Bewertung: 5

Review: #7.13 I Was Here

Bereits anhand der Synopsis und des Promotionsvideos der Episode hätte ich eigentlich mein ganzes Hab und Gut darauf wetten können, dass nun kommen muss, was ich insgeheim schon länger befürchtet habe: Kim Burgess verliert ihr gemeinsames Kind mit Adam Ruzek.

Ich habe nun seit der Ausstrahlung einige Tage vergehen lassen, da es mir extrem schwerfällt, diese Episode zu bewerten. Während Dramaturgie und schauspielerische Leistung die vollen neun Punkte verdient haben, ist meine Enttäuschung über die getroffenen inhaltlichen Entscheidungen so groß, dass ich sie gerne mit nur einem Punkt abstrafen würde. Je nachdem in welchem Moment man mich gerade erwischt, würde ich wohl jeweils unterschiedliche Punktzahlen vergeben. So eine innere Zerrissenheit habe ich schon lange nicht mehr bei der Bewertung einer Episode empfunden.

Ich kann mich noch genau an meine Gefühle erinnern, als klarwurde, dass "Chicago P.D." sich tatsächlich an eine Babystory wagt. Während dies einerseits mit Hoffnung verbunden war, hat sich aber auch direkt der Gedanke in mir festgesetzt, dass sie das nicht durchziehen würden. In dieser Serie bekommt schließlich nie jemand ein dauerhaftes Happy End. Ich kann es natürlich verstehen, dass man in einer so düsteren Ausrichtung, in der immer Platz für die Bösesten der Bösesten von Chicago ist, auch jede Möglichkeit für eine dramatische Inszenierung wahrnimmt. Da passt ein gesundes und glückliches Baby nicht ins Bild.

Gleichzeitig hätte man mit dieser Handlung aber etwas wagen, ein echtes Risiko eingehen können. Mit einem sinnig getroffenen Zeitsprung hätte man die Babypause von Kim überbrücken können, um dann der Serie eine Nebenhandlung mitzugeben, die einen gänzlich anderen Unterton gehabt hätte. Es wäre auch gesellschaftlich eine starke Botschaft gewesen, denn in allen Berufen fühlen sich Frauen bezüglich der Entscheidung, wann sie in ihren Job zurückkehren, unter Druck gesetzt und scheinbar kann man es ohnehin nie jemandem Recht machen. Kim-Darstellerin Marina Squerciati selbst hat für ihr erstes Kind einige Monate bei "Chicago P.D." ausgesetzt, ist aber anschließend wieder in ihren Job zurückgekehrt, der gerade in einer actiongeladenen Serie sicherlich nicht nur gemütlich ist. Hier hätte man die Realität auf die Fiktion übertragen können. Hätte, hätte, Fahrradkette, die Produzenten der Serie haben sich als Feiglinge erwiesen und das größte Potenzial seit Anbeginn der Serie fahrlässig aus der Hand gegeben. Wann ich darüber hinweg sein werde, schwierig.

Trotz all dieser negativen Gedanken kann ich dennoch anerkennen, dass diese Episode in so vielen Aspekten und Details zu einer der besten der gesamten Serien gehört. Diese knapp 40 Minuten waren auf Kim par exellence zugeschnitten. Nicht nur der Fall mit dem Menschenhandel, bei dem junge Frauen zum Sex gezwungen werden, war genau das Schema, hinter das sie sich immer am meisten klemmt, auch so viele kleine Sachen waren echt Perfektion. Wie Trudy Platt ein Auge auf sie hat und somit unterstrichen wird, wie weit die beiden in ihrer Beziehung gekommen sind. Die Momente mit Adam, die so alltäglich und banal und dabei doch so toll wirkten und schließlich auch in der ganzen Dramatik, wie er sie aus der Badewanne holt und quasi eigenhändig ins Krankenhaus trägt. Wie er Unterstützung von den Kollegen erhält, die alle besorgt ausharren und schließlich die stoischen Blicke von Kim, der das genommen wurde, was sie zunächst für sich nicht richtig einordnen konnte, um es dann doch mit voller Intensität zu lieben.

Im Hinterkopf spuckt natürlich die Frage, warum hat Kim sich auf diese Ermittlung eingelassen, warum war sie so unverantwortlich? Aber genau diese Entscheidung, alles zu riskieren, nur das hat wie die Faust aufs Auge zu ihrer Figur gepasst. All das wurde auch durch einer der brutalsten Szenen unterstrichen, die "Chicago P.D." wohl jemals gezeigt hat. Die Kampfszene zwischen Kim und dem Menschenhändler war kaum mitanzusehen, sie hat aber unterstrichen, dass sie ihr Baby nicht für irgendetwas geopfert hat, sondern für einen brutalen Mann, der der jungen Emma möglicherweise noch viel schlimmere Verletzungen zugefügt hätte, wenn Kim nicht eingeschritten wäre. Wie gesagt, dramaturgisch und schauspielerisch top, aber sie wird mir ansonsten noch lange nachhängen.

Fazit

Wie soll man ein Fazit ziehen, wenn man eigentlich gar kein endgültiges parat hat? Diese Episode hat mich schauspielerisch und dramaturgisch von den Socken gehauen, mir inhaltlich aber einen schweren Schlag in die Magengrube verpasst. In dieser Zerrissenheit bleibt nur die Konsequenz, die Episode mit dem Mittelwert zu bewerten, auch wenn keine Zahl der Welt meine Gefühle widerspiegeln kann.

Lena Donth – myFanbase

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