Bewertung: 5

Review: #6.11 Das Erbe des Totengräbers

Eine Storyline, die seit der zweiten Staffel Bestandteil von "Bones" ist, geht in dieser Episode zu Ende. Gleichzeitig mit dem Ende des Totengräbers wird jedoch wieder ein neuer Handlungsstrang aufgegriffen, welcher sicherlich Potential für eine staffelübergreifende oder ganz sicher eine folgenübergreifende Storyline hat. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Story um den Scharfschützen, der zugleich Booths Ausbilder wie auch der Mörder des Totengräbers ist, sich genauso spannend gestaltet und für genauso hervorragenden Folgen sorgt, wie diejenige bezüglich des Totengräbers.

"A hand made bullet, that didn’t sound like a angry father to mee."

In Folge #2.09 Ein Totengräber und die noch Lebenden taucht der Totengräber zum ersten Mal bei "Bones" auf, indem er Hodgins und Brennan bei lebendigem Leibe begräbt. In letzter Minute konnten die Beiden damals von Booth und den Mitarbeitern des Jeffersonian Instituts gerettet werden. Doch erst zwei Staffeln später in der Folge #4.14 Ein Totengräber und andere Rückkehrer, kann der Totengräber, nachdem er Booth in seine Gewalt gebracht hatte, gefasst und hinter Gitter gesperrt werden. Noch eine Staffel später wird nun das Team erneut mit Heather Taffet alias dem Totengräber konfrontiert, da ihr der Prozess gemacht werden soll.

Nachdem die Identität des Totengräbers geklärt war und sich Heather Taffet hinter Gittern befand, habe ich eigentlich gedacht diese Storyline sei abgeschlossen. Doch in der fünften Staffel wurde diese Handlung noch einmal aufgegriffen und daraus ist eine hervorragende Folge rund um den Gerichtsprozess von Taffet entstanden. Doch damit nicht genug. In der aktuellen Episode taucht Heather Taffet noch einmal auf. Sie soll vor Gericht erscheinen, welches über ein letztes Gnadengesuch zu entscheiden hat. Doch bevor sie überhaupt das Gerichtsgebäude betreten kann, wird sie von einem unbekannten Schützen erschossen.

Die restliche Folge ist nun der Suche nach dem Schützen gewidmet und zeigt natürlich auch auf, wie die Charaktere mit dem Tod von Heather Taffet umgehen, schließlich war ein Teil von ihnen ihrem Wahnsinn ja zum Opfer gefallen. Doch genau diese Reaktionen beziehungsweise der Einbezug dieser, ist meinerseits der größte Kritikpunkt dieser Folge. Sweets Reaktion auf Taffets Tod wurde am meisten gezeigt und obwohl ich es unglaublich schätze wenn Sweets viel Screentime erhält und eine eigene Storyline hat, in dieser Folge hätte ich lieber Einblicke in Hodgins, Brennans und Booths Gefühlsleben gehabt.

Einzig über Hodgins Gedanken und Gefühle wird der Zuschauer etwas aufgeklärt, doch auch hier hätte ich definitiv mehr erwartet. Schließlich hat er, verständlicherweise, nachdem er lebendig begraben worden war, ein Trauma davongetragen und sicherlich verschafft ihm der Tod des Totengräbers eine gewisse Zufriedenheit, wobei ich mir vorstellen kann, dass die Gefühle nicht so einfach sind, wie sie hier dargestellt werden. Deswegen hätte ich mir gewünscht, dass sich die Folge auf die Charaktere konzentriert, welche Heather Taffet zum Opfer gefallen sind, also auf Booth, Brennan und Hodgins.

"Do you think my father killed the gravedigger?"

Brennan selber äußert sich kaum zum Tod von Heather Taffet. Man erfährt nicht wie sie darüber denkt oder wie es ihr dabei geht. Im Gegenteil rund um Brennan wird noch ein zusätzlicher aus meiner Sicht eher unnötiger Handlungsstrang aufgebaut. Nämlich den rund um ihren Vater. Meines Erachtens hätte es gereicht, wenn der Verdacht, dass Max etwas mit dem Mord zu tun hat, erwähnt worden wäre und er nicht auch noch bei Brennan hätte auftauchen müssen. Das heißt nicht, dass ich mich nicht über Maxs Auftauchen freue. Im Gegenteil ich finde die Gastauftritte von Ryan O’Neel bei "Bones" immer wieder erfrischend und ich genieße die Interaktion zwischen Max und seiner Tochter genauso sehr, wie diejenige zwischen ihm und Booth.

