Bewertung: 9

Review: #2.06 Jackie oder Marilyn

Foto: Melinda McGraw & Jon Hamm, Mad Men - Copyright: 2008 Carin Baer/AMC
Melinda McGraw & Jon Hamm, Mad Men
© 2008 Carin Baer/AMC

Oh nein, wieso muss diese Episode denn jetzt schon zu Ende sein? Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass man irgendwelche Flashbacks aus Dons Vergangenheit zu sehen bekommt, doch dies ist leider nicht passiert. Doch durch all die Szenen mit den Spiegeln wird einem klar, dass viele Charaktere merken, dass sie von anderen Menschen anders wahrgenommen, als sie es wollen und dass dies das Augenmerk der Episode war.

"I'm not gonna talk. I don't want you to cut yourself... Are you ok, Daddy?" - "You know what Sally, I think you better leave me alone."

Am stärksten ist dies an Don zu vernehmen, der in vielen Situationen einfach nur nachdenklich ist und einem komplett verloren vorkommt. Was passiert in seinem Kopf? Worüber grübelt er so? Das habe ich mich in dieser Folge sehr oft gefragt. Zuerst dachte ich, dass der Memorial Day ihn zurück in die Vergangenheit versetzt hat. Als alle Soldaten geehrt wurden und Sally ihren Vater anhimmelt, merkt man sofort, dass Don das alles zuviel wird. Ich habe gedacht, dass ihn diese Situation an den Krieg erinnert und er deswegen so verstört ist. Doch je länger die Episode ging, desto mehr hab ich daran gezweifelt. Spätestens, als Don mit Bobbie im Bett liegt. Er flüchtet aus seinem Leben und sucht woanders Unterschlupf. Er betrügt seine Frau erneut mit dieser unsympathischen Bobbie, die mir langsam wirklich auf die Nerven geht. Ich frage mich immer noch, wieso Don ihr verfallen ist. Doch diesmal hat Bobbie einen Fehler begangen und das freut mich sehr. Sie macht Don darauf aufmerksam, dass er bei vielen Frauen einen ganz besonderen Ruf hat, was ihm gar nicht gefällt, weil er so nicht gesehen werden will. Seine Tochter hält ihn für einen Helden, Bobbie sieht in ihm die gleiche Person, die sie ist. Die Szene am Ende der Episode, als Don mit Sally im Badezimmer ist, hat für Gänsehaut pur gesorgt, denn auch hier hatte ich das Gefühl, dass wir jetzt einen Einblick in seinen Kopf bekommen, doch stattdessen sehen wir einen Don im Spiegelbild, der damit zu kämpfen hat, dass ihn gewisse Menschen anderes sehen, als er sich selbst. Er erkennt, dass einiges in seinem Leben schief läuft und dies seine Gründe hat. Doch wie viel werden wir davon noch erfahren? Ich bin gespannt. Ein sehr starker Moment, der mir sehr gefallen hat und den ich für den stärksten der gesamten Folge halte.

Im Beruf ist Don der kühle Kreativdirektor, der von seinen Mitarbeitern anerkannt wird, ihren Respekt genießt und als erfolgreicher Mann gesehen wird. Doch sobald etwas nicht so läuft, wie er es möchte, flüchtet er – in diesem Fall zu Bobbie. Ich kann mir vorstellen, dass er mit seiner Aussage, sie solle nicht sprechen, verhindern will, in die Realität zurück geholt zu werden. In eine Realität, in der nicht alles so gut läuft, wie es soll. In eine Realität, die alles andere als perfekt ist und die ihn daran erinnert, dass er eigentlich gar nicht der Mann ist, für den ihn seine Tochter hält. Doch Bobbie schafft es mit ihrer Aussage, Don darauf hinzuweisen, dass er einen Fehler macht, dass er nicht das Richtige macht. Ich hoffe, dass die Affäre der beiden hiermit vorbei ist, doch ich bin mir nicht sicher, ob sie nicht doch noch einen Weg zurück in sein Leben findet. Das wird man sehen. Auf jeden Fall hat es mir gefallen, dass Don hier endlich das Richtige macht und abhaut. Ich bin gespannt, wie er jetzt vorgehen wird und welcher Don uns in der nächsten Episode erwartet.

"You want to be taken seriously? Stop dressing like a little girl."

