Review: #3.15 Tabula Rasa

Tabula Rasa heißt Ordnung, Klarheit, Ursprünglichkeit. Der Titel ist in dieser Episode Programm. Es geht darum, an den Ursprüngen dieser Staffel anzuknüpfen und darauf - vernünftig - aufzubauen. Und das ist keine Vermutung, sondern eine Feststellung, weil mit dieser Episode der große Wandel in DC begann, nachdem man die Produktion stoppte und einige personelle Veränderungen durchführte.

Da wäre zunächst einmal Dawson, der Joey rät, sich weiterhin zu verwirklichen, aber selber den Film hingeschmissen hat - wohlgemerkt einer vernünftigen Erklärung entbehrend. Auch seine Beschwichtigungen, es sei kein persönlicher Angriff auf Joey gewesen, laufen ins Leere, da Pacey weitaus mehr Einsatz für sie zeigt.

Zuguterletzt wäre da aber auch noch die Bitte an Pacey, auf Joey aufzupassen, die von Pacey im Eifer des Gefechts verraten wird. Treffend stellt Dawson gegenüber Joey fest, dass die Situation sich gegenüber dem Anfang der Staffel verändert habe. Damals ging es um die Stabilisierung des Verhältnisses, nun sei alles besser. Doch letzteres kann man nicht so gelten lassen. Zwar hat sich das Verhältnis zwischen Joey und Dawson wieder normalisiert, doch mittlerweile ist Dawson mehr mit sich selber beschäftigt als mit Joey. Das weiß Dawson auch selber nur allzu gut und so lässt er Pacey und Joey am Ende der Episode unter sich, während er geht - symbolischer hätte man das Ende dieser Episode nicht gestalten können.

Klarheit kehrt auch für Joey ein. Sie weiß nun um den Pakt zwischen Dawson und Pacey, bei dem Pacey auf sie acht geben soll. Doch gleichermaßen erfährt sie am Ende der Episode, dass es Pacey mittlerweile um mehr geht. Und mehr noch: Sie selber outet sich auch, als sie Pacey bei Doug in der Wohnung aufsucht und sagt, sie meinte, es stecke mehr dahinter.
Während ihr Verhältnis zu Pacey nach einer Talfahrt am Ende der Episode wieder bergauf geht, wird der Graben zwischen ihr und Dawson immer grösser.

Damit einher gehen natürlich auch die Veränderungen von Pacey. Er besticht nebenbei aber auch noch durch das fast schon traditionelle und immer wieder lustig wirkende Wortgefecht mit seinem Bruder Doug. Sehr auffällig ist aber auch der Kontrast zu Dawson. Absichtlich lässt man die beiden in dieser Episode quasi um Joey konkurrieren. Bislang vermied man diese Konfrontation, indem entweder nur Dawson (in der 1. und 2. Staffel) oder nur Pacey (in der 3. Staffel) Joey Beistand leisteten und natürlich umgekehrt. Jetzt geraten die beiden aneinander und Dawson zieht am Ende den kürzeren. Das allerdings bewusst, muss der Gerechtigkeit halber an dieser Stelle gesagt werden.

Neben diesem magischen Dreieck, das alleine schon die Episode bestreiten könnte, haben wir aber noch ein weiteres Aufgreifen eines Handlungsstrang vom Anfang dieser Staffel. Genau, es geht um Andie, die beim Unitest illegalerweise die von Eve besorgten Ergebnisse einsetzte und nun prompt unter der 50.000 besten des Landes ist. Zwar gab es seitdem eine gewiße Kontinuität, da Andie selber anderen gegenüber sehr strafend war, aber letztlich blieb die Sache doch im Ungewissen. Nicht zuletzt wahrscheinlich deshalb, weil dieser Handlungsstrang in Verbindung zu Eve stand und das wollte man möglichst unter den Tisch kehren. Doch der neue Wind in der Produktion macht es richtig - man setzt auf Aufarbeitung statt Verdrängung.

Etwas deplaziert, aber wohl auch nur funktionell begründet, ist der Auftritt von Matt. Er ist der typische Randalierer, Schlechtmacher und Bösewicht. Kriminelle Energie, die scheinbar durch die eigene Dummheit verursacht wird, aber rationalen Motiven entbehrt. Auf alle Fälle wirkt er doch ein wenig wie ein Störfaktor in dieser Episode, da er ja offenbar schon erhebliche Vorerfahrungen mit dem Disziplinarausschuss gehabt haben soll, wovon wir als Zuschauer bisher noch nichts wussten und auch sein gezielter Anschlag gegen Joeys Wandgemälde im Nachhinein nun rein gar nicht plausibel wirkt. Unter der Voraussetzung der Willkür wäre es sinnvoller gewesen, man hätte besser alle Wandbilder zerstört. Denn letztlich war hinter dem gezielten Anschlag keine Absicht - das macht ihn nicht gerade plausibel.

Doch anstatt sich an solchen Details aufzuhängen, sollte man besser die Episode als Gesamtkomposition betrachten und als solche kann sie komplett überzeugen. In dem Verhältnis Joey-Pacey gibt es jetzt Tabula Rasa, also Ordnung und Klarheit. Beide wissen voneinander, dass gewiße Grundvoraussetzungen bestehen. Der Dawson-Pakt ist gebrochen und Pacey ist Dawson also gegenüber nichts mehr schuldig. Dawson wiederum zieht sich ganz klar zurück - er plant sich nicht einzumischen, wie man am Ende der Episode sehen kann. Was wir also in der letzten Episode kritisiert haben, dass wir auf der Stelle treten, trifft in dieser Episode nicht mehr zu.

Die Fronten sind soweit geklärt, ohne dass man gleich zu weit ging. Die Enthüllung des Pakts zwischen Dawson und Pacey wirft das Verhältnis zu Joey nochmal zurück. Symbolkräftig ist dafür das komplette Neuerstellen des Wandbilds, womit auch der Ursprünglichkeitsaspekt wieder ins Spiel kommt. Wir fangen nochmal von vorne an, aber dieses Mal unbefangener. Kein Rückzug, sondern eine Fortschritt - anders wäre es nicht gegangen. Alleine deshalb verdient diese Episode - neben den sehr stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen (Spiel mit dem Licht) eine Benotung mit "Sehr gut".

Malte Kirchner

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