Bewertung: 6

Review: #8.16 Die Initimitäts-Beschleunigung

Foto: Melissa Rauch, The Big Bang Theory - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Melissa Rauch, The Big Bang Theory
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Nach dem doch eher emotionalen, traurigen Ende der letzten Episode war ich sehr gespannt, wie man sich in dieser Episode nun verhalten wird. Die Überraschung blieb aber aus.

"You lost my mothers ashes?"

Immerhin wurde nicht vollkommen ignoriert, dass in der letzten Episode mit Mrs. Wolowitz ein wichtiger Nebencharakter gestorben ist. Man hat diese Episode zumindest darauf angelegt, dass Howard den plötzlichen Tod seiner Mutter verarbeiten kann. Über die Art und Weise darf man aber diskutieren. Der mögliche Verlust der Urne, weil am Flughafen mal wieder das Gepäck verloren gegangen ist, wirkt schon wie ein sehr plumper Einfall, der mich erst mal nicht überzeugen konnte. Das wäre aber sicherlich akzeptabel gewesen, wenn man mehr daraus gemacht hätte. Howard war wieder nur der weinerliche Typ, der seiner Mutter so viel Bedeutung beimisst, dass er Bernadette im Prinzip ständig verletzt. So kennen wir Howard und es wäre wohl auch seltsam, ihn ausgerechnet jetzt zu ändern, wenn man das in den letzten Jahren schon verpasst hat, aber es war weder lustig noch emotional. Das ist wirklich enttäuschend, mal wieder. Ich hatte bis zum Schluss gehofft, dass man vielleicht doch zumindest eine dringend notwendige Entwicklung bei Howard noch damit in Gang bringen könnte, doch auch seine Ansprache an die Urne zum Schluss zeigte mir nur wieder auf, dass die Autoren hier offenbar überhaupt keine Anstalten machen. Bleibt nur wieder die Hoffnung auf die nächsten Episoden, dass man Howard mal entwickelt, aber das ständige Hoffen ist frustrierend.

"Have you been to an escape room?"

Kommen wir also zu den schönen Seiten der Episode. Raj, Emily, Amy und Leonard gehen auf Emilys Vorschlag in einen Puzzle-Raum, was eine ganz wunderbare Teamveranstaltung ist, weil man durch gemeinsames Überlegen verschiedene Rätsel lösen muss, um die Tür des Raumes wieder zu öffnen. Unsere vier Hochbegabten machen das natürlich im Schnelldurchlauf, weil man ihnen da einfach nichts vormachen kann. Das Zusammenspiel der Vier war herrlich und gerade Emily konnte wieder richtig punkten. Ich kann mich nur wiederholen und sagen, dass man es hinbekommen sollte, Emily häufiger dabei zu haben, weil sie doch irgendwie erfrischend daher kommt und zur Truppe passt. Ansonsten war es natürlich herrlich, wie der Zombie (tatsächlich Max Adler aus "Glee") versuchte, die Gruppe auf falsche Fährten zu locken bzw. verzweifelt miterleben musste, wie seine sicherlich mitentwickelten Rätsel in Sekundenbruchteilen gelöst wurden, so dass der Spaß nach sechs Minuten wieder vorbei war. Ich hätte eigentlich gerne die kompletten sechs Minuten ungeschnitten gesehen, aber auch so war es eine schöne Storyline, an die man sich gerne erinnern wird.

"You can't create love in a few hours."

Im Zentrum der Episode stand ein Experiment (ja, auch in dieser Episode wurde experimentiert). Sheldon und Penny gehen der Behauptung nach, dass ein paar Fragen und Aufgaben in trauter Zweisamkeit dafür sorgen, dass man sich ineinander verlieben würde. Penny und Sheldon liefern dafür natürlich ein perfektes Paar ab, weil sie zu zweit schon immer bestens funktioniert haben und die Sprüche hier immer bestens sitzen. Das funktioniert auch hier wieder wunderbar. Penny amüsiert sich über das Experiment und gibt ebenso tolle Antworten wie Sheldon, der mit einer anderen Ernsthaftigkeit heran geht. So unterschiedlich die beiden also zu Beginn sind, so sehr nähern sie sich dann doch an und beginnen tatsächlich, sich noch deutlich besser kennenzulernen, obwohl sie ja auch schon viel über sich kennen. Unterm Strich wird das Experiment von Sheldon zwar als psychologischer Irrsinn deklariert, doch eigentlich haben die Zuschauer miterlebt, welch eine intensive Wirkung die Fragen bzw. die ernsthaften Antworten auf diese Fragen haben. Dass Sheldon also so zutraulich und redselig wird, ist für andere Menschen schon mit Verlieben gleichzusetzen. Man darf die Psychologie also wissenschaftlich ernst nehmen.

"Today is your birthday?"

Kleines Highlight der Geschichte um Penny und Sheldon, die ein schönes Tempo hatte, weil sie nicht überdrehte, sondern gekonnt Humor und Emotionalität miteinander verknüpfte, war dann Sheldons Geständnis, dass er an diesem Tage Geburtstag habe. Allerdings muss man hier wirklich akzeptieren (und zwar zähneknirschend), dass wirklich niemand davon wusste. Das ist eigentlich nicht zu glauben, weil die Freunde seine Mutter kennen, über die Uni Zugang zu seiner Akte erhalten könnten und sicherlich schon immer daran interessiert gewesen sind. Dass es also nach acht Jahren eher zufällig heraus kommt, ist seltsam, funktioniert hier aber als Symbol für das Zutrauen von Sheldon gegenüber Penny sehr gut. Das rundet die Geschichte eigentlich richtig gut ab, doch das war noch nicht das Ende. Sheldon bekommt noch eine Überraschungsparty, etwas, was er nie wollte, weshalb er seinen Geburtstag immer geheim gehalten hat. Ich finde es enorm schade, dass man Penny hier so agieren lässt. Sie braucht nicht mal ein paar Stunden, um ihr Versprechen der Geheimhaltung zu brechen, nachdem sie sich eigentlich wirklich wieder näher gekommen sind. Und Sheldon quittiert es nur mit einem lächerlichen Spruch. Das ist unbefriedigend, weil es der gesamten Storyline ihre Bedeutung nimmt. Wird jetzt alles verraten? Wieso ist Sheldon nicht wirklich sauer? Er bewahrt doch nicht über Jahre eine Geheimnis und kümmert sich dann nicht weiter. Hier wird für mich für einen billigen "Überraschung"seffekt die gesamte Storyline respektive die Entwicklung zwischen Penny und Sheldon ad absurdum geführt. Das nervt.

Fazit

Die Autoren arbeiten offenbar auch weiterhin getreu dem Motto: "Schuster, bleib' bei deinen Leisten". Das Team-Event konnte genauso überzeugen wie Penny und Sheldon (mit Abstrichen am Ende). Howard und Bernadette bleiben dagegen gewohnt blass, weil man gar nicht erst versucht, mal ein Risiko einzugehen. Insofern ist es wie immer kurzweilig und lustig. Als Review-Schreiber will man aber auch mal mehr und auch einer Comedyserie schadet nachhaltige Entwicklung nicht.

Emil Groth - myFanbase

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