Bewertung: 2
Lowell, Sophia

Glee 03. Showtime

You totally should have been a counselor with us last summer.

Inhalt

Will Schuester möchte in den Sommerferien ein Gasengs-Camp durchführen, bei dem die Glee-Kids als Leiter teilnehmen und so Nachwuchs für die nächsten Schuljahre sichern, damit das Interesse am Show Choir frühzeitig geweckt wird und die Aufmerksamkeit größer ist. Die Idee finden alle toll, nur Rachel hält überhaupt nichts davon, ihre Pläne für die Ferien über den Haufen zu werfen und mit Kindern zu arbeiten. Immerhin muss sie jede freie Zeit nutzen, um ihr Talent voranzubringen, damit sie eines Tages ein großer Star sein wird. Als sie wegen ihrer Absage in einen Streit mit Finn gerät, zieht sie sich eingeschnappt zurück und versucht auf andere Gedanken zu kommen. Als sie Zuhause aber ausrutscht und sich den Kopf stößt, fällt sie in Ohnmacht und es beginnt ein seltsamer Traum, der sie etwa ein Jahr später als erfolgreiche Broadway-Künstlerin zeigt. Für das Schuljahresende fliegt sie mit ihrem Jet nach nach Hause, um an der Schule aufzutreten. Sie muss feststellen, dass sich Einiges geändert hat, seit sie weg ist.

Kritik

Es fällt mir ziemlich schwer, Worte zu finden, die meine Emotionen für dieses Buch ausdrücken. Großer Mist ist wahrscheinlich noch das netteste, was mir dazu einfällt. Aber ganz pädagogisch versuchen wir mal mit dem Positiven anzufangen. Das Buch spielt inhaltlich am Ende der zweiten Staffel, nach den Nationals in New York, und ist immer wieder mit Bezügen zu Entwicklungen oder Situationen aus der TV-Serie gespickt, was mich sehr gefreut hat, weil es dadurch eine schöne Überbrückung der Sommerpause hätte sein können. Doch da fangen die Probleme schon an, denn natürlich wird ein Großteil des Buches schon fertig gewesen sein, während die Staffel noch lief. Wesentliche Details wurden dann eventuell nachträglich geändert. Allerdings wurden auch einige Fehler begangen. So ist Brittany zum Beispiel noch bei den Cheerleadern und Sam schaut noch immer Quinn hinterher. Über solche Dinge ärgert man sich beim Lesen, weil das zeigt, dass die Charaktere offenbar nicht auf dem Stand sind, mit welchen man im Staffelfinale entlassen wurde, was der Zeitpunkt der Romanvorlage aber impliziert. Es wäre also doch besser gewesen, wenn man das Buch einfach zu einem Zeitpunkt hätte spielen lassen, zu dem man sicher sein konnte, was wirklich los ist. Das haben die Vorgänger deutlich besser gemacht.

Die Idee, die Sommerferien zum Schwerpunkt zu machen (zumindest hat das der Buchtitel glauben lassen), fand ich dann eigentlich auch ganz gut und ich habe mich gefreut, nachdem mir das letzte Buch als lockere Strandlektüre doch zugesagt hatte und man gemerkt hat, dass das Prinzip der Romane funktionieren kann. Leider ist es dann aber ganz anders gekommen. Der Roman spielt im Prinzip nur am Montag und Dienstag der letzten Schulwoche, in der Will spontan den Einfall eines Sommercamps hat, zu dem zufällig alle bis auf Rachel auch Zeit hätten. Entschuldigung, aber diese Idee muss doch unter Drogen entstanden sein. Welche Kinder buchen denn so kurzfristig noch für so ein Camp und wieso bitte haben die Glee-Kids überhaupt keine Urlaubspläne? Ich kann mir nicht vorstellen, dass niemand auch nur irgendetwas geplant hat. Das ist unüberlegt und richtig schwach von Sophia Lowell.

Doch es kommt ja noch schlimmer. Statt Geschichten im Camp, über die Organisation oder ähnliches, geht es nur darum, ob Rachel mitmacht oder nicht. Dazu wird das Stilmittel des Zukunftstraumsszenario genutzt, was in Filmen schon kaum funktioniert, im Buch aber noch langweiliger ist. So muss der Leser mit Rachel ein Jahr in die Zukunft reisen und erfahren, was passiert sein soll, weil Rachel nicht im Camp war. Sie ist zum Star am Broadway geworden und hat sogar einen eigenen Jet (na klar, wegen EINER erfolgreichen Rolle), ist aber noch eigensinniger und unangenehmer als je. Sie geht über Leichen und wird von Sue Sylvester gefeiert. Will ist verschollen, Finn ist wieder mit Quinn zusammen, Kurt ist Rachels Assistent, weil sein Broadway-Traum vorerst platzte, und Mercedes ist Captain der Cheerleader. Brittany leitet unterdessen einsam den Glee-Club, weil alle anderen nicht mehr dabei sind. Ach ja, Santana hat auch Karriere gemacht, weil sie im Camp die Tochter eines wichtigen Produzenten kennen gelernt hat. Es ist ein schier endloser Albtraum für den Leser, weil er mit einer absurden Entwicklung nach der anderen konfrontiert wird. Überspitzung mag ja gehen, aber hier wurde von vorne bis hinten über das Ziel hinaus geschossen und man ist beim Lesen einfach nur genervt und frustriert. Die Geschichte macht keinerlei Spaß, weil die Charaktere sich niemals so verhalten würden. Auch die Hoffnung, dass ein, zwei Geheimnisse, die Rachel nicht heraus findet, am Ende doch noch dafür sorgen, dass zumindest ein wenig Sinn enthalten ist, erfüllt sich nicht. Man ist als pflichtbewusster Leser und Rezensent einfach nur froh, wenn man diesen Schund hinter sich gebracht hat.

Ich könnte mich noch endlos über dieses Buch ärgern, aber warum soll ich euch Leser mit zusätzlichen Worten belasten, wenn eines doch klar ist. Die Zeit kann man sich sparen. Das Buch lohnt sich überhaupt nicht. Ach und das Ende kann man sich ja wohl auch denken, denn irgendwann stößt sich Rachel auch in ihrem Traum. Oh Wunder.

Fazit

Man muss schon sehr oberflächlich sein, um diesem Buch etwas Gutes abgewinnen zu können. Die Story ist bestenfalls Beschäftigungstherapie und macht über weite Strecken weder Sinn noch Spaß und als eingefleischter "Glee"-Fan muss man sich doch über Vieles ärgern. Finger weg oder Gehirn abschalten, aber bei Letzterem ist nicht sicher, ob es nach der Lektüre nicht der Dauerzustand bleibt.

Zur Rezension von Band 1 "Glee 01. Wie alles begann"
Zur Rezension von Band 2 "Glee 02. Bühne frei!"

Emil Groth - myFanbase
16.08.2011

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