hat die Trennung noch lange nicht überwunden. Es klang diese Staffel bereits an, dass Chase sich nicht sicher ist, ob Frauen nur wegen seines Äußeren auf ihn stehen, was ihn sehr verunsichert hat und auch noch tut. Was genau hat Cameron für ihn empfunden? Er nutzt die sich bietende Gelegenheit und konfrontiert Cameron mit der Frage und drängt sie in eine Ecke, bis sie gesteht, dass sie sich nicht sicher ist, ob sie ihn jemals geliebt hat. Dies beruhigt Chase, denn nun ist er sich sicher, dass er nichts falsch gemacht hat. Für Cameron ist diese Erkenntnis umso schlimmer, da sie realisiert, dass sie nach dem Tod ihres ersten Mannes zu keiner richtigen Bindung fähig ist. Letztendlich gesteht sie, dass sie Chase geliebt hat, jedoch niemals so, dass ihre Ehe eine echte Zukunft gehabt hätte. Nachdem sie sich ausgesprochen haben, schwelgen die beiden in Erinnerungen an schönere Zeiten und landen dann miteinander im Bett bzw. auf der Untersuchungstrage. Was dies für die Zukunft zu bedeuten hat, bleibt vorerst im Dunkeln, wobei ich nicht denke, dass Chase und Cameron wieder zusammen kommen werden. Dazu war dieser "Seelenstriptease" zu sehr Abschied von dem, was sie einst hatten.

Dass es in der Episode zu einem sogenannten "Lockdown", also einer Verriegelung, gekommen ist, lag in erster Linie an einem verschwundenen Baby, das irgendwann wieder auftauchte, so dass Cuddy mal wieder ihre Mutterinstinkte auspacken konnte. Nach ihrer tollen Einzelepisode ist Cuddy stark in den Hintergrund gerückt, hat kaum noch interessante Storylines. Was ist beispielsweise mit Lucas? Sind die beiden noch zusammen? Es wird Zeit, dass Lisa Edelstein wieder besser in die Serie integriert wird und mehr mit den Charakteren in Kontakt kommt. Ihre momentane Rolle in der Serie wird dem aufgebauten Charakter nicht mehr gerecht.

Fazit

Sehr leise und auf den ersten Blick unspektakulär kommt das Regiedebüt von Hugh Laurie daher. Doch nicht immer bedarf es übertrieben aufregender Fälle, um zu begeistern. Manchmal genügen schon die leisen Töne, kleine Gesten unter Kollegen und große Erkenntnisse der Charaktere selbst, die unser Herz berühren können. Hugh Laurie hat mit der Episode tolle Arbeit geleistet. Wir haben gelacht. Wir haben sogar fast geweint. Wir haben House erlebt, wie es selten geworden ist: unmedizinisch und rein charakterbasiert. Kudos!

Melanie Wolff - myFanbase

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