Bewertung

Review: #3.11 Wie man sich entscheidet

Foto: Jake Johnson, New Girl - Copyright: 2013 Fox Broadcasting Co.; Adam Taylor/FOX
Jake Johnson, New Girl
© 2013 Fox Broadcasting Co.; Adam Taylor/FOX

Nachdem die Serie in der letzten Zeit ein wenig schwächelte und man sich durch immer den gleichen Aufbau der Episoden ein wenig selbst ein Bein gestellt hat, war es höchste Zeit, sich endlich mal wieder alten Stärken zu besinnen. Und das gelang den Autoren mit dieser Folge auch auf weiten Strecken, auch wenn noch immer sehr viel Luft nach oben ist.

"It is time to make your own decisions."

Jess steht vor der beruflichen Entscheidung, ob sie weiterhin Lehrerin bleiben sollte oder einen spannenderen, besser bezahlten Job annehmen sollte. Da sie ihr Leben lang eigentlich nichts anderes als Lehrerin werden sollte und froh ist, nach der Arbeitslosigkeit wieder einen Job im Klassenzimmer gefunden zu haben, zögert sie, eine neue Herausforderung anzunehmen und wendet sich an ihre Freunde in der Bar.

Die Jungs versuchen Jess bei ihrer Entscheidung zu helfen und reminiszieren über ihre eigenen Entscheidungen, die sie einst treffen mussten. Dabei bestärken sich eigentlich nur die aktuellen Charaktereigenschaften, die wir auch in der Serie bislang so kennen gelernt haben. Winston hat es nie geschafft, eigene Entscheidungen zu treffen – seine Karriere als Basketballspieler wurde ihm aufgedrängt, genauso wie seine Entscheidung, mit dem Sport aufzuhören. Er selbst hat nie darüber nachgedacht, was sein Traum war und fügte sich in sein Schicksal, selbst wenn er er nicht gerade glücklich in Litauen war. Coach hingegen glaubt, sein Leben stets selbst in die Hand genommen zu haben und prahlt damit, dass sein Spitzname nur daher rührt, dass er seine Leidenschaft am Ende zum Beruf gemacht hat.

Die Geschichten zeigen eindrucksvoll, was momentan leider für beide Charaktere festzustellen ist: sie sind furchtbar uninteressant. Coach hat weiterhin absolut keine Daseinsberechtigung in der Serie und ist einfach nur anwesend, weil er nicht weiß, was er sonst tun soll. Und Winston bewegt sich einfach nicht vom Fleck, weil er nicht so recht weiß, wohin sein Weg eigentlich führt. Gut, am Ende kündigt er seinen Job, doch ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht mehr daran erinnern, was er überhaupt getrieben hat, wenn er nicht im Loft herumhing.

Schön hingegen ist, dass nach der selbstgewählten Isolation Schmidt es schafft, sich wieder mit seinen Freunden auszusöhnen. Die räumliche Trennung war notwendig für ihn, um nicht auf der Stelle zu treten und ein neues Kapitel in seinem Leben aufzuschlagen, doch man erkennt auch, dass er die Gruppe braucht, um sich wohl zu fühlen. Dies muss jedoch nicht zwangsweise bedeuten, dass sie ständig aufeinander setzen müssen.

Schmidts Geschichte über seine Zeit als Weihnachtbaumverkäufer stellt natürlich die Frage in den Raum, ob die Episode ursprünglich mal als Weihnachtsepisode gedacht war, denn sie verbreitet gerade am Ende fast schon ein wenig Feiertagsgefühl. Natürlich kann Schmidt Jess bei ihrer Entscheidungsfindung auch nicht wirklich weiterhelfen, da seine Basis für eine Entscheidung, sein Leben zu ändern, eigentlich nur darin bestand, endlich eine Frau aufreißen zu können. Dennoch ist es immer wieder witzig, Fat Schmidt zu sehen, auch wenn dieses mal die typischen Fettnäpfchen ausgelassen werden und man schon einmal mehr gelacht hat, wenn es um Rückblickte in Schmidts Vergangenheit geht.

