Bewertung: 9

Review: #6.16 Sonderbare Methoden im Stromausfall

Foto: John Francis Daley, Bones - Copyright: 2011 Fox Broadcasting Co.; Justin Stephens/FOX
John Francis Daley, Bones
© 2011 Fox Broadcasting Co.; Justin Stephens/FOX

Es gibt so viel über diese Folge zu schreiben, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Am besten vermutlich beim Aufbau. Dank einer Filmtechnik, die "Bottle Episode" genannt wird, haben wir einen etwas anderen Episodenablauf als üblich. Eine Bottle Episode ist eine Folge, die an einem Ort oder nur an sehr wenigen stattfindet und hauptsächlich bekannte Charaktere enthält. Somit kann man sich auf die Geschehnisse und Charakterbeziehungen konzentrieren und wird nicht von vielen Szenenwechseln abgelenkt. Und bei "Bones" haben sie diese Technik wirklich gut ausgenutzt. Der Zuschauer sieht hauptsächlich zwei Locations: Das Jeffersonian Institute und den Fahrstuhl in Booths Wohnhaus. Daher bietet es sich an, die Folge in zwei Teile zu trennen, auch wenn der Fall die beiden Elemente verknüpft.

"What do you think we can handle? You and I. Together. What do you think we can handle?" - "Honestly? Anything. Anything at all."

Houston, we have a problem! Ein Leiche, deren Mörder nun vermutlich mit einer ansteckenden Krankheit frei in Washington herumläuft, ein Ermittlerteam, das im Fahrstuhl feststeckt, Stromausfall im gesamten Labor und das alles während eines der schlimmsten Blizzards der letzten Jahre. Jetzt ist Improvisation gefragt.

Man ist so daran gewöhnt, dass bei "Bones" immer mit neuester Technologie gearbeitet wird, dass es wirklich faszinierend ist zu sehen, wie sich die Wissenschaftler ihre Instrumente neu zusammenstellen müssen. Da entsteht mit Klebestreifen Elektrizität für Röntgenbilder, Schäden an den Knochen werden mit Farbe sichtbar gemacht und Kartoffeln werden für Strom zusammengesteckt, wie man es in der Grundschule vielleicht schon einmal versucht hat. Hodgins experimentiert mit Sprengstoff und einem Notlicht, was nicht wirklich gut geht. Zwischenzeitlich habe ich mich aber trotz der ganzen tollen Versuche schon gefragt, wo sie im Jeffersonian Institute die ganzen Kerzen zum Beleuchten der Räume herbekommen haben. Vermutlich aus einer antiken Kerzenausstellung irgendwo im Museum. Mithilfe dieser ganzen Experimente findet das Team heraus, dass das Opfer einem albanischen Menschenhändlerring auf der Spur war und kann den Fall lösen.

Doch eigentlich sind Angela und Hodgins mit etwas ganz anderem beschäftigt. Bei einem Arzttermin hat Angela herausgefunden, dass sie Trägerin eines seltenen Gens ist, das Blindheit verursachen kann. Hodgins lässt sich daraufhin auch testen und wartet während der Folge auf die Ergebnisse. Als diese positiv sind, ist er am Boden zerstört und vertraut sich Wendell an, der sein Mitgefühl ausdrückt und für ihn da ist. An dieser Stelle ist die tolle Performance von TJ Thyne hervorzuheben, der es in dieser Folge schafft, mühelos von Humor zu Drama und wieder zurück zu wechseln. Während die beiden reden taucht Angela auf und denkt, dass es gute Neuigkeiten gibt, bis sie Hodgins Gesichtsausdruck sieht. Diese Szene war alles andere als schön anzusehen und man hat richtig mit ihnen mitgelitten. Aber die beiden lassen sich von der Diagnose nicht unterkriegen und beschließen sich darauf vorzubereiten, dass ihr Kind blind sein könnte. Falls es wirklich dazu kommen sollte, so bin ich mir sicher, dass die beiden an der Situation nur noch weiter wachsen werden.

"I just need time, that's all. I just need time to kinda hang back and find that inner peace before I, you know, get back out there. You know what we're talking about here? You and me, you know, and love and happiness and life and fate." - "I don't believe in fate, but I know what we're talking about."

Endlich! Endlich, endlich tut sich was bei Brennan und Booth. Nach all den Staffeln, nach #2.09 Ein Totengräber und die noch Lebenden, nach den Weihnachtsspecials, nach der Traumsequenz im Finale der 4. Staffel, nach all diesen kleinen Momenten. Endlich werden die beiden gezwungen, über das, was zwischen ihnen ist, zu sprechen. Was Sweets seit Jahren vergebens in seinen Sitzungen versucht hat, wird nur dadurch ermöglicht, dass die beiden an einem Ort eingesperrt werden, von dem sie nicht fliehen können.