Nur hat sein Auftauchen in dieser Episode nicht wirklich viel zur eigentlichen Storyline beigetragen, vor allem da er als Verdächtiger ziemlich schnell ausgeschlossen wird und Brennan sich auch ihm gegenüber nicht öffnet und mit ihm über ihre Gefühle bezüglich des Mordes an Taffet spricht. So hat Max Keenes Gastauftritt zwar für ein paar Lacher, einer schöne Schlussszene zwischen Vater und Tochter und zu wenigstens einer Anspielung auf Brennans und Booths zur Zeit eher schwieriger Beziehung geführt, war sonst jedoch eher überflüssig.

"You remind me of a little boy dressed up in his fahters suit." – "Are you saying I remind you of one of your victims?" – "You remind me of all of them Lance."

Ich wünsche mir ja immer wieder, dass Sweets mehr Screentime bekommt und nun da die Autoren mal eine Folge lang Sweets in den Vordergrund gestellt haben, muss ich gestehen, dass ich damit auch nicht ganz zufrieden bin. Jedoch nicht aufgrund der schauspielerischen Leistung von John Francis Daley oder einer Charakterveränderung von Sweets, sondern wegen der Storyline dieser Folge beziehungsweise vor allem derjenigen rund um Sweets.

Sweets wird in dieser Folge als daslLetzte Opfer des Totengräbers dargestellt. Im Gegensatz zu den anderen Opfern wird jedoch nicht Sweets Leben bedroht, sondern Taffet versucht mit Worten seinem Selbstbewusstsein zu schaden. Für mich war diese Handlung absolut überflüssig. Erstens hätte man in dieser Episode nicht das Hauptaugenmerk auf Sweets richten müssen, denn hier wäre aus meiner Sicht eher sinnvoll gewesen Hodgins, Booth oder Brennan in den Mittelpunkt zu stellen, denn schließlich waren sie ja diejenigen, die den grausamen Machenschaften des Totengräbers zum Opfer gefallen sind. Zweitens finde ich es merkwürdig, dass Sweets zu einem Zeitpunkt, an welchem seine Position im Jeffersionan Team mehr als gesichert ist und er sowohl von Booth wie auch von den anderen absolut akzeptiert wird, sich so einfach von jemandem wie Heather Taffet manipulieren lässt.

Wenn ich mir Sweets Vergangenheit ansehe und daran zurückdenke, wie vor allem Booth und Brennan sich zu Anfang über ihn und seine Arbeit lustig gemacht haben, dann ist es sicherlich verständlich, dass er es sich zu Herzen nimmt, wenn ihm jemand sagt, dass er das schwächste Glied im Jeffersonian Team ist. Es ist jedoch kaum verständlich wenn man sich seine Entwicklung in den letzten Folgen ansieht. Gerade seit der sechsten Staffel haben er und Booth eine Beziehung zueinander entwickelt, die von Freundschaft, Akzeptanz und Bewunderung für einander geprägt ist. Außerdem haben sowohl Booth und Brennan in der Zwischenzeit mehrmals klargemacht, wie sehr sie Sweets Arbeit bewundern und wie sehr sie ihn als Mensch und als Teammitglied schätzen. Von diesem Punkt aus betrachtet, kann ich mir kaum vorstellen, dass ein so intelligenter Mensch wie Sweets sich von einer kurzen Aussage einer Mörderin so sehr beeinflussen lässt, wie dies in dieser Episode dargestellt wird.

"Under the name of another sniper?" – "Seeley Booth, this is between me and him."

Die neue folgenübergreifende Storyline, die hier eingeführt wird, scheint sich um Booth und seine Vergangenheit als Scharfschützen zu drehen. Ein Handlungsstrang der sehr interessant werden könnte, vor allem da mir die Einblicke in Booth Vergangenheit immer sehr gut gefallen. Schon länger ist klar, dass Booth seiner Tätigkeit als Scharfschütze mit gespaltenen Gefühlen gegenüber steht. Einerseits kommt der Patriot in ihm zum Vorschein und er ist stolz darauf, für sein Land in den Kampf gezogen zu sein. Doch anderseits überkommen ihn auch immer wieder Zweifel an der Richtigkeit seiner Taten, vor allem wenn diese jemand der ihm nahesteht in Frage stellt.

