Review: #3.16 Rettet Green!

Große Aufräumaktion in Capeside Teil II. So mutet diese Episode zumindestens an, denn der am Ende verlorene Kampf soll uns zwei der Charaktere kosten, die in dieser Staffel, die ja bekanntermaßen streckenweise unglücklich verlief, hinzukamen.

Doch zunächst zu den Hauptcharakteren: Dawson wird immer mehr zu einer undefinierbaren Figur in dieser Serie. Joey scheint er fallengelassen zu haben, von seinen beruflichen Plänen ganz zu schweigen. Fragt sich, wie man ihn noch einsetzen kann. Doch diese Frage wird damit beantwortet, dass man sich nach einiger Zeit mal wieder seiner Mutter widmet. Und tatsächlich: Man kann beiden Charakteren letztlich etwas gutes tun, indem man ihnen ein wenig ihrer Ursprünglichkeit zurückgibt.

Dawsons Mutter arbeitet wieder als Reporterin, Dawson arbeitet wieder an der Kamera. Am Ende geht man aber doch einen Schritt weiter und verabschiedet sich ein weiteres Mal von diesen Tätigkeiten. Dawsons Mutter, weil sie es jetzt freiwillig machen kann, bei Dawson ist es kein definitiver Abschied, aber für ihn zählt vielmehr, dass er endlich mal wieder etwas bewegen konnte. Dazu kommt noch die indirekte Botschaft, dass man Dinge auch einseitig betrachten kann, wenn man der Auffassung ist, man würde sie vielseitig betrachten. Konkret bezieht sich das auf das Interview mit dem Direktor der Schulbehörde, was Dawson vermeiden will, weil er dessen Standpunkt als schon betont genug empfindet. Hier eröffnet sich eine interessante Parallele zu seinem Verhältnis mit Joey, wo er am Anfang der Staffel ja auch vermeiden wollte, sie zu sehen und stattdessen Pacey beauftragte, sich um sie zu kümmern. Was Pacey - nebenbei gesagt - auch äusserst ernstnahm.

Am Ende bleibt Dawson aber weiterhin undefinierbar. Daran kann auch der Rettungsversuch, zu sagen, dass er sich im Kern nie geändert habe, nicht viel ändern.

Ein gänzlich atypisches Verhalten erleben wir dagegen von Joey. Sie engagiert sich für eine Sache, tritt aus dem Hintergrund heraus. Nun stehen und fallen allerdings Joeys Vorgehensweisen aber auch immer damit, wer sie unterstützt. In diesem Fall hat sie mit AJ und Pacey zwei Leute an ihrer Seite, die für ihr eher offensives Verhalten bekannt sind. Am Ende ist Joey um ein paar Erfahrungen reicher, aber muss sich dennoch geschlagen geben. Sie macht jetzt grössere Schritte. Das hätte man nicht besser auch mit der großen Wand symbolisieren können, die sie am Ende der Episode von Pacey zur Verfügung gestellt bekommt.

Was etwas störend wirkt, ist der Kuss zwischen ihr und AJ. Einerseits ist es nicht Joeys Art, einfach irgendetwas unbedacht zu machen, andererseits können wir uns aber auch nicht entsinnen, dass sie und AJ mehr als etwas freundschaftliches haben, da sie und er ja in einer der letzten Episoden feststellen mussten, dass sie doch ziemlich voneinander entfernt seien.

Doch die Intention hinter dem Kuss ist wohl allen klar: Man will Pacey damit treffen. Und das gelingt auch. Pacey verstrickt sich in Minderwertigkeitskomplexe. Es sind solche Situationen, in denen Pacey sein wahres Ich offenbart, das bei weitem nicht so schlagfertig und hart ist, wie er es immer vorgibt.

Ihm kommt dabei zugute, dass er Jen als Freundin hat gewinnen können. Aber selbst AJ stellt mit seiner Menschenkenntnis fest, dass Pacey etwas mehr als nur kollegial gegenüber Joey auftritt - keine große Leistung, denn das ist ziemlich offensichtlich.

Das interessante an dieser Episode ist aber, dass sie sich von den Hauptcharakteren abhebt. Sie spielen natürlich die tragenden Rollen, doch die Handlung läuft auf einer übergeordneten Rolle - sie betrifft sie nur indirekt.

