Reboot - Review Staffel 1

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Auch wenn mich die Ankündigung zu der von Hulu produzierten Comedyserie "Reboot" nicht sofort von den Socken gehauen hat, so habe ich sehr wohl gleich wahrgenommen, dass mit Steven Levitan ein "Modern Family"-Produzent der Serienmacher ist. Auch wenn die ABC-Serie zu lange gelaufen ist und damit irgendwann zu wiederholend wurde, so gab es einen Grund, warum sie lange meine Lieblingsserie im Comedybereich war und diese nostalgischen Gedanken haben dafür gesorgt, dass ich mit der Ausstrahlung bei Disney+ dann mal reingeschaut habe und definitiv viel intensiver hängen blieb, als ich es im Vorfeld gedacht hätte.

Foto: Reboot - Copyright: Michael Desmond/Hulu
Reboot
© Michael Desmond/Hulu

"Reboot" ist eine sehr clever erzählte Serie, die sich in einer Meta-Erzählung mit dem Phänomen von Reboots auseinandersetzt. Sowas liebe ich tatsächlich, vorausgesetzt, es ist gut gemacht und alleine der Pilot ist schon echt gut. Das ist auch insofern überraschend, weil wir Serienfans sonst immer von der Pilot-Krankheit sprechen, durch die der erste Eindruck einer Serie nicht irre leiten darf, meist in der Tendenz, dass es schlechter wirkt, als sich später eine ganze Staffel entwickeln kann. "Reboot" legt aber gleich gut los und fängt auf der höchsten Ebene bei Hulu an, wo sich Drehbuchautorin Hannah (Rachel Bloom) für ein Reboot der Sitcom "Step Right Up" einsetzt. Ihre Beweggründe wirken zunächst etwas lasch, die Argumente dünn, aber der Sendeboss bekommt von seinen Analysten um die Ohren gehauen, was die Vor- und Nachteile von Reboots sind. Das ist schon herrlich, weil wir uns wirklich im Zeitalter der Reboots befinden und ironischerweise ist "Reboot" genau das nicht, was der Titel eigentlich aussagt. Aber diese selbstreflexive Auseinandersetzung mit einem Trend, der nur in einem guten Rahmen Sinn ergibt, bringt einen herrlichen Humor mit sich. Es geht aber nicht nur um Reboots an sich, sondern auch um die Entwicklungen in der TV-Branche generell, die durch eine gewisse Zeitspanne, die zwischen Original und Nachbildung liegt, inhaltlich logisch gegeben sind. Während inzwischen kaum ein Monat vergeht, in dem nicht an einem Set ein Skandal aufgedeckt wird, ist jahrzehntelang alle totgeschwiegen worden. Demnach hat sich die Ordnung gewaltig verändert und diese Diskrepanz wird perfekt eingefangen.

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Letztlich zeigt sich, warum Hannah in ihrer Argumentation etwas dünn wirkte, denn sie hat einen sehr persönlichen Grund, diese Comedyserie wieder aufleben zu lassen, denn ihr Vater Gordon (Paul Reiser) war einst der Showrunner und diesem hat sie bis heute nicht verziehen, dass er sie und ihre Mutter verlassen hat und sich eine neue Familie gesucht hat. Es ist eine Art persönlicher Racheakt, indem Hannah ihrem Vater vor Augen führen will, was er mit "Step Right Up" einst alles falsch gemacht hat. Doch – und hier schlagen wieder die Gesetze der Branche zu – Hannah ist eine Frau und zwar eine Frau ohne jeglichen Einfluss, so dass ihr und ihrem diversen Autorenteam bestehend aus Azmina (Kimia Behpoornia), Janae (Korama Danquah) und Benny (Dan Leahy) Gordon und sein selbst gewähltes Team bestehend aus Alan (Fred Melamed), Selma (Rose Abdoo) und Bob (George Wyner) gegenüberstehen, das natürlich rein weiß ist. Man möchte in dem Moment am liebsten aufschreien, weil man gerne gesehen hätte, wie Hannah die heutige Perspektive in freier Gestaltung über das Reboot legt, aber gleichzeitig muss ich auch eingestehen, dass die Wortgefechte im Writer's Room die durchgängigen Highlights der Staffel darstellten. Es war ein schwerwiegender Prozess, weil krasse Welten aufeinandertreffen, aber es war absolut herrlich, wie auf einmal durch eine Kleinigkeit ein Konsens gefunden wurde, der die Drehbücher auf eine spezielle Art und Weise beflügelt hat. In dem Sinne unterstreicht das Durchmischen von alt und neu auch die Botschaft, dass früher nicht alles schlecht war, aber dass ein mehr als kritischer Blick durchaus erlaubt sein muss.

