Bewertung

Review: #11.16 The Book of Charles

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Chicago Med
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"Chicago Med" läuft in seiner elften Staffel und genauso lange kennen wir Daniel Charles, der sich mit den Jahren zu einer echten Instanz entwickelt hat. Es ist allerdings auch ein Charakter, den wir über diesen langen Zeitraum kennengelernt haben, sodass wir seine Ecken und Kanten schon bestens kennen. Dennoch war ich auf diese Episode neugierig, die sich allerdings auch ganz anders entwickelt hat, als ich es vermutet habe. Und anders als die Episode rund um Dean Archer aus der vergangenen Staffel lässt mich die rund um Daniel ziemlich enttäuscht zurück und es liegt nicht allein daran, dass es anscheinend erst der Anfang gewesen ist.

Ich weiß schon gar nicht mehr genau, wie oft ich in den vergangenen Staffeln geschrieben habe, dass Daniel ein toller Psychiater ist, der seinen Beruf echt toll macht und nicht nur zuhört, sondern sich auch in die jeweiligen Personen hineinversetzen kann. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass man mit diesem Drehbuch genau das zum Ausdruck bringen wollte. Doch schon nach kurzer Laufzeit war mir klar, dass es eine Aneinanderreihung von Personen ist, die Daniels mentale Gesundheit bei dieser Abfolge zum Einsturz bringen sollte, sodass man einen Cliffhanger hat, der das Publikum eine Woche rätseln lassen soll, ob wir Daniel verlieren könnten oder nicht. Leider ist es ja oftmals so, dass sich vieles auf dem Papier gut lesen lässt, in der Umsetzung jedoch völlig in die Hose geht und dann auch noch Logiklöcher entstehen, bei denen ich mich doch mehrfach an den Kopf gefasst und gefragt habe, ob man Daniel tatsächlich in so eine Richtung schieben muss? Diese Antwort hat mir allerdings nicht gefallen, weil ich sie bedauerlicher bejahen kann. Mir tut es besonders deswegen so leid, weil Allen MacDonald das Drehbuch geschrieben hat. Der Showrunner, der seit Staffel 10 das Ruder in die Hand genommen hat und eine tolle Leistung vollbracht hat. Nur leider nicht mit dieser Episode. Wie gesagt, auf dem Papier her hat es sich sicherlich gut gelesen.

Eigentlich war mir durchaus klar, dass Daniels Arbeit bei der Selbstmord-Hotline noch einmal aufgegriffen wird. Es ist eine wichtige Arbeit. Allerdings beziehe ich mich hier vielmehr auf Deans Aussage, dass er diese Arbeit nicht machen würde. Im Nachhinein hat man hier ein bisschen mit dem Klischee gespielt, dass man diesen ganzen seelischen Ballast von anderen nicht auf sich laden kann. Und wenn man mal bedenkt, dass in Daniels Familie psychische Erkrankungen herrschen und er selbst erst kürzlich seine Medikamente abgesetzt bzw. reduziert hat, dann muss man ehrlich gesagt kein allzu heller Kopf sein, um Eins und Eins zusammenzählen zu können. Das ist auch gar nicht mein Problem. Mein Problem ist, dass diese Episode auf mich in ihren Einzelheiten zu gewollt wirkt. Dabei habe ich es wirklich gemocht, Daniel bei der Tätigkeit zu erleben. Wenn man aber mehrere Serien gesehen hat, die solche Notfallzentralen mit solchen Fällen abbilden, dann fällt einem ziemlich schnell ins Auge, dass dieses Szenario offensichtlich nur dafür dient, um mehr Drama erschaffen zu können. Gio als Anrufer, bei dem wir nur dessen Stimme hören, zu nutzen, war nicht falsch. Falsch oder unzureichend war nur, dass man Daniel bei diesem Anruf alleine gelassen hat, obwohl er nicht alleine in diesem Großraumbüro gewesen ist. Und auch der Anruf selbst wirkte auf mich so, als wolle man Daniels Fähigkeit des Zuhörens und des Beruhigens noch einmal unterstreichen, was aber nicht nötig gewesen ist, denn das hat man schon oft genug im Krankenhaus oder an anderen Personen gezeigt. Dadurch fiel mir auch massiv auf, dass Daniel keine weiteren Angaben zu Ort oder der Gleichen erfragt hat. Stattdessen endete der Anruf damit, dass Gio nicht nur das Gespräch abgebrochen hat, sondern sein Satz, alles sei sinnlos, solange und intensiv in Daniel nachgehallt hat, dass man den ganzen restlichen Inhalt der Episode darauf aufgebaut hat. Einem Aufbau, der aber in meinen Augen auf ziemlich wackligen Füßen steht, weil vieles zu gewollt und gestellt wirkte.