Konkret geht es dabei um einen Konflikt, wie er im Lehrbuch steht. Da wäre der schwarze Schuldirektor, der den weißen Raufbold, dessen Vater mächtig ist, der Schule verweist. Um dieses Klischee in amerikanischen Serien noch durch ein weiteres Klischee zu ergänzen, macht man sich das Ambiente einer typischen Kleinstadt, wie Capeside eine ist, zunutze, wo Verwaltungsbeamte, wie der Leiter der Schulbehörde, sich noch eher der Gemeinde verpflichtet fühlen, als den Schülern, denen gegenüber er sich eigentlich verpflichtet fühlen sollte. Der Konflikt ist insgesamt nicht uninteressant und das ausbleibende Happy End ein gelungener, da realistischer Ausgang, doch wie bereits bei der letzten Episode erwähnt, ist die Ausgangssituation ziemlich konstruiert. Man will den Charakter Green loswerden und indem man so prompt einen bis dato unbekannten Bösewicht wie Matt Caufield erschafft, macht man keinen großen Hehl daraus, dass man Green loswerden will - das macht das gesamte Szenario letztlich auch ein wenig absehbar.

Von der Herleitung aber mal abgesehen, überzeugt der Konflikt an sich durch die festen Standpunkte, an denen alle Parteien bis zuletzt festhalten. Dramaserien haben es leider oft so an sich, dass Standpunkte wie ein Paar Schuhe gewechselt werden, wenn es nur das Drehbuch erfordert. Dass dabei manchmal die Frage aufkommt, wie die feste Überzeugung so schnell weichen konnte, wird glatt übergangen. Diese Situation haben wir hier nicht. Die Bösen siegen, die Guten verlieren und letztlich weicht keiner von seiner Position. Das ist gleichermaßen beklemmend wie realistisch und macht den Konflikt ungemein interessant.

Dennoch schade ist aber der Verlust zweier Charaktere, die soviel mehr hätten beitragen können, als sie beigetragen haben. Insbesondere Direktor Green machte die anonyme Schule persönlicher. Entgegen der Charaktere der ersten und zweiten Staffel war er aber ein Charakter, der auf seine Nebenrolle wirklich festgelegt war, da er im Gegensatz zu z.B. Bessie, Joeys Schwester, wenig beitragen konnte, was eine ganze Episode hätte ausmachen können - mal abgesehen von dieser Episode, in der er aber auch nur das Thema ist, nicht unbedingt jedoch der Protagonist. Ohne ihn wird die Capeside High wieder ein ganzes Stück unpersönlicher. Letztlich macht man damit aber das rückgängig, was man am Anfang dieser Staffel einführte, nämlich der Schule ein größeres Forum als bisher einzuräumen.

Mit seinem Weggang einher geht (wohl) auch der Weggang von Nikki, seiner Tochter, die wir in der damaligen Universitätsepisode erstmals kennenlernten und die eine noch undefinierbarere Rolle als Dawson spielte. Offenbar schuf man sie für Dawson, doch der Umbruch in der Produktion ließ sie schließlich auf ein Abstellgleis fahren. Wir erinnern uns noch zu gut, als Dawson ihr mitteilte, dass er nicht mehr filmen werde - quasi eine Absage an ihren Charakter und damit das Urteil für den Wegfall aus der Serie. In dieser Episode soll sie uns nochmal begegnen, doch ihre Rolle ist unwesentlich - ein Gespräch mit Dawson fehlt sogar gänzlich, obwohl sie zuletzt nebeneinandersitzen.

Zu welchem Ergebnis kommen wir also? Nach Tabula Rasa war es verständlicherweise schwer, eine Episode zu schaffen, die diese nochmal übertreffen würde - eine bekannte Problematik. "Rettet Green" kann sich da aber ganz gut behaupten. Es ist eine interessante Episode, die man ohne Probleme im guten Bereich ansiedeln kann. Dennoch kann sie sich nicht des bitteren Beigeschmacks erwehren, dass die Handlung auch zum Teil eine Fehlerbereinigung sein soll. Man will sich einiger Dinge entledigen, die man entweder probeweise oder ohne richtig nachzudenken am Anfang dieser Staffel in die Serie einbaute und die mitunter die Ziellosigkeit der Serie begünstigten. Nichtsdestotrotz hatten diese Elemente auch gute Seiten, so dass der Verlust etwas beklemmend wirkt. Wobei dies sicherlich auch durchaus im Sinne des Erfinders ist. Ist diese Episode also am Ende doch sehr gut? Erinnern wir uns eine Staffel zurück, so war der Verlust von Abby in "A Perfect Wedding" auch ein ziemlicher Schlag und man war hinterher gemischter Gefühle, was die Episode aber gerade zu einer der besten der Staffel machte. Berücksichtigt man, dass Dawson in dieser Episode aber nur zeitweilig wieder konstruktiv agieren konnte und dass Joey aus nicht nachvollziehbaren Gründen plötzlich AJ küsst, so ist eine Festlegung auf "Gut" wohl durchaus angemessen.

Malte Kirchner

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