Bewertung: 7

Review: #1.03 Nacho

Foto: Bob Odenkirk, Better Call Saul - Copyright: Ursula Coyote for Netflix, Inc.
Bob Odenkirk, Better Call Saul
© Ursula Coyote for Netflix, Inc.

In dieser Folge erfahren wir etwas mehr über Jimmys Background und wie er dahin gekommen ist, wo er jetzt ist. Zumindest lässt sich durch die Begegnung mit seinem Bruder schon auch so deuten, dass der nicht unbeteiligt daran gewesen ist, Jimmy vom Kleinkriminellen zum Anwalt zu bringen. Böse Zungen würden behaupten, der Schritt wäre letztlich gar nicht so groß, wie er scheint, aber ich halte mich in der Angelegenheit lieber bedeckt.

"This is why people hate lawyers..."

So wirklich kompetent wirkt Jimmy die meiste Zeit leider nicht, was mir irgendwie leid tut, da er ja durchaus den Eindruck macht, dass er das Herz am rechten Fleck hat. Einerseits versucht er natürlich auch alles, um an besser bezahlte Arbeit zu kommen. Andererseits versucht er aber schon auch immer, das Richtige zu machen. Zuerst habe ich nicht wirklich verstanden, was er mit den Anrufen bei Kim und den Kettlemanns bezwecken will, aber anscheinend ist da wohl sein "good guy"-Instinkt durchgekommen, der doch in ihm steckt. Seine Beziehung zu seinem Bruder nach der letzten Folge diesmal aus einer recht unterschiedlichen Perspektive zu sehen, fand ich jedenfalls sehr interessant. Kim scheint ja auch in gewisser Hinsicht eine gemeinsame Geschichte mit ihm zu haben.

Jimmys Anruf bei den Kettlemansn war dann genial auf so vielen Ebenen. Einmal die total kopfschüttelwürdige Anrufbeantworternachricht, die die Familie hinterlässt, die Jimmys Skrupel verstärken, doch dann ruft er an und spricht in dieses genial gebastelte Rohr, woraufhin die Familie nichts versteht... Es war einfach zum Schießen, dass ein Paar, das gerade anonym gewarnt wird, dass es in Lebensgefahr schwebe, mit verwirrtem Blick ins Telefon spricht: "You have a terrible connection. [...] Can you call back on a better line?" Da will man schon mal einer Familie helfen und dann... Einfach nur lustig. Als Kim dann später diese Stimme, mit der Jimmy ins Telefon sprechen wollte, auch noch "sex robot voice" nennt, war es um mich geschehen. Viel mehr braucht man über die gemeinsame Geschichte der beiden auch, glaube ich, erstmal nicht erfahren.

Jimmys seltsame und wilde Gestik mit den Händen, als er Nacho und auch später Kim die Lage erklären will, gepaart mit dem zu groß wirkenden Anzug machen ihn mir wirklich sehr sympathisch. Sympathischer jedenfalls, als er mir ehrlich gesagt in "Breaking Bad" gewesen ist. Da fand ich ihn ganz nett als Nebencharakter, aber nach mittlerweile drei Episoden kann ich mir schon auch vorstellen, dass er eine gesamte Serie tragen kann, wovon ich nicht von Beginn an überzeugt war. Natürlich hat sich Jimmy mit Nacho in eine erste brenzlige Lage gebracht und es lässt sich wohl absehen, dass das mit zu seinem Einstieg in das Geschäft, Gangstern das Leben zu erleichtern, sehr eng zusammenhängen wird in den kommenden Wochen. Besonders da er Nacho nun wohl sicherlich erfolgreich von den Anschuldigungen befreien können wird. Und dabei hat er auch echt ein richtig gutes Händchen bewiesen.

B – I – N – G – O

Mike bisher in der Serie zu sehen, hat mir von Beginn an gefallen, aber in dieser Folge ganz besonders. Gegen den toughen Mike kommt Jimmy wirklich nicht an, auch wenn er es immer wieder versucht. Andererseits hat Jimmy auch für einen Anwalt teilweise erstaunlich wenig Durchsetzungskraft und Konsequenz. Aber dafür hat er wohl andere Qualitäten und ergänzt sich da eigentlich perfekt mit Mike. Innerlich habe ich jedenfalls gejubelt, als Mike ihm geglaubt hat (und DAS nach der "Screw you, geezer!"-Geschichte zuvor) und er sich so freute. Aber noch besser wurde es dann, als er ihn quasi darauf gebracht hat, den Fall sozusagen zu lösen. Der letzte Abschnitt der Episode war für mich dann einfach nur perfekt. Jimmy auf der Suche nach den Kettlemanns – untermalt von Elvis' "Find Out What's Happening" – und das mit einer erstaunlichen Geduld. Als er sie dann findet, während die Familie das Lied "B-I-N-G-O" singt... da kann man eigentlich schon nicht viel mehr zu sagen. Einfach nur genial! Wie er die Familie dann noch erschreckt und dann beim Gerangel um das Gepäck vermutlich auf das gestohlene Geld stößt, wow. Ich bin gespannt, wie es da in der nächsten Woche weitergeht. Aber wirklich ein sehr guter Abschluss für die Folge.

Fazit

Für mein Empfinden kam die Episode etwas langsam in Fahrt, doch die erste Quasi-Zusammenarbeit von Mike und Jimmy, die dann dazu führte, dass Spürhund Jimmy die Kettlemanns findet und das alles untermalt mit einem nur allzu passenden Song hat die Episode für mich zur bisher besten in der Staffel gemacht. Allerdings sehe ich aktuell noch Luft nach oben, daher vergebe ich sieben Punkte. Für die kommenden Wochen wünsche ich mir noch mehr Mike-Jimmy-Interaktion. Die beiden sind meines Erachtens der "main selling point" der Serie und außerdem würde ich nur zu gern mehr darüber erfahren, wie es nach den Anfängen, die hier gezeigt werden, dazu kam, dass die beiden tatsächlich so eng zusammenarbeiteten.

Nadine Watz – myFanbase

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