Bewertung: 8

Review: #5.04 Ein Zylinder voller Super-Sperma

Foto: Community - Copyright: Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved; Justin Lubin/NBC
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Es ist müßig, in den aktuellen "Community"-Texten immer wieder zum gleichen Schluss zu kommen, dass die Serie dank Dan Harmon endlich wieder zu alter Stärke zurückgefunden hat. Deshalb möchte ich diesen Aspekt so kurz wie möglich halten und es hiermit einmal gesagt haben. Die aktuelle Qualität der Serie kann sich einfach sehen lassen und bringt einen alten Favoriten zurück zu alter Stärke. Was an Episode #5.04 Cooperative Polygraphy aber ganz besonders auffällt, ist, wie die Serie hier mit der eigenen Vergangenheit kommuniziert. Fast so, als wäre sie keine Hommage an einen außenstehenden Filmstoff, sondern eine Referenz zu den eigenen Sternstunden. Dabei habe ich vor allem die erste Bottle-Episode (deren Titel man hier reimend auch in diesem Episodennamen wiederfindet) im Auge, die hier von der Grunddynamik her immer wieder in Erinnerung gerufen wird, ebenso wie die Dokumentationsfolge. Mit dieser besteht natürlich zudem noch der Zusammenhang, dass auch damals schon Pierce versucht hat, die Gruppe zu manipulieren und ihre Mitglieder einzeln zum Äußersten zu treiben. Diese Parallelen sind den Autoren hier die ganze Zeit über bewusst, und auch als Zuschauer erlebt man das ein oder andere Déjà-vu, nicht erst, als Annie ihre Tiara bekommen hat.

Was diese Episode für mich aber in erster Linie auszeichnet, ist der großartige Humor, denn ich habe mehrfach schallend gelacht. Besonders Troy besticht durch einen großartigen Witz nach dem anderen, und dies ist nur passend, schließlich bildet diese Folge zusammen mit der nächsten seine Abschiedstour der Serie. So nehmen wir hier nicht nur Abschied vom verstorbenen Pierce, auf eine dem Charakter sehr gerecht werdende Weise, sondern bereiten auch den Ausstieg von Troy vor. Dass dies mit einer völlig abstrusen Idee von Pierce für Troy geschieht, die zudem die Möglichkeit offen lässt, dass Donald Glover einmal zurückkommen kann, finde ich unheimlich passend. Tragisch ist die Sache aber vor allem für Abed, dessen "Cool, cool, cool!" - gefolgt von der Bestätigung, dass dies eine Lüge sei - wohl der traurigste Moment dieser von ernsten Augenblicken durchsetzten Episode war.

Überhaupt hat man es hier wieder einmal geschafft, den größten Blödsinn mit durchaus ernsten Konflikten und Gefühlen zu durchmischen, was immer meine liebste Grundstimmung bei "Community" ist. Dabei reichen die Geständnisse, die dank Pierces Einmischung aus dem Grab (oder besser aus der Lavalampe?) ans Licht kommen, von eher harmlosen Vergehen wie dem Mitnutzen von Jeffs Netflix-Account durch Troy und Abed über seriöse Vertrauensverstöße wie Annies Unter-Drogen-Setzen ihrer Freunde bis hin zu Abeds Kontrollsucht und der heimlichen Ausstattung mit GPS-Signalen. Der besondere Verdienst von "Community" ist es, dass diese großen und kleinen Sünden wunderbar spezifisch für die betreffenden Figuren sind, dass sie treffend in das vorgefertigte Bild der Charaktere passen, aber dennoch auch neue Aspekte dieser enthüllen. Mein kleiner Kritikpunkt dabei ist, dass wir über Shirley hier wieder einmal nicht wirklich etwas Neues erfahren, und auch Britta bleibt leider in meinen Augen zu unspektakulär. Dafür konnten aber auch diese beiden Damen mit großartigen Lachern in der Folge glänzen. Ich möchte da vor allem Shirleys Reaktionen auf die Lügendetektor-Dame hervorheben, die mich immer wieder hat laut auflachen lassen.

Und natürlich muss man in dieser Episode auf das großartige Gastspiel von Walton Goggins als Mr. Stone eingehen. Nicht nur ist der "Justified"-Mime hier perfekt gecastet als Sprachrohr für Pierce, der trotz der abstrusesten Fragen keine Miene verzieht, er zeigt auch im End Tag, dass er dennoch zum Schreien komisch sein kann. Ebenso lobenswert ist die Art und Weise, wie man Pierces Geist an den Tisch brachte, ohne dass er selbst dafür anwesend sein musste. Und ich weiß, das entspricht nicht unbedingt der Meinung aller "Community"-Fans, aber mir wird der alte Bastard fehlen. Er war ein fundamentaler Bestandteil der Dynamik, die die Charaktere untereinander entwickelt haben, und ohne ihn wird es nicht das Gleiche sein. Aber schön, dass er hier einen solch gelungenen Abschied erhalten hat. Zumal "Community" in meinen Augen eigentlich nie falsch liegen kann, wenn es sich auf die Kerncharaktere konzentriert, diese so lange es geht um ihren Studientisch platziert und, mit den großartigen Dialogen aus der Feder Dan Harmons und in diesem Fall seines Kollegen Alex Rubens ausgestattet, aufeinander loslässt.

Randnotizen

  • "Troy and Abed are in mourning!"
  • Natürlich ist Pierce aufgrund von Dehydration gestorben, nachdem er all die Samenbehälter aufgefüllt hat.
  • Troys Abschied plus die Wahrheit über ihren speziellen Handgruß, das war keine leichte Folge für Abed. Zum Glück hat er als Kind nie Serienkillerfantasien ausgelebt!
  • "You told me a hawk stole them! You exploited me and made me believe in a slightly more magical world!"


Cindy Scholz - myFanbase

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