Dr. Death - Review des Piloten

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Das Genre "True Crime" liegt seit Jahren im Trend und neben zahlreichen Dokumentationen haben sich im Bereich der fiktionalen TV-Serien in den vergangenen Jahren vor allem die Anthologieserien "American Crime Story" und "Dirty John" einen Namen gemacht. "Dr. Death" widmet sich nun der Geschichte von Dr. Christopher Duntsch, der als Neurochirurg in Texas gearbeitet hat.

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Foto: Alec Baldwin, Joshua Jackson & Christian Slater, Dr. Death - Copyright: TVNOW / 2021 Universal Content Productions LLC. All Rights Reserved.
Alec Baldwin, Joshua Jackson & Christian Slater, Dr. Death
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Die Serie arbeitet mit Rückblenden und schildert die Erfahrungen von Patient*innen oder deren Hinterbliebenen, die unter Dr. Duntschs (Joshua Jackson) Operationen gelitten haben. Wenn man liest und auch im Vorspann noch mal angekündigt bekommt, dass die Ereignisse auf wahren Begebenheiten beruhen, zieht einen diese Geschichte noch mehr in den Bann. Es ist schier unvorstellbar, dass ein Arzt - wenn man ihn überhaupt so nennen kann - so lange ohne Einschränkungen die Gesundheit und das Leben von Menschen aufs Spiel setzen konnte. Man muss sich zwar in Erinnerung rufen, dass wir hier eine fiktionalisierte Fassung dieser Geschichte sehen, aber die grundsätzlichen Machenschaften dieses Mannes wurden vor Gericht aufgearbeitet, entsprechen also der Realität.

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Hubert Point-Du Jour & Alec Baldwin, Dr. Death
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Als die Serie beginnt, hat Duntsch bereits über Jahre eine gut florierende Arztpraxis, in der routinemäßige Eingriffe in den vergangenen Monaten aber immer häufiger zu Verstümmelungen von Patient*innen führen. Trotz der vielen Opfer scheint er aber immer noch ein Star seiner Branche zu sein. Doch immer mehr Leuten fällt auf, dass hier etwas nicht stimmt und insbesondere als er am Dallas Medical Center anfängt, sind es Neurochirurg Robert Henderson (Alec Baldwin) und Gefäßchirurg Randall Kirby (Christian Slater), die seinen Machenschaften auf die Spur kommen. Sie sind es, die Duntschs Fehler ausbaden müssen oder mit traumatisierten ehemaligen Patient*innen ins Gespräch kommen. Selbst das weitere medizinische Personal wie OP-Pfleger Josh Baker (Hubert Point-Du Jour) scheinen sich machtlos zu fühlen, gegen Dr. Duntsch vorzugehen, weshalb es dringend an der Zeit ist, dass die Fälle systematisch untersucht werden und ihm schließlich das Handwerk gelegt wird.

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Durch Zeitsprünge wissen wir, dass es eine Gerichtsverhandlung geben wird, in der man gegen Dr. Duntsch aussagt. Und wir sehen, dass er inzwischen im Gefängnis sitzt. Soweit so gut und auch erleichternd, dass so jemand niemandem mehr etwas zuleide tun kann. Die Serie wird uns nun in acht Episoden zeigen, wie ihm das Handwerk gelegt wurde, aber sicher nicht ohne noch mehr grausame Details ans Licht zu bringen. Es ist wirklich bedrückend zu sehen, wie hoffnungsvoll die Patient*innen sich in Duntschs Praxis begeben, wie routinemäßig die Abläufe vor der Operation sind und wie traumatisiert sie anschließend wieder aufwachen, als ihnen klar wird, dass irgendwas absolut schiefgelaufen ist - wenn sie überhaupt wieder aufwachen. Gerade die erste Operation von Dr. Henderson, der eine Korrektur bei einer von Duntschs Patientinnen durchführen soll, und sein Kommentar zu dem, was er an der Wirbelsäule sieht, lassen einen gruseln, ohne dass man irgendwelche blutigen Detailaufnahmen benötigt. Man könnte hier glatt das Vertrauen in die Ärzteschaft verlieren, wären da nicht Dr. Kirby und Dr. Henderson, die dem Treiben ein Ende bereiten wollen. Sie haben den Mut, ihre eigenen Karrieren aufs Spiel zu setzen, um die von Dr. Duntsch ein für alle Mal zu beenden. Und man hofft inständig, dass es ihnen gelingt.

