Bewertung

Review: #4.04 Gewissheit

Während Gabby um ihr Leben und um das ihres Kindes kämpft, geht Kelly der Sache mit den verschwundenen Dokumenten des abgebrannten Hauses nach und macht eine schockierende Entdeckung. Herrmann übernimmt während der Abwesenheit von Casey und Boden das Kommando und wird sowohl mit einem Elektrobrand als auch mit der Tatsache, dass das Molly's geschlossen wird, konfrontiert.

"Will, do everything you can for the baby. If it comes down to a choice you save my girl." – "Matt, truth time, when I'm in there, she's the only one I'm trying to save."

Mit diesem Verlauf der Storyline um Gabbys und Caseys Kind hätte ich nun wirklich nicht gerechnet, finde den Ansatz aber sehr interessant, auch wenn ein ungeborenes Kind zu verlieren natürlich sehr hart ist. Trotzdem passiert dies, vor allem im ersten Trimester einer Schwangerschaft, relativ häufig, so dass dies einerseits realistisch ist und andererseits natürlich gut und gerne auch in Serien thematisiert wird, um die Beziehung der werdenden Eltern auf die Probe zu stellen. Denn normalerweise fängt die Beziehung in solchen Momenten an zu kriseln, da einer von beiden einfach nicht mit dem Schmerz des Verlustes fertig wird und sich zurückzieht. Ich kann nur hoffen, dass sich die Autoren diesen Zug hier gut überlegt haben und für Casey und Gabby einen anderen Weg gefunden haben, wie sie mit dem Verlust ihres ungeborenen Kindes umgehen werden. Denn wie ich schon in meiner Review zu #4.01 Let it Burn erwähnt habe, hält diese Beziehung momentan einer weiteren Krise, die Gabby und Casey nicht gemeinsam bewältigen können, nicht stand und ich fände es schade, wenn man die Beziehung erneut gegen die Wand fahren würde, jetzt da man sie wieder einigermaßen auf die Reihe gekriegt hat.

Der ganze Handlungsstrang um den Verlust des Babys hat mir aufgrund von mehreren Aspekten sehr gut gefallen. Der Zusammenhalt der Feuerwache wurde wieder einmal schön aufgezeigt. Diese Szenen in denen alle aufgrund einer Krise zusammenkommen und in denen einmal mehr klar wird, dass das Feuerhaus 51 mehr ist als nur ein Arbeitsplatz, finde ich immer wieder grandios und es erinnert mich immer an diese eine Schlussszene der Pilotfoge der Serie, in der alle im Krankenhaus sitzen und auf eine Nachricht wegen Herrmanns Gesundheitszustand warten. Dieser Zusammenhalt, der in Krisensituationen die einzelnen Fehden und Probleme vergessen lässt, war für mich einer der Hauptgründe, weswegen ich mich richtiggehend in diese Serie "verliebt" habe. Und auch etwas mehr als drei Staffeln später ist dieses Feeling immer noch zu spüren, was sicherlich auch den Darstellern und ihren guten Beziehungen untereinander zu verdanken ist. Diesem Zusammenhalt verdanken wir dann eigentlich auch die emotionalste Szene dieser Folge, nämlich als Herrmann zum Schluss zu Gabby spricht und ihr von Cindys Fehlgeburt und seiner eigenen Erfahrung damit erzählt, ihr aber auch Mut macht, dass sie diese schwere Zeit zusammen mit Casey durchstehen wird und eines Tages ihr eigenes Kind in den Arm schließen darf. In so einer Situation die richtigen Worte zu finden, ist unglaublich schwer, vor allem weil ja nicht jeder Mensch in so einem Augenblick gleich reagiert. Herrmanns Worte waren aber mit Bedacht gewählt und haben Gabby sicherlich Hoffnung gemacht, ihr aber vor allem gezeigt, dass sie nicht die einzige ist und dass es ganz viele Freunde gibt, die ihr helfen diesen Verlust durchzustehen.

Ein weiterer positiver Aspekt war, dass man sich nicht nur auf Gabby und ihren Schmerz, sondern auch auf Casey konzentriert hat und seine Stärke, jedoch eben auch seinen Schmerz gezeigt hat. Denn so ein Verlust ist nicht nur für die werdende Mutter schwer zu verarbeiten, sondern eben auch für den Vater, der ja hier nicht nur um das Baby, sondern eben auch noch um seine Freundin zittern musste. Hier haben mir vor allem die gemeinsamen Szenen von Boden und Casey sehr gut gefallen. Trotz der wenigen Worte, die zwischen den beiden Männern gewechselt wurden, hat man gemerkt, wie nahe das Ganze auch Boden geht und wie sehr er eben die Menschen, welche für ihn arbeiten, ins Herz geschlossen hat.