Dabei war es durchaus toll, Anna Charles in die Story mit einzubauen. Ich bedauere es allerdings, dass man das gute Verhältnis zwischen ihr und Daniel irgendwie wieder zerstört oder besser gesagt belastet hat. Zu Beginn der Staffel hat Daniel regelrecht vor Sharon Goodwin davon geschwärmt, dass Anna an den Wochenende nach Hause komme. Bei ihrer ersten gemeinsamen Szene wirkte es allerdings eher so, als gehöre das schon wieder der Vergangenheit an. Außerdem bringt man gleich wieder einen jungen Mann ins Spiel, der es womöglich nicht gut mit ihr meint. Gut gefallen hat mir jedoch, dass man Doris mit einem kleinen Part eingebunden hat. Ich meine mich zu erinnern, dass sie bereits in den früheren Staffeln einen guten Draht zu Daniels Tochter hatte. Doris war zwar keine allzu gute Vermittlerin, ich fand es jedoch wichtig, dass Daniel mal vor ihr zum Ausdruck gebracht hat, wie schlimm es für ihn gewesen ist, als Anna einen Selbstmordversuch unternahm. Daniel hat durchaus als Psychiater bei seiner Tochter gehandelt, durch Sarah Reese hat er aber erkannt, dass Anna ihn viel eher als Vater braucht. Dabei kam aber nie wirklich zum Tragen, wie sehr Daniel selbst unter der Situation gelitten hat. Es wäre vielleicht auch sinnvoll gewesen, Sarah zurückzuholen. Sie ist jemand, die Daniel ebenfalls gut kennt und sie hat jedoch noch einmal eine völlig andere und distanziertere Verbindung zu ihm, als es bei Sharon der Fall ist.

Sharon ist auch jemand in dieser Episode gewesen, die zwei sehr unterschiedliche Szenen mit Daniel hatte und bei der ich nicht weiß, welche letztlich überwiegen wird. Zum einen hat sie recht, dass es vielleicht gut ist, bei der Selbstmord-Hotline keine Chance zu haben, sich weiter mit den Anrufern und Anruferinnen zu beweisen, eben weil es schwer auf einem lasten kann. Auf der anderen Seite hätte sie in der zweiten Szene deutlich mehr als Freundin reagieren und agieren können. Sie ist zwar Chefin des Krankenhauses und muss gerade solche Beschwerden wie die von Sage Ellison nachgehen, aber auch Sharon kennen wir schon elf Staffeln lang und wissen, dass sie auch in solchen Situationen menschlich auftreten kann. Es ist noch nicht allzu lange her, dass Sharon Miranda Lewis das Leben gerettet hat und diese wollte ihre Lebensretterin auch auf eine sehr abscheuliche Art loswerden. Sharon hat dennoch menschlich reagiert. Bei der Beschwerde-Szene hatte es auf mich jedoch den Anschein, als wolle man Daniel unbedingt noch eins reinwürgen, damit er endlich zu Boden geht, immerhin war er durch Gios Anruf und dem Verlauf des Tages ziemlich aufgebracht. Anstatt man sich aber letztlich jedoch nur auf den Fall konzentriert, setzte man Daniel mehrere Patienten vor die Nase, bei denen er immer mehr das Gefühl hatte, selbst völlig überflüssig zu sein, nichts Gutes, aber jede Menge Schlechtes für die Menschen zu tun und sie obendrein noch zu manipulieren. Genau das brachte Sage zum Ausdruck. Scharfe Aussagen, die Daniel genauso scharf getroffen haben, wie sie abgefeuert worden sind. Mich wunderte dabei, dass keiner seiner Kollegen oder Kolleginnen dabei war. Immerhin war es Caitlin Lenox doch, die Daniel um eine zweite Meinung gebeten hat, dann sich aber nicht wieder blicken ließ, weil sie viel zu sehr mit Mitch Ripley beschäftigt war.

