Bewertung: 8

Review: #8.02 White Knuckle

"Chicago P.D." ist unheimlich stark in die neue achte Staffel gestartet, weil man den Kampf von Kevin Atwater gegen seine eigenen Kollegen, gegen die blaue Wand, mit in die neue Staffel genommen hat und dabei aber trotzdem auf das aktuelle Zeitgeschehen reagiert hat. Dadurch ist eine unheimlich einnehmende Mischung entstanden, die auf gleich mehreren Ebenen wachrüttelt und an den Bildschirm fesselt. Da kann man nur dankbar sein, dass die Cop-Serie genau diese Gewinnermischung auch mit in die zweite Episode der Staffel genommen hat.

Einen kleinen Wermutstropfen gab es aber doch, denn der so aufgeladene Konflikt zwischen Kevin und Hank Voight wird einfach unter den Tisch gekehrt. Das ist vor allem in der Darstellung von Letzterem schade, da ich es sehr vielversprechend fand, ihn mal in der argumentativ unterlegenen Position zu erleben und vor allem mit dem Rücken zur Wand. Vielleicht war es den Autoren doch zu viel Konfrontation, um den Weg konsequent zu Ende zu gehen. Zudem ist er in dieser Woche auch in der Auseinandersetzung mit der neuen Deputy Superintendent Samantha Miller überlegen, wobei man es auch nicht wirklich Auseinandersetzung nennen kann, denn ich glaube ihr bis dato durchaus, dass sie sich nicht als Gegnerin inszenieren möchte. Aber sie ist neu in ihrem Job und hat genau die Zeit erwischt, als die Arbeit der Polizei gerade kein Zuckerschlecken ist, weswegen ihrem Job deutlich mehr Bedeutung zukommt. Ich finde das Zusammenspiel zwischen ihr und Hank weiterhin wirklich gelungen, denn man versteht seine Skepsis ihr gegenüber, wenn man nur auf die letzten Jahre schaut, was mit diesem Posten für Differenzen ausgestanden werden mussten. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass Sam Hank wirklich die Hand reichen will. Aber das wird Zeit brauchen, denn eine Vertrauensbasis muss sich erst erarbeitet werden. Es ist auf jeden Fall schon mal das richtige Zeichen, dass Sam offenbar eingestehen kann, wenn sie falsch liegt. Kritische Selbstreflexion ist eine Eigenschaft, die man nicht so oft findet. Dennoch finde ich es schade, dass Hank so schnell wieder die Oberhand gewinnt, denn das könnte das falsche Zeichen setzen, dass das Altbekannte sich letztlich doch durchsetzen wird.

Nun aber zu Kevin, dessen persönliche Probleme erneut wieder ganz wunderbar mit dem Fall der Woche verknüpft werden. Nicht der Fall selbst gewinnt dabei an Bedeutung, – er ist im Endeffekt austauschbar – sondern die Ermittlungen drum herum, in denen sich zeigt, dass sich die blaue Wand immer enger gegen Kevin positioniert, so dass die Arbeit der gesamten Intelligence Unit nachteilig beeinflusst wird. Es war mitreißend mitzuerleben, wie Kevin in seinem Widerstandkampf immer mehr in eine Abwärtsspirale hineingezogen wurde mit dem Endziel, ihn mürbe zu machen. Er wirkt teilweise paranoid, er wirkt übernächtigt und obwohl man als Zuschauer weiß, dass er nicht unbegründet eine Gefahr fürchtet, so ist die Darstellung dieses Katz-und-Maus-Spiel so gut, dass man selbst zu zweifeln beginnt, ob sich Kevin nicht in etwas hineinsteigert. Aber je weiter die Episode voranschreitet und spätestens an dem Punkt, als Adam Ruzek angeschossen wird, weil die Streifenpolizei nicht zur Unterstützung ausgerückt ist, ist klar, dass das hier nur noch bitterer Ernst ist.

Dem Zuschauer wird klar, dass diese Konfrontation aus dem Weg geräumt werden muss, weil sie Fälle und Leben gefährdet. Aber gleichzeitig fragt man sich, wie das alles zufriedenstellend aufgelöst werden kann, da das Konfliktpotenzial im Grunde zu tief sitzt. "Chicago P.D." erlaubt sich hier einen kleinen Kniff, den der eine feige finden kann, aber ich denke, dass es die beste Lösung war. Wo immer von der blauen Wand die Rede war, zeigt sich letztlich, dass nur noch Sergeant Kenny Nolan alleine die treibende Kraft ist. Es ist sicherlich schade, dass er als Big Bad nicht etwas mehr Profiltiefe erhalten hat, um zu verstehen, warum er sich nur wegen Tom Doyle auf eine Art 'Bandenkrieg' eingelassen hat, aber mit einer Person alleine kann es Kevin dann doch aufnehmen. Es ist weiterhin auch die richtige Entscheidung gewesen, es zu einem Mann-gegen-Mann-Konflikt werden zu lassen, weil Kevin dabei auf seiner Position beharren kann. Denn diese ist das Moderne, was die Serie so sehr braucht, wenn Hank eben weiterhin für das Alte steht. Kevin ist nicht nur voller Leidenschaft für seinen Job, sondern es ist auch voller Leidenschaft für all seine Wertevorstellungen, die er sich trotz des Jobs bei der Polizei immer bewahrt hat. Daher war sein Showdown gegen Kenny Nolan ein würdiger Showdown. Er mag – wie letzte Woche angesprochen – oft der Teddybär sein, aber hier war deutlich, dass mit ihm nicht zu spaßen ist und dann muss eben auch Kenny einknicken. Ich bin wirklich erleichtert, dass Kevin mit seiner Position als Sieger hervorgehen durfte!

Und dann kommt noch diese Endszene, die man besser eigentlich nicht hätte schreiben können. Kevin war sicherlich euphorisch, weil seine Konfrontation mit Kenny zu seinen Gunsten ausgegangen ist und deswegen hätte er sich wohl nur zu gerne auf eine Partie Basketball mit einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen eingelassen. Doch als sie seine Marke entdecken, ist der potenzielle Spaß auch schon wieder vorbei und sie lassen ihn einfach stehen. Man muss es wohl kaum sagen, dass es sich bei dieser Gruppe um schwarze Kinder und Jugendliche handelte, die damit unterstreichen, wie sehr das Grundvertrauen in die Polizei zerstört ist, wenn es sogar über dieselbe Hautfarbe gestellt wird. Aber ich finde dieses Bild ausgerechnet in dieser Episode so wichtig, denn es zeigt, dass ein errungener Sieg immer nur einen minimalen Etappensieg darstellt. Es ist ein Kampf gegen Ungerechtigkeit, der Ausdauer verlangt. Und realer könnte man das nicht darstellen.

Fazit

Erneut habe ich eine Episode von "Chicago P.D." sehr genossen, auch wenn ich weiß, dass Kevins Handlungsstrang damit erst einmal beendet ist. Ich hoffe aber, dass die Verantwortlichen dadurch gelernt haben, dass seine Figur nicht immer so stiefmütterlich zu behandeln ist. Die Episode war wie schon die davor raffiniert und geschickt erzielt und es wurde eine saubere Lösung gefunden. Einzig das Potenzial, das ich vergangene Woche bei Hank gesehen habe und das hier wieder umgekehrt wird, trübt den Eindruck minimal.

Lena Donth – myFanbase

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