Criminal Minds - Review Staffel 19

Staffel 19 von "Criminal Minds" wurde überraschenderweise parallel zur US-Ausstrahlung auf dem deutschen Disney+ veröffentlicht. Wäre das vor drei Jahren der Fall gewesen, ich wäre eindeutig freudiger gewesen, aber die letzten Staffeln haben doch einen Stimmungsdämpfer verursacht. Dazu passten dann auch gut die Meldungen nach Staffelstart, als Emily Prentiss-Darstellerin Paget Brewster über Social Media eine Journalistin beleidigt hat, die Kritik an der Serie geübt hat. Das gehört sich natürlich generell nicht, hat mir aber auch verraten, dass die Nerven wohl ein bisschen blank liegen, denn die Versteifung auf Zach Gilford als Serienkiller Elias Voit zieht kaum bei jemandem. Ich habe die Staffel letztlich doch parallel durchgezogen, weil es ohnehin keine Binge-Serie ist und ich so meine wöchentliche Dosis gut verarbeiten konnte. Aber gibt es nach den ganzen Dämpfern auch mal wieder gute Nachrichten, um die Nerven zu beruhigen?

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Einen Teil werde ich in dieser Staffelreview aussparen, denn ich möchte nicht die springende Schallplatte sein. Für mich brauchte Voit keine 'redemption arc', wie es im englischsprachigen Raum heißt. Der Charakter ist völlig überstrapaziert worden und die Serie schaut in die Tiefen der menschlichen Seele und da brauche ich kein Happyend. Dementsprechend habe ich alle damit verknüpften Handlungsbögen weitestgehend ausgeblendet. Ich werde nur am Ende nochmal drauf zu sprechen kommen, weil ich da was Zartes am Horizont sehe.
Möge man in Bezug auf Voit auf taube Ohren gestoßen sein, so will ich umgekehrt aber sofort etwas erwähnen, wo vielleicht doch kritische Fanstimmen eine Rolle gespielt haben. Mit der Wiederbelebung und der Zufügung des Untertitels 'Evolution' ist Luke Alvez (Adam Rodriguez) für mich doch sträflich vernachlässigt worden. Er war immer unterstützend für alle anderen da, aber was ist mit ihm selbst? In dieser 19. Staffel hat er wirklich viel bekommen und ich fand alles gut. Am berührendsten war da natürlich #19.02, denn es wird schnell deutlich, dass Luke von etwas gequält wird, aber es wird lange zurückgehalten, um was bzw. wen es genau geht. Die Enthüllung, dass er seinen geliebten Hund Roxy gehen lassen musste, die hat emotional Spuren gelassen. Solche Szenen können meist nur die nachvollziehen, die selbst Haustiere haben/hatten, aber hier kam auch noch erschwerend hinzu, dass der Schäferhund immer als Sinnbild für Lukes inneren Zustand genutzt wurde. Roxy war damit nicht nur ein geliebtes Haustier, sondern es hat Luke auch dazu gezwungen, dass er fortan seine Dämonen wieder alleine bekämpfen muss. Das wurde auch gleich herausgefordert, als dann auch noch Lukes Ausbilder beim Militär getötet wurde. Man hat schon deutlich gemerkt, dass es für Luke diesmal einen klaren Plan gab und das hat mir sehr gut gefallen.

