Leanne - Review Staffel 1
Es ist unumstritten, dass ich Sitcoms bzw. Comedyserie mag und immer gerne darauf zurückgreife. Dieses Mal hat es wieder einmal eine Produktion von Chuck Lorre getroffen, von dem ich schon eine kleine Top Ten aufführen könnte und "Leanne" würde definitiv drauf stehen, auch wenn die sonstigen Kritiken eher durchwachsen bis negativ ausgefallen sind. Warum ich das anders sehe? Das verrate ich euch jetzt.
Chuck Lorre und sein Team sind schon ewig im Geschäft und angesichts seiner vielen Produktionen ist es auch nicht verwunderlich, dass er erfolgreich damit ist. Dabei lässt sich jedoch auch nicht abstreiten, dass man auch bei diesem Format seine Handschrift erkennt. Ist das schlimm? Nicht unbedingt, da man das Rad eben nicht ständig neu erfinden kann. Lorre ist aber auch einer dieser Produzenten, der gesellschaftliche wichtige Themen aufgreift, die aber auch trotz der modernen Gesellschaft noch immer eher Tabuthemen sind. Vor einigen Jahren entwickelt er die Serie "B Positive", die sich mit Nierentransplantationen befasste. Einem Thema, bei dem man ein Händchen braucht, damit es nicht unpassend wirkt. Leider kam diese Serie nur auf zwei Staffeln. Im Jahr 2025 brachte Chuck Lorre gemeinsam mit Stand-Up-Comedian Leanne Morgan die Sitcom mit dem schlichten Titel "Leanne" auf dem Markt und in der Morgan die zentrale Hauptrolle übernommen hat. Das Format basiert auf ihrem eigenen Leben und durchbricht in meinen Augen ein weiteres Tabuthema: Die Wechseljahre. Aufgrund des Themas fand ich es nur logisch, dass die Drehbücher fast ausschließlich von Frauen geschrieben worden sind, da es eine Zeit ist, in der sich vieles für eine Frau in der zweiten Lebenshälfte verändert. Genau hier setzt die Serie an.
Leanne findet heraus, dass ihr Mann Bill (Ryan Stiles) sie betrogen hat das nach 33 Jahren, zwei erwachsenen Kindern und einem Enkelsohn. Das Leben in der Vorstadt wird deshalb erschwert, weshalb nur Leannes Sohn Tyler (Graham Rogers) sowie ihre Schwester Carol (Kristen Johnston) von diesen Entwicklungen wissen. Tochter Josie (Hannah Pilkes) ist ohnehin immer betrunken und die Eltern von Leanne lieben ihren Schwiegersohn viel zu sehr. Deshalb hält Leanne die kommende Scheidung von Bill vor John (Blake Clark) und Margaret (Celia Weston) erst einmal geheim und somit haben wir auch schon mal die Ausgangslage von Leanne. Ich muss zugeben, dass die geschwisterliche Konstellation sehr an "Two and a Half Men" erinnert, nur dass sie eben mit dem weiblichen Geschlecht besetzt ist und der Umgang zwischen den Geschwistern harmonischer ist. Trotz dieses bekannten Konzept fühlte ich mich von der ersten Episode durchaus unterhalten. Die zentrale Hauptrolle mit Leanne Morgan zu besetzen ist durchaus logisch. Nicht nur, dass die Serie eben auf ihrem eigenen Leben basiert, die Schauspielerin kann das Unsichere der Rolle für mich überzeugend darstellen und ist damit das komplette Gegenteil zu Schwester Carol.

© Courtesy of Netflix
Bevor ich eine eigene Review geschrieben habe, las ich mir im Internet die ein oder andere Kritik durch und war etwas erschüttert, dass die Serie bei den 'professionellen' Kritikern so schlecht wegkam. Dass man hier auf das altbewährte Sitcom-Konzept setzt und die Lachkonserven eingebaut hat, wie man sie beispielsweise auch bei "Roseanne" hatte, mag für viele störend sein, wahrscheinlich deshalb, weil man durch diese gezielten Lacher darauf aufmerksam gemacht wird, an welchen Stellen man lachen sollte. Gleichzeitig kam mir speziell beim Schauen der Gedanke, die Serie wurde speziell für das weibliche Publikum entwickelt, das sich gerade in einer ähnlichen Lebensphase befindet, sich darin befunden hat oder gerade kurz davor steht, in diese Lebensphase zu kommen. Eine Phase, wo sich der Körper verändert, was in der Serie auf sehr unterschiedliche Weise betont wird. In den verschiedenen Kritiken war auch zu lesen, dass Leanne Morgan nicht besonders gut im Schauspiel ist, und dass Kristen Johnston eher für Grimassen da ist. Dem möchte ich auch gar nicht widersprechen. Ich vermute aber auch, dass die Figuren der beiden genau darauf angelegt sind und wer schon mehrere Produktionen von Lorre gesehen hat, der weiß eben auch, dass es bei dem Serienmacher eher auf die Betonungen der Sätze und Kommentare ankommt, die einen zum Lachen einladen und für mich haben das die einzelnen Episoden durchaus geschafft. Für mich hat man hier wieder geballt auf Alltags- und Situationskomik gelegt, daher konnte ich auch sehr gut über 'Winkfett' oder "Ich bin schon froh, dass wir nicht mehr hüpfen. Hätte mir dabei fast mit meinem Busen einen Zahn ausgeschlagen" lachen.
