Bewertung: 5

Review: #2.01 Vows

Ah, endlich. Schon mitten in der ersten Staffel waren die Stimmen rund ums Netz ja auf Durchhalteparolen bedacht: "die nächste Folge wird richtig gut" oder "warten wir bis zur nächsten Staffel, Joss Whedons Serien brauchen immer eine Anlaufzeit und starten in der zweiten Staffel richtig durch". Und obwohl wenigstens die zweite Aussage stimmt (bei "Buffy" und "Angel" waren die zweiten Staffeln die Besten und wenn es jemals eine zweite von "Firefly" gegeben hätte… hach ja… wie kann man "Firefly" nicht lieben?) drängt sich doch die langsam die Frage auf: Geht es mit Dollhouse jetzt auch erst richtig los?

Schöne Neue Welt

Ein bisschen erinnert mich dieser Staffelauftakt an den der ersten Staffel (also den ausgestrahlten, den Anderen habe ich bis jetzt, dank einer wirklich außerordentlich wenig um Kundenzufriedenheit bemühten Powersellerin auf einem bekannten Internetauktionshaus – warum muss ich das so umschreiben, alle wissen, dass ich eBay meine und außerdem ist es viel kürzer; also jetzt ist es raus: eBay – noch nicht zu Gesicht bekommen): es wird ein wenig in das Setting eingeführt ein paar Geschichten werden angerissen und dann alles mit einer ziemlich drögen PotW drapiert. Im Gegensatz zum letzten Durchgang ist nicht alles voller Klischees, was sich schon als Steigerung qualifiziert, aber mir hat es bis jetzt noch nicht gereicht um völlig mitgerissen zu werden. Huch, Fazit kommt eigentlich erst später, erstmal zu den Inhalten.

Persönlichkeitskrise

Nichts ist wahr, wer bin ich, mein ganzes Leben ist eine Lüge, yadayadayada. Eigentlich ist die Entwicklung von Whiskey/Claire Saunders ein ziemlich abgedroschenes Stück. Während ich es im Finale der letzten Staffel noch als fantastische Charazeichnung empfand, dass sie nicht in eine Sinneskrise stürzt (wer nachlesen will: hier), wird diese hier "nachgereicht". Und ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich davon halten soll. Zum Einen ist das Ganze (wie schon erwähnt) ein ziemlich alter Schuh, zum Anderen wird diese quasi-ich-wurde-adoptiert-und-stamme-eigentlich-von-einem-Vater-den-ich-verachte Geschichte ganz nett ausgestaltet. Ich finde nur, dass der emotionale Breakdown noch ein bisschen hätte verzögert werden können, weil ich gerne gesehen hätte wie Topher von "seinem Geschöpf" noch ein bisschen länger gequält wird. In so kurzer Abhandlung wirkte die ganze Krise wenig überzeugend und vor allem bei der Aussage von Boyd und dem Abschiedsbrief von Whiskey bekam ich wieder diese nervösen Zuckungen, die immer dann auftreten, wenn ich mit schlechter Holzhammermetaphorik und amerikanisierten Lebensweisheiten beschossen werde. Andererseits hat Amy Acker hier gezeigt, dass gute schauspielerische Leistungen zumindest kurzfristig über solche Skriptschwächen hinwegtäuschen können (hust, hust…). Naja, mal sehen, wann wir Amy wieder sehen (ich warte sehnsüchtig…).

Persönlichkeitskrise Reloaded – Multiple Persönlichkeitsstörung

Jep, auch die Geschichte um Echo schippert gleich auf demselben Dampfer weiter, der sie schon in der ersten Staffel kaum über Wasser gehalten hat. Nur extremer. Immerhin. Dass bei Echo immer mehr die Linien zwischen ihren Persönlichkeiten verlaufen hatte sich ja (ein ganzes Jahr lang) eher unmissverständlich angedeutet. Dass sie jetzt ihre "wahre" Persönlichkeit finden will, kam daher für mich wenig überraschend und klingt ehrlich gesagt in meinen Ohren eher nach einer ziemlich langen Odyssee, die gespickt sein wird mit amateur-philosophierendem, teilweise grausig schmalzigem Monologen eines Charas, der eigentlich (persönlichkeitsmäßig) total leer sein sollte. Wenigstens weiß Fr. DeWitt dieses Jahr, dass Echo nicht so wirklich richtig läuft und droht an sie bei Fehlfunktionen aus dem Verkehr zu ziehen.

Schnipsel

  • Victor und Sierra kommen diesmal viel zu kurz. Dass die beiden aber immer noch (seitens des Dollhouses unbewachte und zugelassene) Gefühle für einander hegen, macht aber ein wenig Hoffnung.
  • Alexis Denisof als Senator der gegen das Dollhouse vorgehen will, weil es technische und medizinische Neuerungen zurückhält, ist viel überzeugender als Tahmoh Penikett, der den Klischeepolizisten auf dem Weg zur Rettung eines Mädchens mimt. Hier geht’s also aufwärts!
  • Kein Alpha Nachbeben? Schade… aber war auch ehrlich gesagt nicht zu erwarten.
  • Dushkus Performance-O-Meter: Diese Woche war sie gar nicht schlecht. Den Breakdown mit Verschmelzung der Persönlichkeiten hätte ich ihr fast abgenommen. Fast…
  • Die PotW war diese Woche irgendwie inhaltsleer. Naja gut, wir haben erfahren, dass Ballard bereit ist die Vorteile des Dollhouses auszunutzen (bis hin zur Zuhälterei), wenn es einem verbrecherjagendem Zweck dient. Und immerhin ist er ihr Handler geworden (wenig überraschend).
  • Als kleinen Nachtrag zum Whiskey-Abschnitt: warum hat sich DeWitt wohl bei Victor für die kostenintensive Narbenentfernung, bei Whiskey aber dagegen entschieden? Hmm… könnte es etwas damit zu tun haben, dass sie ihn ab und zu als Einsamkeitsvertreiber mietet?


Fazit

Ein eher dröger Staffelauftakt mit mittelmäßiger PotW, einer Sinneskrise mit guten Ansätzen und wenig Unerwartetem.

Überzeugt vom angekündigten Quantensprung gegenüber letztem Jahr hat mich diese Episode ganz und gar nicht. Ich bin natürlich bereit abzuwarten, aber solange die Sinneskrisenmonologe und Lebensweisheiten so schlecht und stumpf verpackt werden, geht’s nicht sonderlich weit nach oben. Die angestoßenen Staffelhandlungen sind wenig überraschend (dass Echo weiter – und jetzt bewusster – nach ihrem Ich sucht, dass Ballard durch eine neue externe Aufdeckbedrohung ersetzt wird: nicht das Gelbe vom Ei) und ich hoffe, dass die Folge nur als Grundstücksabmessung und nicht als Fundament der neuen Staffel dient, sonst könnte es ein ziemlich langes Jahr werden.

Martin Schultze - myFanbase

Diese Serie ansehen:


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier oder in unserem Forum mit anderen Fans von "Dollhouse" über die Folge #2.01 Vows diskutieren.