"I wanted to prove to myself that I dropped out of law school because I wanted to be a bartender, not because I couldn't be a lawyer."

Es verwundert kein bisschen, dass einmal mehr Nick Miller die beste Geschichte bekommt. Noch immer stellt seine Veränderung seit den Ereignissen des Staffelfinals das zentrale Element und den roten Faden der aktuellen Staffel da und präsentiert den einstigen Chaoten in einem ganz neuen Licht. Er wirkt ganz plötzlich reifer und erwachsener und das ist nicht alleine Jess zuzuschreiben, sondern einem neuen Selbstvertrauen, das er gefunden hat, nachdem er zugelassen hatte, ein Risiko einzugehen.

Am Ende ist es Cece, die ihrer Freundin klar macht, dass sie das tun sollte, was ihr am meisten Spaß macht und was sie am besten kann – lehren. Sie erinnert Jess an den Beginn ihrer Freundschaft und daran, dass sie damals ihre erste Schülerin war und ihr dabei geholfen hat, ihre Selbstzweifel zu überwinden, indem Jess ihre eigene Schwäche zu einem Vorteil genutzt hat. Es ist unglaublich schön zu sehen, wie tief die beiden verwurzelt sind und man ist sich als Zuschauer plötzlich ganz sicher, dass die beiden wohl immer Freunde bleiben werden, komme was wolle.

Und so entscheidet sich Jess am Ende, Lehrerin zu bleiben und zu versuchen, irgendwann vielleicht einmal Direktorin zu werden. Es ist eine konsequente Entscheidung, weil das Lehramt etwas ist, das Jess liebt. Es ist ihre Berufung, selbst wenn es andere Dinge gibt, die sie interessieren. Sie ist und bleibt Lehrerin.

Nick beglückwünscht sie zu ihrer Entscheidung und gesteht ihr dann etwas, das mich doch durchaus verwundert. Er brach das Jurastudium nicht ab, sondern stellte sich der Abschlussprüfung vor der Anwaltskammer und bestand die Prüfung sogar. Wenn ich mich recht erinnere, bedeutet das, dass Nick sogar eine Zulassung als Anwalt bekommen hat und nicht einfach seine Ausbildung abgebrochen, weil er keine Lust mehr hatte. Vielmehr entschied er sich bewusst dagegen, als Anwalt zu arbeiten, weil er erkannt hatte, dass er nicht der Mensch geworden ist, der er sein wollte. Er wollte etwas tun, was ihm Spaß machte und was ihm das Gefühl gab, im Leben angekommen zu sein. Und das, so gibt er hier zu, ist sein Job als Barkeeper, der vielleicht nicht das große Geld mit sich bringt, ihm dafür jedoch ein gutes Gefühl vermittelt.

Klitzekleine Randnotiz

Es wurde zwar nur beiläufig erwähnt und ob es stimmt, wissen wir Zuschauer am Ende nicht, weil es nicht wirklich bestätigt wird, doch endlich haben wir einen Hinweis auf den richtigen (Vor-)Namen von Coach. Nick nennt ihn während eines Spiels, als er plötzlich aufspringt und dem Team eines glücklosen Winston Anweisungen entgegen brüllt, Ernie. Könnte natürlich auch nur ein kleiner Gag sein, aber für den Moment akzeptiere ich einfach mal den Namen Ernie.

Fazit

Lässt man die Rückblicke einmal außen vor, so könnte man fast schon von einer Bottled Episode sprechen, die die Autoren hier auf die Bildschirme brachten, in denen wenigstens zwei der Charaktere eine kleine Wandlung durchmachen konnten. Dass diese zwei Charaktere einmal mehr Nick und Jess waren, ist vielleicht etwas eintönig, doch man muss leider gestehen, dass es diese beiden sind, die die Serie momentan tragen und alle anderen ein wenig zur Staffage degradiert werden, die für Lacher sorgen sollen, aber immer mehr daran scheitern, überhaupt Interesse beim Zuschauer zu generieren.

Melanie Wolff - myFanbase

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