Bewertung: 7

Review: #6.02 Opfer der Liebe

Schon in der zweiten Folge der sechsten Staffel, taucht die Frau auf, die bei den Brennan und Booth Fans sicherlich nicht gerade mit Sympathiepunkten überhäuft werden wird. Hannah Burley, Booths Freundin ist seit dieser Folge nicht mehr nur eine Illusion sondern Wirklichkeit und sie wird natürlich sofort zum Gesprächsthema Nummer eins im Jeffersonian Institut. Das bedeutet gleichzeitig, dass sowohl Brennan als auch Booth sich, neben ihrer Arbeit an der Aufklärung zweier Todesfälle, mit diversen Fragen betreffend ihren Gefühlen füreinander herumschlagen müssen. Zum Schluss könnte man fast meinen, dass Brennan endlich klar wird, welchen Fehler sie gemacht hat, als sie Booth in Episode #5.16 The Parts in the Sum of the Whole abgewiesen hat.

"We're lost. We're gonna die out here and they are gonna find our bones one day and I hate you"

Der Fall hat mir vor allem deswegen so gut gefallen, weil sich dieses Mal in mehr als nur einer Hinsicht einen Bezug zu den sonstigen Handlungssträngen herstellen ließ. Da waren einerseits die verschiedenen Charaktereigenschaften der beiden Opfer, die sich aber trotz aller Gegensätze gefunden und ineinander verliebt hatten. Da lassen sich doch sofort Parallelen zu Booth und Brennan herstellen und vielleicht ist es Ironie des Schicksals, dass dieser Fall gerade in dem Zeitraum auftaucht, in welchem Booth sich neu verliebt hat und somit versucht über seine Gefühle für Brennan hinwegzukommen. Denn vielleicht hätte ein Fall der gleichen Art Brennan früher die Augen geöffnet und sie hätte bemerkt, dass sich auch Menschen mit unterschiedlichen Herkünften und Eigenschaften ineinander verlieben können.

Die zweite Parallele ist sicherlich die zwischen Booth und dem Parkranger und so wird, zwar nur kurz, Boot'h Aufenthalt in Afghanistan noch einmal thematisiert. Und wahrscheinlich ist es, neben dem Wiedersehen mit Hannah und Brennans Reaktion darauf, genau diese Gemeinsamkeit, die Booth' Menschenkenntnisse etwas beeinträchtigt. Nachdem der Ranger Booth erzählt, dass sein Bruder auch in Afghanistan war und von dort leider nicht mehr zurückgekommen ist, empfindet Booth natürlich sofort Mitleid mit ihm und da er durch seine militärische Einsätze genug Erfahrung mit Todesfällen von Soldaten und dem Leid der Hinterbliebenen gesammelt hat, versucht er sich für Gary einzusetzen.

Für mich persönlich war der Täter nicht vollkommen überraschend. Denn auch wenn ich keine Ahnung hatte, was Gary für ein Motiv hätte haben können, mir kam er von Anfang an etwas verdächtig vor. Meiner Meinung nach hat er sich einfach zu sehr mit dem Fall beschäftigt und sich fast zu fest für das Fortschreiten der Ermittlungen interessiert und ich bin mir sicher, wäre Booth aus obengenannten Gründen nicht so abgelenkt gewesen, hätte er dies mit seiner unglaublich guten Menschenkenntnis auch bemerkt. Doch, dass Booth Gefühlschaos ein kleines bisschen seine Arbeit beeinträchtigt, macht ihn für mich nur noch sympathischer, vor allem da ich mir sicher bin, dass es sich bei diesem Fall um eine Ausnahme handelt.

"You know, you make me still care about finding what would happen to this poor peoples."

Einer meiner Wunschassistenten ist zurück, und dass gleich mit einem hervorragenden Auftritt. Ich glaube, ich habe mich schon länger nicht mehr so amüsiert wie bei Dr. Edisons Auftritten in dieser Episode. Natürlich war sein Ausbruch über Brennan und Booths Beziehung der absolute Höhepunkt. Dass dies gerade Dr. Edison, welcher immer so sehr auf Professionalität bedacht ist, passiert, macht das ganze natürlich noch viel witziger und es zeigt vor allem, dass die ganzen persönlichen Bemerkungen, welche Clark so gerne ignoriert, wohl doch nicht ganz so spurlos an ihm vorübergehen. Im Gegenteil noch kein anderer Assistent von Brennan hat sich so deutlich über ihre Beziehung zu Booth geäußert und ich wage mal zu behaupten, niemand hat es bis jetzt so auf den Punkt gebracht wie Dr. Edison.

