Bewertung: 7

Review: #15.19 Weltenerbe

Foto: Supernatural - Copyright: 2019 The CW Network, LLC. All Rights Reserved.
Supernatural
© 2019 The CW Network, LLC. All Rights Reserved.

Nach einer finalen Staffel, die sich manchmal überraschend viel Zeit gelassen hat, biegt “Supernatural” nun auf die Zielgerade ein. Dabei scheint die Serie selbst bemerkt zu haben, dass es noch einiges an Storyline aufzuarbeiten gibt, denn #15.19 Inherit the Earth legt ein rasantes Erzähltempo an den Tag, um möglichst viel Inhalt in die Episode zu bekommen.

This can’t be happening

Wie es sich in der letzten Folge schon angekündigt hat, sind alle Menschen von der Erde verschwunden. Das ist Chucks Bestrafung für die Winchesters. Kein Tod – nur bloße Einsamkeit und das Wissen, dass sie daran schuld sind. Ein recht perfider Schachzug von Chuck, immerhin ist es die Hauptaufgabe der Winchesters gewesen, Menschen zu retten. Wie viel Freude ihm das Ganze bereitet, bekommt Dean deutlich zu spüren, als Chuck dessen gerade entdeckten Hund knallhart verschwinden lässt. Dabei war dieser süße Hund wohl gleichzeitig Zeichen für Deans Gemütszustand (seit wann freut sich Dean dermaßen über Hunde und lässt ihn noch dazu in den Impala?) und das letzte Fünkchen Hoffnung, das hier ausgelöscht wird. Aber aufgeben liegt nun mal nicht in der Natur der Winchesters.
Soweit so gut, ab jetzt wird die Geschichte aber etwas chaotisch. Denn nun tauchen gleich zwei wichtige Spieler auf, die an und für sich eine große Bedeutung haben könnten, allerdings im Verlauf der Folge für nicht viel mehr als eine glorifizierte Cameo verwendet werden.

Michael und Luzifer

Diese beiden Figuren ziehen sich schon so lange durch die Serie, entweder als sie selbst oder als sinnbildliche Darstellung von Sam und Deans Rolle im großen Ganzen. Von dem her ist es nur fair, dass sie auch zum Schluss gehören. Bei Michael wurde es ja durch dessen überraschende Rückkehr schon vorbereitet. Luzifer wiederum, der ist einfach nicht tot zu kriegen. So hätte man jetzt eigentlich die Aufstellung für einen epischen Endkampf beisammen. Der fällt allerdings recht klein aus. Denn man kommt wieder zum üblichen Thema zurück – Engeln kann man nicht trauen. Tatsächlich spielen beide Erzengel hier ein falsches Spiel und natürlich geht es wieder darum, dass sie sich bei ihrem Vater gutstellen wollen. Das Ganze wird wie ein Streit unter Geschwistern dargestellt und, wie so oft bei so mächtigen Charakteren in der Serie, etwas ins Lächerliche gezogen. Luzifer wird dabei recht schnell getötet, womit der ganze Auftritt wohl eher ein letztes Halleluja von Mark Pellegrino in seiner Paraderolle war. Nicht, dass es Michael viel besser ergangen wäre. Recht geschieht es den beiden, haben sie anscheinend nach all den Jahrtausenden nichts gelernt.

This is why you are my favorites.

Ohne ihre biblischen Sinnbilder bleibt es also wieder an Sam und Dean persönlich hängen, sich Chuck zu stellen. Dessen Idee, die beiden einfach zusammenzuschlagen war am Anfang sehr merkwürdig und hat dann erst im Nachhinein für die Geschichte Sinn ergeben. Nichtsdestotrotz hat es eine nette Parallele zu #5.22 Swan Song gezogen, als es Dean war, der von Luzifer zusammengeschlagen wurde. Und natürlich bleiben die beiden nicht am Boden, sondern stehen immer wieder auf. Auch das passt wunderbar zur Serie.

Letztlich stellt sich allerdings heraus, dass das alles nichts anderes als ein riesiges Ablenkungsmanöver der Winchesters war. Denn Jack, der betont im Hintergrund blieb, hat heimlich die ganze Energie der auffällig pompösen Actionszenen aufgesogen. Ich bin während der letzten Folgen davon ausgegangen, dass Jack die Pflanzen vertrocknen lässt, weil er selbst etwas ausstrahlt, nicht weil er deren Kraft aufnimmt. Es war von dem her ein cleverer und erfreulicher Plottwist, denn immerhin bedeutet das, dass die Winchesters nicht mal wieder – wie so oft – von ihren Verbündeten betrogen wurden, sondern sie selbst immer die Oberhand hatten. Sie haben mit dem Verrat von Michael und Luzifer gerechnet, damit, dass die großen übernatürlichen Wesen so sehr mit ihrem Drama beschäftigt sind, dass sie die kleinen Hinweise übersehen und ihre Rolle spielen. Das ist fast schon eine Umkehr von Chucks Involviertheit in ihrem Leben. Dieses Mal wurde mit ihm gespielt. Und das haben Sam und Dean ohne große Zaubersprüche geschafft.

Chuck wurde besiegt. Er hat seine Macht verloren, unfreiwillig abgegeben an Jack, der damit nun zum neuen Gott wird. So ist auch gleich das Problem mit dem göttlichen Gleichgewicht gelöst, ohne das die Welt ja nicht existieren kann. Obwohl Chucks jetzt unbedeutend geworden ist, entscheiden sich Sam und Dean dagegen, ihn umzubringen. Es war eine interessante Entscheidung, den großen Bösewicht der ganzen Serie am Leben zu lassen. Einerseits nimmt das ein wenig die Endgültigkeit des Handlungsstrangs, andererseits finde ich diese Variante sogar besser als ein Tod, so erfreulich der auch gewesen wäre. Denn Sam und Dean haben meistens nur getötet, wenn Gefahr im Verzug war. Und von diesem Chuck geht nun gar keine Gefahr mehr aus. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes am Boden im Staub, machtlos, unbedeutend. Und ihn genauso zu lassen, noch dazu als Mensch, die Kreatur, die er inzwischen so geringschätzt, hat mehr Poesie als die kurze Freude eines Todes.