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Joshua Jackson, Dr. Death
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Gleichzeitig versucht man bereits in dieser ersten Episode dem Wesen von Dr. Duntsch auf den Grund zu gehen. Wieso ist er so ein Hochstapler? Was treibt ihn an, dass er jeden noch so großen Fehler auf andere schiebt und sich selbst weiter als den besten Neurochirurgen weit und breit feiert? Man lernt seinen Vater (Fredric Lehne) kennen, der ihn davor warnt ein zu großes Ego zu bekommen und dass er nicht zu Hochmut neigen sollte. Wir sehen, dass Duntsch ein Alkoholiker ist, der von seiner Frau, Dr. Kim Morgan (Grace Gummer), mit den Kindern verlassen wurde. Und wir erfahren, dass sie sich vor Gericht ein Annährungsverbot erstritten hat und absolut schockiert ist, als sie erfährt, dass er weiterhin als Chirurg arbeitet. All das sind Andeutungen, die einen neugierig auf die weiteren Episoden machen. Auch wenn man auf den ersten Blick meinen könnte, dass die sich häufenden Fehler im OP vielleicht auf die Komplikationen im Privatleben zurückzuführen sind, die er aber auf professioneller Ebene nicht eingestehen will, so scheint das zu kurz gedacht. Es klingt so als habe er sich schon vor dem Fehltritt, der Kim schließlich dazu gebracht hat, die Reißleine zu ziehen, völlig selbst überschätzt, von daher scheint dieses Verhalten tiefer zu liegen.

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AnnaSophia Robb, Christian Slater & Alec Baldwin, Dr. Death
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Unabhängig von der grundsätzlichen Handlung, die einen ohne Frage in den Bann zieht, ist es das Schauspiel von Joshua Jackson, Alec Baldwin und Christian Slater, das diese Geschichte so gut auf den Schirm bringt. Wer hätte gedacht, dass Joshua Jackson ein solches Monster von Arzt so glaubhaft rüberbringen kann. Es ist sein Charme und sein Lächeln, das einen in den Bann zieht und das es glaubhaft macht, dass die Patient*innen diesem Mann vertraut haben. Gleichzeitig hat er aber auch diesen düsteren Blick drauf, wenn Duntsch sich ertappt fühlt oder etwas nicht nach seinem Plan läuft. Da läuft es einem eiskalt den Rücken runter. Alec Baldwin spielt derweil einen erfahrenen und einfühlsamen Neurochirurgen, der Duntschs "Werk" im Dallas Medical Center auf die Spur kommt. Er genießt das Vertrauen seiner Kolleg*innen, denn nicht nur der OP-Pfleger öffnet sich ihm ohne Weiteres, sondern auch Dr. Kirby weiß genau, dass man auf ihn zählen kann. Damit wirkt er wie ein Ruhepol, aber auch wie ein sehr konsequenter Mann, der Unrecht nicht geschehen lassen kann oder will. Slaters Dr. Kirby hingegen ist ein eher quirliger Mann, der schnell und viel redet, aber ohne Frage etwas von seinem Fach versteht. Als er erfährt, dass Dr. Duntsch nun sein Kollege ist, ahnt er was der Klinik blüht, denn er ist der einzige vor Ort, der Duntsch noch von früher kennt. Obwohl er nur einmal mit diesem Mann zusammen arbeiten musste, hat ihm diese Erfahrung gereicht und seine Reaktion spricht Bände. Baldwin und Slater spielen damit zwei Männer, die sehr unterschiedlich sind, die aber das gleiche Ziel verfolgen und man kann nicht anders, als sich voll und ganz auf ihre Seite zu stellen.

Fazit

"Dr. Death" hält, was der Titel verspricht. Wenn man die Machenschaften von Dr. Christopher Duntsch vor Augen geführt bekommt, läuft es einem eiskalt den Rücken runter. Dabei benötigt es keine blutigen Detailaufnahmen aus irgendwelchen OPs, es reicht schon auf emotionaler Ebene, wenn man das Leid seiner Patient*innen sieht und zu hören bekommt, was für ein Pfuscher er ist bzw. war. Joshua Jackson spielt diese Titelrolle hervorragend und sein Charme machen dieses True-Crime-Format noch faszinierender.

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Catherine Bühnsack - myFanbase

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