"Oh Agent Booth" – "No" – "No what?" – "I want to talk about Hannah"

Nach der letzten Folge habe ich gehofft, dass die Storyline zwischen Booth und Sweets weiter ausgebaut wird. Mein Wunsch wurde erfüllt und es sieht sogar so aus, als würden die Beiden durch ihr ähnliches Schicksal im Bezug auf Frauen einen Handlungsstrang erhalten, der sich noch über ein paar Episoden hinziehen wird. Ich habe Daisy immer als ein jüngeres und in gewissen Bereichen etwas abgeschwächtes Exemplar von Brennan angesehen und so verbindet Booth und Sweets nicht nur die Tatsache, dass sie sich unglücklich verliebt haben, es bedeutet auch, dass sie sich in die gleiche Art von Frau verliebt haben. Und ich denke es liegt auf der Hand, dass solche Gemeinsamkeiten den persönlichen Kontakt zueinander fördern, was hoffentlich bedeutet, dass Booth und Sweets in der sechsten Staffel mehr gemeinsame Screentime erhalten.

Natürlich ist es so, dass bei Booth der Prozess über seine unglückliche Liebe hinwegzukommen, schon viel weiter fortgeschritten ist als bei Sweets. Schliesslich steht Sweets bei Daisy noch ganz am Anfang, er weiß noch nicht einmal ob er sich wieder auf sie einlassen soll oder nicht. Booth ist da schon viel weiter, er hat sich bereits einer neuen Beziehung gewidmet, auch wenn ich ihm nicht ganz abnehme, dass er für Brennan keine Gefühle mehr hat. Aber ich denke gerade diese unterschiedlichen Stadien, in denen die beiden Männern mit ihren unglücklichen Beziehungen stecken, macht die Interaktion zwischen ihnen so interessant und witzig. Denn wie ich, scheint auch Sweets Booth nicht wirklich abzunehmen, dass er in der Beziehung mit Hannah rundum glücklich ist. Meiner Meinung nach hat Sweets Gesichtsausdruck bei diesem Gespräch mehr gesagt als tausend Worte und nach Booth Reaktion zu urteilen, hat auch er dies festgestellt. Und so wie ich Sweets kenne, wird er dieses Thema nicht so schnell ruhen lassen, so dass sich die Beiden wohl gegenseitig, vielleicht unbewusst, helfen ihr jeweiliges Beziehungschaos wieder in den Griff zu kriegen.

"Maybe you didn't really love her." – "No, I do love her. I do."

Am Anfang der Folge habe ich mich noch gefragt wie lange es wohl dauern wird, bis Hannah auftaucht. Eigentlich habe ich erwartet, dass wir noch etwas länger auf sie warten müssen, aber ich bin froh, dass sie nicht als irgendein Mysterium aufgebauscht wurde, sondern schnell Realität geworden ist. Ihre Beziehung zu Booth scheint schon weiter fortgeschritten zu sein, als ich bisher angenommen habe und Brennan scheint dies ähnlich zu empfinden, denn sie hat Booth in dieser Episode genug oft damit konfrontiert, dass es sich bei seinen Gefühlen für Hannah nicht um Liebe, sondern eher um eine lockere Affäre handelt. Doch ihre Reaktionen ändern sich von dem Moment an, als Hannah auf der Bildfläche erscheint.

Hannah selber ist mir bis jetzt alles andere als unsympathisch und würden für mich Booth und Brennan nicht zweifelslos zusammengehören, könnte ich sie mir in einer Liebesbeziehung mit Booth sehr wohl vorstellen. Doch wie schon erwähnt gibt es natürlich auch für mich nur eine Frau für Booth und dabei handelt es sich sicherlich nicht um Hannah. Trotzdem gebe ich dieser Storyline ganz sicher eine Chance, denn ich glaube, dass es genau so etwas braucht um den Handlungsstrang um Brennans und Booths Privatbeziehung wieder etwas aufzupeppen. Denn sind wir mal ehrlich, langsam hat sich das Ganze irgendwie im Kreis gedreht.

Jedenfalls bin ich gespannt, wo Booth' Beziehung mit Hannah hinführt. Denn für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis Hannah von Booths Gefühlen für Brennan erfährt und ich denke mit ihrer Intelligenz wird sie schnell feststellen, dass diese Gefühle sicherlich immer noch nicht ganz erloschen sind. Ausserdem gibt Hannah ja schon in dieser Episode zu, dass sie eine gewisse Eifersucht auf Brennan verspürt. Zwar nicht in dem Sinne, dass sie eifersüchtig auf Booth' Gefühle für seine Partnerin ist, sondern eher auf die Erlebnisse, die die Zwei zusammen haben und hatten. Dies ist meines Erachtens völlig verständlich und für mich zeigt sich in dieser Reaktion, dass auch für Hannah das mit Booth alles andere als eine lockere Bettgeschichte ist. Unter anderem auch deswegen frage ich mich, ob es nicht besser gewesen wäre, hätte Booth Hannah von der Sache mit Brennan erzählt. Denn indem er ihr dies verschweigt beziehungsweise sie sogar ein Stück weit anlügt, indem er auf ihre Frage, ob sie etwas betreffend ihm und Brennan wissen müsse, mit nein antwortet, gibt Booth eigentlich unbewusst zu, dass seine Gefühle für Brennan noch überhaupt nicht abgeschlossen sind.

