Bewertung: 8

Review: #8.05 In Your Care

Habe ich mich nicht in meiner letzten Review beschwert, dass bei einer Serie wie "Chicago P.D." das Privatleben der Hauptfiguren oft zurückstecken muss? Da ist es zumindest kurios, dass gleich die anschließende Folge das absolute Maximum an Privatleben herausholt, was für so eine Cop-Serie wohl möglich ist.

Das fing gleich schon mit der Anfangssequenz zwischen Kim Burgess und Adam Ruzek an, die wirklich lange angehalten hat, bis die beiden in eine Ermittlung hineingezogen wurden. Für alle Shipper der beiden dürften das wirklich schöne erste Minuten gewesen sein, denn es wurde wieder einmal unterstrichen, warum diese beiden eigentlich füreinander bestimmt sind. Gleichzeitig wird auch das angesprochen, was schon immer zwischen ihnen stand und das am Ende der Episode mehr denn je. Während Kim immer schon diejenige war, die nach Sesshaftigkeit und Familie strebt, mit ihrer Karriere natürlich immer im Hinterkopf, war Adam eben der, der eher in den Tag hineinlebt und der eher instinktiv statt überlegt agiert. Dieses Bild von ihm hat sich so festgesetzt, dass Kim ihn hier mit knappen Worten als Familienvater diffamiert. Adam reagiert auf diese Einschätzung zwar nicht beleidigt, aber man hört heraus, dass er Kim gerne das Gegenteil beweisen würde.

Die zweite Überraschung der Episode ist dann natürlich, dass Makayla wieder ins Spiel kommt, zu der Kim zwei Episoden zuvor einen Draht aufgebaut hat, nachdem deren engste Familie ausgelöscht worden ist. Was zunächst nur als Mittel zum Zweck diente, dass Kim begreift, dass Mutterschaft mit dem Beruf zu verknüpfen ist, macht aus einer bloßen Vorstellung nun Realität. Auch wenn es in mir schreit, warum ihr Mutterschaft mit dem Baby von Adam nicht vergönnt sein durfte, so finde ich diesen Schritt, dass Kim Makayla dauerhaft bei sich aufnimmt, genial. Das kann gewaltig in die Hose gehen, aber vor allem ist es ein Risiko für "Chicago P.D.", was man bei so einer langlebigen Serie auch mal gehen muss. Zudem ist Makayla auch nicht nur irgendein Kind, sondern sie ist traumatisiert und sie hat eine andere Hautfarbe als Kim. Das sind zwei immense Konfliktpotenziale, die genug inhaltlichen Stoff bieten und ich hoffe sehr, dass dem nachgegangen wird.

In all dem bleibt natürlich auch Adam ein weiterer Faktor, der mir in dieser Episode gut gefallen hat. Er war immer die mahnende Stimmung, aber dennoch habe ich ihm geglaubt, dass er das nicht aus Eigennutz macht, sondern aus ehrlicher Sorge um Kim und was ihre Entscheidungen antreibt. Dennoch verspüre ich insgesamt Bauchgrummeln, denn Makayla wird die neu aufgebauten Traditionen von Adam und Kim in Zeiten von Corona vernichten. Feierabendbierchen im Molly’s? Ganz sicher erstmal nicht mehr. Auch Übernachtungen bei Kim, ob mit oder ohne Sex, dürften gestrichen sein, denn dieses Mädchen wird nicht den Schlaf der Seligen haben. Zudem bleibt da eben noch Kims Eindruck, dass Adam sich für dieses Familienleben gar nicht eignet. Mich würde es daher nicht wundern, wenn sie ihn erstmal wegdrängt. Vielleicht ist es dann an der Zeit für Adam, sich wirklich bewusst zu machen, was er will und dann dafür zu kämpfen. Wie sie nämlich zusammen Makaylas Schlaf in deren ersten Episode überwacht haben, hat gezeigt, dass es gehen kann.

Die Einbindung von Makayla hat auch in dem Punkt geholfen, dass die Freundschaft zwischen Kim und Kevin Atwater reaktiviert wurde. Er war natürlich der ideale Gesprächspartner für ihre Entscheidung, denn er kennt sich wegen seiner jüngeren Geschwister mit Erziehung aus und er weiß, was es bedeutet, in der amerikanischen Gesellschaft schwarz zu sein. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er mehr oder weniger unbewusst Teil von Makaylas Erziehung werden könnte und wenn dabei diese instinktive Vertrautheit zwischen den Freunden wieder ordentlich aufgewärmt wird, dann nehme ich das liebend gerne mit.

Kommen wir zum Abschluss dieser Review zum Fall der Woche, der wieder deutlich besser mit dem Privatleben verknüpft worden ist, als das letzte Woche der Fall war. Selbst völlig losgelöst hätte ich gesagt, dass es ein guter war, denn er war mit den Jugendlichen, die vom Pflegesystem im Stich gelassen sind und deswegen sich prostituieren muss, höchst ungewöhnlich. Zwar ist die Episode in manchen spannenden Fragen zu oberflächlich geblieben, aber man hat ja auch an den Reaktionen der Unit-Mitglieder gemerkt, dass bei so einer ungewöhnlichen Konstellation sich nicht alles von selbst erklärt. Zudem waren diese Jugendlichen auch keine typischen Straftäter, die man gerne hinter Schloss und Riegel bringt. Das hat man allen angemerkt, aber natürlich besonders Kim, die unter dem Eindruck von Makaylas Situation im Pflegesystem steht. Deswegen fand ich am Ende diese kleine Rebellion sehr passend. Es war sicherlich auch ein mütterlicher Instinkt, der da schon durchkommt. Es bleiben immer noch genug Fragen offen. Was wird aus Lily? Was genau erwartet Miguel jetzt? Und wie sollen sich die anderen beiden in Atlanta durchschlagen? Aber diese Antworten wollte die Episode wohl nie geben und das ist mit Blick auf Kim auch verständlich.

Fazit

Nach der tiefen Delle der vergangenen Woche befinden wir uns direkt wieder in der Nähe der Spitze. Die Kim-Episoden funktionieren einfach, weil sich mit ihrer Figur immer unheimlich viel Mühe gegeben wird und seit nun zwei Staffeln ist auch eine klare Richtung für sie zu erkennen, die nun ihren Höhepunkt findet, indem sie mit Makayla ein Kind zu sich nimmt. Rund herum wurde alles spannend und interessant gestaltet, aber auch die Zukunft sieht somit vielversprechend aus. All das resultiert in einem hochzufriedenen Gefühl.

Lena Donth – myFanbase

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