Bewertung

Review: #1.07 Luceo Non Uro

Foto: Jamie Roy & Rory Alexander, Outlander: Blood of My Blood - Copyright: 2025 Sony Pictures Connect Inc. All Rights Reserved.; 2024 Starz Entertainment, LLC; Victoria Will/Starz/Sony Pictures Television
Jamie Roy & Rory Alexander, Outlander: Blood of My Blood
© 2025 Sony Pictures Connect Inc. All Rights Reserved.; 2024 Starz Entertainment, LLC; Victoria Will/Starz/Sony Pictures Television

Dieses Mal greifen die verschiedenen Geschichten wie selbstverständlich ineinander und das ist einfach herrlich. Ellen gerät mitten in die ersten Vorboten des Jakobitenaufstands, wo sie unerwartet auf Brian trifft, jener wird aus Leathers fortgelockt, damit ungestört eine Hochzeit stattfinden kann, Julia bekommt kurz nach der Eheschließung endlich die Bestätigung, dass Henry sich ebenfalls im 18. Jahrhundert befindet und der beschließt im gleichen Augenblick, wieder zurück durch die Steine zu reisen. Da passiert so einiges und verleiht der Episode viel Schwung.

Luceo Non Uro

Während Ellen längst weiß, wen sie heiraten möchte, laufen die Vorbereitungen für ihre Hochzeit mit Malcolm Grant unaufhaltsam weiter und Mrs. Fitz' Begeisterung für Bettwäsche und die Hochzeitsnacht steht dabei in herrlichem Gegensatz zu Ellens Gesichtsausdruck. Colum möchte die Hochzeit indes so schnell wie möglich über die Bühne bringen und Ellen kann schlecht erklären, dass sie sich längst einem anderen Mann versprochen hat. Besonders schön war der kleine Moment mit Brians Stück Fraser-Tartan. Es ist nur eine Kleinigkeit, macht aber noch einmal deutlich, wie wichtig Brian für sie inzwischen geworden ist. Das Handfasting war für Ellen eben kein romantischer Ausflug während Beltane, den sie nun einfach wieder vergessen kann.

Zum Glück gibt es dieses Mal ein Wiedersehen der beiden, und das ausgerechnet auf der geheimen Versammlung der Jakobiten. Mit der Versammlung, Rob Roy und Dougals Alleingang bringt man einen netten und nicht zu übertriebenen Hinweis auf den Dougal, den wir aus "Outlander" kennen. Ellen wiederum versteht sofort, wie gefährlich Dougals Verhalten für ihre Familie werden könnte. Während die Männer diskutieren, beobachtet sie, denkt voraus und versucht anschließend, die Situation zu kontrollieren. Das kennen wir inzwischen von ihr und trotzdem wird es nicht langweilig. Dass dann auch noch die Rotröcke auftauchen, sorgt dafür, dass aus dem politischen Ausflug ziemlich schnell Ernst wird. Und ausgerechnet Brian ist wieder zur Stelle, wenn Ellen ihn braucht. Für Brian ist die Situation ohnehin kompliziert genug. Er möchte Ellen beschützen, muss ihre Beziehung aber gleichzeitig weiterhin geheim halten. Umso mehr gefällt mir, dass er während der Razzia nicht lange überlegt, sondern handelt. Der Schuss in den Boden ist vielleicht nicht gerade die subtilste Ablenkung, aber effektiv und hatte für mich tatsächlich etwas angenehm Jamie-haftes. Überhaupt bekommt Brian inzwischen langsam die Substanz, die mir zu Beginn noch etwas gefehlt hat. Seine Liebe zu Ellen bleibt natürlich ein wichtiger Teil seiner Figur, aber durch Julia, seine Mutter und vor allem die zunehmende Auseinandersetzung mit Lord Lovat lernen wir immer mehr Seiten von ihm kennen.

Die Konfrontation zwischen Brian und Murtagh musste indes irgendwann kommen. Dass er Brian deshalb nicht gerade freundlich begegnet, kann man vollkommen nachvollziehen. Trotzdem erscheint er passend, dass die Serie daraus keinen übertriebenen Konkurrenzkampf macht. Murtagh ist verletzt und wütend, aber Ellen ist schließlich kein Preis, den einer von beiden gewinnen kann.

Dass die Verbindung von Brian und Ellen indes ans Licht kommt, bringt eine unerwartete Wendung mit sich, denn Lord Lovats Reaktion hat mich beinahe genauso irritiert wie Brian selbst. Dass Lovat grundsätzlich nichts dagegen hat, wenn sein Sohn eine MacKenzie heiratet, ergibt durchaus Sinn. Ellen ist schließlich keine schlechte Partie und noch dazu dürfte ihm der Gedanke gefallen, den Grants damit einen gewaltigen Strich durch die Rechnung zu machen. Dass er die Aussicht auf den daraus entstehenden Skandal geradezu genießt, passt ebenfalls hervorragend zu ihm. Die plötzliche väterliche Begeisterung inklusive Umarmung war mir dann allerdings doch etwas zu viel. Dieser Mann behandelt Brian seit Beginn der Serie bestenfalls wie ein notwendiges Ärgernis und soll nun plötzlich vor Freude beinahe übersprudeln? Selbst Brian weiß offensichtlich nicht so recht, was er davon halten soll. Natürlich steckt hinter Lovats Reaktion keine neu entdeckte Vaterliebe. Für ihn sind Menschen interessant, sobald sie ihm einen Vorteil verschaffen können. Und eine Verbindung zwischen Brian und Ellen könnte genau das tun. Insofern passt die Szene durchaus zu seinem Charakter, auch wenn mir die Inszenierung etwas zu überschwänglich geraten ist.