Der zweite Handlungsstrang, in dem es um die Wahrnehmung von anderen geht, ist Peggys Situation in der Agentur. Ihre Mitarbeiter können sie immer noch nicht mit sich gleichstellen, weil sie eine Frau ist, sich aber nicht so verhält. Sie tat mir wirklich leid, als man sie ständig ausgeschlossen hat, doch den Tipp, den Joan ihr gegeben hat, fand ich richtig gut, denn durch Peggys Wandlung könnte ihre Story richtig interessant werden. Entweder sie schafft es nun, sich bei den Männern durchzusetzen und auch besser bei den Kunden anzukommen, oder ihr Vorhaben geht komplett nach hinten los. Ich bin mir nämlich nicht sicher, wie Pete nun handeln wird, nachdem er Peggy diesen Blick zugeworfen hat. Als er sich zuvor mit ihr über das Wochenende unterhalten hat, habe ich mich ernsthaft gefragt, was denn jetzt passiert? Pete plaudert vor sich hin, so als wären sie schon lange Freunde. Doch wir alle wissen etwas, das Pete nicht weiß. Er ist Vater und mit jeder Unterhaltung mit Peggy, erinnert er sie daran. Dass sie Abstand von ihm haben möchte, kann ich sehr gut nachvollziehen und ich fand es gut, wie sie ihn abgewiesen hat. Doch nach ihrem Auftritt im Strip-Club bin ich mir nicht sicher, ob sie ihn noch einmal abweisen kann. Denn wie man hier so schön gesehen hat, ist Pete nicht wirklich ein Kumpel-Typ. Er hält sehr viel von sich, denkt, er sei unabkömmlich für die Agentur und beweist sich selbst, dass er alles haben kann, was er möchte. Dass er mit dem Model schläft, kam für mich sehr überraschend, hat aber gut zur Handlung gepasst, denn es zeigt einen Pete, der viel von sich hält, in Wirklichkeit aber noch einiges lernen und erreichen muss, um richtig anerkannt zu werden. Ich freue mich auf die Entwicklung zwischen ihm und Peggy und hoffe, dass man weiter auf diese Beziehung eingehen wird. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Pete nicht auf Peggys Veränderung reagiert. Sein Blick sah schon sehr vielversprechend aus.

"You've been pitching more to me than you have to clients." - "What does that mean?" - "It means you've been selling their ideas to me more than mine to them."

Die dritte größere Storyline befasst sich mit Duck, über den wir in dieser Folge einiges erfahren. Er war Alkoholiker, seine Frau hat sich von ihm getrennt und hat mittlerweile einen neuen Mann, er hat zwei Kinder und einen Hund, der ihm sehr wichtig ist. Dieser Hund ist es jedoch auch, der ihn am Ende zurück in sein altes Leben holt. Er hat den Hund in die Obhut seiner Familie gegeben, damit diese etwas Stabilität hat, doch als der Hund zurückkehrt, verliert Duck jegliche Stabilität. Er erkennt, wie schlecht sein Leben ist und greift zurück zur Flasche. Die Szene, als er seinen Hund vor die Tür setzt, weil er ihn an sein altes Leben erinnert, hat mir beinahe das Herz gebrochen. Solche Szenen sind es, weshalb ich Tiere ungern in Serien und Filmen sehe, weil sie eine sehr starke emotionale Wirkung haben. Hier war es auch sehr schlimm mit anzusehen, dass Duck sich von seinem geliebten Tier trennt, damit er wieder trinken kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich würde sagen, Duck befand sich an seinem Tiefpunkt und nicht einmal die Versöhnung mit Don konnte ihn davor retten. Das Gespräch der beiden war sehr interessant, vor allem weil ich mir sicher bin, dass Don damit etwas ganz anderes bezweckt. Aber das werden wir noch sehen und momentan frage ich mich, wie lange uns Duck noch erhalten bleibt. Ich finde zwar, er ist ein Charakter, auf den man gut verzichten kann, doch in dieser Folge hat er mir gut gefallen. Ich lasse mich einfach überraschen, in welche Richtung man hier gehen wird.

Fazit

Diese Folge war für mich bisher die spannendste Folge der ganzen Staffel, weil ich es kaum erwarten konnte, zu sehen, was als nächstes passiert. In Gedanken hatte ich mir schon die nächsten Szenen ausgemalt, doch ganz besonders bei Don kam alles anders. Das ist es, warum "Mad Men" mich jedes Mal fesseln kann, denn es kommt irgendwie immer anders, als man denkt.

Alex Olejnik - myFanbase

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