Foto: Reboot - Copyright: Michael Desmond/Hulu
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Doch entscheidend sind nicht nur die Prozesse hinter den Kulissen, sondern auch der ursprüngliche Cast, der wieder angeheuert wurde, wird intensiv ins Blickfeld genommen. Da damals alles in Unzufriedenheit zusammengebrochen ist, trifft nicht unbedingt ein Cast aufeinander, der im Guten zueinandersteht. Reed Sterling (Keegan-Michael Key) und Bree Marie Jensen (Judy Greer) waren einst ein Paar und die Funken sprühen erneut, obwohl zwischen ihnen zu viel passiert ist und sich vor allem Reed einredet, mit seiner neuen Freundin Nora (Eliza Coupe) sehr glücklich zu sein. Dazu haben wir den Alkoholiker Clay Barber (Johnny Knoxville), der sehr sinnbildlich für einen gewissen Hollywood-Typus steht (und Knoxville gehört selbst dazu) und Zack Jackson (Calum Worthy). Bei Letzterem ist ganz charmant, dass er beim Originaldreh als kleiner Junge kaum wahrgenommen wurde, obwohl Jungdarsteller*innen in solchen Formaten oft etwas Ikonisches an sich haben, so dass er jetzt als junger Mann von niemandem auf Anhieb erkannt wird. Insgesamt muss ich aber sagen, dass Clay und Zack mir in dieser ersten Staffel inhaltlich noch nicht genug gegeben haben. Sie stehen im Gegensatz zu den anderen auch deutlich zurück und das merkt man den einzelnen Handlungen an. Zacks Schwärmerei für Produzentin Elaine Kim (Krista Marie Yu) hat da wohl noch das größte Potenzial, auch weil sie herrlich unbeholfen miteinander wirken, aber andererseits ist für mich noch nicht so klar, wohin sie damit wollen. Insgesamt zeigt sich bei diesem Cast aber, dass sie alle in einer Sackgasse ihrer Karriere angekommen sind und deswegen von diesem Job sehr abhängig sind, was auch wieder sehr doppeldeutig ist, weil viele Missstände an Set gerade deswegen entstehen, weil sich niemand traut, etwas zu sagen.

Mit diesen zwei Baustellen, die durchaus im Staffelverlauf auch mal miteinander vermischt werden, geht "Reboot" auch über den Pilot hinaus mit einigen wichtigen Themen auf. So taucht das Thema Liebschaften am Set gleich mehrfach auf, weil Zack eben an Elaine interessiert ist und auch bei Hannah sprühen die Funken bei Mallory (Stephanie Allynne), die ausgerechnet im HQ beschäftigt ist und mit Argusaugen darauf achten muss, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Doch sie bewertet schließlich nicht nur Beziehungen am Arbeitsplatz, sondern die ältere Generation im Writer's Room testet munter aus, wo die Grenzen des Sagbaren liegen, was eindeutig ein wichtiges Thema ist, da auch durch die Macht von Social Media der Aufschrei sonst groß ist. Aber wir haben auch Reed, der mit Bree einen intime Szene proben soll und dabei eine Erektion bekommt, woraufhin diverse Maßnahmen ergriffen werden. Auch wenn die Intimitätskoordinatoren hier namentlich nicht konkret angesprochen werden, so geht es thematisch definitiv um sie und wie viele heute dankbar sind, dass es bei den Dreharbeiten Unterstützung gibt, um die Atmosphäre am Set sicher zu halten.