Auch Will Halstead wurde erneut sehr gut in die Serie eingebracht und so hervorragend für "Chicago Med" aufgebaut. Sowohl in "Chicago Fire" wie auch in "Chicago PD" wird in diesem Zusammenhang wirklich gute Arbeit geleistet, auch wenn natürlich der Hauptfokus auf Will liegt, der sich ja aber aufgrund seiner Verwandtschaft zu Jay dafür auch gut anbietet. Für mich jedenfalls steigt bei Szenen mit Will jedes Mal die Vorfreude auf das dritte Chicago-Franchise und das heißt dann ja wohl, dass die Macher im Bezug auf die Einführung der neuen Charaktere hier alles richtig machen.

"There's a reason why I sent Dawson your way. It's because I knew you take care of her. It's no secret that Benny was a better firefighter than a father. I get that and you... you took that place. I can't repay that."

Zuerst wird ihm sein Team weggenommen, dann wechselt seine neue Freundin ins "feindliche" Lager und nun muss er auch noch zuschauen wie sein Ersatzvater sich von einem reichen Bauunternehmer hat kaufen lassen und sich nun umbringen will. Severide hat es momentan wahrlich nicht leicht und eigentlich ist es ein Wunder, dass er noch nicht komplett durchgedreht ist, vor allem wenn man bedenkt, dass seit Shays Tod ja auch noch nicht wahnsinnig viel Zeit vergangen ist. Und obwohl ich die einzelnen Storylines, in welche Severide momentan verwickelt ist, eigentlich alle gar nicht schlecht finde, wünsche ich mir doch, dass man in einer davon mal etwas tiefer geht, bevor gleich wieder eine neue angerissen wird.

Klar hängen diese Storylines alle zusammen, so hat Severide Jamie dadurch kennengelernt, weil ihm jemand vor die Nase gesetzt wurde und er nun so einen Führungskurs absolvieren muss und das "feindliche" Lager in welches Jamie überläuft, steht im Zusammenhang mit dem Brandanschlag, bei welchem Wahe 51 ausrücken musste und welchen Gabby anschließend untersucht hat. Doch für mich bleiben halt diverse Fragen offen, die ich gerne beantwortet gehabt hätte, bevor schon die nächste Krise über Severide hereinbricht. Was ist den jetzt mit diesem Führungskurs? Ist der abgeschlossen, findet der immer noch statt? Was lief denn da zwischen Severide und Jamie? War das nur Sex oder vielleicht doch mehr? Sicherlich wird uns hier die eine oder andere Frage noch beantwortet und die einzelnen Handlungsstränge weiter verfolgt, trotzdem wirkt es für mich momentan so, als würde man Severide mit Handlungssträngen zudecken, die aber alle nur oberflächlich behandelt werden. Sehr schade, denn es wäre durchaus interessant, sich mal wieder etwas näher mit Severides Gefühlen zu befassen, bevor er sich dann aufgrund zu vielen Schwierigkeiten wieder in sein Schneckenhaus zurückzieht und gegen Außen den Starken mimt, der eine Party nach der anderen feiert.

Doch kommen wir zurück auf das eigentliche Thema, nämlich Duffy, der Akten hat verschwinden lassen und dafür bezahlt worden ist. Da mir Duffys Verhalten schon in den letzten beiden Episoden im Bezug auf diese Brandstiftungssache etwas komisch vorgekommen ist, hat mich seine Beteiligung nicht gerade überrascht, doch hätte ich eigentlich sehr gerne noch den Grund für diese Bestechung gewusst. Denn laut Severide war Duffy ja bis dahin ein guter und seriöser Feuerwehrmann und Ermittler, da muss doch irgendetwas vorgefallen sein. Bei den Ermittlungen nach den verlorenen Akten haben mir dann aber vor allem zwei Punkte gut gefallen. Erstens war da der Einbezug von Mouse, der wie in "Chicago PD" auch hier total sympathisch dargestellt wurde. Schön dass er auch einmal einen Crossoverauftritt hatte, obwohl er bei "Chicago PD" leider nicht zu den Hauptcharakteren gehört. Zweitens war es die Zusammenarbeit zwischen Severide und Patterson, die überraschend harmonisch vonstatten ging und der man gut noch ein bisschen mehr Screentime hätte widmen können. Die Tatsache ist, dass Patterson in dieser Folge wieder sehr sympathisch wirkte und seine Worte zu Boden, dass er noch nie ein Haus gesehen hat, dass in einer Krise so zusammensteht und er sich geehrt fühlt, hier zu arbeiten, machen ihn schon fast liebenswürdig und stehen im Gegensatz zu den kleinen Sticheleien, die er in letzter Zeit immer wieder gegen Severide abgefeuert hat. Diese Gegensätze machen den Charakter Patterson für mich wahnsinnig interessant, vor allem weil man nicht recht weiß, ob man ihn nun lieben oder hassen soll. Doch bin ich mir immer noch nicht ganz sicher, welches Ziel die Autoren mit ihm verfolgen, hoffe jedoch, dass der Aufbau dieses Charakters wirklich konsequent weiterverfolgt wird und wir bald erfahren werden, ob Patterson ein Mensch ist, der Severide helfen will, dass dieser bald wieder sein Team zurückbekommt, oder ihn eben loswerden will, so dass er selber die Führungsposition bei Squad übernehmen kann. Denn momentan hängt hier alles etwas in der Luft und es wäre irgendwie langsam interessant in welche Richtung sich diese Geschichte bewegt.

