Bewertung: 6

Review: #5.15 Blutige Botschaft

Der Episodentitel von #5.15 Sisterhood gibt das Thema dieser "Chicago PD"-Folge schon deutlich vor: es geht um Frauen und ihren Zusammenhalt untereinander. Damit wird erneut ein aktuelles Thema aufgegriffen, dass in Zeiten von Feminismus und #MeToo-Debatten optimal den Zeitgeist trifft.

Mit der Umsetzung dieses Themas war ich aber nur bedingt zufrieden. In dieser Folge standen zwar ganz klar die Frauen im Vordergrund, allen voran Kim Burgess, unterstützt von Hailey Upton und auf der anderen Seite Q und ihre Frauengang, aber die Gegenüberstellung von Mann und Frau wurde sehr klischeehaft bedient. So erzählt Hailey ihrem Partner Jay Halstead, dass Veronica ihre Freundin Q niemals verraten wird und begründet das damit, dass Frauen bekanntermaßen loyaler wären als Männer. Wenn man sich jahrelang über die Klischees beschwert, die Männer und Frauen angeblich voneinander unterscheiden, dann sollte man dem aber nicht mit eben solchen Klischees entgegengehen. Denn es gibt sicherlich auch genug loyale Männer.

Mit einem anderen Aspekt wiederum wurde meiner Meinung nach der Kern der Debatte ideal getroffen. Q ist für die Intelligence Unit zunächst nur eine Initiale, hinter die sie einen Mann vermuten. Tatsächlich steckt aber eine Frau dahinter, die eine erfolgreiche Gang in Chicago anführt. Kim stellt richtigerweise fest, dass nicht einer aus der Einheit (sie selbst und Hailey eingeschlossen) von einer Frau ausgegangen waren. Zudem wird offengelegt, dass die Viper Queens unter der Führung von Q ebenso viele Straftaten verüben wie die Kings unter der Leitung von Pena. Und dennoch ist sie dafür noch nicht mit einer Gefängnisstrafe belangt worden, denn sie ist ja eine Frau und wird damit nicht ebenso gefährlich eingestuft.

Schade war aber dennoch, dass Q nicht die eigentliche Kriminelle im Fall der Woche war. Die Episode startete schließlich schon so, dass Pena durch einen Waffendeal überführt werden sollte. Q kommt erst ins Spiel, als sie zwei Gangmitglieder von Pena kastriert, weil sie eine Jugendliche vergewaltigt haben. Zudem baut man unweigerlich als ZuschauerIn Sympathie zu Q auf. Denn sie gibt hilflosen Mädchen ein Zuhause, eine Familie. Sie ist es, die selbst als Jugendliche vergewaltigt wurde und daher den emotionalen Schmerz kennt, den man für immer mich sich trägt und daher auf Rachefeldzug geht. Daher schreit man auch Ja!, wenn sie am Ende der Folge ihren eigenen Vergewaltiger Pena zur Strecke bringt. Alles schön und gut, aber die eigentliche Botschaft dieser Folge wäre vielleicht besser rübergekommen, wenn Q durch und durch böse inszeniert worden wäre.

Die andere Frau, die in dieser Folge im Mittelpunkt stand, ist wie erwähnt Kim, die diese Staffel schon häufig im Fokus stand. Das sehe ich noch recht entspannt, lässt mich im Hintergrund aber befürchten, dass sie somit zu Erin Lindsay II werden könnte, um die sich alles dreht, so dass sie als Figur irgendwann nervig wirkt, weil sie anderen Figuren verdiente Screen-Time wegnimmt.

In der vergangenen Staffel musste Marina Squerciati eine Babypause einlegen, so dass sich ihre Figur nach der Vergewaltigung ihrer Schwester Nicole eine Auszeit nahm, um der bei der Verarbeitung der Geschehnisse beizustehen. Wie genau es Nicole nach ihrer Rückkehr aber ging, hat Kim mit niemandem besprochen, daher war es eigentlich schon längst überfällig, dass das Thema einmal aufgegriffen wird. Durch die Vergewaltigung der Jugendlichen fühlt sich Kim an Nicole erinnert und damit auch von dem Fall persönlich betroffen. Sie gesteht Hailey, wie wütend sie sei, weil die Vergewaltiger ihrer Schwester nur zu drei Jahren verurteilt worden sind und weil ihre Schwester sie nicht wirklich an sich heran lasse und immer noch schwer zu kämpfen hätte. Diese Wut, aber auch die Erfahrung und Einfühlsamkeit, die sie den Opfern gegenüber entwickelt hat, zeigt sich in der ganzen Episode. Daher erkennt sich Kim auch in Q wieder und versteht deren Drang sich rächen zu wollen. Die Kim, die wir heute kennen und lieben haben, hat kaum noch etwas mit der naiven und quirligen Kim zu tun, die sie zu Beginn der Serie noch war. Bei all den Geschehnissen, die sie auch schon mitmachen musste, ist das aber auch kein Wunder. Daher finde ich es nur authentisch, dass wir auch mal ihre dunkle Seite kennenlernen dürfen, die eben solche Rachegedanken offenbart. Der Unterschied zu Hank Voight z. B. ist aber, dass sie dennoch professionell agiert. Sie manipuliert die Beweise nicht etwa zu Gunsten von Q, sondern nimmt sie fest, weil sie hinter dem Justizsystem steht, das sie vertritt.

Als vollkommen unnötig erwies sich meiner Meinung nach aber der Gastauftritt von Johnathon Schaech, der als Detective Scott Hart von der Mordermittlung mit Kim zusammenarbeiten darf. Des Öfteren wird die Unit schon mal von außenstehenden Polizisten unterstützt, aber dann sind diese meist auch aus einem bestimmten Grund involviert oder sind zumindest mehrere Folgen dabei. Scott tut sich aber nicht sonderlich in dieser Folge hervor und verabschiedet sich sogar 10 Minuten vor Ende der Folge schon wieder. Zum Abschied gibt er Hank mit auf dem Weg, dass Kim eine gute Polizistin sei. War er nur dafür da? Das hätte man sich wirklich sparen können, da Hank schon längst selbst weiß, dass er die richtige zur Unit hochgeholt hat.

Fazit

Die aktuelle Folge greift in die Feminismus-Debatte ein, geht dabei aber sehr klischeehaft vor. Der Fall der Woche war aber sehr emotional und mitreißend, da es um Rache an Vergewaltigern ging. Kim, deren Schwester selbst schon Opfer einer Vergewaltigung war, fühlt sich durch das Geschehen selbst betroffen und ihre Rachegedanken wird der ein oder andere Zuschauer sehr gut nachvollziehen können. Dafür gab es aber einen unnötigen Gastauftritt, der unter WTF verbucht werden kann.

Lena Donth - myFanbase

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