Bewertung: 8

Review: #10.02 Wir sind das Ende der Welt

Foto: Samantha Morton, The Walking Dead - Copyright: Jace Downs/AMC
Samantha Morton, The Walking Dead
© Jace Downs/AMC

Eigentlich mag ich diese Episoden gar nicht, die sich nur um ein, zwei Charaktere kümmern und die Handlung zeitlich kaum voranbringen, sondern eben nur die Charaktere selbst betrachten. Da Alpha und Beta aber sehr undurchschaubare, bedeutende Charaktere sind, war es mit jeder Minute faszinierender, sowohl ihre Vergangenheit als auch ihr Handeln in der Gegenwart zu begleiten und zu verstehen. Nach anfänglichen Zweifeln wurde ich also positiv überrascht.

"Wir sind jetzt alle Monster."

Gerade in Bezug auf Lydia haben wir bereits ein paar Rückblicke in einer Episode miterleben dürfen, in denen uns gezeigt wurde, wie Alpha mit ihrer Tochter und ihrem Mann zu Beginn des Ausbruchs in einer Gruppe verbarrikadiert lebte und letztlich nur auf den Tod wartete. Diese Episode schließt quasi an Alphas Entschluss an, mit Lydia zu flüchten. Auf dieser Flucht, in der sie sich bereits äußerst risikohaft unter die Toten mischen. Als das fast schief geht, weil Lydia noch nicht stabil genug ist, lernen sie Beta kennen. So weit so vorhersehbar, doch die Beziehung zwischen Alpha und Beta ist sofort etwas ganz Besonderes und die Chemie der Charaktere trägt die Episode sofort.

"Es gefällt mir, mit dir zu töten."

Alpha ist schon ein äußerst robuster Charakter, der sich in dieser neuen Welt enorm gut zurecht gefunden hat und sich keinerlei Blöße gibt. Das hinter der Brutalität ein verletzlicher Mensch mit stark ausgeprägten Mutterinstinkt steckt, hatte man sich zwar gedacht, aber es wurde in dieser Episode noch mal enorm gut dargestellt und mit der Gegenwart in Beziehung gesetzt. Dass dann auch noch Parallelen zu Beta gezogen werden, der ebenso kalt wirkt, aber letztlich auch nur unter dem Verlust seines Kindes gelitten hat, rundet diese Geschichte ab. Da haben sich zwei gefunden, die ein Ideal aufrecht zu erhalten suchen, welchem sie selbst eigentlich nicht gerecht werden. Alpha hat Beta hier eigentlich im Griff und lange Zeit ganz in seinem Sinne agiert. Dieses blinde Vertrauen könnte nun bröckeln, weil Alphas harte Schale durch den Verlust von Lydia, die sie ja nicht getötet hat, aufgeweicht ist. Ob Beta dies für sich behalten wird und vor allem selbst ertragen kann, dass Alpha ihn hintergangen hat, wird die Zukunft zeigen. Das ist jedenfalls ein äußerst spannender Output aus dieser Episode.

"Sie werden uns fürchten, egal wo wir sind."

Überhaupt hat diese Episode doch sehr viel aktuellen Bezug und ist trotz der starken Charakterzentrierung sehr fortschreitend. Mit wenig Aufwand wird durch Alpha deutlich gemacht, dass sie überzeugt ist, dass sie Michonne und Co. mit ihrer Aktion quasi gebrochen haben, weil die Angst vor einem erneuten Rundumschlag groß genug ist, um sich gar nicht weiter auf sie zu konzentrieren. Man mag das zwar ein Stück weit anzweifeln, weil man es mit Negan und den Saviors schließlich auch aufgenommen hat, aber die Whisperer haben schon einen besonderen Flair, weil sie sich eben so gut unter die Toten mischen und eher ihren Gesetzen gehorchen als den menschlichen. Trotzdem wird auch angedeutet, dass Mitglieder der Whisperer von dem zivilisierten Verhalten ihres Feindes sehr angetan sind. Bröckelt da etwa die Kompaktheit der Whisperer? Fürs Erste wurde durch drastische Maßnahmen der Status Quo wieder hergestellt, aber ob das reichen wird?

"Ich musste das Alpha schützen."

Ich will hier noch mal etwas detaillierter auf den Handlungsstrang eingehen, der sehr viel über die Whisperer aussagt. Hier herrschen klare Regeln und Strukturen. Alpha steht über allen, Beta ist entsprechend des Namens der Nächste in der Hierarchie. Gefühle haben keinen Platz und werden sofort gemaßregelt, notfalls durch Ausschluss oder Tod. Dieses Schicksal sollte auch die leidende Mutter bekommen, die sich von ihrem Baby zu trennen hatte, weil dieses nicht gehorchen wollte. Das war damals eine extreme Szene, die Alpha enorm unsympathisch darstellen ließ. Das wird in dieser Episode nur kurzfristig besser, weil Alpha immerhin Gnade vor Recht ergehen lassen will, weil sie das Leid nachempfinden kann. Nur ist Beta da nicht ganz einverstanden, nimmt es aber erst mal hin. Der Rückfall kurz darauf zeigt deutlich, dass diese Regeln tatsächlich ihren Sinn machen. Alpha wird noch gerettet und die Retterin wird zu Gamma ernannt, steigt also auf Platz 3 der Hierarchie auf. Ob das reicht, um Ruhe reinzubringen? Es ist auf jeden Fall ein toller Einblick in die Strukturen der Whisperer gewesen, der aber eben auch zeigt, dass es Schwachstellen gibt.

"Wir sind das Ende der Welt"

Wo wird die Reise nun also hingehen? Die Whisperer sind wieder zurück, doch die starke Fassade scheint erste Risse zu bekommen. Alpha hat einen sehr starken Angriffspunkt, was man von außen aber auch noch von innen gegen sie verwenden könnte. Solange Beta zu ihr hält, wird das kein Problem sein, aber ob er bedingungslos an ihrer Seite bleibt, wird sich noch zeigen müssen. Wenn sie ihr obriges Mantra aber durchsetzen, dann wird es wohl noch äußerst blutig werden und viele Verluste geben.

Fazit

Diese Episode hat sehr viel über Alpha und Beta und die Whisperer als Gemeinschaft offen gelegt und damit einige Bedürfnisse der Zuschauer befriedigt. Nachvollziehbar, teils sehr intensiv und emotional hat man einen Einblick in die Strukturen und die Gefühlswelt der Whisperer bekommen und insbesondere Alpha ist einem jetzt als Charaktere viel klarer geworden.

Emil Groth - myFanbase

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