"Herrmann! Molly's just got closed. Shut down!"

Neben diesen zwei Haupthandlungssträngen lief derjenige um das Molly's eher im Hintergrund ab und ich bin ehrlich gesagt einfach froh, das er zu Ende und das Molly's gerettet ist, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass Jimmys erste richtige Handlung im Zusammenhang mit einem Feuer steht und nicht mit irgendwelchen Bauvorschriften. Aber soweit so gut, das Molly's ist gerettet und kann uns weiterhin in allen Serien schöne Abschlussszenen bieten. Für mich war diese ganze Storyline eher lächerlich als interessant und ich hätte mir hier durchaus andere Geschichten vorstellen können, um zu betonen, wie wichtig das Molly's einerseits für Herrmann und andererseits auch für die ganze Feuerwehr/Polizei und Rettungscrew ist.

Im Zusammenhang mit der ganzen Molly's Rettung wird auch klar, dass die Autoren wohl auf ein Pairing zwischen Chilli und Jimmy hinarbeiten, vor allem seine Schwärmerei für sie war ja nicht zu übersehen. Grundsätzlich habe ich ja nichts gegen ein weiteres Paar in der Serie, doch wünsche ich mir hier wirklich, dass man zuerst einmal etwas Wert auf Charakterentwicklung der Individuen legt, bevor man hier eine Beziehung aufbaut. Vor allem Chilli gehört ja zu den Hauptcharakteren und wie ich schon in meiner Review zu #4.01 Let it Burn erwähnt habe, wird man als Zuschauer noch nicht wirklich warm mit ihr beziehungsweise kann schlecht hinter ihre Fassade blicken. So auch wieder in dieser Folge, hat sie mich doch anfangs mit ihrer Weinerlichkeit und Dramatik gleich wieder genervt, später dann aber doch meinen Respekt gewonnen, als sie diesem komischen Ehepaar vor dem Molly's die Meinung sagt. Grundsätzlich mag ich ja Charaktere die man nicht gleich in eine gewisse Schublade stecken kann, doch bei Chili besteht leider zur Zeit die große Gefahr, dass dies momentan ins Nervige umschlägt, was ich sehr schade finde.

"Did he say anything to you?" – "If he talked to me, I'd be passed out next to him, not standing here with you."

Zum Schluss noch ein paar Worte zu den Fällen der Woche, die sehr gut gewählt waren, da der Fokus der Folge ja vor allem auf Gabby und Casey, sowie auf dem Fall mit den verschwundenen Akten lag. Trotzdem hat man zwei Fälle nebenher laufen lassen, die eigentlich unterschiedlich nicht sein könnten. Bei dem Jungen in der brennenden Hüpfburg hat man auf Dramatik gesetzt und am Schluss eine emotionale Szene geschaffen, die auch noch Severides Schmerz über den Verlust seines Teams erneut in Erinnerung gerufen hat. Bei dem Fall im Leichenhaus, der sicherlich, realistisch betrachtet, nicht weniger dramatisch ist, hat man aber eher auf Leichtigkeit gesetzt, was auch gut gelungen ist, denn ich musste ehrlich gesagt mehrmals wegen der Reaktion von Brett und Chilli, sowohl auch wegen der Aussagen des Angestellten in der Leichenhalle schmunzeln.

So haben diese zwei Fälle der Woche schön die großen Handlungsstränge unterbrochen, ohne aber lästig oder störend zu wirken und haben nicht zu viel Raum eingenommen. Sie haben einerseits diese sowieso schon sehr emotionsgeladene Folge gefühlsmäßig noch ein bisschen verstärkt, konnten aber andererseits auch für Witz und Leichtigkeit sorgen. Ein großes Kompliment hier an die Autoren, die hier die perfekte Mischung gefunden haben.

Fazit

In dieser Folge wurde sehr viel richtig gemacht. Gabbys und Caseys Verlust wurde schön ausgearbeitet und zeigte erneut den großen Zusammenhalt des Feuerhauses 51. Auch der Handlungsstrang um Duffy war interessant, auch wenn mir hier noch ein paar Antworten fehlen und ich mich frage, was Severide in dieser vierten Staffel noch alles für Krisen ausstehen muss. Vielleicht wäre es besser sich hier mal auf eine der Krisen zu konzentrieren und etwas in die Tiefe zu gehen, so dass man Severides Gefühle und Gedanken besser nachvollziehen kann. Das Potential dafür ist auf alle Fälle vorhanden und somit stehen die Sterne für eine weitere spannende vierte Staffel sehr gut.

Maria Schoch - myFanbase

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