Nun taucht eine Person aus seiner Vergangenheit auf. Jemand der das Gleiche getan hat wie er selber, sich nun jedoch nicht auf das "Fangen" von Bösewichten konzentriert, sondern eine Art von Selbstjustiz ausübt, indem er gegen Geld eine Mörderin umbringt. Dies spricht vollkommen gegen Booths Rechtsempfinden, doch ich schätze, dass in ihm trotzdem der Gedanke schlummert, dass er in seiner Vergangenheit genau das Gleiche getan hat. Er hat als Scharfschütze Leute umgebracht, die eine Gefahr für jemanden oder für einen Teil der Menschheit dargestellt haben und wurde dafür bezahlt.

Meiner Meinung ist diese innere Zerrissenheit, die Booth im Bezug auf seine frühere Tätigkeit fühlt sowie das Auftauchen eines ehemaligen Kollegen und Mentors eine hervorragende Vorlage für einen guten Handlungsstrang und ich hoffe nur, dass die Autoren von "Bones" diesen auch gut umzusetzen vermögen, indem sie Booth die Chance geben, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen und diese schlussendlich zu verarbeiten.

"I just always thougt that you and Booth would get over the nonsense and settle down." - "I don’t wanna talk about."

Eigentlich habe ich nach der letzten Folge erwartet, dass nun ein klärendes Gespräch zwischen Booth und Brennan zustande kommt. Etwas was meiner Meinung nach schon länger fällig gewesen wäre. Aber die Autoren haben es geschafft diese Spannung weiter aufrechtzuerhalten und eine Entscheidung über den Fortbestand der Beziehung von Booth und Brennan, in welcher Form auch immer, noch etwas weiter hinauszuzögern. So kamen die erneute Gerichtsverhandlung sowie die Ermordung des Totengräbers gerade rechtzeitig, denn so rückten die Beziehungsprobleme zwischen Booth und Brennan, sowie Brennans Liebesgeständnis in den Hintergrund.

Also hat man in dieser Episode die Privatbeziehung zwischen Brennan und Booth fast vollkommen weggelassen und sich auf ihre Arbeitsbeziehung konzentriert. Grundsätzlich etwas was mich ab und zu überhaupt nicht stören würde, mich jedoch in dieser Folge sehr befremdet hat. Trotz den Ereignissen, welche das Team des Jeffersonians Instituts beschäftigen, hätte ich vor allem von Brennans Seite aus irgendeine Reaktion erwartet. Diese hätte nicht einmal gegenüber Booth stattfinden müssen, sondern hätte sich auch in einem Gespräch mit Angela oder sogar mit ihrem Vater zeigen können. Doch auf den Versuch von Max mit seiner Tochter über ihre Beziehung zu ihrem Partner zu sprechen, reagiert sie äußerst abweisend.

Man könnte mir hier jetzt entgegenhalten, dass dies Brennans Art ist und sie grundsätzlich nicht über ihre Gefühle geschweige den über ihre Unfähigkeit betreffend zwischenmenschlichen Beziehungen sprechen kann. Doch wenn man bedenkt, was ihr in der Folge #6.10 The Body in the Bag klargeworden ist und was sie mit dieser Erkenntnis gemacht hat, nämlich gegenüber Booth ihre Fehler zuzugegeben und ihm ihre Liebe zu gestehen, so ist es für mich eher unrealistisch, dass sie nun so schnell wieder in ihr altes Verhaltensmuster zurückfällt und sich vor allen verschließt. Denn so wird sie wieder zu der Frau, die sie eigentlich nach der letzten Folge nicht mehr sein wollte.

Booth emotionaler Abstand zu Brennan ist für mich da schon eher erklärbar. Ich glaube er ist zur Zeit noch vollkommen überfordert von der Situation und weiß nicht wie er sich jetzt gegenüber seiner Partnerin verhalten soll, also versucht er sich gefühlsmäßig von ihr zu distanzieren, wahrscheinlich auch um ihr damit nicht wehzutun, denn das ist wie er ihr gegenüber schon erwähnt hat, das Letzte was er will.

Fazit

Eine Folge die so viel Potential gehabt hätte, meiner Meinung jedoch nicht einmal die Hälfte davon ausgeschöpft hat. Die Konzentration auf Sweets Charakter hat mich zwar gefreut, war jedoch im Zusammenhang mit der Totengräber-Storyline vollkommen fehl platziert. Der Booth und Brennan Handlungsstrang wurde durch einen Vater-Tochter Handlungsstrang ersetzt, auf den ich getrost hätte verzichten können, da mir Maxs Auftauchen vollkommen überflüssig schien. Einer der wenigen Lichtblicke dieser Episode war die Einführung der Storyline rund um Booths Vergangenheit, die sich für mich schon jetzt sehr vielversprechend präsentiert.

Maria Schoch - myFanbase

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