Letztlich haben sie das Ganze Booth zu verdanken, der unbedingt alte Stadionsitze von der Straße retten möchte. Verständlich, schließlich hat er auf ihren einige der wenigen guten Stunden mit seinem Vater erlebt, da ist etwas Nostalgie durchaus angebracht. Sweets und Brennan wollen ihm helfen, die Sitze in seine Wohnung zu bekommen, bevor sie sich um den Mordfall kümmern. Mit Müh und Not schaffen es Booth, Brennan und die Sitze auch in den Fahrstuhl, bis dieser während der Fahrt stecken bleibt. Und was jetzt? Booth hat die Idee, über den Notausstieg nach draußen zu klettern, nur sind dafür die Sitze im Weg. Brennan ist fest davon überzeugt, dass sie kleiner ist und damit viel einfacher durch die Luke passen würde und steigt kurzerhand auf Booths Schultern, um nach oben zu gelangen, was sowohl Booth als auch Sweets sehr irritiert.

Als Brennan den Notausstieg fast erreicht hat, verliert sie den Halt und fällt direkt auf Booth, der sich dabei den Rücken verrenkt. Sweets organisiert eine Packung Tiefkühlerbsen und Kopfschmerztabletten für Booth und nutzt die Gunst der Stunde, um die beiden zu einer Therapiesitzung zu überreden, da sie nun endlich einmal nicht, wie sonst meistens, zu einem Tatort verdrücken können. Als er die Gefühle der beiden füreinander und die Trennung von Hannah erwähnt, wird Booth wütend und wirft die Erbsenpackung nach ihm. Brennan bittet Sweets, sie kurz allein zu lassen und er stimmt zu. Nachdem Booth nun keinen Kühlbeutel mehr hat, bietet Brennan an, es mit Akupressur zu versuchen. Immerhin ist Sweet dabei nicht dazugekommen, denn diese Szene sah noch zweideutiger aus, als die zuvor. Die beiden fangen schließlich doch noch an über ihre Gefühle zu sprechen. Sie glauben, dass sie sicherlich tollen Sex miteinander hätten, eine Beziehung aber niemals funktionieren würde. Kurz darauf erhalten sie eine Nachricht aus dem Jeffersonian Institute, dass der Mörder sich ganz in ihrer Nähe befinden muss. In letzter Not entschließen sich die beiden, die zusammenhängenden Stadionsitze auseinander zu brechen, damit sie zum Notausstieg gelangen können. Gemeinsam schaffen sie es, den Mörder zu fangen, auch wenn dieser dabei auf Booth fällt, der damit Gefahr läuft, ebenfalls an dem Virus zu erkranken. Aber zum Glück gibt es dafür ja Medikamente.

Beinahe noch schöner als die Aufzugszenen fand ich den Abschluss der Folge. Brennan und Booth sitzen in seiner Wohnung, natürlich auf den neuen Stadionsitzen, und trinken Bier. Dabei kommen sie nochmal auf das Thema von vorher zu sprechen. Booth meint, dass er wütend ist und noch etwas Zeit braucht, um über alle Geschehnisse nachzudenken und über die Trennung hinwegzukommen. Bei Brennan wiederum geht die Sache noch tiefer. Sie fragt Booth, ob der den Unterschied zwischen Stärke und Unangreifbarkeit kennen würde. Bevor sie ihn kannte, war sie unangreifbar. Jetzt ist sie stark. Und ist das nicht genau das, was seit Jahren von Sweets, Cam, Angela und anderen über Brennan gesagt wird? Dass sie sich hinter der Rationalität der Wissenschaft versteckt und niemanden an sich heranlässt, um nicht verletzt zu werden? Durch Booth hat sie gelernt, Gefühle zuzulassen und an ihnen zu wachsen.

Zum Schluss schlägt Booth vor, dass sie beide sich einen Zettel nehmen und darauf ein Datum schreiben, an welchem sie denken, dass sie bereit sind, den nächsten Schritt zu wagen. Gemeinsam verbrennen sie die Zettel über einer Kerze, um somit eine Botschaft an das Universum zu schicken. Ein würdiger Abschluss dieses Themas.

Fazit

#6.16 Sonderbare Methoden im Stromausfall hatte alles, was eine tolle Episode braucht: Einen spannenden Fall, Drama, Comedy, einen etwas anderen Erzählstil, Charakterentwicklung und einiges an Erzählstoff für den weiteren Staffelverlauf. Während die Folge einige offene Fragen geklärt hat, hat sie noch um einige mehr aufgeworfen und nun bleibt abzuwarten, was aus diesen Möglichkeiten gemacht wird.

Denise D. - myFanbase

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