Bewertung: 9

Review: #1.13 Der Junge, der noch so viel Gutes tun wollte

Foto: Quincy Fouse, Legacies - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Quincy Fouse, Legacies
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Da ist sie nun endlich: Die Episode, die mich voll und ganz in ihren Bann gezogen hat. In #1.13 The Boy Who Still Has a Lot of Good to Do wendet man sich vom typischen Teenie-Highschool-Drama ab und blickt stattdessen tief in die Charaktere hinein. Und siehe da, wenn man der Serie nur die Chance dazu gibt, kann "Legacies" unerwartet ergreifende und mitreißende Geschichten erzählen. Endlich hat man mal das Potential der Charaktere mit ihren so verschiedenen Hintergründen richtig genutzt und thematisiert.

"I'm not evil. I just have to try harder to be good."

Der kleine Roadtrip von MG, Landon und Rafael war doch von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Da reisen sie Hals über Kopf mit einem gestohlenen Auto zu MGs Eltern, obwohl der selbst alles andere als überzeugt von der Idee ist. Das Ganze war um einiges mehr Landon, der nicht mit seinen eigenen Problemen umgehen kann, als dass er MG aufrichtig helfen wollte. Große Überraschung: Die Mutter ist alles andere als entzückt, dass ihr Sohn plötzlich vor der Tür steht. Immerhin wurde er ja zu Alarics Schule abgeschoben, damit sein Vater nicht mit seinem Glauben in Konflikt gerät oder die Nachbarn reden. Ja, das was durch dieses kleine Wiedersehen ans Licht gekommen ist, ist mehr als bitter für MG. Erst seine Mutter, die ihm mehr oder weniger frostig praktisch die Tür vor der Nase zuhaut und dann das Aufeinandertreffen mit seinem Vater, das genauso ablief, wie seine Mutter es prophezeit hat. Denn nach anfänglicher Freude über das Wunder des Überlebens seines Sohnes, schlägt das Ganze schnell in Entsetzen und Unglauben um, als MG sich ihm präsentiert. Man konnte sich schon denken, wohin das führen wird, was es aber nicht leichter gemacht hat, MG dabei zuzusehen, wie er erneut enttäuscht wird und nun auch noch seinen Vater alles vergessen lassen muss. An dieser Stelle muss man Quincy Fouses ergreifende Darstellung von MG hervorheben, der den Löwenanteil der schwierigen Szenen in dieser Folge getragen hat und damit bewies, dass er mehr als nur den lustigen Sidekick spielen kann.

Nur war MGs Horrortag damit noch nicht vorbei und hier fängt es an, für uns spannend zu werden. Während der Ausgang des Familienzusammentreffens praktisch schon vorprogrammiert war, hätte ich nie gedacht, wie sich der Rest des Abends entwickeln würde. MGs schwankende Kontrolle über seine Vampirfähigkeiten wurde nun schon über mehrere Folgen aufgebaut. Doch der Höhepunkt, der für diese Storyline gewählt wurde, war dann doch um einiges eindrucksvoller und einschneidender als ich erwartet hätte. Dass MG vielleicht irgendwann mal die Kontrolle verliert und jemanden tötet, schön und gut, aber dass es tatsächlich einen der Hauptcharaktere trifft (wenn auch nur zwischenzeitlich) war dann doch ein Schockmoment.

Im Nachhinein ist offensichtlich, wie sich die Situation bis zu diesem Punkt immer weiter hochgeschaukelt hat, sodass es eigentlich nicht anders kommen konnte. Landon, der MG überredet, seine Familie überhaupt erst zu besuchen und auch dort nicht locker lässt, sondern ihn immer wieder anstupst, weiter nachzuhaken. Die überdeutliche Ablehnung seiner beiden Eltern, wie ein Schlag ins Gesicht. Und dann Landon und Raf, die im Wald einen Zwischenstopp einlegen müssen. MG ist eh schon außer sich vor Wut und Trauer und sicher auch Enttäuschung und findet in Landon (nicht ganz zu Unrecht) den perfekten Sündenbock. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob die Lage so eskaliert wäre, wenn Landon nicht zu bluten angefangen hätte. Doch er hat geblutet und so schaut man MG dabei zu, wie er Landon aussaugt. An dieser Stelle habe ich nur darauf gewartet, dass sich Raf losreißt und MG angreift, doch das passiert auch nicht. Und plötzlich sind alle Charaktere davon überzeugt, dass Landon tot ist.