Je suis prest

Währenddessen hat Julia nach der Geburt ihres Sohnes ein ganz neues Problem, denn Lord Lovat besitzt nun endlich den ersehnten Erben und möchte offenbar auch weiterhin die dazugehörige Ehefrau für sich beanspruchen. Dass Julia und Davina deshalb gemeinsam nach einer Möglichkeit suchen, seine Libido etwas einzubremsen, bringt überraschend viel Leichtigkeit in ihre Geschichte. Nach der extrem düsteren Geburt in der vergangenen Episode tut das ehrlich gesagt ziemlich gut. Allerdings geht mir die neue Vertrautheit zwischen den beiden ein wenig schnell. Noch während der Geburt hat Davina ihre eigenen Erfahrungen und Verletzungen auf Julia projiziert und sich zeitweise an der grausamen Behandlung beteiligt. Nun sitzen die beiden kichernd zusammen und schmieden Pläne gegen Lovat. Ich kann nachvollziehen, warum sie sich inzwischen verbündet haben, aber ein etwas langsamerer Übergang hätte der Entwicklung gutgetan.

Viel wichtiger ist ohnehin, was Julias neue Situation langfristig bedeutet. Lord Lovat hat seinen vermeintlich legitimen Sohn und lässt sogar die Kirchenbücher entsprechend manipulieren. Damit wird William Henry Beauchamp für die Außenwelt zu Simon Fraser und Julia droht endgültig die Kontrolle darüber zu verlieren, wer ihr Sohn eigentlich sein darf. Dass der Pfarrer anschließend beseitigt wird, ist brutal, aber konsequent. Lovat möchte keinen Zeugen zurücklassen, der seine schöne neue Familiengeschichte infrage stellen könnte. Skrupel sind etwas für Schwächlinge könnte seine Lebenseinstellung kaum treffender zusammenfassen. Und damit stellt sich für mich eine ziemlich unangenehme Frage: Was passiert mit Julia, wenn Lovat sie tatsächlich nicht mehr braucht? Ich kann mir gut vorstellen, dass er sie ebenfalls einfach aus dem Weg räumen würde.

In der Zwischenzeit trifft Henry eine Entscheidung, die man rein logisch nur begrüßen kann. Wenn Julia und sein Kind tatsächlich tot sind, gibt es für ihn keinen Grund mehr, im Jahr 1714 zu bleiben, daher möchte er zurück zu den Steinen und zu Claire. Henry weiß schließlich, dass seine Tochter in seiner ursprünglichen Zeit auf ihn wartet. So sehr ihn die vermeintlichen Verluste von Julia und seinem ungeborenen Kind zerstört haben, Claire ist noch da. Und damit hat er plötzlich wieder etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Dass ausgerechnet jetzt Julia den Beweis dafür findet, dass Henry ebenfalls im Jahr 1714 ist, ist natürlich herrlich gemein. Denn seit Julia in der Vergangenheit angekommen ist, lebt sie mit der Vorstellung, dass Henry sich möglicherweise noch immer mehr als 200 Jahre entfernt befindet. Nun hält sie plötzlich einen Brief in der Hand und erkennt seine Handschrift. Henry lebt. Und er ist hier. Dieser Moment funktioniert hervorragend, weil es gar keine große dramatische Inszenierung braucht, Julias Reaktion reicht vollkommen aus. Nach allem, was ihr seit ihrer Ankunft widerfahren ist, darf sie endlich einmal eine Nachricht bekommen, die nicht noch mehr Leid bedeutet. Gleichzeitig verändert dieser Brief ihre gesamte Situation. Bislang bestand ihr Ziel darin, irgendwie zu den Steinen zurückzukehren, aber nun weiß sie, dass Henry irgendwo in derselben Zeit nach ihr gesucht hat. Ich hoffe sehr, dass die Serie daraus nun kein endloses Spiel macht, bei dem die beiden ständig nur wenige Minuten oder Kilometer aneinander vorbeilaufen. Dafür sind wir inzwischen zu weit in der Staffel.

Randnotizen

  • Der Titel "Luceo Non Uro" bedeutet "Ich leuchte, ich brenne nicht" und ist das Motto des Clan MacKenzie. Angesichts einer Episode, in der Ellen einmal mehr versucht, ihre Familie vor den Folgen von Dougals impulsiven Entscheidungen zu bewahren, ziemlich passend.
  • Julia singt für ihren Sohn "I Do Like to Be Beside the Seaside", genau jenes Lied, das später auch Claire kennt. Kurz standen mir die Nackenhaare zu Berge, da ich die Erklärung rund um das Lied in #8.07 Evidence of Things Not Seen der Mutterserie einfach nur unglaublich konstruiert fand. Im Zusammenhang dieser Episode passte es allerdings.
  • Marcus MacRannoch ist ebenfalls kein unbekannter Name. "Outlander"-Fans kennen ihn aus #1.15 Wentworth Prison, wo er Jahrzehnte später Jamie und Claire hilft.

Fazit

Diese Episode gefällt mir deutlich besser als die vergangene. Vor allem tut es der Serie gut, dass Ellen zurück ist und die verschiedenen Geschichten erneut stärker miteinander verbunden werden. Ihre Beziehung zu Brian kam bislang zwar keineswegs zu kurz, nach ihrem Handfasting ist es aber höchste Zeit, dass die Konsequenzen ihrer Entscheidung wieder in den Vordergrund rücken. Insgesamt findet die Episode eine angenehme Balance aus Politik, Romantik, Drama und kleinen "Outlander"-Verbindungen und nach dem Brief in Henrys Handschrift und seinem Entschluss wurde auch in der Geschichte der beiden neues Feuer entfacht.

Marie Müller - myfanbase

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