Bewertung: 6

Review: #5.14 Auf Knien

Mit #5.14 Anthem knüpft "Chicago PD" nahtlos an die vorherige Folge an und bietet einen noch engeren Themenkreis als zuvor. Durch die Einführung von Denny Woods Tochter, Brianna, bekommt der Konflikt zwischen ihm und Hank Voight ganz neuen Zündstoff, der sich über die gesamte Folge hinweg ausdehnt. Zudem geht es dem Titel der Folge gemäß um die Nationalhymne und das damit verbundene topaktuelle Thema des Niederkniens während der Hymne. Aber gelingt die Umsetzung dieser brisanten Themengruppen?

Ich habe den Beginn der fünften Staffel als thematisch großartig empfunden, da die Serienschöpfer brandaktuelle Themen in den Fokus gerückt und ihre Figuren damit konfrontiert haben. Das ist zur Mitte der Staffel für persönlichere Themen aufgegeben worden. In dieser Folge nun wieder haben wir ein aktuelles Thema. Die ganz akute Brisanzlage ist zwar schon wieder etwas abgeflaut, aber trotzdem fand ich es eine spannende Wahl, das Niederknien während der Nationalhymne in den thematischen Fokus zu rücken. Verknüpft wurde das Ganze mit der Polizeigewalt gegenüber Schwarzen, dieses Thema wiederum ist bei der Cop-Serie nicht neu. Beide Seiten dieses Themas wurden ohne jegliche Bewertung angesprochen, so dass eine eindeutige Positionierung wegfällt, aber das empfinde ich als richtige Entscheidung. Als schade wiederum empfinde ich, dass das Thema so schnell abgehakt wird. Als sich herausstellt, dass die beiden Collegebasketballspieler in Wettmanipulationen verstrickt sind und ein Schwarzer einen Schwarzen umgebracht hat, kippen diese Themen. Das hätte man schon konsequenter zu Ende führen können!

Mit der Einführung von Brianna als seine Tochter bekommt man von Woods ein wesentlich persönlicheres Bild. Nur blöd, dass zu dem aalglatten, arroganten Machtgeier nicht die passende Tochter präsentiert wurde. Denn Brianna hat mich von Anfang an um den Finger wickeln können. Gebildet, wortgewandt, selbstbewusst. Wäre sie etwas älter, hätte ich sie hervorragend in der Intelligence Unit sehen können. Vorwerfen kann man ihr höchstens, dass sie ein richtiges Papakind ist und in seiner Gegenwart schnell zu seinem Mädchen wird. Man merkt aber schnell, dass Woods seine beruflichen Fehden nicht mit ins Privatleben nimmt, da Brianna Hank unvoreingenommen gegenüber steht und ihn vermutlich eher als Freund ihres Vaters in Erinnerung hat. Auch Hank steht ihr absolut professionell gegenüber, so dass zwischen ihm und Woods ein Pakt entsteht, bei dem beiden klar ist, dass sie alles geben werden.
Am Ende wird Brianna aber zum Opfer, die mit ihrem Leben für ihre Tapferkeit und ihren Gerechtigkeitssinn zahlen muss. Ich habe auch nicht verstanden, warum sie Antonio Dawsons Anweisungen nicht gefolgt ist und stattdessen einen Fluchtversuch gewagt hat. Insgesamt hat mir die Wendung mit Briannas Geiselnahme nicht gefallen. Natürlich ist Woods durch ihren Tod nun ein verwundeter Mann, der nun erst recht zu allem fähig ist und das mag auch durchaus spannend sein. Aber Hank muss auch etwas gegen Woods in der Hand haben und hat deswegen ja auch Adam Ruzek beauftragt, dessen Schwächen auszuloten. Mit Brianna wurde nun die Schwäche schlechthin präsentiert. Eine solche integre junge Frau hätte es zwar wahrlich nicht verdient gehabt, zum Spielball zu werden, aber ihr Ein-Episoden-Auftritt sehe ich dennoch als totale Verschwendung an. Ich frage mich wirklich, ob die Autoren da nicht zu früh einen Pfeil aus dem Köcher verschossen haben...

Fazit

"Chicago PD" bietet eine sehr komprimierte Folge, in der der Konflikt zwischen Hank und Woods einen neuen Höhepunkt erlangt. So unversöhnlich wie Woods am Ende seinem Widersacher gegenübersteht, kann der große Countdown nur kurz bevorstehen, außer die Autoren wollen diesen noch bis zum Staffelfinale verlängern. Ich bin nicht ganz glücklich, wie in dieser Folge der Konflikt angeheizt wurde und ich fand es schade, dass so ein hochaktuelles gesellschaftliches Thema, wie das Niederknien bei der Nationalhymne, recht schnell in Wettmanipulation überleitete. Es sind nämlich beides interessante Themen, die je eine eigene Folge verdient gehabt hätten.

Lena Donth - myFanbase

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