Als Zuschauer denkt man sich, dass das doch irgendwie nicht stimmen kann, immerhin ist Landon ja so etwas wie eine Schlüsselfigur mit Malivore. Trotzdem hätte wohl sicher keiner damit gerechnet, dass sich Landon als Phönix herausstellt. Die ganze Verwandlung war sehr eindrucksvoll umgesetzt und man konnte sich wunderbar in die Reihe der staunenden Gesichter einreihen, die da um Landon herumstanden. Jetzt wäre natürlich interessant zu erfahren, ob Landon als Phönix noch mehr kann als von den Toten wiederaufzuerstehen.

Überhaupt war der ganze Aufbau der Folge bis zu Landons Tod hin unglaublich spannend gestaltet. Gemeinsam mit Hope und Co. erfahren wir so Stück für Stück durch Rafs langsam wiederkehrende Erinnerung, was in der vergangenen Nacht vorgefallen ist. Dabei ist von vornherein klar, dass irgendwas schrecklich schief gegangen sein muss, so verstört wie sich Rafael präsentiert. Der hat mir sowieso schrecklich leid getan. Erst muss er ein solches Trauma erleben, dass sich seine Wolfseite beinahe selbstständig macht und wieder daheim wird er von Hope bedrängt. Klar, dass sie sich um Landon Sorgen macht und wissen möchte, was passiert ist. Trotzdem war das in dieser Situation zu viel von ihr.

"I'm your family now."

Von allen Charakteren hat Kaleb in den letzten Episoden wohl die größte Entwicklung durchgemacht. Er hat sich von einem Troublemaker, der mit seiner Art die ganze Geheimhaltung der Schule in Gefahr bringt, zu einem richtig guten Freund entwickelt. Er ist es, dem als Erstes auffällt, dass MG, Landon und Rafael verschwunden sind, und zeigt die gesamte Folge über nichts als Sorge für seinen Freund.

Wieder fällt seine gute Zusammenarbeit mit Alaric auf, obwohl mir in dieser Folge sein Gespräch mit MG im Auto am besten gefallen hat. Denn so aufrichtig und einfühlsam haben wir Kaleb noch nie gesehen. MG ist logischerweise am Boden zerstört, sowohl wegen seiner Familie als auch wegen Landon. Trotzdem gelingt es Kaleb zu ihm durchzudringen und genau das Richtige zu sagen. Er gibt zu, dass seine coole Vampirart zum Teil doch nur gespielt ist. Dass das Vampirdasein auch für ihn ein harter Kampf ist und es wohl für immer bleiben wird. Und vor allem macht er MG klar, dass er nicht alleine ist. Dass er immer auf ihn zählen kann und sie das gemeinsam durchstehen können. Nachdem MG seine Familie und seiner Meinung nach auch seine Schulfreunde mit einem Schlag verloren hat, ist das wohl der einzig wirksame Rettungsanker.

Fazit

Das war eine rundum gelungene Folge, die mit einem spannenden Plot und hochemotionalen Charakterszenen bis jetzt die wohl beste Episode der Serie ist. Mit Landons Enthüllung als Phönix wurde endlich eines der großen Geheimnisse der Staffel gelüftet. Inwieweit sich das Ganze nun auf die Hauptstoryline mit Malivore auswirken wird, bleibt abzuwarten. Eines jedoch ist sicher: Mit den Geschehnissen der heutigen Folge werden sich die Charaktere noch länger auseinandersetzen.

Denise D. - myFanbase

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