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Am liebsten mag ich Ensembleserien, wenn alle etwas Gutes zu tun bekommen, aber hier war es tatsächlich so, dass es nach einseitigen Erzählungen in den Staffeln zuvor angenehm war, dass Tara (Aisha Tyler) diesmal eher im Hintergrund war, ebenso wie ihre Geschichte mit Rebecca (Nicole Pacent). Beim Rest war es dann besser verteilt, auch weil beispielsweise JJs (A.J. Cook) Trauerprozess organisch weitererzählt wird, indem sie ihr großes Haus verkauft und indem sie damit umgehen muss, dass Henry (Mekhai Andersen) vor dem Sprung ans College steht. Wir sind auch Zeugen, wie Tyler (RJ Hatanaka) sich weiterhin erst in seine Rolle als Agent hineinfinden muss. Er macht noch Fehler, hat aber ein Team im Rücken, das ihm auch den Freiraum gibt, diese zu machen und daraus zu lernen. Zumal dann im Staffelverlauf auch aufgezeigt wurde, dass Tyler etwas hat, was auf die Fälle eine individuelle Perspektive mitbringt. Auch der Konflikt zwischen Rossi (Joe Mantegna) und Penelope (Kirsten Vangsness) hat mir sehr gut gefallen. Immer wenn die Serie auf alte Ereignisse zurückgreift, dann wird unterstrichen, dass die Produktion immer noch in Händen von wahren Fans der Serie ist, aber es muss auch verlässlich rausgekitzelt werden. Und da muss es dann auch kein Streit über mehrere Episoden hinweg sein, nein, es wurde erwachsen gelöst.
Ich finde es ja wahrlich nicht schlimm, dass die 'neueren' Staffeln auch Erzählweisen ausprobieren, die bei der Ausstrahlung über CBS und das steife Procedural-Format nicht möglich waren. Aber es bleibt in einem Aspekt eine Gratwanderung und das ist der Humor. "Criminal Minds" hat sich immer harmonische Gruppenszenen gegönnt, um das Familiäre der BAU zu unterstreichen. Genauso gab es immer die Figurenkonstellationen, die die Lachmuskeln provoziert haben. Aber es war auch diesmal wieder so, dass es einfach Gesprächsverläufe gibt, die man bald in eine Soap rüberschieben könnte und das passt für mich nicht in die Tonalität. Ich finde es lobenswert, dass die privaten Geschichten intensiver eingebunden und entwickelt werden. Auch wie viele JJ und ihren Söhnen beim Umzug geholfen haben und wie sich dann alle freuten, dass Henry es an seine favorisierte Uni in San Diego geschafft hat, das will ich haben. Aber ich muss nicht Penelopes Sexabenteuer verfolgen. Man merkt eine zunehmend weibliche Perspektive, weswegen auch die lesbische Liebesgeschichte von Tara und ihrer Frau so dominant war und eigentlich ist es auch toll, Grenzen gibt es trotzdem. Deswegen fand ich auch den Charakter Brian Garrity (Paul F. Tomkins) zu oft vollkommen drüber.
Kommen wir jetzt nochmal zu den Fällen und da fand ich, dass da einige extrem spannende dabei waren. Da gab es einige Sequenzen, um sich mal wieder richtig zu fürchten und auch zu ekeln. Der Fall rund um Lukes Ausbilder, der vermeintlich offensichtlich von einem Schützling ermordet wurde, der war total ungewöhnlich für die Serie und hat mir gerade deswegen richtig Spaß gemacht. Unterhaltsam war auch die sich langsam aufbauende Handlung rund um den Fan (Justin Kirk). Auch wenn es mit Voit zu tun hat, aber ich konnte sein Alter Ego dennoch gut inhaltlich abgrenzen. Kirk gehört auch zu den Schauspielern, die gut zwischen Komödie und Serienkiller-Gen wandeln können und das wurde für mich eindeutig bewiesen. Hier hat sich für mich auch gezeigt, wie man mit Voit hätte verfahren können. Eine Staffel und gut ist. Der Fan wurde hier aufgebaut, als er eigentlich noch gar kein Begriff war, aber es wurde clever gestaltet und letztlich wurde er immer prominenter eingebunden. Da hat sich dann einiges entwickelt und es war für so eine Art Serie genau richtig. Ich fand nur das Ende einfach jammerschade, weil da ging die Logik dann völlig verloren. Die Motivation von Crowley wurde dann nicht mehr deutlich und stattdessen ging es wieder mehr um Voit. Ach, was soll man sagen, irgendwer war da sehr verliebt in diesen Voit-Charakter.

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Nach dem Staffelfinale habe ich mich sofort in den Medien informiert, denn die 20. Staffel war schon bestellt und Voit immer noch nicht tot. Gilford hat in den Medien aber bereits bestätigt, dass er (vorerst) keine Rolle mehr spielen wird. Das ist dann also der Lichtblick am Horizont. Denn ich habe in dieser 19. Staffel viel Gutes gesehen und deswegen bin ich auch positiv, dass die 20. Staffel neu aufgestellt und mit mehr richtigen Entscheidungen die beste der Neuauflage werden könnte. Aber kommen wir nochmal zu Gilford, der in den Interviews selbst gescherzt hat, dass er nicht immer begriffen hat, warum er eigentlich noch dabei ist. Das zeigt auch nochmal, dass er, dass die jeweiligen Medien mit ihren Fragen, im Grunde alle doch wissen und wussten, was die Rezeption des Ganzen war. Warum wurde also so lange an diesem Plan festgehalten? Das wird immer ein großes Rätsel bleiben.
Fazit
Wenn ich ein leidliches (weiteres) Kapitel von "Criminal Minds" ausspare, dann habe ich einige Highlights entdecken können und das waren spannende Fälle und endlich gute Handlungsbögen für Luke Alvez. Auch der 'Fan' als neuer Antagonist hat für mich gut funktioniert. Zudem wird der Ballast für Staffel 20 wohl endlich abgelassen, weswegen ich nochmal optimistischer aus dieser Runde gehe. So einer Serie würde ich einfach niemals den Rücken kehren, also wäre es doch gut, dass auch mal wieder ohne schlechtes Gefühl voller Überzeugung sagen zu können. Also auf eine gute Staffel 20!
Die Serie "Criminal Minds" ansehen:
Lena Donth - myFanbase
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