"Sometimes, when I was away I imagined us together." – "Really?"

Ehrlich gesagt, mit diesem Satz hat Brennan nicht bloß Booth und Sweets vollkommen überrumpelt, sondern auch mich. Die Tatsache, dass sie darüber nachgedacht hat, hat mich überhaupt nicht verwundert, dass sie es jedoch vor Booth und auch noch vor Sweets so offen zugibt, schon. Und obwohl ich mir eigentlich sicher bin, dass Brennan genau weiß. was sie für Booth empfindet, hatte ich das Gefühl, dass ihr durch Hannahs Auftauchen zum ersten Mal die Tragweite ihrer Entscheidung, keine Beziehung mit Booth einzugehen, vollkommen klar wurde. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass Brennan wahrscheinlich zum ersten Mal das Herz gebrochen wurde und genau aus diesem Grunde habe ich während der ganzen Folge unglaublich mit ihr mitgelitten.

Wie ich in meiner Review zu #6.01 The Mastodon in the Room schon erwähnt habe, ist es etwas anderes ob man etwas nur weiß oder ob man es auch sieht. Brennan hat gewusst, dass Booth nach ihrem Nein zu einer gemeinsamen Beziehung nicht ewig trauern, sondern sich irgendwann wieder verlieben wird. Solange dies jedoch nicht Realität wurde, konnte Brennan damit umgehen, doch nun hat sich Booth wieder verliebt und sie muss sich nicht nur seine Schwärmereien über Hannah anhören, nein sie muss auch noch mit ansehen wie sie sich küssen und zusätzlich leiden ihre und Booth' gemeinsamen Rituale, wie beispielsweise der Drink nach dem gelösten Fall, unter dieser neuen Beziehung. Somit wird Brennan auf einmal bewusst, dass das Leben, welches sie sich vorgestellt hat, nicht dasjenige ist welches sie sich auch wünscht. Auch wenn Brennan dies nie so direkt zugeben würde, drückt sie genau dies in ihrem Gespräch mit Angela aus.

Die Schlussszene dieser Folge würde ich als eine der schlimmsten Szenen überhaupt beschreiben. Es hat sich im Laufe der Serie "Bones" so eingebürgert, dass die Schlussszenen, mit einigen wenigen Ausnahmen, immer Booth und Brennan gehören und ehrlich gesagt, ich kann mich nur an ein bis zwei Folgen erinnern, bei denen diese Tradition nicht eingehalten wurde. Ganz sicher kann ich mich jedoch an keine Folge erinnern, in der einer der Beiden am Schluss sozusagen vom anderen verlassen wird und alleine, mit traurigem Gesichtsausruck sitzen bleibt. Für mich eine Szene, die genau zeigt, dass Booth sich wirklich anstrengt seine Gefühle für Brennan zu überwinden und eine neue Beziehung zu beginnen. Brennan hingegen ist noch lange nicht soweit, denn sie hat sich bis jetzt noch nicht mal eingestanden, dass es etwas zu verarbeiten und zu überwinden gibt. Und vielleicht erfährt sie, seit sie erwachsen ist, zum ersten Mal, wie es ist, wenn sie etwas nicht bekommt, das sie unbedingt haben will.

Fazit

Das hohe Level, mit dem die sechste Staffel eröffnet wurde, konnte auch mit der zweiten Episode zweifellos gehalten werden. Möglicherweise ist nicht jeder von dem Handlungsstrang zwischen Booth, Hannah und Brennan begeistert. Für mich ist es jedoch gerade dieser Handlungsstrang, der neues Leben in die Beziehung der Protagonisten bringt. In den letzten Jahren durften wir beobachten wie Brennan, vor allem dank Booth, unglaubliche Fortschritte in Sachen Sozialkompetenz gemacht hat. Ich glaube nun ist es an der Zeit, dass sie diese Fortschritte nicht nur in ihrem Beruf und im Umgang mit ihren Mitarbeitern anwendet sondern auch bei sich selber. Sie muss lernen, zu ihren Gefühlen zu stehen, diese zu zeigen und vor allem muss sie an sich glauben, denn auch wenn sie anders darüber denkt, sie ist auf alle Fälle genau die richtige Frau für Booth.

Maria Schoch – myFanbase.de

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