Apropos Mitch. Der bat Daniel auch um eine zweite Meinung und hat noch vor Caitlin den Ball weiter ins Rollen gebracht, damit sich Daniel überflüssig fühlt. Ohnehin fühlten sich seine Szenen mit Mitch eher wie ein Abschied an und wenn ich mir die letzten Szenen noch einmal durch den Kopf gehen lasse, auf die ich gleich noch genauer eingehen werde, dann fühlt es sich fast wie ein Abschied auf leisen Sohlen an. Müssen wir uns wirklich von Oliver Platt verabschieden? In der letzten Staffel tauchten auch schon Gerüchte dieser Art auf. Diesmal fühlt es sich für mich aber definitiv intensiver an. Mitch als einer seiner ehemaligen Schützlinge hat sich prima entwickelt, auch wenn ich mir mehr davon gewünscht hätte, es mitverfolgen zu können. Es war eben Travis Abbott, der Daniel indirekt klar gemacht hat, ihn nicht zu brauchen. Sage hat ihm dann aber in mehrfacher Hinsicht den Rest gegeben, obwohl Daniels kleiner Patient Slater echt süß war und Daniel bewiesen hat, wie gut er Menschen verstehen kann. Er konnte sich hineinversetzen, dass sich der Kleine als Katze verkleidet hat, und konnte seine Mutter trösten. Da war bei Daniel das Kind jedoch schon in den Brunnen gefallen und auch, dass John Frost seinen Rat wegen Naomi Howard angenommen und umgesetzt hat, konnte nichts mehr retten. Letztlich hat sich für Daniel ohnehin alles um Gio gedreht und er hat sich an Kevin Atwater gewandt. Ein bisschen sinnfrei war das vielleicht auch, weil Daniel eben keine weiteren Anhaltspunkte zu ihm hat.

Bei den ganzen Anreihungen in dieser Episode ist es kein Wunder, dass Daniel zusammengebrochen und offensichtlich einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten hat. Und auch hier muss ich wieder sagen, fühlt es sich extrem nach Ausstieg an. Alleine schon Daniels Vision seiner verstorbenen Mutter Margaret Charles könnte ein Hinweis sein. Überrascht hat mich allerdings, dass sie es als Albtraum bezeichnet hat und Kontrastprogramm "Unsere kleine Farm" lief, wo ich doch schmunzeln musste. Es könnte bedeuten, dass Daniel sich in einer Zeit befindet, in der er selbst noch Kind oder Teenager war oder dass die Serie symbolisch darstellen soll, dass es letztlich immer weitergeht. Ich hoffe, man findet Daniel rechtzeitig und kann ihn retten. Vielleicht läuft für Daniel bei seiner Rettung sein eigenes Leben mit allen wichtigen Ereignissen vor seinem inneren Auge ab und vielleicht findet man Gio, der auch noch einmal was bewirken kann.

Fazit

Es fällt mir extrem schwer, diese Episode zu bewerten. Sie hatte durchaus interessante Ansätze, deren Umsetzung nur nicht so überzeugend waren, wie sie sein sollten oder hätte sein können. Vieles davon wirkte zu gewollt und nicht ganz dem Charakter entsprechend, was schade ist, da Oliver Platt ein tolles Schauspiel geboten hat, was mich aber nicht über den Gesamteindruck dieser Episode hinwegtröstet.

Daniela S. - myFanbase

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