Den Serienmachern ist es aber auch wunderbar gelungen, die verschiedenen Lebensphasen und vor allem Liebesphasen auf verschiedenen Charakteren darzustellen. So haben wir Leanne, die gerade eine Scheidung durchlebt und mit Agent Andrew Madden (Tim Daly) gerade versucht, ihr neues Liebesglück zu finden, was aber nicht ganz ohne Stolpersteine geht. Zumal Andrew den Fall von Carols Freund Dylan untersucht, wodurch Carols Liebesglück in sich zusammenfällt und sie ausgerechnet von Nachbarin Mary (Jayma Mays) daran erinnert wird, dass es in ihrem Leben wohl keinen Menschen geben wird, der um sie trauert, sollte sie sterben, wodurch sich bei Carol eine kleine Lebenskrise entwickelt, die allerdings auch einen interessanten Twist bietet, der als Vorbereitung auf die nächste Staffel dient. Mit Mary hat man eine weitere Figur, bei der zu erkennen ist, wie schnell das gemeinsame Leben vorbei sein kann und die sich vor allem nur vorgemacht hat, so etwas wie Liebe oder auch nur Intimität zu vermissen. Mit Tyler hat man einen jungen Mann, der bereits zweifacher Vater wird, aber mit einer Frau verheiratet ist, mit der er nicht glücklich ist. Josie erfüllt dabei die Nische auf das Traditionelle wie Heirat und Kinder vollkommen zu verzichten, während Leanne und Carols Eltern für eine dauerhafte Ehe stehen, die auch nicht ohne schwierige Phasen war. Vor allem bei John erlebt man immer wieder das leichte Klischee, dass er ein alter Grießkram ist, der eher muffelig mit veralteten Ansichten daher kommt, aber in den einzelnen Szenen bemerkt man dennoch, wie sehr er seine Frau liebt und dass er ihr doch ihre Träume, wie eine prunkvolle Hochzeit erfüllt, um sein Ehegelübde noch einmal zu erneuern.
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Trotz des hohen Comedyanteils gelingt es "Leanne" spielend leicht, auch aktuelle Themen kurz anzudeuten und dennoch einen Bogen dahingehend zu schlagen, wie wichtig es ist, sich selbst zu mögen und keinem gesellschaftlichen Ideal zu entsprechen, sondern andere dahingehend zu ermutigen, zu sich selbst zu finden. Daher muss ich noch kurz auf Marys Buchclub eingehen, bei dem es nicht nur darum ging, Frauen wieder zusammenzubringen, die über verschiedene Inhalte von Büchern diskutieren. Hierbei wurde auch ein Thema aufgegriffen, was heutzutage aktueller denn je ist. In dem Buch ging es darum, dass sich eine Frau nur dann komplett fühlt, wenn sie einen Mann an ihrer Seite hat. Gut gefallen hat mir hier Leanne selbst, die sich auf eine sehr angenehme und anregende Art und Weise dazu äußert, keinen Mann zu brauchen, um sich komplett zu fühlen. Für mich sagte das aus, dass sie über die Episoden zu sich selbst gefunden, sich aber auch neu gefunden hat.
Fazit
Mit "Leanne" hat Chuck Lorre mit seinem Team eine Sitcom entwickelt, die die zweite Lebenshälfte einer Frau zeigt, die verschiedene Phasen durchmacht und das mit Humor versetzt, sodass man ein Wohlfühlgefühl beim Schauen empfindet und sich auf die bereits angekündigte zweite Staffel freut.
Die Serie "Leanne" ansehen:
Daniela S. - myFanbase
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