Nachdem Chuck nun nicht mehr im Bild ist, geht die Rolle des Gott nun auf Jack über. Ein schönes und passendes Ende für diesen Charakter, dessen Schicksal es war, Chuck zu besiegen und dem von Anfang an immer nur daran gelegen war, den Menschen zu helfen. Jetzt hat er die Möglichkeit, das Zepter von Chuck zu übernehmen und alles besser zu machen. Er bringt die Menschen zurück und entfernt sich dann aus der Geschichte. Denn er braucht keine Ehrerbietung, keine Aufmerksamkeit wie Chuck und will im Hintergrund wirken. Dementsprechend idyllisch und ruhig fällt der Abschied von den Winchesters aus, bevor er mit einem letzten Winken verschwindet.

We can write our own story

So schnell kann man also einen großen serienüberspannenden Charakter wie Chuck aus der Welt schaffen. Es hat nicht mehr als ein paar gewagte Tricksereien von Sam und Dean und Jacks neuerworbenen Kräfte gebraucht. Nun ist die Welt wieder wie zuvor, alles ist wieder an seinem Platz. Die Brüder sind endlich befreit von der Macht, die ihr Leben diktiert hat. Kein Chuck, keine Prophezeiungen oder andere Schicksale, die sie zu erfüllen haben. Einfach nur Sam und Dean Winchester. Nur was bedeutet das nun für die beiden? Werden sie weiter jagen? Haben sie genug von ihrem "Saving People, Hunting Things"-Leben, das ihnen praktisch aufgezwungen wurde und leben nun normal weiter? Das bleibt bis jetzt noch offen und die beiden trinken nur gemeinsam auf eine neue Ära. Einen kurzen Blick bekommt man noch auf den Tisch im Bunker, auf dem inzwischen ein paar neue Namen eingeritzt wurden – die selbstgefundene Familie ist jetzt komplett vertreten und bleibt so auch im Gedächtnis. Dann machen sie sich auf den Weg – wohin, das ist ihnen selbst überlassen. Die Fans bekommen auf jeden Fall noch einen Best-Of-Zusammenschnitt.

Moment – ein Zusammenschnitt? Es ist doch noch gar nicht das Finale? Während der Folge war ich so mit den Ereignissen beschäftigt, dass ich kaum bemerkt habe, wie viele Punkte ich auf meiner "Dinge, die im Finale passieren müssen"-Liste abhaken konnte. Der Bösewicht wird besiegt. Sam und Dean besiegen Chuck. Jack wird der neue Gott. Man erinnert sich an frühere Charaktere. Ein Zusammenschnitt mit den besten Szenen. Die Brüder fahren gemeinsam in den Sonnenuntergang und machen weiter. Irgendwie war das doch schon ein Finale? Was soll denn jetzt bitte schön noch kommen?

Fazit

Nachdem sich Staffel 15 trotz geringerer Episodenanzahl überraschend lange mit Filler-Episoden aufgehalten hat, wird jetzt am Ende das Tempo deutlich angezogen. In einer Folge schafft man es so, die komplette Geschichte aufzurollen und zu beenden. Streckenweise sind inmitten all der Action die emotionalen und persönlichen Szenen etwas zu kurz gekommen. Trotzdem ist das Ende für Chuck gut gewählt gewesen, noch dazu, wenn man bedenkt, wie schwierig es ist, so eine opulente Geschichte, wie Gott, der quasi als Serienschreiber agiert, halbwegs sinnvoll zu beenden. Somit sind in einem Meta-Sinn zusammen mit Chuck auch die Serienschreiber weg, was uns nun unendliche Möglichkeiten für das eigentliche Serienfinale übriglässt. Denn auch, wenn in dieser Episode bereits eine irritierend große Finale-Energie zu spüren war, kommt ja noch #15.20 Carry On. Nun kann man wild spekulieren, was dieses Finale zu bieten haben wird. Vermutlich werden wir sehen, wie es mit Sam und Dean weitergeht. Werden sie es schaffen, Castiel doch noch irgendwie zu retten (immerhin war er für viele Staffeln der dritte Hauptcharakter und seine Geschichte hält noch viel Potential)? Sehen wir die beiden weiter auf der Jagd wie bisher – nur dieses Mal aus freiem Willen? Reicht es ihnen endgültig vom Übernatürlichen und wir sehen ein "White-Picket-Fence-Ending"? Und wohl am wichtigsten: Bleiben die Brüder zusammen? Als Fantasy-Serie, noch dazu eine, die recht am Rande der allgemeinen Aufmerksamkeit dahin dümpelt, hat "Supernatural" nun die seltene Möglichkeit, etwas Unerwartetes zu tun. Vielleicht ist diese Folge ja das "offizielle" Finale gewesen, klassisch mit dem Bösewicht, der besiegt wird und die Helden mit einem offenen Ende zurücklässt und das eigentliche Finale ist nochmal extra für die Fans der Serie?

Denise D. - myFanbase

Diese Serie ansehen:


Vorherige ReviewÜbersicht

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier mit anderen Fans von "Supernatural" über die Folge #15.19 Weltenerbe diskutieren.