Foto: Rachel Bloom & Krista Marie Yu, Reboot - Copyright: Michael Desmond/Hulu
Rachel Bloom & Krista Marie Yu, Reboot
© Michael Desmond/Hulu

Dennoch ist insgesamt zu beobachten, dass diese Meta-Themen vor allem die erste Staffelhälfte dominieren, während es in der zweiten Hälfte immer persönlicher wird, wenn beispielsweise offenbar wird, dass Clay inzwischen trocken ist und nun seinen 12-Schritte-Plan von AA umsetzen muss oder wenn Bree daran zu nagen hat, dass sie nicht mehr so jung wie einst ist und den Zug verpasst hat, um immer noch mit den wichtigsten Themen am Zahn der Zeit zu sein. Das wird nur noch schlimmer, als mit Timberly (Alyah Chanelle Scott) ein Reality-Star für eine neue Nebenrolle gecastet wird, die all das zu verkörpern scheint, was sie gerne wäre. Mit den persönlichen Themen der Hauptfiguren fiel mir dann immer deutlicher auf, wie sehr man Levitans Handschrift lesen kann. Auch wenn er nicht alleine "Modern Family" aus der Taufe gehoben hat, so hat er den entscheidenden Stil offensichtlich speziell mitgeprägt. Gordon und Hannah erinnerten mich stark an Jay (Ed O’Neill) und seine beiden Kinder Mitchell (Jesse Tyler Ferguson) und Claire (Julie Bowen), da die Konflikte über die sexuelle Orientierung sowie das Bestreben, vom Vater endlich die Anerkennung zu erhalten, sehr vertraut wirkte. Bei den anderen ist es nicht so leicht, zwei Charaktere genau übereinander zu legen, weswegen ich bei "Reboot" die neuen Charaktere eher als gesunde Mischung aus bekannten Charakterzügen empfinden würde. Dafür haben auch einzelne Momente mich sofort in die Zeit zurückversetzt und beispielhaft erging mir das sehr stark mit Reed, als er von Zack zu einem Basketballspiel mitgenommen wird und vermutet, gegen erwachsene Männer anzutreten, nur um dann einer Horde von Jugendlichen gegenüberzustehen. Während sich Reed zunächst noch peinlich berührt zurückhält, seinen Größenverteil auszuspielen, wird schließlich sein Ehrgeiz gekitzelt und kehrt sich genau ins Gegenteil um. Hier ist das Stichwort wieder Mitch aus "Modern Family" und die Episode #4.18 Der Wow-Faktor, wo er es nicht akzeptieren wollte, gegen einen Jungen beim American Handball unterlegen zu sein und dabei völlig über das Ziel hinausgeschossen ist. Diese für mich als glühenden Fan zu erkennenden Parallelen sprechen aber nicht gegen "Reboot", denn bislang erkenne ich vor allem die guten Sachen wieder, die in einem völlig anderen Kontext zur Geltung kommen dürfen. Diese Mischung erweist sich als wirklich unterhaltsam.

Fazit

"Reboot" hat mich definitiv positiv überrascht, denn die Meta-Ebene des Showgeschäfts wird auf sehr humorvolle Weise in den Blick genommen und zeigt so deutlich auf, wie sehr sich die Zeiten geändert haben, aber dass dennoch noch ein weiter Weg vor uns liegt. Zwar ist der kritische Blick in der zweiten Hälfte zu sehr den persönlichen Konflikten gewichen und für Staffel 2 wäre eine gesunde Mischung ratsam. Dennoch ist auch die persönliche Ebene gut gestaltet und zeigt viele Parallelen zu "Modern Family" auf, was als Kompliment gemeint ist. Diese Staffel macht also definitiv Lust auf mehr.

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Lena Donth - myFanbase

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