Bewertung: 8

Review: #1.02 Mijo

Foto: Raymond Cruz & Bob Odenkirk, Better Call Saul - Copyright: Ursula Coyote for Netflix, Inc.
Raymond Cruz & Bob Odenkirk, Better Call Saul
© Ursula Coyote for Netflix, Inc.

Es ist schwer, diese zweite Episode von "Better Call Saul" nicht immer wieder mit der Mutter-Serie "Breaking Bad" zu vergleichen. Denn daran habe ich als Kritikerin eigentlich kein großes Interesse, denn es sollte gerade das Ziel der Serie sein, sich von diesem langen Schatten zu lösen und bald auf eigenen Füßen zu stehen. Aber bei #1.02 Mijo kommt man um Referenzen zu "Breaking Bad" wohl nicht herum, denn diese sind hier doch deutlich spürbar. Da ist natürlich in erster Linie der Gast-Auftritt von Raymond Cruz als Tuco Salamanca, zusammen mit seinen beiden Handlanger Gonzo und No-Doze. Aber auch die Regiearbeit von Michelle MacLaren, die zu den wohl allerbesten aktuell arbeitenden US-Regisseuren zu zählen ist, ruft immer wieder Erinnerungen wach. Natürlich funktionieren die wunderschönen Bilder, die hier erzeugt werden und die großartige visuelle Erzählform der Episode auch ohne direkten Bezug auf die Vergangenheit (bzw. im Rahmen der Serie die Zukunft) zu nehmen. Aber natürlich weckt der Ausflug in die Wüste, der wieder einmal atemberaubend beleuchtet und colorierte Bilder zu Stande bringt, zahlreiche Erinnerungen an ikonenhafte "Breaking Bad"-Momente. Darüber hinaus ist die Anspannung und Intensität der Wüstenszenen ähnlich dicht wie wir sie aus der Mutterserie gewohnt sind. Faszinierend finde ich dabei aber vor allem, wie Jimmy während dieser spannungsgeladenen Szenen über seine Worte und seine Auffassungsgabe charakterisiert wird.

Vom ersten Moment zwischen Tuco und Jimmy ist jedem klar, dass es hier ums blanke Überleben geht und dass Jimmy um zu Überleben einen engen Drahtseilakt wagen muss, denn Tuco ist nun mal nicht gerade der Schlaueste. Und ohne Nacho, der die Wahrheit hinter Jimmys Worten erkennt und dabei gleich noch eine Gelegenheit für spätere Raubzüge ausmacht, hätten wohl weder Jimmy noch die Zwillinge diesen Horrortrip überlebt. Aber dank Nacho erhält Jimmy am Ende eben doch eine Chance und die Rettung der Zwillinge kann sich dann Jimmy ganz allein auf die Fahnen schreiben, auch wenn diese dennoch Tucos Rache mit jeweils einem gebrochenen Bein bezahlen müssen. Wie Jimmy hier die Verhandlungen führt zeigt wunderbar, was für ein guter Anwalt er ist, eine Nuance, die man auch später noch einmal in der Gerichts-Montage tiefer beleuchtet. Und dabei kann er sich nicht nur auf sein rhetorisches Talent verlassen, was wir ja schon aus den Saul-Goodman-Zeiten ganz gut kennen, er legt auch eine erstaunliche Menschenkenntnis an den Tag.

Deutlich wird aber auch, dass Jimmy mit zwei Antrieben ringt. Einerseits möchte er gerne der angesehene Anwalt sein, der mit ehrlichen Methoden sein Geld verdient, andererseits ist da doch seine Vergangenheit als Betrüger Slippin' Jimmy, die auch hier wieder von seinem Bruder Chuck auf den Tisch gebracht wird. Ob sich dank des Angebots von Nacho, gemeinsam die Kettlemanns um ihr erschwindeltes Geld zu bringen, für Jimmy demnächst das Einschlagen der kriminellen Richtung als zu stark erweisen wird, werden wohl die nächsten Folgen erst zeigen. Klar wird hier aber, dass er sehr mit sich ringt und es eigentlich anders schaffen will.

Inhaltlich ist in dieser zweiten Folge nicht wirklich viel passiert, sie diente augenscheinlich dazu, die Stimmung der Serie zu etablieren und mit einer Frau wie Michelle MacLaren hinter der Kamera, ist dies auch sehr nachvollziehbar. Man hat so aber noch keine klare Vorstellung davon, welche Geschichten "Better Call Saul" auf lange Sicht erzählen will, aber ich denke dafür ist auch in einer eher kurzen Staffel von zehn Episoden immer noch viel Zeit. Deutlich ist, dass man sich dafür Zeit nehmen möchte, denn auch die Charaktere rund um Jimmy sind noch wenig präsent. Am deutlichsten ist das natürlich bei Mike, wo die "Breaking Bad"-Fans sicher schon mit der Hufe scharren, um endlich mehr von diesem zu sehen. Rhea Seehorns Figur Kim, aber auch Jimmys Bruder Chuck bleiben bisher ebenfalls eher im Hintergrund, wobei Chuck doch immer einige wichtige Szenen erhält, die klarmachen, dass die Bruderbeziehung wohl ein wichtiger Stützpfeiler der Season werden soll.

Trotz der Tatsache, dass hier nicht viel passiert ist, kann Episode #1.02 Mijo wirklich sehr gut unterhalten. Die Spannung besonders in der ersten Hälfte der Folge ist hoch, dabei kommt aber auch der absurde Humor nicht zu kurz. Bisher weiß "Better Call Saul" wirklich zu überzeugen.

Cindy Scholz - myFanbase

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